Von Suura 18 "Die Höhle“ Aja 74 -

Suura 20 "Ta Ha"

 

75. Da sprach er: „Habe ich dir nicht gesagt, dass du nicht in der Lage sein wirst, geduldig bei mir auszuharren?"212

 212. Ein weiteres Mal weist ihn der fromme Diener Allahs auf die an ihn gestellte Bedeutung hin und erinnert ihn an das, was er beim ersten Mal versprochen hatte. Doch dieses Mal fügt er das „dir" hinzu, um zu betonen, dass es er selbst war, der auf seiner Begleitung beharrte und seine Bedingung akzeptiert hatte. (Qutb)

 

76. (Muusa) sagte: „Sollte ich dich noch ein weiteres Mal über irgend etwas befragen, so lass mich nicht länger dein Gefährte sein. Denn dann wäre der Punkt erreicht, an dem ich dir verzeihen müsste."213

213. Dann hast du völlig recht, dich von mir zu trennen. (Darjabadi)

Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, wird sich dessen bewusst, dass er zweimal wortbrüchig geworden ist und nicht mehr an sein Versprechen gedacht hat, obwohl er bereits einmal ermahnt worden war. So reißt er sich zusammen, um sich nicht selbst den Weg abzuschneiden und um sich eine letzte Chance zu geben. (Qutb)

 

77. So zogen sie also weiter, bis sie eine Stadt erreichten, deren Bewohner sie um Nahrung baten.214 Doch sie weigerten sich, ihnen Gastfreundschaft zu gewähren.215 Und als sie dort eine Mauer landen, die einzustürzen droh da richtete er sie (wieder) auf. (Muusa) sagte: „Wenn du gewollt hättest,216 hättest du Lohn dafür nehmen können!"217

214. Anders als moderne Städte, hatte jener Ort keine Hotels oder Restaurants, und nach der Moralvorstellung der damaligen Zeit wären die Einwohner verpflichtet gewesen, die Fremden zu bewirten und ihnen ihre Gastfreundschaft anzubieten. (Darjabadi)

215. Dies war ein grober Verstoß gegen die gesellschaftliche Norm der damaligen Zeit und wurde gewöhnlich streng geahndet. (Darjabadi)

216. Da ihnen die Gastfreundschaft verweigert wurde, hätten sie als Leute mit Selbstachtung auf irgendeiner Weise ihr Befremden zum Ausdruck bringen sollen. Stattdessen geht Hidr tatsächlich hin und tut eine gute Tat. Er baut für sie eine einstürzende Mauer wieder auf und verlangt nicht einmal ein Entgelt dafür. (Juusuf `Allii)

217. Dann hätten wir diese rücksichtslosen Menschen wenigstens unser Befremden über ihr Verhalten spüren lassen können. (Darjabadi)

 

78. Da sagte er: „Nun muss ich mich von dir trennen.218 Doch ich werde dir die Deutung dessen geben, weswegen du nicht Geduld bewahren konntest.219

218. Wie zuvor vereinbart. (Darjabadi)

219. Nun werde ich dich von der Weisheit, die in den drei Begebenheiten steckt und die du mir übel nahmst, in Kenntnis setzen. In einem Hadis steht: „Allah sei meinem Bruder Muusas, Allahs Segen und Frieden auf ihm, gnädig. Ich wollte er hätte sich in Geduld gefasst, damit uns Allah mehr von ihnen erzählt hätte. Denn wäre bei seinem Gefährten geblieben, so hätte er noch mehr Wundersames zu sehen bekommen". (Safwat Al-Tafaasir)

Die Geschichte und ihre Interpretation ist mit sparsamen Worten wiedergegeben worden. Es lohnt sich, nach ihrem Sinn in Begriffen unserer eigenen inneren und äußeren Erfahrungswelt zu suchen. (Juusuf `Allii)

 

79. Was das Schiff angeht, so gehörte es sehr armen Leuten, die damit ihrem Erwerb auf dem Meer nachgingen.220 Ich wollte es unbrauchbar machen,221 denn es war ein König hinter ihnen her,222 der jede Schiff mit Gewalt an sich nahm.223

220. Sie verdienten damit ihren Lebensunterhalt. (Darjabadi)

221. Wörtlich: „einen Schaden daran verursachen", das heißt es vorübergehend betriebsunfähig zu machen. (Asad)

222. Hidr konnte sehen, was die Eigentümer des Schiffes nicht sehen konnten. (Darjabadi)

223. Die Schiffseigentümer waren sehr froh, vielleicht verarmt, nachdem sie in besseren Verhältnissen gelebt hatten, und verdienten um so größeres Mitgefühl, als sie ehrliche Arbeit dem Betteln vorzogen. Sie konnten nicht wie Hidr wissen, dass ihr Schiff - vielleicht ein neues - von einem Tyrannen dazu ausersehen worden war, beschlagnahmt zu werden, möglicherweise zu kriegerischen Zwecken. Wenn diesen ehrlichen Menschen das Schiff weggenommen werden wäre, dann wäre ihnen wirklich nichts anderes übrig geblieben als zu betteln. Durch einige schlichte Handgriffe wurde es vorübergehend unbrauchbar gemacht und davor bewahrt, beschlagnahmt zu werden. Sobald die Gefahr vorüber war, konnten seine Eigentümer es reparieren. Möglicherweise bezahlte Hidr großzügig für seine Überfahrt, und was grausam erschien, war in Wirklichkeit der größte Freundschaftsdienst, der unter diesen Umständen möglich war. (Juusuf 'Allii)

Dies war ein weit geringerer Schaden als der, der entstanden wäre, wenn jener ungerechte, gewalttätige Herrscher das Schiff beschlagnahmt hätte. (Qutb)

 

80. Und war den Jungen angeht, so hatte er Eltern, die mu’min waren,224 und wir fürchteten,225 dass er sie in Kummer stürzen würde226 durch Auflehnung und Kufr.

224. Und der Junge wäre als Kafir herangewachsen. (Darjabadi)

225. Der Wechsel vom gewöhnlichen Singular „Ich" zum Pluralis majestatis weist auf volle Absicht und Überzeugungskraft des Sprechers hin. (Darjabadi)

Über die wörtliche Bedeutung „wir fürchteten" hinaus bedeutet das Wort “haschinaa“ manchmal auch „wir hatten Grund zu der Befürchtung", dass nämlich ein bestimmtes Ereignis eintrifft. Wir können also mit Recht annehmen, dass der Ausdruck der „Befürchtung" des Weisen gleichbedeutend mit positivem Wissen war, das er durch äußeres Beweismaterial oder durch mystische Einsicht gewonnen hatte, wobei letzteres wahrscheinlicher ist, wie aus seiner Aussage unten in Aja 81 hervorgeht. (Asad)

 

81. So wollten Wir,227 dass ihnen ihr Herr als Ersatz einen (Sohn) gibt, der reiner und gütiger zu ihnen ist als er.228

226. Wegen ihrer großen Liebe zu ihm. (Darjabadi)

Auf den ersten Blick schien diese Handlung noch grausamer als das Versenken des Schiffes. Aber auch die Gefahr war größer. Hidr wusste, dass dieser junge Bursche ein potentieller Elternmörder war. Seine Eltern waren ehrwürdige, mutaqi Leute, die ihn mit viel Liebe aufgezogen hatten. Anscheinend ist er dann auf Abwege geraten. Siehe auch Fußnote 229. (Juusuf 'Allii)

227. Indem wir dem Leben des Jungen ein Ende machten. (Darjabadi)

228. Dieser Sohn war praktisch ein Gesetzloser, eine Gefahr für die Öffentlichkeit und eine besondere Sorge für seine rechtschaffenen Eltern. Dennoch wäre diese summarische Bestrafung ungerechtfertigt gewesen, wenn Hidr aus eigenem Antrieb gehandelt hätte. Aber Hidr handelte nicht aus eigenem Antrieb: siehe den letzten Teil des folgenden Ajas. Auch der Plural „wir" deutet darauf hin. Er handelte mit höherer Vollmacht und beseitigte eine öffentliche Gefahr, die den Eltern ständig Trauer und Demütigungen bereitete. Diesen wurde ein Sohn versprochen, der sich besser verhalten und sie liebevoll umsorgen würde. (Juusuf 'Allii)

Wenn die Angelegenheit auf menschliches Wissen beschränkt geblieben wäre, dann wäre nur der äußere Anschein zum Tragen gekommen, und er hätte keine Ermächtigung gegen ihn gehabt, nachdem er sich nichts zuschulden kommen ließ. Niemandem außer Allah oder einem besonders von Ihm bevollmächtigten und beauftragten Diener steht es zu, über verborgene Natur eines Menschen zu urteilen. Dazu gehört mehr Wissen als der äußere Anschein, wie es auch für die Anwendung des Rechts notwendig ist. (Qutb)

 

82. Und was die Mauer229 angeht, so gehörte sie zwei Waisenknaben aus der Stadt, und darunter ein Schatz,230 der ihnen beiden gehörte.231 Und ihr Vater war immer ein tugendhafter (Mann) gewesen,232 und dein Herr wünschte, dass sie ihre Volljährigkeit erreichen233 und ihren Schatz selbst herausholen sollten - als eine Gnade deines Herrn. Ich habe (all) das nicht aus eigenem Ermessen getan.234 Dies ist die Deutung dessen, was du nicht geduldig ertragen konntest."235

229. Die ich ohne Entgelt wieder aufgerichtet hatte. (Safwat Al-Tafaasir)

230. In der Erde vergraben. (Darjabadi)

231. Den er ihnen als Erbe hinterlassen hatte. Wahrscheinlich wäre dieser Schatz sichtbar geworden, wenn die Mauer eingestürzt wäre, und jene gierigen und geizigen Leute, die den Reisenden gegenüber ihr wahres Gesicht gezeigt hatten, hätten ihn gestohlen. (Asad)

232. Der Schatz war von einem rechtschaffenen Mann zusammengetragen und dort vergraben worden. Er war in keiner Weise unrechtmäßig erworben, und der Vater hatte ihn ausschließlich im Interesse seiner nun verwaisten Kinder vergraben. Beabsichtigt war, dass die Waisen volljährig werden und dann in den Genuss ihres Erbes kommen sollten. Ebenso war zu erwarten, dass sie rechtschaffene Menschen wie ihr Vater werden würden, so dass sie den Schatz für gute Zwecke verwenden und die Sache der Rechtschaffenheit in dieser bösen Stadt fördern würden. In allen drei Fällen waren also die Interessen einzelner mit öffentlichen Interessen verknüpft. (Juusuf 'Allii)

In diesem Satz liegt ein Hinweis darauf, dass die Taten eines tugendhaften Menschen für seine Nachkommen aufbewahrt werden. Der Segen seiner Handlungen umfasst sie sowohl im Diesseits als auch im Jenseits durch seine Fürbitte, die er für sie einlegen darf. (ibn Kasir)

233. „Das Alter ihrer Vollkraft": vergleiche auch Suura 17:34 und die entsprechende Fußnote. (Juusuf 'Allii)

234. Wer nicht aus Willkür oder eigenen Impulsen handelt, sondern mit höherer Autorität, der ist dem Tadel der Masse für Handlungen größter Weisheit und Nützlichkeit ausgesetzt. Auf menschlicher Ebene ist vieles unerklärlich, was auf universaler Ebene höchster Weisheit entspricht. (Juusuf 'Allii)

Ich tat alles nach Allahs Anweisung. (Darjabadi)

Alles, was er getan hatte, geschah unter dem Antrieb der höheren Wahrheit - der mystischen Einsicht, die ihm die Wirklichkeit hinter den äußeren Erscheinungsformen offenbarte und ihn zu einem bewussten Teil in Allahs unerforschlichem Plan machte. Dies erklärt auch den Plural „wir" in den Ajas 80-81 sowie die direkte Rückführung einer konkreten menschlichen Handlung auf Allahs Willen in Aja 82 oben. (Asad)

235. Ein ernsthaftes Problem stellt sich in Verbindung mit dieser Geschichte: zwei der drei Handlungen Hidrs verletzten offensichtlich die Gebote, die seit der Schöpfung des Menschen in Kraft sind. Kein Gesetz gibt irgendjemandem das Recht, dem Eigentum eines anderen Schaden zuzufügen oder einen Unschuldigen zu töten, selbst dann nicht, wenn durch Offenbarung gekannt würde, dass ein Tyrann ein bestimmtes Schiff beschlagnahmen oder ein gewisser Junge in Kufr und Rebellion verstrickt werden würde. Wenn wir also antworten, Hidr habe diese Handlungen auf Allahs Geheiß hin begangen, dann ist damit das Problem nicht gelöst, denn die Frage ist nicht „Auf wessen Geheiß hat Hidr diese Taten begangen?" sondern „Was war das Wesen dieser Befehle?" Dies ist wichtig, denn Hidr handelt nach Allahs Gebot, wie er auch selbst sagt. Dass er nicht aus eigenem Antrieb handelte, sondern durch Allahs Gnade dazu bewegt wurde, Allah selbst bezeugt, indem Er sagt: „Wir gaben ihm Wissen von Uns Selbst." Die Frage nach dem Wesen der Gebote bleibt jedoch immer noch offen, denn offensichtlich waren sie nicht rechtmäßig, weil es nach keinem Gesetz Allahs und auch nach den Grundsätzen des Qur’an nicht erlaubt ist, jemanden ohne Nachweis seiner Schuld zu töten. Wir müssen also zugeben, dass diese Gebote zu jenen Entscheidungen Allahs gehören, nach denen sich ein Kranker erholt, während ein anderer stirbt. In diesem Falle müssen wir zu der Schlussfolgerung kommen, dass Hidr ein Engel oder ein ähnliches Geschöpf Allahs war, der nicht an die Gesetze gebunden ist, die für Menschen gelten. Die Frage nach rechtmäßig oder unrechtmäßig in diesem Sinne stellt sich für Engel nicht, denn sie gehorchen Allahs Befehlen, ohne persönliche Macht zu haben. Auch aufgrund von Inspiration oder Intuition darf ein Mensch nicht dem Gesetz zuwiderhandeln, und niemand kann sich darauf berufen, auf geheime Weise über die Weisheit einer unrechtmäßigen Handlung informiert und durch Inspiration dazu aufgefordert worden zu sein. (Maududi)

 

Abschnitt 11

83. Und sie befragen dich über Sul-Qarnain.236 Sprich: „Ich will euch etwas von seiner Geschichte berichten.“237

236. Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Frieden auf ihm, wurde nach der Geschichte dieses Mannes gefragt und Allah offenbarte ihm das, was wir hier lesen. Eine andere Quelle als den Qur’an haben wir diesbezüglich nicht. Somit steht uns nicht zu, sie ohne genaueres Wissen auszudehnen. Und obwohl es in einigen Qur’ankommentaren manche Erzählungen darüber gibt, müssen wir feststellen, dass sie sich auf keine Gewissheiten stützen. Daher sollten sie mit Vorsicht genossen werden. (Qutb)

Wörtlich: „der Zweihörnige", der König mit den beiden Hörnern oder der Herrscher der beiden Zeitalter. Wer war er? In welcher Zeit oder wo lebte er? Der Qur’an gibt uns kein Material, auf das wir eine positive Antwort aufbauen könnten. Dies ist auch nicht notwendig, denn die Geschichte hat hier die Funktion einer Parabel. Der Volksglaube identifiziert Sul-Qarnain, Allahs Segen und Frieden auf ihm, mit Alexander dem Großen, einem antiken Perserkönig oder einem prähistorischen Himjaritenkönig. Sul-Qarnain, Allahs Segen und Frieden auf ihm, war ein äußerst mächtiger König, aber es war Allah, der ihm Seinem allumfassenden Plan entsprechend die Macht verliehen und ihn mit den Mitteln ausgestattet hatte, seine Aufgabe zu erfüllen. Er herrschte über Ost und West und über Völker verschiedener Kulturen. Er war gerecht und rechtschaffen, nicht gierig oder eigennützig. Er schützte die Schwachen und strafte die Gesetzlosen und die Gewalttätigen. Im Text werden drei seiner Expeditionen geschildert, die jeweils einen großen ethischen Gedanken veranschaulichen, der mit Herrschaft oder Macht verbunden ist. (Juusuf `Allii)

Das einleitende „und" verbindet diese Geschichte mit den beiden vorigen von den Schläfern in der Höhle und von Muusa und Hidr, Allahs Segen und Frieden auf ihnen beiden. Alle drei waren Antworten auf herausfordernde Fragen der kafir Mekkaner, die nach Rücksprache mit Juden und Christen den Prophet Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, auf diese Weise „testen" wollten.

Die Identität Sul-Qarnains, Allahs Segen und Frieden auf ihm, hat zu zahlreichen Kontroversen geführt. Im allgemeinen haben die Kommentatoren angenommen, er sei Alexander der Große, aber die Eigenschaften, die der Qur’an erwähnt, sind auf diesen nicht anwendbar. Es kann sich auch um Cyrus gehandelt haben, aber die bisher erforschten historischen Tatsachen machen eine endgültige Aussage unmöglich. Vergleiche hierzu die Vision Daniels in Daniel 8:3-20. Cyrus ist der einzige antike Herrscher und Eroberer, der selbst von seinen Feinden seiner Gerechtigkeit wegen gelobt wurde, und der im Buch Esra in der Bibel als Gottesdiener bezeichnet wird. (Maududi)

237. Wörtlich: „ich werde euch eine Erinnerung (oder Erwähnung) von ihm übermitteln", das heißt etwas, das der Erwähnung wert ist. Dies spielt meiner Ansicht nach auf den parabolischen Charakter der folgenden Geschichte an sowie auf die Tatsache, dass sie wie die vorige Geschichte von Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, und dem unbekannten Weisen auf einige wenige grundlegende geistige Wahrheiten beschränkt ist. Das Wort „Qarn" bedeutet sowohl „Horn" als auch „Zeitalter" oder „Generation". Die klassischen Kommentatoren neigen zu ersterer Interpretation („der Zweihörnige") und scheinen damit von der altorientalischen Vorstellung von „Hörnern" als Symbol für Macht und Größe beeinflusst zu sein, obwohl der Qur’an selbst keine Grundlage für diese Interpretation bietet. Vielmehr erscheint der Betriff „qarn" oder dessen Plural „quruun" abgesehen von der Verbindung in dieser Suura zwanzigmal, und zwar immer in der Bedeutung „Generation" im Sinne von Menschen, die einem bestimmten Zeitalter und einer bestimmten Kultur angehören. Da die Allegorie von Sul-Qarnain, Allahs Segen und Frieden auf ihm, die Eigenschaften eines gerechten und mächtigen Herrschers veranschaulichen soll, ist es möglich, dass es sich bei dieser Bezeichnung um ein Echo der alten Symbolik handelt. In diesem Zusammenhang könnten die beiden Hörner die beiden Quellen der Macht bezeichnen, die Sul-Qarnain zur Verfügung gestanden haben sollen, nämlich irdische Macht und Herrschaft sowie die geistige Kraft, die aus seinem Iman an Allah stammt. Aufgrund letzterer ist es durchaus möglich, dass diese Allegorie nichts mit Geschichte oder auch nur mit Legenden zu tun hat und dass einziges Ziel das ist, Iman und Ethik mit besonderer Bezugnahme auf das Problem irdischer Macht zu erläutern. (Asad)

 

 

84. Wahrlich, Wir statteten ihn mit Macht und Ansehen auf Erden aus und gaben ihm in jeder Hinsicht Mittel und Wege.238

238. Das heißt Wissen oder die Mittel zum Wissen. (Safwat al Bajaan)

„Sabab": „Mittel und Wege (in allen Dingen)". Seine Macht war groß und ebenso seine Möglichkeiten, die er für die Gerechtigkeit einsetzte. Er erkannte jedoch, dass Macht und Möglichkeiten ihm von Allah anvertraut waren. Er war mu’min und vergaß Allah nicht.

(Juusuf `Allii)

„Sabab" bedeutet in diesem Zusammenhang die Kenntnis der richtigen Mittel, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. (Asad)

 

85. So bediente er sich dieser Mittel,239

239. Wörtlich: „er folgte dem (rechten) Mittel", das heißt er wandte niemals falsche Mittel an, um ein an sich gerechtes Ziel zu erreichen. (Asad)

 

86. Bis er den Sonnenuntergang erreichte,240 und es erschien ihm,241 als ob sie In einer schlammigen Quelle unterging.242 Und er stieß dort auf ein Volk.243 Wir sprachen:244 „O Sul-Qarnain! Du kannst sie entweder bestrafen oder ihnen Gutes zuteil werden lassen."245

240. Dies bedeutet, dass er den entferntesten Punkt in westlicher Richtung, zu dem er je reisen konnte, erreichte, und zwar auf der Erde und nicht im Himmel,, wie manche Erzähler behaupten. (ibn Kasir)

Dies ist die Stelle am Horizont, hinter der sich die Sonne für den Zuschauer versteckt, was natürlich für jeden verschieden ist. Während für die einen diese Stelle hinter einem Berg liegt, ist sie für die anderen hinter Ozeanen oder Meeren oder hinter den Sandflächen in der Wüste. (Qutb)

Die Stelle, an der die Sonne untergeht. (Al-Dschalalain)

Das äußerste westliche Ende der zu seiner Zeit bewohnten Erde. (Safwat Al-Bajaan)

Die erste der drei hier erwähnten Episoden ist seine Reise nach Westen. „Am Untergang der Sonne ankommen" bedeutet nicht, dass er den äußersten Westen erreicht hatte, denn so etwas gibt es nicht. Osten und Westen sind relative Begriffe. Es bedeutet, dass die Expedition nach Westen durch eine „schlammige Quelle" ein Ende fand. Dies hat die Kommentatoren verwirrt, und sie haben dies für den finsteren, stürmischen Ozean gehalten.

241. „Wadschada" hat zwei verschiedene Bedeutungen: „er fand" und „er nahm wahr". Hier ist es in letzterem Sinne gebraucht, so dass der Satz bedeutet: „es erschien ihm, als ob die Sonne... unterging". (Darjabadi)

242. Wie es dem, der sich auf dem Meer befindet, erscheint, dass die Sonne hinter dem Ozean untergeht, so erschien es Sul-Qarnain, als ob die Sonne in einer finsteren tiefen Grube unterginge. (Asad)

Das wahrscheinlichste ist, dass dies eine Flussmündung war, an der sich das Gras häuft. Dort steht meistens ein klebriger Schlamm. (Qutb)

“'Ayn“ bedeutet in erster Linie „Quelle"; es bedeutet aber auch „Wassermenge". „Wadschadahaa" habe ich mit „es schien ihm, als ob (sie unterging)" übersetzt. Vergleiche Rasi und ibn Kasir, die beide drauf hinweisen, dass es sich hier um eine Metapher handelt, die auf der optischen Täuschung beruht, dass die Sonne „im Meer versinkt", und Rasi erklärt dies ganz korrekt damit, dass die Erde rund ist (seinen Angaben zufolge wurde diese Klärung bereits in dem -jetzt verloren gegangenen - Qur’ankommentar von Abu `All Al-'Ubayy, einem mu`tasilitischen Gelehrten zu Beginn des 10. Jahrhunderts n. Isa., angeführt). (Asad)

243. Ein mächtiges Volk. (ibn Kasir)

Ein frevelhaftes Volk. (Al-Dschalalain)

Ein Volk, das ungerechte Handlungen aller Art beging. (Asad)

244. War dies eine Offenbarung von Allah oder erkannte er die Lage der Dinge, als Allah ihn gegen dieses Volk einsetzte? (Qutb)

245. Nachdem Allah ihn die Macht über sie gewinnen ließ und er sie besiegte, stellte Er ihn vor die Wahl, sie entweder zu töten oder gefangen zu nehmen, oder aber ihnen die Freiheit zu schenken. (ibn Kasir)

Er war mächtig und hatte große Möglichkeiten. Hier bekam er Autorität über ein wildes, unruhiges Volk. Würde er mit den Menschen streng umgehen und sie strafen, oder würde er um jeden Preis Frieden suchen, das heißt Gewalt und Unrecht tolerieren, solange sie nicht an seiner Macht rüttelten? Er wählte noch etwas Besseres, wie aus dem nächsten Aja hervorgeht. Um die Schwachen und Unschuldigen zu schützen, strafte er die Schuldigen, aber der dachte stets daran, dass die wahre Strafe im zukünftigen Leben fällig wird - die wahre und endgültige Gerechtigkeit vor Allahs Thron. (Juusuf `Allii)

Diese Erlaubnis Allahs, zwischen zwei möglichen Vorgehensweisen zu wählen, ist nicht nur ein Ausdruck für die Willensfreiheit, die Allah dem Menschen gegeben hat, sondern begründet auch das wichtige Rechtsprinzip des „Istichsaan" (Suche nach der am besten durchführbaren Möglichkeit), das einem Regierenden ermöglicht zu entscheiden, was zum größten Nutzen der Gesellschaft führt. Dies ist die erste „Lehre" aus dieser Geschichte. (Asad)

 

87. Und er sprach:246 „Was den angeht, der unrecht getan hat, so werden wir ihn alsbald bestrafen. Alsdann wird er zu seinem Herrn zurückkehren,247 und Er wird ihn einer entsetzlichen Strafe unterwerfen.248

246. Hier proklamiert Sul-Qarnain, Allahs Segen und Frieden auf ihm, sein Grundgesetz, das er in den Ländern anwendete, die er erobert und die Allah seiner Macht unterstellt. (Qutb)

Vergleiche Suura 11:117 und die entsprechende Fußnote. (Asad)

247. Obwohl er der mächtigste König war, erinnerte er sich daran, dass seine Macht nur menschlich war und dass sie von Allah stammte. Seine Strafmaßnahmen waren nur vorübergehend, um das Gleichgewicht dieses Lebens zu erhalten, soweit er es wahrnehmen konnte. Selbst wenn es sich um die Todesstrafe handelte, war dies nicht zu vergleichen mit den geistigen Folgen eines Verbrechens gegenüber Allahs endgültiger Gerechtigkeit.

(Juusuf `Allii)

 

248. In der Hölle. (Al-Dschalalain)

Das heißt im zukünftigen Leben. Nichts, was damit verbunden ist, kann jemals in menschlichen Begriffen oder Vorstellungen ausgedrückt werden. (Asad)

 

88. Und was den angeht, der gute Werke getan hat, dem soll eine schöne Belohnung zuteil werden, und unsere Gebote, die Wir ihm erteilen, werden leicht (erfüllbar) sein."249

249. Da rechtschaffenes Handeln eine Norm ist, die vom Menschen zu erwarten sein sollte, dürfen die darauf bezogenen Gesetze nicht zu große Anforderungen stellen. Dies ist eine weitere Lehre, die wir aus dieser Parabel ziehen sollen. (Asad)

Er sagte niemals wie Pharao: „Ich bin euer höchster Herr" (vergleiche Suura 79:24). Ganz im Gegenteil waren seine Strafmaßnahmen bescheiden mit Rücksicht darauf, dass sie nicht endgültig waren, und er legte mehr Gewicht auf das Gute, das er denen tun konnte, die in Rechtschaffenheit ein normales Leben führten. Er missbrauchte seine Macht nicht, um ihnen schwere Verpflichtungen aufzuerlegen, sondern gab Reichen und Armen gleichermaßen die Möglichkeit, ihre guten Fähigkeiten zu üben. Diese geistige Lehre ist aus der ersten Episode dieser Geschichte zu entnehmen. (Juusuf `Allii)

Dies sind die Grundsätze jeder mutaqi Regierung. Ein jeder rechtschaffene Mu’min sollte sowohl Edelmut als auch Erleichterungen bei seinem Herrscher finden. Einem ungerechten Missetäter hingegen muss die schärfste Bestrafung zugewiesen werden. (Qutb)

 

89. Alsdann250 schlug er einen (anderen) Weg ein,251

250. Der Partikel “Tummach“ wird meistens als eine Konjunktion gebraucht, die eine zeitliche oder ordnungsmäßige Abfolge bezeichnet (dann, danach, daraufhin und so weiter, gelegentlich aber auch als gewöhnliche Verbindung wie "und". In einem anderen Zusammenhang -wie es im Qur’an sehr oft vorkommt - hat es die Bedeutung einer wiederholten Betonung, Eine Anspie­lung auf etwas, das bereits festgestellt wurde und jetzt wiederum hervorgehoben werden soll. (Asad)

251. Diesmal ging die Reise nach Osten. (Darjabadi)

 

90. Bis er den Sonnenaufgang erreichte252 und er fand, dass sie über einem Volk aufging, für das Wir keinen Schutz vor ihm geschaffen hatten.253

252. „Sonnenaufgang" hat eine Bedeutung analog zu „Sonnenuntergang" in Aja 86; siehe die entsprechende Fußnote. (Juusuf `Allii)

Dies ist der östlichste Punkt seiner Expedition. (Asad)

253. Sie hatten weder Schutz in Form von Kleidung noch in überdachten Behausungen. Ihr Land konnte keine Gebäude tragen, so verkrochen sie sich tagsüber in unterirdischen Gewölben, die sie erst am Nachmittag verließen. (Al-Dschalalain)

Es muss sich dabei um ein offenes, bloßes Land gehandelt haben, wo es keinen Schutz vor der Sonne gab, weder Berge noch Bäume, so dass die Menschen unmittelbar der Sonneneinstrahlung ausgesetzt waren. Diese Beschreibung trifft auf Wüsten und weite ungeschützte Landstriche zu, jedoch kann mit diesen Angaben das Land geographisch nicht lokalisiert werden; wir wissen nur, dass es im fernsten Osten gelegen haben muss. (Qutb)

Die Menschen führten ein einfaches Leben. Möglicherweise herrschte dort ein heißes Klima, so dass sie weder Dächer noch viel Kleidung brauchten. Wie verfuhr er mit Ihnen?

(Juusuf `Allii)

 

91. So war es.254 Wir umfassten all seine Angelegenheiten mit Wissen.255

254. „So (wie Wir sie erschaffen hatten, so verließ er sie)" - dies ist Rasis Interpretation des allein stehenden Ausdruckes „kadaalika" („so" oder „so war es"), wie er hier verwendet wird. Dies bezieht sich offensichtlich auf den primitiven Zustand dieser Menschen, die keine Kleider brauchten, die sie vor der Sonne schützten, und auf die implizierte Tatsache, dass Sul-Qarnain, Allahs Segen und Frieden auf ihm, sie so zurückließ, wie er. sie gefunden hatte, sorgsam darauf bedacht, nicht ihre Lebensweise zu stören und sie ins Elend zu stürzen. (Asad)

255. Er machte viel Aufhebens über ihren primitiven Zustand, sondern ließ sie in Frieden, so dass sie auf ihre eigene Weise ihr Leben führen konnten. Damit verhielt er sich weise. Macht verführt zu Intoleranz und Arroganz und zur Einmischung in alles, was nicht im Einklang mit der eigenen Größe steht. Dies war bei Sul-Qarnain, Allahs Segen und Frieden auf ihm, nicht der Fall. Er erkannte seine eigenen Grenzen vor Allah. Der Mensch begreift seine eigene Position niemals vollkommen; wenn er aber ehrfürchtig zu Allah aufschaut, wird er leben und leben lassen. Dies ist die geistige Lehre aus der zweiten Episode. (Juusuf `Allii)

Nachdem zuvor Su1-Qarnain, Allahs Segen und Frieden auf ihm, seine Grundsätze proklamiert hatte, werden sie hier nicht wiederholt, auch nicht die Art seines Handelns auf seiner östlichen Reise, da sie hinlänglich bekannt ist. (Qutb)

Allah wusste alles über Sul-Qarnain, Allahs Segen und Frieden auf ihm, und auch über sein Heer, so immer sie sich auch befinden mochten. (ibn Kasir)

 

92. Als dann schlug er (wieder) einen (anderen) Weg ein,256

256. Diesmal ist keine Richtung angegeben. (Darjabadi)

 

93. Bis er, als er (eine Gegend) zwischen zwei Gebirgen erreichte,257 unterhalb von ihnen ein Volk vorfand, das kaum ein Wort verstehen konnte.258

257. „Sadd" bedeutet sowohl „Barriere" als auch „Gebirge". Letzteres ist hier gemeint. (Darjabadi)

Es waren zwei Gebirge, die parallel zueinander verliefen, und von deren Öffnung aus Dschuudsch und Maadschuudsch das Land der Türken überfielen. Dabei stifteten sie viel Unheil und machten alles dem Erdboden gleich. (ibn Kasir)

Es wird vermutet, dass es sich hier um den Kaukasus handelte. Da jedoch weder im Qur’an noch in authentischen Überlieferungen etwas über die geographische Lage dieser beiden „Gebirgsbarrieren" oder die dort lebenden Völker ausgesagt ist, können wir beruhigt alle Spekulationen der Kommentatoren zu diesem Thema als irrelevant beiseitelassen, zumal die Geschichte lediglich bestimmte ethische Prinzipien veranschaulichen soll. (Asad)

258. Dies soll nicht bedeuten, dass sie keine Sprache hatten. Sie verstanden lediglich nicht die Sprache der Eroberer. Diese hatten jedoch Dolmetscher bei sich. (Juusuf `Allii)

Da ihre Sprache unverständlich war und sie sich von den Menschen fernhielten. (ibn Kasir)

Es war ein zurückgebliebenes Volk. (Qutb)

 

94. Sie sagten: „O Sul-Qarnain! Wahrlich, Dschuudsch und Maadschuudsch259 stiften Unheil auf Erden.260 Sollen wir dir also Tribut zahlen, damit du zwischen uns und ihnen einen Wall errichtest?"

259. Sie sahen in ihm den mächtigen Eroberer und erkannten Rechtschaffenheit in ihm. Deshalb baten sie ihn, sie vor den Angreifern Dschuudsch und Maadschuudsch zu schützen. (Qutb)

Wer waren die Völker Dschuudsch und Maadschuudsch? Diese Frage ist eng mit der Frage nach Sul-Qarnains, Allahs Segen und Frieden auf ihm, Identität verknüpft. (Juusuf `Allii)

260. Indem sie plündern und zerstören und unser Land verwüsten. (Darjabadi)

Verschiedene Völker aus Innerasien sind im Laufe der Zeit mit Dschuudsch und Maadschuudsch identifiziert worden. (Maududi)

Die beiden Völker werden in der Bibel (Genesis 10:2; 1. Chronik 1:5; Hesekiel 33:2 und 39:6; Johannesoffenbarung 20:8) andeutungsweise erwähnt. Die meisten nachklassischen Kommentatoren identifizieren sie mit den Mongolen oder Tataren. (Asad)

 

95. Da sagte er: „Das, womit mich mein Herr versehen hat, ist weitaus besser.261 So helft mir also mit (eurer Arbeitskraft. Ich will zwischen euch und ihnen einen Schutzwall errichten.262

261. Gemäß seinen frommen Grundsätzen Schluss er ihr Angebot, Tribut zu zahlen, zurück. Stattdessen baute er ihnen den Wall unentgeltlich. (Qutb)

Sul-Qarnain, Allahs Segen und Frieden auf ihm,  war nicht gierig und wollte nicht, dass von diesem fleißigen Volk ein Tribut erhoben wurde. Er verstand, dass mit der Macht, die Allah ihm gegeben hatte, Pflichten und Verantwortung seinerseits verbunden waren - die Pflicht, seine Untertanen zu schützen, ohne ihnen eine zu große Steuerlast aufzuerlegen. Er würde die Antriebskraft und das organisatorische Geschick zur Verfügung stellen. Würden sie ihm dann gehorchen und Material und Arbeitskraft beitragen, so dass sie die Lücke mit einer starken Barriere und möglicherweise gut gesicherten Toren schließen konnten? Das Wort „Radm" bedeutet nicht unbedingt „Wand", sondern eher eine blockierte Tür.

(Juusuf `Allii)

Allgemein wird angenommen, dass der Satz „das, was mein Herr mir gegeben hat, ist besser" sich auf seine Macht und seinen Reichtum ziehen. Viel wahrscheinlicher ist jedoch - und sicherlich mehr im Einklang mit dem Tenor dieser Parabel - dass es sich auf Allahs Rechtleitung bezieht. (Asad)

262. Sie sollten ihm nur mit ihrer materiellen sowie ihrer Muskelkraft helfen. (Qutb)

Diese Menschen unterschieden sich in Sprache und Nationalität von ihren Eroberern, waren jedoch nicht ganz primitiv, denn sie konnten Metall bearbeiten und Blöcke aus Eisen herstellen sowie Blei schmelzen. Allem Anschein nach handelt es sich um ein fleißiges, friedliebendes Volk, das unter den Einbrüchen von Dschuudsch und Maadschuudsch sehr zu leiden hatte. (Juusuf `Allii)

 

96. Schafft mir Blöcke aus Eisen her bei."263 Als er dann den Platz zwischen den beiden Abhängen ausgefüllt hatte, sagte er: „Facht (es) an!"264 Und als er es schließlich zum Glühen gebracht hatte, sprach er: „Bringt mir geschmolzenes Kupfer herbei,265 damit ich es darüber gießen kann."

263. Die er in der Öffnung zwischen den beiden Bergen auftürmte. (Qutb)

Meinem Verständnis nach handelt es sich um eine starke Eisenbarriere mit eisernen Toren, deren Pfosten aus Eisenblöcken bestanden und deren Zwischenräume mit geschmolzenem Blei gefüllt wurden, so dass sie eine undurchdringliche Metallmasse bildeten. Möglicherweise gab es auch eine Steinmauer, aber das wird nicht erwähnt. (Juusuf `Allii)

264. „(Entzündet ein Feuer) Und blast mit euren Blasebälgen". (Asad)

„Sie machten es (rot) wie Feuer": worauf bezieht sich das „es"? Wahrscheinlich auf das Eisen, das in Blöcken oder Barren mit dem geschmolzenen Kupfer verschweißt werden sollte. (Juusuf `Allii)

265. Wenn Eisen mit geschmolzenem Kupfer durchsetzt wird, verleiht ihm das noch mehr Stärke. Diese Methode wird neuerdings angewendet, nachdem man entdeckt hat, dass die Härte des Eisens damit vervielfacht werden kann. (Qutb)

 

97. So konnten sie es weder übersteigen, noch konnten sie es durchbohren.266

266. Die eiserne Wand mit ihren Toren und Türmen war hoch genug, dass sie nicht erstürmt werden konnte, und stark genug, dass sie nicht durchbohrt werden konnte. (Juusuf `Allii)

Mit „sie" sind Dschuudsch und Maadschuudsch gemeint. Sie konnten es aus zwei Gründen nicht übersteigen: Wegen seiner Höhe und der Glätte seiner Wände. Und das Durchbohren war wegen seiner Härte und seiner Dicke unmöglich. (Al-Dschalalain)

 

98. Da sagte er:267 „Dies ist ein Gnadenerweis meines Herrn."268 Doch wenn das versprochene Ereignis meines Herrn269 eintrifft, wird Er sie zu Staub machen.270 Und das Versprechen meines Herrn ist wahr."271

267. In Dankbarkeit Allah gegenüber, nachdem die Arbeit getan war. (Darjabadi)

268. Sul-Qarnain, Allahs Segen und Frieden auf ihm,  übernimmt diese Aufgabe, ist jedoch weder stolz auf seine Leistung noch größenwahnsinnig aufgrund seiner Kraft und seines Wissens, sondern er denkt an Allah, dankt Ihm und führt seine Handlung auf Ihn zurück. Denn durch Allahs Kraft hat er gewirkt. (Qutb)

Barmherzigkeit Allahs in zweifachem Sinne: einmal für den König selbst, so dass er in der Lage war, diese Mauer zu errichten, und zweitens für die friedliebenden Einwohner dieser Gegend. (Darjabadi)

269. Wörtlich: „das Versprechen meines Herrn", das heißt der von meinem Herrn bestimmte Zeitpunkt. (Asad)

270. Alle solch menschlichen Vorsichtsmaßnahmen erweisen sich im Laufe der Zeit als nutzlos. Letztendlich zerfallen sie zu Staub. Wir lernen folgendes aus dieser dritten Episode: ergreift menschliche Vorsichtsmaßnahmen und tut alles euch Mögliche, um euch vor dem Bösen zu schützen. Kein Schutz ist jedoch vollkommen, solange ihr nicht Hilfe und Gnade bei Allah sucht. Die beste Schutzmaßnahme löst sich auf, wenn der festgesetzte Tag kommt. (Juusuf `Allii)

271. Mit diesem Aja endet die Geschichte Sul-Qarnains, Allahs Segen und Frieden auf ihm, der als das Vorbild schlechthin des frommen, tugendhaften Herrschers gilt. Allah verleiht ihm Macht auf Erden und gibt ihm die Mittel, vieles zu vollbringen. So durchmisst er den Westen wie den Osten, doch er zeigt sich weder stolz noch hochmütig. Er überschreitet weder das Maß, noch wird er überheblich. Seine Eroberungszüge unternimmt er nicht, um sich zu bereichern oder gar Menschen für seine Zwecke zu missbrauchen, sondern um den Schwachen zu helfen und Recht und Ordnung eintreten zu lassen. Die Macht und die Kraft, die Allah ihm verlieh, benutzt er zum Wohle der Menschen. Und auch auf den Gipfel seiner Macht vergisst er niemals, dass diese Gaben ihm von Dem Allmächtigen und Größten verliehen worden sind. (Qutb)

Einige der klassischen Kommentatoren betrachten dies als Voraussage eines bestimmten historischen Ereignisses, nämlich des Durchbruchs der Völkerschaften Dschuudsch und Maadschuudsch (verstanden als identisch mit Mongolen und Tataren) in der Zukunft. Solche Identifizierung beruht auf einer Überlieferung, nach der der Prophet Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, einen Traum hatte, nach dem er beim Erwachen ausrief: „Es gibt keinen Gott außer Allah! Wehe den Arabern, ein Unheil naht heran. Eine kleine Lücke hat sich heute im Wall gegen Dschuudsch und Maadschuudsch geöffnet!" Seit dem späten Mittelalter neigten die Muslime dazu, in diesem Traum eine Vorhersage der großen Mongoleninvasion zu sehen, durch die das Abbassidenreich und damit die politische Macht der Araber vernichtet wurde. Dass in den Ajas 99-101 dieser Suura „der Tag", das heißt der Tag des Gerichts, in Verbindung mit „Dschuudsch" und „Maadschuudsch" erwähnt wird, zeigt jedoch, dass es sich bei der „Zeit, die mein Herr bestimmt hat", um die letzte Stunde handelt, wenn alle Werke des Menschen zerfallen. Da jedoch keine der Bezugnahmen im Qur’an auf die „Nähe" oder das „Herannahen" der letzten Stunde etwas mit dem menschlichen Zeitverständnis zu tun haben, ist es möglich, beide Interpretationen als gleichwertig zu akzeptieren in dem Sinne, dass das „Herannahen der letzten Stunde" einen nach menschlichen Begriffen langen Zeitraum in Anspruch nimmt und der Durchbruch der kafir Mächte Dschuudsch und Maadschuudsch eins der Zeichen dafür ist. Schließlich ist es logisch (besonders auf der Grundlage von Sure 21:96-97) anzunehmen, dass die Begriffe Dschuudsch und Maadschuudsch rein allegorisch sind und sich nicht auf Völker oder Stämme beziehen, sondern auf eine Serie von gesellschaftlichen Katastrophen, die die Zivilisation des Menschen zerstören, lange bevor die Letzte Stunde tatsächlich anbricht. (Asad)

 

99. An diesem Tag272 werden Wir die einen von ihnen wie Wellen gegen die anderen anstürmen lassen,273 und es wird in die Posaune gestoßen werden und Wir werden sie allesamt versammeln.274

272. Hier erfolgt die Beschreibung des von Sul-Qarnain im letzten Aja versprochenen Tages. (Qutb)

Um sie für die Abrechnung herbeizuschaffen. (ibn Kasir)

273. So geht das Thema auf die letzten Tage vor Allahs großem Gericht über. Alle menschlichen Barrieren werden hinweggefegt. Es gibt Hektik und Tumult. (Juusuf `Allii)

Entweder die hereinbrechenden Stämme oder die Menschheit allgemein. (Darjabadi)         ,

274. Dies ist die Illustration der Szene an jenem Tag. Die Menschenmengen der verschiedenen Rassen, Farben und Länder aus allen Generationen wirbeln undiszipliniert und unaufmerksam durcheinander wie die Wellen des Meeres. Doch wenn in die Posaune gestoßen wird, so kehrt Ordnung in ihren Reihen ein. (Qutb)

 

100. Und zeigen werden Wir die Hölle an diesem Tag den Kafirs in voller Entfaltung.275

275. Deutlich sichtbar. (Darjabadi)

Wenn Menschen den Iman an ein zukünftiges Leben verspottet haben, dann werden ihre Augen jetzt geöffnet, und sie sehen die fruchtbare Wirklichkeit. (Juusuf `Allii)

 

101. Denjenigen, deren Augen gegenüber meiner Mahnung verhüllt waren, und die auch nicht zu hören276 vermochten.

276. Was der Prophet Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, ihnen vortrug und predigte, weil sie ihn hassten. (Darjabadi)

Sie waren zu blind und zu taub, um sich durch den Qur’an rechtleiten zu lassen. (Dschalalain)

Gerade jene Menschen, die sich weigerten, die vielen Zeichen Allahs zu sehen, die in dieser Welt Seine Botschaft übermitteln, und die Worte Allahs zu hören, als sie zu ihnen kamen, sehen dann ohne jeden Zweifel und Irrtum die Folgen ihres Verhaltens vor sich.

(Juusuf Allii)

Abschnitt 12

102. Meinen die Kafirs etwa, dass sie Meine Diener277 anstelle von Mir als Beschützer nehmen können?278 Wahrlich, Wir halten die Hölle als Herberge für die Kafirs bereit.279

277. Beharren sie immer noch auf ihren Vorurteilen, nachdem sie dies alles gehört haben, und glauben sie immer noch, ihre Haltung könnte ihnen nützen? Hier beginnt der Schlussabschnitt der gesamten Suura, der nicht allein mit der Geschick von Sul-Qarnain, Allahs Segen und Frieden auf ihm, sondern mit der Gesamtthematik verbunden ist, die anfangs (Ajas1-8) angesprochen wurde: der Prophet Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, sollte sein Volk auffordern,

1. sich vom Götzendienst loszusagen und dem Einen Gott zuzuwenden;

2. die Sklaverei dieser Welt aufzugeben und an das zukünftige Leben den Iman zu verinnerlichen. (Maududi)

278. Glauben die Kafirs wirklich, sie könnten Allahs Geschöpfe anbeten und von ihnen Schutz vor Allahs Strafe erwarten? Nun soll sie die Folge ihres „Glaubens" treffen. (Qutb)

Der Ausdruck „Meine Diener" will die völlige Abhängigkeit dieser Geschöpfe von ihrem Schöpfer betonen. (Darjabadi)

Dies bezieht sich nicht nur auf die Verehrung erschaffener Wesen und Naturgewalten, sondern auch auf die verbreitete Ansicht, lebende und tote Heilige könnten sich bei Allah für jemanden einsetzen, den Er verworfen hat. (Asad)

279. Diejenigen, die die Wahrheit von Allahs Einheit und Einzigartigkeit und damit die Tatsache, dass geschaffene Wesen keinen Einfluss auf Allahs Entscheidungen haben können, ablehnen. (Asad)

 

103. Sprich:280 „Sollen wir euch Kunde geben von denen, deren Taten am verworfensten sind,281

280. Dies soll der Prophet Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, zu den Kafirs sagen. (Darjabadi)

281. Niemand übertrifft sie an Verworfenheit. (Qutb)

Das heißt diejenigen, die in diesem Leben stolz auf ihre Werke waren, jetzt aber erkennen müssen, dass diese nutzlos waren. Ihr Verlust ist um so größer, als sie auf ihre Handlungen oder auf die Vermittlung von „Fürsprechern" oder „Beschützern" allzu großes Vertrauen gesetzt hatten. Allah ist der einzige Beschützer; jeder andere Schutz ist wirkungslos.

(Juusuf Allii)

 

104. Deren Bemühungen im diesseitigen Leben vergeblich waren, während sie meinten, dass sie Gutes getan hätten?"282

282. Viele Menschen sind so selbstgerecht, dass sie glauben, sie erwerben Verdienste, während sie weiterhin Unrecht tun. So machen beispielsweise beim Almosenvergeben alle Faktoren, die selbstsüchtige Gründe haben (wie z.B. Erlangen eigener Vorteile dadurch) die Handlung selbst nichtig. Ebenso sind Heuchler manchmal überrascht, dass ihre ausgesprochene Fürsorge für jemanden nicht geschätzt wird, während sie in Wirklichkeit auf irgendeinen verborgenen Vorteil oder Ruhm für sich selbst aus sind. Aufrichtig sind nur diejenigen, die an ihre geistige Verantwortlichkeit glauben und so handeln, wie es jemand tut, der sich der Anwesenheit Allahs bewusst ist. (Juusuf Allii)

Sie betrachteten sich selbst lediglich als „intelligente Tiere", die völlig unabhängig und frei von jeder Verantwortung sind und nichts weiter zu tun haben als die guten Dinge dieses Lebens zu genießen, wie Tiere auf der Weide. (Maududi)

Ihre Bemühungen haben sie weder zur Rechtleitung geführt, noch waren sie fruchtbringend. (Qutb)

Sie handelten nicht nach einer gesetzgebenden Vorschrift. (ibn Kasir)

 

105. Das sind diejenigen, die nicht an die Zeichen ihres Herrn den Iman verinnerlichen und an die Begegnung mit Ihm, und deren Taten nutzlos sein werden. So werden Wir ihnen am Tag der Auferstehung kein Gewicht beimessen.283

283. Sie bleiben am Tag der Auferstehung unberücksichtigt, ohne Wert und ohne Gewicht. (Qutb)

Welches Gewicht kann Handlungen zugemessen werden, hinter denen keine reinen Motive stecken, oder möglicherweise sogar böse? Sie sind entweder vergeblich oder sprechen gegen denjenigen, der versucht, sie als verdienstvoll auszugeben. (Juusuf Allii)

Auch wenn am Tage des Gerichts alle ihre guten Handlungen in Übereinstimmung mit der Aussage des Qur*ans: „wer ein Atomgewicht Gutes getan hat, wird es sehen" (Suura 99:7) in Betracht gezogen werden, bedeutet obiger Aja, dass alles Gute, das diese Ungerechten tun, weit von ihren Kufr übertroffen wird. (Asad)

 

106. Dies ist ihre Belohnung - die Hölle, weil sie kafir waren und Meine Zeichen und Meine Gesandten zum Gegenstand des Spottes genommen haben.284

284. Falsche Absichten, Betrug und Heuchelei können nur deswegen gedeihen, weil die Menschen das höhere Leben nicht ernst nehmen. Sie behandeln es in der Tat wie einen Scherz. Zeichen und Gesandte werden als persönliche Barmherzigkeit von Allah geschickt.

 

107. Diejenigen aber, die den Iman verinnerlichen und gute Werke tun, denen werden wahrlich die Gärten des Paradieses zur Herberge werden.285

285. In der persischen Sprache bezeichnet „Firdaus" einen umschlossenen Park. In der theologischen Fachterminologie wird das Wort für den inneren Kreis des Himmels oder den höchsten Himmel benutzt, den Bestimmungsort für diejenigen, die beide Erfordernisse voll erfüllen, nämlich starken Iman und rechtschaffenes Verhalten. Kleine Fehler und Mängel in beiden werden vergeben: da wird Allahs Barmherzigkeit wirksam.

(Juusuf *Allii)

In einem Hadis in Bucharii heißt es: "Es gibt hundert Stufen im Paradies, die Allah denen vorbehalten hat, die sich auf seinem Pfad bemühen. Der Raum zwischen den jeweiligen Stufen beträgt soviel wie zwischen Himmel und Erde. So ersucht Allah um den „Firdaus", wenn ihr ihn um das Paradies bitten wollt. Denn er ist der Mittel- und Höchstpunkt des Paradieses." (Qutb)


 

108. Ewig werden sie darin verweilen.286 Niemals werden sie es anders haben

286. Für immer. (Darjabadi)

Sie werden nicht den Wunsch haben, woanders zu sein, denn sie finden keinen Ort, der besser sein könnte. (Maududi)

Es liegt in der Natur des Menschen, sich dauernd verändern zu wollen, auch wenn er sich im Wohlleben befindet. Diese Natur ist dem Menschen von Allah gegeben, damit er sich zum Besseren entwickelt. Im Paradies hingegen, das das Vollkommenste darstellt, wird dem Menschen diese Natur genommen, damit er des Lebens darin nicht überdrüssig wird. So entwickelt sich in ihm der Wunsch, sich nicht verändern zu wollen. (Qutb)

 

109. Sprich: „Wenn das Meer Tinte wäre für die Worte meines Herrn,287 so wäre eher das Meer erschöpft, als dass die Worte meines Herrn ausgehen würden, auch wenn Wir noch einmal so viel hin zufügen würden."288

287. Mit „Worte" sind auch die wunderbaren Werke und die Wunder Seiner Macht und Weisheit gemeint. (Maududi)

Die Worte, Zeichen und Gnadenerweise Allahs sind in der gesamten Schöpfung vorhanden und können niemals völlig in menschlicher Sprache geschildert werden, wie erweitert wir uns unsere Möglichkeiten auch immer vorstellen. (Juusuf 'Allii)

288. Das Meer erstreckt sich weiter und tiefer als der Mensch erfassen kann. Und Tinte ist das Mittel, mit dem die Menschen alles, was sie an Wissen erfassen, zu Papier bringen. Hier wird der Vorstellungskraft ein ganzes Meer von Tinte vorgeführt, mit der Allahs Worte, die Sein Wissen repräsentieren, aufgeschrieben werden. Aber selbst wenn dieses Meer erschöpft ist und noch ein weiteres dazu, so sind doch Allahs Worte nicht erschöpft. Auf diese Weise soll der begrenzten menschlichen Phantasie die Bedeutung des Unendlichen nahe gebracht werden. Im Qur*an werden deswegen immer wieder Gleichnisse angeführt, um der menschlichen Denkkraft näher zu bringen, was diese sonst nicht erfassen könnte. Das Meer gleicht in dieser Allegorie dem menschlichen Wissen, das trotz seiner Fülle begrenzt ist. Die Worte Allahs hingegen repräsentieren Allahs Wissen, das unbegrenzt ist, und dessen Ende der Mensch nicht zu erfassen vermag. (Qutb)

 

110. Sprich: „Fürwahr, ich bin nichts anderes als ein Mensch wie ihr.289 Eingebung ist mir zuteil geworden, dass euer Gott ein Einziger Gott ist. Wer also auf die Begegnung mit seinem Herrn hofft, der soll gute Werke tun und keinen anderen an der Anbetung seines Herrn teilhaben lassen."290

289. Ich weiß nicht mehr als das, was mir Allah an Wissen zukommen lässt. (Qutb)

290. Rechtschaffenheit und wahre Ehrfurcht vor Allah - unter Ausschluss der Verehrung alles anderen, seien es Götzen oder vergötterte Menschen oder Naturkräfte oder menschliche Fähigkeiten oder das eigene Ich - sind die Kriterien des ’Ibadachs an Allah. (Juusuf Allii)

Niemals sollte der Mensch so handeln, nur um von den Leuten gesehen zu werden. (Qutb)

 

Einführung zu Suura 19 “Marjam“

Während das geistige Wachstum des Menschen als Individuum in Suura 17 als ausgehend von den ersten Grundsätzen moralischen Verhaltens beschrieben wird, und in Suura 18 als beginnend mit unserer Wahrnehmung der kurzen Zeitspanne und der Geheimnisse des Lebens, und mit dem richtigen Gebrauch von Macht wie in der Geschichte von Sul-Qarnain, wenden wir uns nun der Geschichte einzelner Propheten Allahs in ihrer persönlichen Beziehung zu ihrer Umwelt zu: Jachja mit seinen Vater Sakarija, Isa  seiner Mutter Marjam, Ibrahiim mit seinem kafir Vater, Muusa mit seinem Bruder Haruun, Ismail mit seiner Familie und Idris mit seiner hohen Stellung, Allahs Segen und Frieden auf ihnen allen, zu der er berufen wurde. In Anbetracht der Art und Weise, wie diese großen Menschen sich in ihre Lebensumstände einfügten, wird der Mensch für seinen mangelnden Glauben oder für sein Absinken in Aberglauben getadelt und vor dem Jenseits gewarnt.

(Juusuf `Allii)

Wie alle makkanischen Suuras dreht sich die Achse dieser Suura um die Einzigkeit Allahs und die Verneinung der Existenz eines Sohnes oder eines Teilhabers. Doch den Inhalt der Suura bilden die Geschichte der Propheten, angefangen bei Sakarija und endend bei Adam und Nuch, Allahs Segen und Frieden auf ihnen allen. Diese Erzählungen beanspruchen zwei Drittel der Suura.

Alle Kommentatoren stimmen in der Ansicht überein, dass diese Sure in Mekka offenbart wurde. Während jedoch einige sie am Ende dieser Periode ansetzen, gibt es unwiderlegbare historische Beweise dafür, dass sie nicht später als im fünften Jahr nach der Berufung des Propheten, das heißt sieben oder acht Jahre vor der Hidschra, offenbart worden sein kann. Sie war bereits den Gefährten bekannt, die um diese Zeit an der zweiten Auswanderung nach Abessinien teilnahmen. So wird beispielsweise berichtet, dass Dscha`far ibn Abi Taalib, der Vetter des Propheten Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, und Führer der ersten Gruppe der Auswanderer, sie dem Negus vortrug, um die islamische Haltung gegenüber "zu erklären. (Asad)

Zusammenfassung:

Sakarija sehnte sich nach einen Erben, der die Arbeit für Allahs Sache in einer Welt voller Unrecht fortsetzen konnte, und wurde mit Jachja, Allahs Segen und Frieden auf ihm, gesegnet. (Ajas 1-15)

Marjam die Mutter Isas, Allahs Segen und Frieden auf ihnen beiden, wurde von ihren Angehörigen getadelt, aber Isa tröstete sie und war gut zu ihr. (Ajas 16-40)

Ibrahiim seines Diins wegen von seinem Volk und seinem kafir Vater verfolgt. Doch er wandte sich von ihnen ab und göttlicher Segen wurde ihm zuteil. Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, bekam Hilfe durch einen Bruder Ismail, Allahs Segen und Frieden auf ihm, erzog seine gesamte Familie zur Taqwa. Idris, Allahs Segen und Frieden auf ihm, war aufrichtig und stets Allahs eingedenk in seiner hohen Stellung. Sie alle waren Vorbilder. Dennoch wollen die Menschen nicht von ihnen lernen und sich selbst für eine gute Lebensweise entscheiden. (Ajas 41-65)

Der Mensch soll weder das Jenseits leugnen noch seinen Glauben durch falsche Vorstellungen von Allah verunreinigen. (Ajas 66 - 98) (Juusuf `Allii)

 

Marjam

Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen.

1. Kaaf-Ha-Ja-'Ain-Saad.1

1. Wir bevorzugen für diese Buchstaben die Interpretation, dass die Sprache nur aus einzelnen, bekannten Buchstaben besteht, doch die Menschen sind nicht imstande, sie so zu formen wie die wunderbare Macht Allahs es tut in diesem Qur’an. (Qutb)

Dies ist die einzige Suura, die mit dieser Buchstabenfolge beginnt. Zu diesen abgekürzten Buchstaben im allgemeinen vergleiche Suura 2:1 und die entsprechende Fußnote. Diese Buchstaben sind Symbole, deren Bedeutung nur Allah allein kennt. Wir dürfen also mit unserer Vermutung nicht dogmatisch umgeben. Ich neige dazu, den letzten Buchstaben „Sad" als für “Qisaas", das heißt Geschichten (der Propheten)  anzunehmen. Die hier erwähnten Hauptfiguren sind Sakarija, Jachja, Marjam, Isa und Ibrahiim, Allahs Segen und Frieden auf ihnen allen. Die anderen werden nur nebenbei erwähnt. Der starke Buchstabe in Sakarija ist das „Kaf", in Ibrahiim das „Ha", in Jachja und vielleicht in Marjam das „Ja", und in `Isa das „'Ain". „Ha" kommt auch in dem Namen Haruun vor und „Ja" in allen Namen einschließlich Ismail und Idris. Nach dem Tafsir Kabir stehen die Buchstaben für Attribute Allahs: „Kaf" für „Kaafj" (der Genügende), „Ha" für „Hadi" (der Leitende), „Ja" für „Jad" (Die Hand, Symbol der Macht Allahs, vergleiche Suura 48:10), „'Ain" für „`Alim" (der Allwissende) und „Sad" für „Saadiq" (der Wahrhaftige). (Juusuf `Allii)

Von ibn 'Abbas überliefert heißt dies: „dass Er für Seine Geschöpfe Der Genügende ist, Der Seine Diener rechtleitet. Seine Hand ist über ihren Händen. Er weiß alles über sie, Er ist Wahrhaftig in Seinen Versprechungen. (Qutb)

 

2. (Dies ist) ein Bericht über die Barmherzigkeit deines Herrn gegen Seinen Diener Sakarija2

2. Allahs Gnade gegenüber, Sakarija wurde auf vielerlei Weise sichtbar:

1. in der Erhörung seines Gebetes;

2. in der Gabe eines Sohnes wie Jachja, Allahs Segen und Frieden auf ihm, und

3. in der Liebe zwischen Vater und Sohn

zusätzlich zu der Arbeit, die Jachja, Allahs Segen und Frieden auf ihm, als Gesandter Allahs für die Welt tat. Vergleiche auch Suura 3:38-41 und die entsprechenden Fußnoten. Dort wurde sein öffentlicher Auftrag besonders hervorgehoben, während es hier um die schöne Beziehung zwischen Vater und Sohn geht. (Juusuf 'Allii)

Nach dem Bericht in den Evangelien, denen der Qur’an nicht widerspricht, war Sakarijas Frau Elisabeth eine Kusine von Marjam, der Mutter ’Isas, Allahs Segen auf ihnen allen .(vergleiche Lukas 1:36). (Asad)

Um Sakarijas Position zu verstehen, muss man das priesterliche System der Kinder Israel kennen. Nach der Landnahme wurde Palästina unter den zwölf Stämmen verteilt, der dreizehnte Stamm (die Leviten, nachkommen Haruuns Allahs Segen und Frieden auf ihm) wurden mit den religiösen Pflichten betraut. Selbst unter diesen gab es eine bestimmte Familie, die das Allerheiligste im Tempel betreten durfte, die anderen hatten andere Aufgaben. Zur ersteren gehörte Sakarija. (Maududi)

 

3. Als er seinen Herrn insgeheim anrief.3

3. Insgeheim, weil er fürchtete, seine eigenen Angehörigen und Verwandten könnten sich auf Abwegen befinden (vergleiche unten Aja 5), und er wollte Allahs Licht hell erstrahlen lassen. Seine Befürchtungen bezüglich seiner Verwandten und Amtsbrüder konnte er nicht öffentlich laut werden lassen. (Juusuf `Allii)

Er hält Zwiesprache mit seinem Herrn weitab von den Augen und Ohren der Menschen. Er ruft Ihn an ohne Mittler. Und obwohl er weiß, dass Allah auch ohne Beten und ohne Rufen zu hören und zu sehen vermag, tut es seinem Herzen wohl, wenn er sich seinem Herrn offenbart und ihm klagt, was ihn bedrückt. (Qutb)

 

4. Er sprach: „Mein Herr, wahrlich mein Gebein ist mir gebrechlich geworden und mein Haupt(haar) schimmert grau, und niemals bin ich im Bittgebet an Dich, mein Herr, ohne Segen geblieben.4

4. Schwache Knochen und graue Haare sind Symbole des Altwerdens und der Vergreisung. (Qutb)

Diese Einleitung zeigt Sakarija glühenden Glauben. Er war ein Priester. Seine Aufgabe lag im Tempel, und seine Verwandten waren seine Amtsbrüder. Er fand jedoch, dass sie nicht den wahren Geist des Dienstes an Allah und den Menschen in sich hatten. Er machte sich Sorgten darum, wer die Gedanken Allahs aufrechterhalten würde, die für seine Amtsbrüder eine fremde Welt waren. (Juusuf `Allii)

Vergleiche auch Lukas 1:7. (Darjabadi)

 

5. Nun fürchte ich fürwahr, (was) meine Angehörigen5 nach meinem Ableben (anrichten werden).6 Und da meine Frau unfruchtbar ist,7 so schenke mir von Dir einen Nachfolger,8

5. Und die Priester-Kollegen im Tempel. (Darjabadi)

Seine Vettern. Die Araber nennen nämlich die Vettern „Mawaali". (Qutb)

6. Das heißt, ich kann unter meinen Verwandten niemanden finden, der religiös und moralisch geeignet ist, meine Aufgabe fortzusetzen. (Maududi)

Er sah offensichtlich voraus, dass seine Verwandten, die wie er selbst Priester waren, moralisch zu schwach sein würden, würden, um ihre Pflichten zu erfüllen, und möglicherweise auch ungeeignet, für Marjam, Allahs Segen und Frieden auf sie, zu sorgen (vergleiche Suura 3:73). (Asad)

Dass sie sich Irreligiosität und Kufr zuwenden, statt die Menschen im Iman zu unterrichten. (Darjabadi)

7. Wodurch die Möglichkeit, auf natürlichem Wege ein Kind zu bekommen, eingeschränkt ist. (Darjabadi)

Sie hatte ihm keinen Sohn schenken können, den er hätte erziehen und darauf vorbereiten können, seine Aufgabe eines Tages zu übernehmen. (Qutb)

8. Es ging nicht nur um einen vulgären Wunsch nach einem Sohn, sonst hätte er viel früher in seinem Leben gebetet. Er war zu sehr von Taqwa erfüllt, um eigennützige Wünsche im Gebet auszusprechen. Hier ging es um ein Bedürfnis der Gemeinschaft im Dienste Allahs. Er war sehr alt - aber vielleicht konnte er ja ein Kind adoptieren, das sein Erbe sein konnte. Vergleiche auch Suura 3:38 und die entsprechende Fußnote. (Juusuf `Allii)

 

6. Der mein Erbe und das Erbe der Nachkommen Jakobs antreten kann,9 und mache ihn, mein Herr, Dir wohlgefällig."10

9. Es stimmt wohl, dass ein Erbe in erster Linie Besitztümer erbt, aber seine höhere Pflicht ist es, in allen Dingen die Persönlichkeit zu repräsentieren, die er beerbt. Es ist zweifelhaft, ob Sakarija, Allahs Segen und Frieden auf ihm, irdische Güter besaß. Er hatte jedoch einen tugendhaften Charakter, wie es von einem Propheten zu erwarten ist und diesen wollte er als sein kostbarstes Eigentum seinem Erben übertragen. Es war fast das kostbarste, das Nachfahren besaßen. Die Menschen in ihrer Umgebung hatten Allahs Weg verlassen. konnte sein Erbe wie er versuchen, den Diin Allahs zu erneuern? (Juusuf `Allii)

Das Erbe bestand aus dem Diin Allahs und Iman..(Darjabadi)

Er wollte seine Erkenntnisse und sein Prophetentum vererbt wissen und nicht sein Geld. Denn nach einer bestätigten Aussage des Propheten heißt es: „Wir Propheten werden nicht beerbt. Was wir hinterlassen, gilt als Almosen." (Qutb)

10. Dir wohlgefällig durch seine Tugend und Taqwa. (Darjabadi)

Sakarija, Allahs Segen und Frieden auf ihm, vergisst nicht, seine Erwartung an diesen Erben auszudrücken: Allahgefällig soll er sein, weder gewalttätig noch grob, weder eitel noch habgierig. Das Wort „radija" ist eine Zusammenfassung all dieser Begriffe. Ein Allahgefälliger ist jemand, der zufrieden stellt, zufrieden ist und Zufriedenheit verbreitet. (Qutb)

 

7. „O Sakarija Wir verkünden dir die frohe Botschaft11 von einem Knaben,12 dessen Name Jachja sein soll. Wir ließen zuvor niemanden diesen Namen tragen."13

11. Vergleiche Suura 3:39. (Asad)

Diese Botschaft beinhaltet drei Dinge: Als erstes, dass Allah Sakarijas, Allahs Segen und Frieden auf ihm, Bitte erhört hat, was zweifellos eine Ehrung darstellt. Zweitens wird ihm ein Sohn gewährt, was als eine Stärkung zu betrachten ist, und drittens, dass Allah für ihn speziell einen einzigartigen Namen bestimmt. (Qutb)

12. Vergleiche Lukas 1:13. (Darjabadi)

13. Dies war Jachja (Johannes der Täufer) Isas Vorläufer, Allahs Segen und Frieden auf ihnen beiden. Dem Gebet seines Vaters entsprechend erneuerte er - wie auch‚’Isa, Allahs Segen und Frieden auf ihnen allen, dessen Weg er vorbereitete - die Botschaft Allahs, die unter den Israeliten verloren zu gehen drohte und entstellt worden war. Die arabische Form des Namens Jachja bedeutet „Leben". Die hebräische Form “Jachja“ bedeutet „Allah ist gnädig gewesen". Dies bedeutet nicht, dass zum erstenmal ein Mensch diesen Namen getragen hat, sondern dass zum erstenmal Allah Seinen auserwählten Diener bei diesem Namen gerufen hat. (Juusuf `Allii)

Der Name Jachja bedeutet „er wird leben", das heißt er wird geistig leben, und man wird sich an ihn erinnern. Die Tatsache, dass Allah diesen Namen für ihn aussuchte, war eine einzigartige Auszeichnung für ihn, gleichbedeutend mit einem Versprechen Allahs. (Asad)

Vergleiche Lukas 1:61. (Maududi)

 

8. Er sprach: „Mein Herr, wie kann ich einen Sohn haben, wo meine Frau doch unfruchtbar ist14 und ich schon das Alter eines Greises erreicht habe?"15

14. Nicht nur, dass sie in jungen Jahren unfruchtbar war, hinzu kommt auch noch, dass sie nun alt geworden ist. (Safwat Al-Tafasir)

Diese Frage ist kein Ausdruck der Missbilligung, sondern des Erstaunen über Allahs Vermögen, einem Greis und einer unfruchtbaren Frau einen Sohn zu schenken. (Qutb)

Diese Frage ist kein Ausdruck des Erstaunens, geschweige denn des Zweifels, sondern eine Bitte um nähere Erklärung. (Darjabadi)

15. Vergleiche Lukas 1:7 und 1:18. (Darjabadi)

Sakarija, Allahs Segen und Frieden auf ihm, akzeptiert, dass das vorhergesagte Ereignis tatsächlich eintreffen wird, denn es ist ein Versprechen Allahs. Da jedoch die natürlichen Voraussetzungen fehlen, möchte er wissen, wie dies verwirklicht werden kann, um sein Herz zu beruhigen. (Asad)

 

9. Da sprach er. „So ist es.16 Dein Herr sagt: ,„Dies ist eine Leichtigkeit17 für Mich, denn Ich habe dich schon vordem geschaffen, als du ein Nichts warst."18

16. Das heißt, es sollte unter den bestehenden Verhältnissen geschehen, ohne irgendwelche ungewöhnlichen Mittel. (Darjabadi)

Wer ist „er" in diesem Satz? Nach Ansicht der meisten Kommentatoren ist damit der Engel gemeint, der die Botschaft von Allah mitteilte. Vergleiche auch unten Aja 21. Einige Kommentatoren beziehen es jedoch auf Sakarija, Allahs Segen und Frieden auf ihm, selbst. Die Bedeutung wäre dann: nach etwas Nachdenken sagte Sakarija, Allahs Segen und Frieden auf ihm, verwundert: „Könnte es wirklich so sein? Sollte ich wirklich in meinen alten Tagen noch einen Sohn haben?" Die nachfolgende wörtliche Rede: „Dein Herr spricht:...." wäre dann die des himmlischen Boten. (Juusuf `Ali)

17. Nämlich die Geburt eines Kindes im hohen Alter. (Darjabadi)

Ein Leichtes und ein Schweres gibt es nicht in der Schöpfung Allahs. Denn das Mittel ist bei allen das gleiche, nämlich: „Sei!" - und es wird. (Qutb)

18. Jeder Mensch war ein Nichts, bevor er erschaffen wurde, das heißt seine Persönlichkeit wurde von Allah ins Dasein gerufen. Selbst wenn materielle Prozesse den Naturgesetzen entsprechend den Körper formen, ist die wirkliche Schöpfermacht Allah. Hierin liegt jedoch noch eine feinere Bedeutung. Jachja sollte für ’Isa, Allahs Segen und Frieden auf ihnen beiden, den Weg bereiten und sein Vorläufer sein: dieser Satz soll uns auf die noch wunderbarere Geburt ’Isas, Allahs Segen und Frieden auf ihm, selbst vorbereiten. Siehe unten Aja 21. Bei Allah ist alles möglich. (Juusuf `Allii)

Er ist Derjenige, Der eine unfruchtbare Frau nicht gebären und einen Greis nicht zeugen lässt. Doch Er vermag die Unfruchtbarkeit zu heilen und die Zeugungsfähigkeit eines Mannes wiederherzustellen, was nach der Anschauung der Menschen zweifelsohne leichter ist, als etwas aus dem Nichts zu erschaffen. (Qutb)

Wörtlich: „als (oder obwohl) du nichts warst." Diese Betonung von Allahs uneingeschränkter Macht, eine neue Kette von      Ursachen und Wirkungen ins Dasein zu rufen, bildet hier wie auch in Suura 3 eine Art Vorbereitung auf die Geburt ’Isas, Allahs Segen und Frieden auf ihm. (Asad)

So wie Allah einer unfruchtbaren Frau ermöglichen kann, ein Kind zu bekommen, kann Er dies auch einer Jungfrau ermöglichen. (Maududi)

 

10. Sakarija bat: „Mein Herr, gib mir ein Zeichen."19 Da sprach Er: „Dein Zeichen soll sein, dass du, obgleich gesund, drei Nächte nicht zu den Menschen sprichst."20

19. Dieses Zeichen sollte ihn mit dem Versprochenen noch vertrauter machen und sein Herz noch mehr beruhigen, so wie Ibrahiim, Allahs Segen und Frieden auf ihm, einst darum bat, ihm zu zeigen, wie Er die Toten zum Leben erweckt. (ibn Kasir)

20. Vergleiche Suura 3:41 und die entsprechende Fußnote. (Asad)

Er sollte sich von der Welt der Menschen abkehren und mit Allah die Zeit von drei Nächten verbringen. Bei der Lobpreisung Allahs löst sich seine Zunge, nicht jedoch, wenn er mit den Menschen spricht. (Qutb)

Vergleiche diesen Aja mit Suura 3:41. Die Variationen sind interessant. Hier ist die Rede von „drei Nächten", während dort die Rede von „drei Tagen" ist. Die Bedeutung ist dieselbe, denn ein Tag ist ein Zeitraum von 24 Stunden. Aber der Schwerpunkt ist in beiden Fällen anders gelagert. Dort wird die Geschichte aus der Perspektive der Gemeinschaft wiedergegeben, in der er tagsüber wirkte. Hier geht es in erster Linie um seine individuelle Seele, die die Nacht in Gebet und Lobpreisung verbrachte. Beachtenswert ist auch die Wendung am Ende des nächstenAja: „morgens und abends" parallel zu „abends und morgens" am Ende von Suura 3:41 wo wiederum der Gesichtspunkt verändert ist.

(Juusuf `Allii)

 

11. Da kam (Sakarija aus der Gebetsstätte21 zu seinen Leuten heraus und befahl ihnen durch einen Wink, (Allah) des Morgens und des Abends zu lobpreisen.22

21. Vergleiche Suura 3:37 und Fußnote 66, wo das Wort „michraab" ausführlich erklärt wurde. (Maududi)

22. Vergleiche Lukas 1:5-22. Sakarijas, Allahs Segen und Frieden auf ihm, dreitätiges Schweigen wird dort als Strafe für seinen „Kufr" dargestellt. (Maududi)

 

12. „O Jachja!23 Halte dich ernsthaft am Buch!"24 Und Wir verliehen ihm Weisheit, schon im Knabenalter,25

23. Die Zeit vergeht, und der Sohn wird geboren. In diesem Teil der Suura steht Jachja, Allahs Segen und Frieden auf ihm, im Mittelpunkt des Interesses, und ihm wird diese Anweisung gegeben. „Halte mit all deiner Kraft an Allahs Offenbahrung fest": denn eine kafir Welt hatte sie entweder vernachlässigt oder entstellt, und Jachja den Weg für ’Isa, Allahs Segen und Frieden auf ihnen beiden, bereiten, der sie erneuern und neu interpretieren sollte. (Juusuf `Allii)

Nachdem sein Sohn geboren und erwachsen geworden war, wurde zu ihm gesprochen. Dies ist nach Rasi hier impliziert, denn die Erzählfolge weist darauf hin, dass Jachja, Allahs Segen und Frieden auf ihm, in der Zwischenzeit ein Alter erreicht haben musste, in dem er in der Lage war, Allahs Gebote zu empfangen und zu verstehen. (Asad)

24. Das „Buch" ist in diesem Fall die Thora, die heilige Schrift der Israeliten nach Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm. Über diese wachten ihre Propheten, und auf ihr gründeten sich ihre Lehren und mit ihr urteilten sie. Diese Tradition erbte Jachja, Allahs Segen und Frieden auf ihm, seinen seinem Vater und setzte dessen Aufgabe fort. (Qutb)

25. „Hukm", gewöhnlich mit „Weisheit" übersetzt, bedeutet mehr als Weisheit, nämlich auch die Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen und ein Urteil zu fällen. (Asad)

Das arabische Wort „Hukm" umfasst folgende Fähigkeiten:

1. Entscheidungen zu treffen;

2. sich eine richtige Meinung zu bilden;

3. das Gesetz Allahs zu interpretieren;

4. Probleme zu lösen; und

5. „von Allah gegebene Entscheidungsvollmacht". (Maududi)

Dies war ebenso einzigartig wie sein Name und seine Geburt, denn Weisheit und Urteilsfähigkeit erlangt ein Mensch gewöhnlich erst im Alter. (Qutb)

 

13. Und Barmherzigkeit von Uns26 und Reinheit, und er war mutaqi,27

26. Diese Gabe wurde ihm wie ein Siegel aufgedrückt. Barmherzigkeit ist eine notwendige Eigenschaft eines jeden Propheten, um die Herzen der Menschen zu gewinnen und sie sanft zum Guten hinzuwenden. (Qutb)

Jachja der Täufer) lebte nicht lange. Er wurde von Herodes eingesperrt, weil er diesen seiner Lasterhaftigkeit wegen getadelt hatte, und schließlich auf Betreiben der Frau, mit der Herodes liiert war, enthauptet. Aber selbst in seinen jungen Jahren hatte er viele Gaben erhalten:

1. Weisheit, denn er trat kühn der Lasterhaftigkeit entgegen;

2. Mitleid und Liebe gegenüber allen Geschöpfen Allahs, denn er hielt sich in der Gesellschaft der Armen und Niedrigen auf und verachtete Verweichlichung; und

3. eine reine Lebensführung, denn er entsagte der Welt und lebte in der Wildnis. All sein Wirken geschah in seiner Jugend. (Juusuf 'Allii)

Wörtlich: „Mitglied von Uns", das heißt als besondere Gabe Allahs. (Asad)

Das arabische Wort “Hanaan“ ist fast gleichbedeutend mit „Mutterliebe", mit anderen Worten, Jachja, Allahs Segen und Frieden auf ihm, trug dieselbe Liebe zu Allahs Geschöpfen in seinem Herzen wie eine Mutter für ihr Kind. (Maududi)

27. Er hatte nie eine Sünde gegangen, nicht einmal in Gedanken. (Qutb)

Er war einer der letzten und größten Propheten unter dem alten israelischen Gesetz, und seine Rechtschaffenheit und Aufrichtigkeit waren über jeden Zweifel erhaben. (Darjabadi)

Er war mit Allah eng verbunden, äußerst achtsam und innerlich ehrfürchtig Ihm gegenüber. (Qutb)

 

14. Und ehrerbietig gegen seine Eltern, und er war weder gewalttätig, noch auf lehnend.28

28. Dies weist die falschen Beschuldigungen der Rebellion und der Volksverhetzung zurück, die die Staatsmacht zu Herodes Zeit gegen ihn vorbrachte. (Darjabadi)

Vergleiche eine ähnliche Formulierung unten in Aja 32, wo von ’Isa und seiner Mutter, Allahs Segen und Frieden auf ihnen beiden, die Rede ist. (Anm.d.Übers.)

 

15. Darum Friede mit ihm am Tag, als er geboren wurde und am Tag als er starb und am Tag, wenn er wieder zum Leben erweckt wird.29

29. Friede und Allahs Segen waren mit ihm, als er geboren wurde; sie setzen sich fort, als er durch die Hand des Tyrannen eines ungerechten Todes stirbt; und sie manifestieren sich besonders am Tag des Gerichts. (Juusuf 'Allii)

Während Tabari und andere meinen, dass mit „Salaam" Friede gemeint sei, sagt ibn Atiija: „Es ist für mich klar, dass damit der gebräuchliche Gruß gemeint ist. Denn der Friede ist ihm allenthalben sicher, da Ungehorsam ihm fremd war. So ist es eine Ehre für ihn, von Allah gegrüßt zu werden zu Zeiten, in denen der Mensch am schwächsten ist und Allahs am nötigsten bedarf." (Qutb)

 

Abschnitt 2

16. Und berichte im Buch30 über Marjam,31 als sie sich von ihren Angehörigen zurückzog an einen nach Osten gelegenen Platz.32

30. Wie bereits in Suura 3 so folgt auch hier auf dem Bericht von der Geburt des Jachja, Allahs Segen und Frieden auf ihm, die Geschichte von der Geburt ’Isas erstens weil Jachja ein Vorläufer ’Isas, Allahs Segen und Frieden auf ihm, sein  sollte, und zweitens wegen der Parallelen in der Form der Ankündigung dieser beiden Geburten. (Asad)

31. Vergleiche auch die Geschichte von Marjam, Allahs Segen und Frieden auf sie, wie sie in Suura 3:42-51 wiedergegeben ist. Die ganze Thematik ist hier anders; hier steht die persönliche Seite der geistigen Erfahrung der Allahsdiener in ihrem Bezug zu ihrer Familie oder ihrer unmittelbaren Umgebung im Vordergrund. (Juusuf 'Allii)

Die Erzählung wendet sich nun von der wundersamen Geburt Jachjas zu der noch merkwürdigeren Geburt ’Isas , Allahs Segen und Frieden auf ihnen beiden. Denn nach Allahs Gesetzen entsteht das Leben bei allen Arten der Geschöpfe von Mann und Frau. Daran hatten sich die Menschen so gewöhnt, dass sie die Urentstehung des Menschen vergaßen. Nun wollte Allah ihnen durch die Geburt ’Isa , Allahs Segen und Frieden auf ihm,  ein Beispiel Seiner ungebundenen Macht und Seines Willens geben. Doch dieses Ereignis blieb beispiellos, damit die Grundregeln gewahrt bleiben. (Qutb)

32 Vielleicht in eine im Osten gelegene Kammer, wahrscheinlich im Tempel. Sie zog sich von ihren Familienangehörigen und den Menschen überhaupt zurück, um sich dem Gebet und dem ’Ibadach zu widmen. In diesem Zustand der Reinheit geschah es, dass ihr ein Engel in Menschengestalt erschien. Sie glaubte, es sei ein wirklicher Mann, fürchtete sich und beschwor ihn, sie nicht in ihrer Abgeschiedenheit zu stören. (Juusuf 'Allii)

Bei dein „östlichen Ort" wird es sich um einen Raum im Tempel gehandelt haben, denn Marjam, Allahs Segen und Frieden auf ihr,  war von ihrer Mutter dein Tempeldienst geweiht worden (vergleiche Sure 3:35-37). (Asad)

 

17. Und sie schirmte sich ab vor ihnen mit einem Vorhang.33 Und Wir sandten Unseren Geist auf sie herab34 und er erschien ihr gleich einem wohlgestalteten Menschen.35

33. Um sich ungestört denn Gebet und der Meditation widmen zu können. (Asad)

34. Nämlich Dschibril. (Darjabadi)

35 Die Qur’anausleger sind der Meinung, dass er ihr als Mensch erschien, damit sie auf ihn hörte und Vertrauen zu ihm gewann und ihn nicht abwies. Was der Fall gewesen wäre, wenn er ihr als Engel erschienen wäre.

(Safwat Al-Tafaasir)

Der Begriff “Ruch“ bedeutet oft „Offenbarung Allahs". Gelegentlich wird er jedoch gebraucht, uni das Medium zu bezeichnen, durch das solche Offenbarung Allahs Auserwählten mitgeteilt wird, mit anderen Worten, den Engel (oder die Engelskraft) der Offenbarung. Da sterbliche Menschen Engel nicht in ihrer wahren Form wahrnehmen können (vergleiche Suura 6:9 und die entsprechenden Fußnoten), ließ Allah ihn in diesem Fall „als wohlgestalteten Menschen" erscheinen, das heilst in einer Form, die ihrer Wahrnehmung zugänglich war. Nach Rasi wird der Engel deswegen mit “Ruch" bezeichnet. weil damit angedeutet werden soll, dass diese Wesen rein geistig sind, ohne jedes physische Element. (Asad)

 

18. Sie sprach: „Wahrlich, ich suche Zuflucht beim Erbarmer vor dir. Wenn du (nur) mutaqi bist."36

36. Da sie allein war, bekam sie Angst und dachte, dass er sie verführen wollte. (ibn Kasir)

Ein Mutaqi erschauert heim Erwähnen des Namens des Erbarmers. So lässt das Übermaß seiner Begierden nach und die teuflische Eingebung weicht von ihm ab. (Qutb)

 

19. Er antwortete: „Ich hin führwahr nur ein Gesandter deines Herrn, um dir einen reinen Sohn zu schenken."37

37. Allah hatte beschlossen, dass sie die Mutter des Propheten ’Isa , Allahs Segen und Frieden auf ihm,  werden sollte. Nun war die Zeit gekonnten, wo ihr dies angekündigt werden sollte. (Juusuf Allii)

 

20. Da sagte sie: „Wie soll ich einen Sohn haben, wo mich doch nie ein Mann berührt hat38 und ich auch nicht unkeusch gewesen bin?"39

38. In Form von ehelichen Beziehungen. (Darjabadi)

39. Hiermit werden die Anschuldigungen der Juden zurückgewiesen, sie habe ein unkeusches Leben geführt. (Darjabadi)

Aus ihrer Frage geht hervor, dass sie sich bis zu diesem Zeitpunkt nicht vorstellen kann, wie es möglich sein sollte, ohne die natürliche Verbindung von Mann und Frau einen Sohn zu bekommen, was nach menschlichem Ermessen die einzig natürliche Art ist.

 

21. Er antwortete: „So soll es sein. Dein Herr aber spricht: Das ist ein Leichtes für Mich.40 Und Wir wollen ihn wahrlich zu einem Zeichen für die Menschen machen41 und zu einer Barmherzigkeit von Uns.42 Und das ist eine beschlossene Sache."43

40. Ein solches Wunder. (Darjabadi)

Vergleiche den gleichlautenden Satz oben in Aja 9, der sich auf die Ankündigung der Geburt des Jachja an Sakarija, Allahs Segen und Frieden auf ihnen beiden, bezieht. In beiden Fällen ist impliziert, dass Allah in der Lage ist, Ereignisse herbeizuführen, die völlig unerwartet und vor ihren Eintreffen auch unvorstellbar sind, und dies auch tut. Im Zusammenhang mit der Ankündigung eines Sohnes für Marjam, Allahs Segen und Frieden auf ihr, sagt der Qur’an in Suura 3:47, dass Allah, wenn Er eine Sache beschließt, zu ihr spricht: „Sei!" und sie wird. Da jedoch weder der Qur’an noch eine gut belegte Überlieferung uns mitteilt, durch welche Kette von Ursachen und Wirkungen dieses „Sei!" verwirklicht wird, muss jede Spekulation über das „wie" dieses Ereignisses über den Gesichtskreis eines Qur’ankommentars hinausgehen. (Asad)

41. Dieses seltsame Ereignis soll für die Menschen ein Zeichen für die Gegenwart Allahs, Seine Allmacht und die Ungebundenheit Seines Willens sein. (Qutb)

42. Die Sendung‚’Isas, Allahs Segen und Frieden auf ihm, auf zweierlei Weise angekündigt:

1. er sollte ein Zeichen für die Menschen sein; seine wunderbare Geburt und sein wunderbares Leben sollten eine kafir Welt wieder Allah zuwenden; und

2. seine Sendung sollte den Reumütigen Trost und Heil bringen.

Dies ist auf die eine oder andere Weise bei allen Gesandten Allahs der Fall, vor allem beim Propheten Muchammad - Friede sei mit ihm. Hier soll jedoch besonders hervorgehoben werden, dass die Israeliten, zu denen ’Isa , Allahs Segen und Frieden auf ihm, gesandt wurde, ein hartherziges Volk waren, für das ’Isa , Allahs Segen und Frieden auf ihm,  Botschaft wirklich eine frohe Botschaft der Barmherzigkeit war. (Juusuf `Allii)

Eine der verschiedenen Bedeutungen des Wortes „Aja" ist „Zeichen“ „Symbol". Im Qur’an wird es jedoch meist im Sinne von „Botschaft Allahs" gebraucht. Wenn es hier für ’Isa , Allahs Segen und Frieden auf ihm,  verwendet wird, dann kann es bedeuten, dass er dazu bestimmt war, ein Träger der Botschaft Allahs an die Menschen zu sein, also ein Prophet und damit ein Symbol der Barmherzigkeit Allahs. (Asad)

43. Zu einer Sache, die Allah erschaffen will, spricht Er: „Sei!" und sie wird (vergleiche Suura 3:47). Zwischen Seinem Beschluss und seiner Ausführung gibt es keinen Zwischenraum, es sei denn, Er hätte einen solchen beschlossen. Zeit kann eine Projektion unserer eigenen Vorstellungen in einer relativen Welt sein. (Juusuf `Allii)

 

22. So empfing sie ihn44 und zog sich mit ihm an einen entlegenen Ort zurück.45

44. Es wird hier nichts darüber erwähnt, wie diese Tatsache ihre Vollendung fang. Die Geschichte überspringt Einzelheiten und setzt sich mit einer neuen Szene fort. Es wird auch nicht erwähnt, wie lange ihre Schwangerschaft gedauert hat und ob sie einen natürlichen Verlauf genommen hat. (Qutb)

Nachdem der Engel ihr den Lebenskeim eingehaucht hatte. (Darjabadi)

45. Weit entfernt von ihren Familienangehörigen. (Darjabadi)

Sie verließ das Heiligtum und zog sich an einen entfernten Ort zurück, um der bitteren Kritik ihrer Angehörigen zu entgehen. (Maududi)

 

23. Und die Wehen trieben sie zum Stamm einer Palme.46 Da klagte sie:47 „O wehe mir! Wäre ich doch vordem gestorben und ganz und gar in Vergessenheit geraten!"48

46. Um sich während der Wehen darauf zu stützen. (Darjabadi)

Damit werden die normalen, natürlichen Umstände der Geburt betont, die - wie es bei anderen Frauen der Fall ist - von Wehen begleitet war. (Asad)

47. Wörtlich: Sie sagte. (Anm. d. Übers.)

Vor Schmerz und Scham. (Darjabadi)

48. Sie war nur ein Mensch und erlitt alle Schmerzen einer werdenden Mutter, ohne dass jemand ihr beistand. Aufgrund der außerordentlichen Umstände hatte sie sich von all eil ihre Angehörigen zurückgezogen. (Juusuf `Allii)

Die Worte zeigen die besondere Sorge, die sich Marjam, Allahs Segen und Frieden auf ihm, machte: wie sie nämlich das Kind vor ihren Angehörigen verbergen könnte. Wenn eine verheiratete Frau ihr erstes Kind bekommt, leidet sie vielleicht unter starken Schmerzen, aber nicht unter solchen Sorgen und Traurigkeit. (Maududi)

In diesen Worten liegt ein Hinweis darauf das es erlaubt ist, im Falle von unerträglichen Prüfungen sich den Tod zu wünschen. In diesem Fall fürchtet sich Marjam davor, von ihren Angehörigen als Hure diffamiert zu werden, nachdem sie die Würde einer frommen Allahsdienerin genossen hatte. (ibn Kasir)

 

24. Da rief es unter ihr:49 „Sei nicht traurig. Dein Herr hat schon unter dir ein Bächlein hervorgebracht.50

49. Von unterhalb des Ortes, wo sie sich befand. Dabei handelt es sich um den Engel Dschibril. (Darjabadi)

Oder: „von unter der Palme". Oder: „von unter ihr." (Asad)

Dies war der Engel Dcshibril. Denn ’Isa , Allahs Segen und Frieden auf ihm,  sprach zum ersten Mal, als sie mit ihm zu ihren Angehörigen kam. (ibn Kasir)

50. Allah hat dich nicht verlassen oder vergessen, sondern sorgt für dich. Höchstwahrscheinlich begann das Bächlein erst in diesem Moment zu fließen. (Qutb)

 

25. Und biege den Stamm der Palme zu dir. So werden frische Datteln auf dich herabfallen.51

51. Allah hat dir Datteln zu essen gegeben. Somit hast du Speise und Trank. Bekanntlich sind süße Speisen für Wöchnerinnen besonders geeignet. (Qutb)

Die unsichtbare Fürsorge hatte bewirkt, dass sie nicht unter Hunger oder Durst leiden sollte. Das Bächlein brachte auch Wasser, so dass sie sich waschen konnte. (Juusuf `Allii)

Allah befahl ihr, den vertrockneten Stamm der Palme zu schütteln, um ein zweites Wunder zu erleben, nachdem sie gesehen hatte, wie das Bächlein entsprang. Allah wollte damit ihren Schmerz stillen und zu erkennen geben, dass Er das um ihretwillen geschehen ließ. (Safwat Al-Tafaasir)

 

26. So iss und trink also und sei frohen Mutes.52 Und wenn du irgendeinen Menschen sehen solltest, dann sprich:53 Wahrlich, ich habe dem Barmherzigen ein Fasten gelobt und werde heute zu keinem Menschen sprechen."54

52. Wörtlich: Kühle deine Augen: eine Redewendung für „tröste dich und sei froh". Wir brauchen die wörtliche Bedeutung jedoch nicht ganz aus den Augen zu verlieren: sie sollte ihre (vielleicht tränenfeuchten) Augen mit dem Wasser des Bächleins kühlen und sich damit trösten, dass sie ein äußergewöhnliches Kind bekommen hat. Sie sollte sich auch umsehen und, wenn sich jemand ihr näherte, jedes Gespräch verweigern. Es war wahr: sie stand unter einem Gelübde und konnte deswegen mit niemandem sprechen. (Juusuf `Allii)

Tröste dich mit dem Anblick des Kindes. (Darjabadi)

53. Wenn er ihr wegen des Kindes Vorwürfe machen will. (Darjabadi)

"Sprich" - da jedoch tatsächliches Sprechen dem widersprechen würde, was nun folgt, ist hier eine Andeutung durch Gesten gemeint. (Asad)

54. Mit dem Hinweis auf ein Gelübde Allah gegenüber sollt sie jedes Gespräch mit anderen Menschen - Männern oder Frauen - ablehnen. "Fasten" bedeutet hier nicht buchstäblich Enthaltsamkeit von Speise und Trank. Gerade war ihr doch gesagt worden, sie solle Datteln essen und aus dem Bächlein trinken. Es bedeutet in diesem Fall Enthaltsamkeit von gemeinsamen Mahlzeiten und vom Umgang mit Menschen allgemein. (Juusuf `Allii)

Der Begriff „Saum" bedeutet in erster Linke „Enthaltsamkeit" und „Selbstverleugnung"; hier in diesem Zusammenhang ist er gleichbedeutend mit „samt" („Enthaltsamkeit von der Sprache", „Schweigen"). Letzterer Begriff soll nach Samachsari tatsächlich in einer Qur’ankopie gestanden haben, die 'Abdullah ibn Mas'ud gehörte, möglicherweise als Anmerkung. (Asad)

„Die brauchst über dieses Kind nichts zu sagen; Wir sind jetzt verantwortlich, den Kritikern zu antworten." (Maududi)

 

27. Und sie nahm ihn auf den Arm und brachte ihn zu ihren Leuten.55 Da sie: „O Marjam Du hast fürwahr Unerhörtes getan!56

55. Wörtlich: Sie trug ihn (Anm. d. Übers.)

56. Das Erstaunen der Leute war grenzenlos. Jedenfalls waren sie bereit, ihr das Schlimmste zuzutrauen, da sie eine zeitlang aus dem Familienkreis verschwunden war. Da kommt sie nun, schamlos mit dem Kind auf dem Arm! Welchen Schaden hatte sie über das Haus Haruuns, Allahs Segen und Frieden auf ihm, die Quelle des Priestertums gebracht Wir können annehmen, dass diese Szene sich im Tempel in Jerusalem oder in Nazareth abspielte. (Juusuf 'Ali)

„Fariijaa" bedeutet wörtlich: „etwas Gefälschtes", von daher „unbekannt" oder „unerhört". (Darjabadi)

 

28. O Schwester Haruuns!57 Dein Vater war kein böser Mann und deine Mutter war keine Dirne!"58

57. Haruun, Muusas Bruder, Allahs Segen und Frieden auf ihnen beiden, war der erste in der Linie des israelischen Priestertums. Marjam, Allahs Segen und Frieden auf ihr, und ihre Kusine Elisabeth (die Mutter, Ayhyas) stammten aus der priesterlichen Familie und wurden deswegen  als „Schwestern Haruuns" oder „Töchter Imraans" (Haruuns Vater) bezeichnet, Allahs Segen und Frieden auf ihnen allen. Vergleiche auch Suura 3:35. Marjam, Allahs Segen und Frieden auf ihr, wurde an ihre edle Abstammung und an die beispiellose Tugendhaftigkeit ihres Vaters und ihrer Mutter erinnert. Wie tief war sie gefallen, sagte man, und wie sehr hat sie die Namen ihrer Vorfahren entehrt! (Juusuf `Allii)

„Ucht" bedeutet nicht unbedingt Schwester, sondern als Femininform von „ach" (wörtlich: „Bruder", „Gefährte") auch „Gefährtin". Marjam, Allahs Segen und Frieden auf ihr, gehörte zum Stamm Levi, der für seine Taqwa und Tugend geachtet war. (Darjabadi)

Im alten semitischen Sprachgebrauch war der Name einer Person oft mit dem eines bekannten Vorfahren oder Begründers eines Stammes verbunden. Ein Mann aus dem Stamm der Banu Tamim wurde dementsprechend oft al “Sohn Tamims" gesprochen oder “Bruder von Tamim". Da Marjam, Allahs Segen und Frieden auf ihr, aus der  Priesterfamilie und damit von Haruun, Allahs Segen und Frieden auf ihm, abstammte, wurde sie Schwester genannt. Ähnlicherweise wird ihre Kusine Elisabeth, die Frau von Sakarija in Lukas 1:5 als “eine der Töchter Haruuns“, Allahs Segen und Frieden auf ihm,  bezeichnet. (Asad)

Qatada überliefert: „Haruun war ein Mann unter den Israeliten, der durch seine Tugendhaftigkeit bekannt war. Mit ihm wurde sie immer verglichen. Er war also nicht der Bruder Muusas.“ (Safwat Al-Tafasir)

58. Wie schändlich war es dann von dir,; einer so edlen Familie Unehre gebracht zu haben! (Darjabadi)

 

29. Doch sie zeigte (nur) auf ihn.59 Da sagten sie: „Wie können wir mit jemandem sprechen, der noch ein Säugling in der Wiege ist?"60

59. Was konnte Marjam, Allahs Segen und Frieden auf ihm, jetzt tun? Wie konnte sie die Sache erklären? Würden sie in ihrer kritischen Verfassung ihre Erklärung akzeptieren? Sie konnte nur auf das Kind zeigen, das, wie sie wusste, kein gewöhnliches Kind war. Und das Kind kam ihr zu Hilfe. Durch ein Wunder sprach es, verteidigte seine Mutter und predigte - einer kafir Zuhörerschaft. Vergleiche auch Suura 3:46 und die entsprechenden Fußnoten. (Juusuf `Allii)

Sie zeigte auf ihn, dass sie mit ihm sprechen sollten. (ibn Kasir)

Damit sie ihn über ihr Geheimnis befragten. (Qutb)

60. Ein Knabe (Anm. d. Übers.)

Diese Worte werden auch übersetzt: „Wie sollen wir mit ihm sprechen, der gestern noch ein Kind war?" und den älteren Juden in den Mund gelegt, die Jahre später, als ’Isa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, ein heranwachsender Junge war, sagten, sie könnten wohl kaum mit einem Kind einen nützlichen Dialog führen. Bei dieser Interpretation wird das Wunder einfach übergangen. Vergleiche Suura 3:45 und 5:110, wo davon die Rede ist, dass ’Isa , Allahs Segen und Frieden auf ihm, bereits in der Wiege" zu den Menschen sprechen sollte. (Maududi)

Al-Suddija hat erzählt: „Als sie auf ’Isa, Allahs Segen und Frieden auf ihm,  zeigte, wurden sie wütend und sprachen: Uns so zu verspotten, wiegt für uns wahrhaftig noch schlimmer, als einen unehelichen Sohn zu gebären.

 

30. Er sprach:61 „Ich bin wahrlich ein Diener Allahs.62 Er hat mir das Buch gegeben und mich zu einem Propheten gemacht,63

61. Obwohl in Suura 3:48 erwähnt wird, dass ’Isa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, „noch in der Wiege zu den Menschen sprechen" würde, das heißt seit frühester Kindheit mit Wissen begabt sein sollte, scheinen die Ajas 30-33 eine Umschreibung zu sein, die zukünftige Ereignisse in der Vergangenheitsform schildert. (Asad)

62. So macht ’Isa , Allahs Segen und Frieden auf ihm, seine Dienstbereitschaft und Ergebenheit Allah gegenüber deutlich. Er ist kein Sohn Allahs, wie einige von ihnen behaupten, auch kein Gott oder ein Drittel der Gottheit. (Qutb)

63. Nicht etwa zu einem Scharlatan oder Magier. (Darjabadi)

Hier verdeutlicht ’Isa , Allahs Segen und Frieden auf ihm, seine Unterwerfung vor Allah. Er ist weder Sein Sohn, wie die einen sagen, noch ein Gott, wie die anderen behaupten, während die dritte Partei ihn zu einem Teil der Trinität macht. Er erklärt auch ausdrücklich, dass Allah ihn zu einem Propheten und nicht zu einem Teilhaber gemacht hat. (Qutb)

Da es nicht vorstellbar ist, dass Allah jemanden zum Propheten berufen und ihm Offenbarung zukommen lassen wird, der noch nicht die volle Reife und Intellekt und Erfahrung erlangt hat, interpretieren `Ikrima und Ad-Dachhak diesen Abschnitt folgendermaßen: „Allah hat beschlossen, mir die Offenbarung mitzuteilen..." und so weiter als Anspielung auf die Zukunft. Tabari wendet dieselbe Interpretation auf den nächsten Aja an und erklärt ihn so: „Allah hat beschlossen, mir Gebet und Almosen zu gebieten". Der gesamte Abschnitt (Ajas 30-33) kann jedoch auch als Äußerung ’Isas, Allahs Segen und Frieden auf ihm, in einer viel späteren Zeit verstanden werden, nämlich nachdem er die Reife erreicht hatte und tatsächlich mit seiner prophetischen Aufgabe betraut worden war. (Asad)

 

31. Und Er hat mich gesegnet, wo immer ich auch bin, und mir aufgetragen, das Gebet (zu verrichten) und Sakach (zu geben) so lange ich lebe.64

64. Durch die Geschichten von ’Isa und Jachja, Allahs Segen und Frieden auf ihnen beiden, hindurch ziehen sich Parallelen mit einigen Variationen. Aber die Parallelen wie die Variationen sind interessant. ’Isa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, erklärt beispielsweise von Anfang an, dass er ein Diener Allahs ist, und verneint damit die falsche Vorstellung er könnte Allah und Allahs Sohn sein. Jachjas, Allahs Segen und Frieden auf ihm, Größe wird in den Ajas 12-13 in Worten beschrieben, die nicht auf ’Isa , Allahs Segen und Frieden auf ihm, angewendet werden, aber die Ajas 14-15, die auf Jachja, Allahs Segen und Frieden auf ihm, bezogen sind, sind fast identisch mit den hier auf ’Isa, Allahs Segen und Frieden auf ihm,  bezogenen formuliert. Hingabe in Gebet und Almosen ist eine gute Beschreibung der Kirche ’Isa , Allahs Segen und Frieden auf ihm, als Ideal, während Mitleid, Reinheit und Hingabe bei Jachja , Allahs Segen und Frieden auf ihm, eine gute Beschreibung der Methode sind, die zu Gebet und Almosen führt, so wie Jachja zu ’Isa, Allahs Segen und Frieden auf ihnen beiden, zu führte. (Juusuf `Allii)

„Solange ich lebe": das impliziert, dass ’Isa , Allahs Segen und Frieden auf ihm, sterblich ist. (Darjabadi)

Gebet und Sakach (das heißt eine Steuer, die im Islam zur Grundlage des Wirtschaftssystems erhoben wurde), waren stets ein wichtiger Bestandteil des Islams. Wie alle anderen Propheten, machten auch die Propheten Israels beides zu bindenden Pflichten für die Juden; doch nach und nach begannen die Juden, sie zu vernachlässigen. Sie hörten auf, das Gebet gemeinsam zu verrichten, ja die meisten von ihnen beteten nicht einmal für sich allein. Anstatt ’Sakach zu bezahlen, fingen sie sogar an, Zinsen für ihr Geld zu verlangen. (Maududi)

Zu ’Sakach schreibt Darjabadi: "Diese Steuer soll den Menschen von Geiz und Gier heilen. Wörtlich bedeutet ’Sakach Reinheit, Reinigung. Es ist der Anteil am Vermögen, der Allah zuliebe von dessen Eigentümer entrichtet wird, damit es “gereinigt“ werde. Die Zahlung dieser. religiösen Steuer ist Pflicht, vorausgesetzt das Vermögen hat einen bestimmten Umfang und gehörte seinem Besitzer mindestens während der Dauer eines Mondjahres (das sind etwa 355 Tage). Die Steuer variiert entsprechend der Art und Größe des Vermögens; in den meisten Fällen beträgt sie jedoch ein Vierzigstel des Vermögens, das heißt zwei ein halb Prozent."

 

32. Und Er hat mich ehrerbietig gegen meine Mutter65 und mich weder gewalttätig noch anmaßend gemacht,66

65. Dies widerspricht dem Standpunkt, der an verschiedenen Stellen im Neuen Testament durchscheint, ’Isa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, sei seiner Mutter gegenüber indifferent oder gefühlskalt gewesen; vergleiche beispielsweise Matthäus 12:46-50; Markus 3:31-35 und Lukas 3:19-21. (Darjabadi)

„Meiner Mutter gegenüber" und nicht „meinen Eltern gegenüber": ein weiterer Hinweis darauf, dass ’Isa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, keinen Vater hatte. Deswegen heißt er auch überall im Qur’an „’Isa, der Sohn von Marjam". (Maududi)

66. Vergleiche Matthäus 9:29. (Darjabadi)

Anmaßende Gewalttätigkeit ist nicht nur denen gegenüber ungerecht und schädlich, die solchem Verhalten zum Opfer fallen, sondern vielleicht sogar noch schädlicher für denjenigen, der sich so verhält, denn seine Seele wird rastlos, entwurzelt und schließlich elend - de Zustand derer, die sich in der Hölle befinden. Die negativen Eigenschaften hier sind „anmaßend oder elend". Auf Jachja, Allahs Segen und Frieden auf ihm, bezogen heißt es, er war „nicht anmaßend oder rebellisch". Jachja, Allahs Segen und Frieden auf ihm, ertrug seine „Strafe" von der Staatsgewalt ohne Protest oder Rückzug. (Juusuf `Allii)

 

33. Darum sei Friede mit mir am Tag, an dem ich geboren wurde und am Tag, da ich sterbe und am Tag, an dem ich wieder zum Leben erweckt werde."67

67. Vergleiche Suura 19:15 und die entsprechende Fußnote. ’Isa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, wurde nicht gekreuzigt (siehe Suura 4:157). Wer jedoch glaubt, er sei nie gestorben, sollte über diesen Aja nachdenken. (Juusuf `Allii)

Wie alle sterblichen Menschen. (Darjabadi)

 

34. Das ist ’Isa der Sohn der Sohn der Marjam68 Es ist das Wort der Wahrheit, das sie bezweifeln.69

68. Der Qur’an berichtet nun nichts weiter nach dieser Szene, etwa von der Reaktion n der Angehörigen, oder wie es Marjam und ihrem ungewöhnlichen Sohn weitererging, Allahs Segen und Frieden auf ihnen beiden. Es wird auch nicht berichtet, wann Propheten berufen wurde. (Qutb)

69. "Al-Haq" ist Allah und "Qaul Al-Haqq" ist das Wort Allahs. Oder aber „Qaul al Haqq" könnte „das wahre Wort über Ihn" heißen. (Qutb)

Die Kontroversen über die Natur 'Isa,  Allahs Segen und Frieden auf ihm,  waren sinnlos, aber um so lebhafter und dauerhafter. Moderne christliche Kirchen haben diese Debatten in den Hintergrund gedrängt, aber sie würden besser daran tun, irrationale Dogmen offen zu legen. (Juusuf `Allii)

Dies spielt auf die zahllosen widersprüchlichen Ansichten über die Natur ’Isa, Allahs Segen und Frieden auf ihm,  und seine Herkunft an, die von der gotteslästerlichen jüdischen Behauptung, er sei ein „falscher Prophet" und das Ergebnis einer illegalen Verbindung (vergleiche Suura 4:156), bis zu der christlichen Lehre, er sei „Allahs Sohn" und damit menschgewordener Allah, reichen. Vergleiche in diesem Zusammenhang auch Suura 8:59 und die entsprechenden Fußnoten. (Asad)

 

35. Es ziemt Allah nicht, sich einen Sohn zu nehmen.70 Gepriesen sei Er! Wenn Er eine Sache beschließt, dann sagt Er nur zu ihr: „Sei"! und sie wird.71

70. Vergleiche Suura 2:116. (Asad)

Ein Sohn ist jemand, den vergängliche Wesen brauchen, um sich selbst fortzusetzen, beziehungsweise als Hilfe in ihrer Schwäche. Allah ist jedoch ewig und unvergänglich. Er ist mächtig und bedarf keiner Hilfe. Alles, was Er schafft, geschieht durch das Wort „Sei!" und es wird. Und was Er verwirklichen will, das geschieht nach Seinem Willen und nicht durch einen Sohn oder Helfer. (Qutb)

71. Die Zeugung eines Sohnes ist eine physische Handlung, die von den Bedürfnissen der tierischen Natur des Menschen abhängig ist. Allah ist von allen Bedürfnissen unabhängig, und es ist entwürdigend für Ihn, Ihm eine solche Handlung zuzuschreiben. Eine solche Vorstellung ist nur ein Überbleibsel kafir und anthropomorphen Aberglaubens.

(Juusuf `Allii)

Er ist erhaben über solche Unterstellungen. (Darjabadi)

So wie die wunderbare Geburt des Propheten Jachja, Allahs Segen und Frieden auf ihm,  ihn nicht zu „Allahs Sohn" machen konnte, so auch nicht die wunderbare Geburt. Die Geburt beider war ein Wunder Allahs, so wie sie auch im Lukasevangelium zusammen erwähnt wurde. Es ist völlig unlogisch, nun den einen als Diener Allahs und den anderen als Sohn Allahs zu bezeichnen. (Maududi)

 

36. „Und wahrlich, Allah ist mein Herr72 und euer Herr.73 So betet Ihn an.74 Das ist der gerade Weg."75

72. Hier kommt die Aussage ’Isas, Allahs Segen und Frieden auf ihm, ihrem Abschluss. Eine Aussage, die auch durch sein Verhalten zum Ausdruck kommt. Er verkündet hier seine Allahergebenheit vor Allah und vor den Menschen. Er ruft sie dazu auf, Allah ohne Teilhaber anzubeten. So bleibt nach diesem eindeutigen Bekenntnis kein Raum mehr für Spekulationen und Aberglauben. (Qutb)

73. Dies ist der gerade Weg, der direkt zum Paradies führt. (Al-Dschalalain)

74. Nur Ihn allein, ob ihr Christen und Anhänger anderer Religionen! (Darjabadi)

75. Im Gegensatz zu allen abergläubischen Vorstellungen, die metaphysische Sophistereien aller Art zu Hilfe nehmen, um zu beweisen, dass Einer gleich Dreien ist und Drei gleich Einem. Im Qur’an gibt es nichts Krummes (vergl. Suura 18:1). ’Isas, Allahs Segen und Frieden auf ihm, Lehre war schlicht wie sein Leben, und erst die Christen haben sie kompliziert gemacht. (Juusuf `Allii)

Vergl. Suura 3:51 und 43:64. (Asad)

Hier endet die Ansprache, die vor dem Negus gehalten werden sollte. Der Text wurde dort gerade in dem kritischen Augenblick vorgetragen, als bereits Häftlinge bestochen worden waren, die ausgewanderten Muslime ihre Feinden auszuliefern. Sie standen tatsächlich der Gefahr gegenüber, dass die freie islamische Kritik an der christlichen Lehre den König gegen sie stimmen könnte, so dass er sie den Quraisch auslieferte. Dennoch trugen sie ihm die ganze Wahrheit ohne zu zögern vor. (Maududi)

 

37. Die Parteien jedoch blieben weiterhin uneins untereinander.76 Wehe darum denen, die kafir sind im Anblick77 eines gewaltigen Tages.

76. Die verschiednen Gruppen der Juden, Christen und Polytheisten. (Darjabadi)

Indem sie  entweder völlig ablehnen, wie die Juden, oder - wie es bei den Christen der Fall ist - ihn vergöttern. (Asad)

Bei einer der drei bekannten Synoden, zu der Kaiser Konstantin etwa 2170 Bischöfe eingeladen hatte, kam ihre Uneinigkeit zutage. Sie teilten sich zu kleinen Gruppen, wobei jede Gruppe eine andere Behauptung aufstellte. Die größte Gruppe zählte etwa 308 Leute, die dann auf ihrer Meinung beharrten. Der Kaiser schloss sich ihnen an und vertrieb ihre Gegner. (ibn Kasir)

77. „Maschhad", gewöhnlich übersetzt mit „Urteil", bedeutet Verschiedenes:

1. die Zeit oder der Ort, wo Beweismaterial aufgenommen wird, beispielsweise vor Gericht;

2. die Zeit oder der Ort, wo Menschen vorgeführt werden (zu Gerichtssitzungen); und

3. der Anlass einer solchen Vorführung zwecks Beweisaufnahme. Dies ist ein sehr beeindruckender Ausdruck für den Tag des Gerichts. (Juusuf `Allii)

An dem Menschen wie auch Dschin in der Gegenwart des Allmächtigen sein werden, Dem die Polytheisten Teilhaber beigesellen. (Qutb)

 

38. Wie deutlich werden sie hören und sehen an dem Tag, an dem sie zu Uns kommen werden! Doch die, die heute unrecht tun, befinden sich in offenkundigem Irrtum.78

78. Vergleiche Suura 50:22 und den ganzen Abschnitt, in dem die Auferstehung geschildert wird. (Juusuf `Allii)

Wie merkwürdig sie sind! Sie wollen nicht hören und auch nicht sehen, dass dies die Mittel sind zu ihrer Errettung. Doch ihre Augen und Ohren werden die Mittel sein, mit denen sie hören werden, was ihnen Schande bringt, und sehen, was sie hätten meiden müssen. (Qutb)

 

39. Darum warne sie vor dem Tag der gramvollen Reue, wenn alles entschieden ist,79 während sie in Achtlosigkeit (dahinleben) und nicht den Iman verinnerlichen wollen.

79. „Hasra" bedeutet Seufzen, Bedauern, Verzweiflung. (Juusuf `Allii)

An dem sie darüber jammern werden, nichts Gutes in ihrem Leben getan zu haben. (Al-Dschalalain)

Warne sie vor dem Tag, an dem kein Jammern mehr nützt. (Asad)

 

40. Denn Wir sind es, Die die Erde und alles, was auf ihr ist, erben werden,80 und zu Uns werden sie81 zurückgebracht.

80. Vergleiche Suura 8:180 und 15:23 sowie die entsprechenden Fußnoten. Materieller Besitz geht von einem Besitzer zum anderen über; wenn jemand stirbt, erbt es ein anderer. Allah gibt Leben und Tod, und alles, was nach unserem physischen Tod übrig bleibt, kehrt zu Allah zurück, Der Quelle aller Dinge. (Juusuf `Allii)

 

Abschnitt 3

41. Und bring im das Buch (die Geschichte) von Ibrahiim in Erinnerung.82 Der war ein wahrhafter Mensch,83 ein Prophet.84

81. Von hier an sind unmittelbar die Bewohner von Makka angesprochen, die ihre eigenen Angehörigen gezwungen hatten, aus der Stadt auszuwandern so wie Ibrahiim, Allahs Segen und Frieden auf ihm, von seinem eigenen Vater zur Auswanderung gezwungen worden war. Die Geschichte von Ibrahiim, Allahs Segen und Frieden auf ihm, wird deswegen ausgewählt, weil die Quraisch ihn als ihren religiösen Führer anerkannten und stolz darauf waren, von ihm abzustammen. (Maududi)

82. Weise die Leute aus deiner Stadt, die Götzen anbeten, auf die Geschichte Ibrahiims, Allahs Segen und Frieden auf ihm, hin, wie er seinen Vater vom Götzendienst abhalten wollte. (ibn Kasir)

83. Das Wort “Siddiq" beinhaltet zwei Komponenten. Zum einen, dass er stets die Wahrheit gesagt hat, zum anderen pflegte er die Wahrheit zu bestätigen. (Qutb)

“Siddiq“ ist eine Intensivform und bezeichnet jemanden, der gewohnheitsmäßig aufrichtig ist und unbedingt die Wahrheit liebt. Dies wird hier vielleicht besonders betont, weil in der Bibel von zweimaliger Unaufrichtigkeit die Rede ist. (Darjabadi)

84. Allmählich wird auch in der europäischen Rechtschreibung anerkannt, dass es eine Person wie Ibrahiim, Allahs Segen und Frieden auf ihm, gegeben haben muss. Er lebte ursprünglich in Ur in Mesopotamien und wanderte mit seinen Angehörigen von dort aus nach Nordsyrien und später nach Palästina aus. Er lebte etwa 2000 Jahre vor Christus. (Darjabadi)

 

42. Als er zu seinem Vater sprach: „Mein lieber Vater!85 Warum betest du das an, was weder hören noch sehen und dir nichts nützen kann?86

85. Die Geschichte Ibrahiims, Allahs Segen und Frieden auf ihm, bezieht sich hier auf seine zärtliche Fürsorge für seinen Vater, der das Licht` nicht erlangt hatte, und für den Ibrahiim, Allahs Segen und Frieden auf ihm, ein Freund und Führer sein wollte. (Juusuf `Allii)

Die Persönlichkeit Ahns wird in diesem Abschnitt deutlich sichtbar. Seine Sanftmut und Nachsicht sprechen aus seinen Worten ebenso wie aus seinem Gebaren gegenüber der Unwissenheit seines Vaters. (Qutb)

86. Naturgemäß verehrt der Mensch jemanden, der höher, größer, wissender und mächtiger ist als er selbst. Durch diese Verehrung gelangt er selbst zu größerer Vollkommenheit. Wie kann ein Mensch sich dann an Wesen wenden, die, selbst noch tiefer stehen als Tiere, die nichts hören oder sehen und weder nutzen noch schaden können? Ibrahiims, Allahs Segen und Frieden auf ihm, Vater und sein Volk verehrten zu jener Zeit Götzen, ähnlich denen zur Zeit des Propheten Muchammad - Friede sei mit ihm - bei den Quraisch. (Qutb)

 

43. O mein lieber Vater! Zu mir ist Wissen gekommen, zu dem du nicht gelangt bist.87 So folge mir, damit ich dich auf einen geraden Weg führe.88

87. Nämlich die Offenbarung Allahs, die untrügliches Wissen ist. (Darjabadi)

Nämlich Wissen von Allahs Existenz und Einheit durch intellektuelle Einsicht. Vergleiche Suura 6:74-82. (Asad)

Auch wenn er jünger ist als sein Vater und weniger Erfahrung hat, ist er doch mit Hilfe der allerhöchsten Macht zu Wissen gelangt. Mit diesem Wissen ermahnt er seinen Vater, der dasselbe nicht erhalten hat. (Qutb)

Einige Menschen sind empfänglicher für das Licht der Rechtleitung als andere. Es ist ihr Privileg und ihre Pflicht, andere zu leiten und ihnen den rechten Weg zu weisen.

(Juusuf `Allii)

88. „Sawija": recht, glatt, eben, vollkommen, daher die abgeleiteten Bedeutungen: in Aja 10 oben „insgesamt" und oben in Aja 17, wo der Engel in Menschengestalt erscheint, ein wohlgestalteter Mensch. (Juusuf `Allii)

Es ist keine Schande, wenn ein Vater seinem Sohn folgt, wenn dieser in Verbindung mit einer höheren Macht steht. (Qutb)

 

44. O mein lieber Vater! Diene nicht dem Scheytan. Wahrlich, der Scheytan widersetzt sich dem Barmherzigen.89

89. Die Rebellion ist um so furchtbarer und unentschuldbarer angesichts der Tatsache, dass Allah gerecht, gnädig und barmherzig ist. (Juusuf `Allii)

Scheytan ist derjenige, der zum Götzendienst verführt. Und wenn man Götzen anbetet, so ist es als ob man ihn direkt anbetet. (Qutb)

Wie absurd es ist, anderen Wesen als Allah göttliche Eigenschaften zuzuschreiben, wird hier sinngemäß erklärt als “Verehrung" des Inbegriffs der Unvernunft und Undankbarkeit, die in Scheytans Rebellion gegen seinen Schöpfer symbolisiert wird. In diesem Zusammenhang soll noch einmal darauf hingewiesen werden, dass der Begriff “scheytaan" von dem Verb “schatana" (“er wir entfernt", nämlich von der Wahrheit) hergeleitet wird. Daher bezeichnet der Qur’an jeden Impuls, der gegen Wahrheit, Vernunft und Moral verstößt, asis “scheytanisch", und jede bewusste Handlung in Übereinstimmung mit solchen Einflüssen ist “Scheytansverehrung". (Asad)

 

45. O mein lieber Vater! Ich fürchte wahrlich, dass eine Strafe vom Barmherzigen über dich kommen wird,90 so dass du zu einem Freund Scheytans wirst."91

90. Falls du keine Reue zeigst. (Al-Dschalalain)

In dieser Welt und im zukünftigen Leben. (Darjabadi)

Freundliche Gefühle statt Aversionen gegenüber dem Bösen sind in sich eine Entwürdigung unserer Natur, eine Strafe, die uns Allah für unsere absichtliche Ablehnung der Wahrheit auferlegt. Freundschaft mit dem Bösen bedeutet auch eine Teilhabe an dessen Gesetzlosigkeit. (Juusuf `Allii)

91. Zu seinem Begleiter in die Hölle. (Al-Dschalalain)

Nach Samachsari und Rasi soll die Satzkonstruktion hier den Gedanken hervorheben, dass im zukünftigen Leben die verspätete Erkenntnis, “Scheytan nahe gestanden" zu haben, die furchtbarste Folge absichtlichen Fehlverhaltens ist. (Asad)

 

46. Da antwortete er: „Verschmähst du etwa92 meine Götter,93 o Ibrahiim?94 Wenn du nicht (davon) ablässt, werde ich dich gewiss steinigen.95 So halte dich eine Zeitlang fern von mir."96

92. Die sanfte, rücksichtsvolle Aufforderung dringt jedoch nicht zum Herzen dieses Götzendieners vor. Er reagiert darauf mit Missbilligung und Drohung. Er reagiert mit Unvernunft und Härte auf die Einladung zur Rechtleitung. (Qutb)

93. Die Familiengötter - die Stammesgötter - die Staatsgötter. (Darjabadi)

94. Und lehnst dich gegen meine väterliche Autorität auf. (Darjabadi)

95. Dies entsprach durchaus dem Gewohnheitsrecht des Landes, wo der Vater absolute Autorität über seine Familie hatte. (Darjabadi)

96. Während nach der Meinung Al-Suddiys „maliyyan" „auf ewig" heißt, meint Ibn `Abbaas, mit „maliyyan" sei „unversehrt, bevor dich meine Strafe trifft" gemeint. (ibn Kasir)

Beachte den sanften, überzeugenden Ton in Ibrahiims, Allahs Segen und Frieden auf ihm, Rede in den Ajas 42-45 (diese Sätze fassen allem Anschein nach eine lange Argumentation zusammen) und in den Ajas 47-48, im Gegensatz zu dem brüsken und abweisenden Ton in der Antwort des Vaters in diesem Aja. Das eine war die Folge des wahren Lichts, das Ibrahiim, Allahs Segen und Frieden auf ihm, Allah erhalten hatte, das andere das Ereignis kafir Arroganz und der Verehrung brutaler Gewalt. Die geistige Lektion in dieser Episode aus Ibrahiims, Allahs Segen und Frieden auf ihm, Leben kann in vier Punkten herausgestellt werden:

1. der fromme Sohn ist seinem Vater gegenüber pflichtbewusst und wünscht ihm in allen Dingen, materiellen wie geistigen, nur Gutes,

2. wenn der Vater Allahs Licht zurückweist, wird der Sohn sein Bestes tun, dem Vater dieses Licht zu bringen;

3. wenn der Sohn dieses Licht empfangen hat, wird er niemals aufgeben, selbst wenn er dadurch die Liebe seines Vaters verwirkt und seine Heimat verlassen muss;

4. selbst wenn der Vater ihn abweist und hinauswirft, antwortet er darauf in sanfter Weise, voller Liebe und Vergebungsbereitschaft einerseits, aber konsequent auf der Seite der Wahrheit andererseits. (Juusuf 'Allii)

 

47. Er sprach: „Friede sei mit dir!97 Ich werde meinen Herrn um Verzeihung für dich bitten.98 Denn Er ist wahrlich überaus gütig zu mir.99

97. Du wirst von mir keinen Verlust erleiden, sondern Heil. (ibn Kasir)

Auch hier überkommt den sanftmütigen Ibrahiim, Allahs Segen und Frieden auf ihm, nicht der Zorn, sondern er erwidert nur: „Friede sei mit dir": kein Streit und keine Beleidigungen und auch keine Erwiderung der Drohungen. (Qutb)
 

98. Dass er dir verzeiht und dich nicht damit bestraft dauernd im Irrtum zu bleiben, sondern dich zur Rechtleitung führt. (Qutb)

Vergleiche Suura 9:114, wo dieses Versprechen Ibrahiims, Allahs Segen und Frieden auf ihm, für seinen Vater zu beten, erwähnt wird und so seine Einschränkungen aufgezeigt werden. (Juusuf `Allii)

99. Er pflegt meine Gebete zu erhöhten. (ibn Kasir)

Er sorgt für mich, erweist mir Seine Barmherzigkeit und Liebe und erhört meine Gebete. (Darjabadi)

 

48. Ich werde mich also entfernen von euch und dem, was ihr anstelle von Allah an betet,100 und ich bete zu meinem Herrn,101 in der sicheren Erwartung, dass mein Bittgebet zu meinem Herrn nicht ohne Segen bleiben werde."102

100. Ich trenne mich physisch von dir und deinen Göttern, so wie ich geistig schon immer von ihnen getrennt gewesen bin. (Darjabadi)

101. Und bete allein zu Allah, ohne irgendwelchen Teilhaber. (ibn Kasir)

Dass du trotz allem auch jetzt noch den Weg der Wahrheit findest. (Darjabadi)

Im Gegensatz zu euren leblosen und handlungsunfähigen Göttern. (Darjabadi)

102. Ibrahiim, Allahs Segen und Frieden auf ihm, verließ seinen Vater und die Heimat seiner Ahnen (Ur in Haldaa) und kehrte niemals zurück. Er ging, weil er fortgeschickt worden war, und weil es ihm nicht möglich war, irgendwelche Kompromisse mit dem Falschen in der Religion zu schließen. Beschimpfungen vergalt er mit sanften Sorten, und er brachte seine glühende Hoffnung zum Aus druck, dass wenigstens er selbst auf seine Gebete hin Allahs Segen erhalten würde. Hierin liegt eine Vorausschau auf eine andere Auswanderung viele Jahrhunderte später. In beiden Fällen wurden die Gebete reichlich erfüllt. (Juusuf `Allii)

 

49. Und als er sich von ihnen und dem, was sie anstelle von Allah anbeteten, abgewandt hatte,103 da schenkten Wir ihm Ishaaq und Jaquub,104 und sie alle machten Wir zu Propheten.105

103. Und nachdem er aus der Heimat seiner Vorfahren nach Syrien und von dort nach Palästina ausgewandert war. (Darjabadi)

Allah ließ ihn nicht allein, sondern schenkte ihm Nachkommen als eine reichliche Entschädigung. (Qutb)

104. Als Sohn und als Enkel, nach seinem erstgeborenen Sohn Ismail. (Darjabadi)

Ishaaq ist der Sohn Ibrahiims und seiner Frau Sachra, die zuvor unfruchtbar gewesen war. Jaquub ist Ishaaqs, Allahs Segen und Frieden auf ihnen allen, Sohn. Doch da er zu Lebzeiten Ibrahiim, Allahs Segen und Frieden auf ihm, geboren wurde und bei ihm lebte, wird er als ein Sohn bezeichnet. (Qutb)

105. Wir machten seine Nachkommen zu seiner großen Freude zu Propheten. (ibn Kasir)

Ishaaq und dessen Sohn Jaquub, Allahs Segen und Frieden auf ihnen beiden, den hier erwähnt, weil sie eine Linie von Ibrahiims, Allahs Segen und Frieden auf ihm, Überlieferungen fortsetzen. Die andere Linie wurde von Ismail getragen, der fünf Ajas weiter unten erwähnt wird, denn seine Linie wurde besonders durch den Propheten Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, geehrt wird. Deswegen wird er unmittelbar nach Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, erwähnt. Vergleiche auch Suura 21:72. (Juusuf `Allii)

 

50. Und allen schenkten Wir von Unserer Barmherzigkeit106 und Wir machten, dass ihnen der Ruf erhabener Wahrhaftigkeit zuteil wurde.107

106. Sowohl materielle als auch geistige Gaben. (Darjabadi)

Nämlich Ibrahiim, Ishaaq, Jaquub und ihre Nachkommen, Allahs Segen auf ihnen allen. Barmherzigkeit wird hier zum roten Faden in dieser Suura. Sie wird  Ibrahiim, Allahs Segen und Frieden auf ihm, von Allah geschenkt als Ersatz für seine Familie und seine Heimat, die er verließ. (Qutb)

107. Ibrahiim sein Sohn Ishaaq und sein Enkel Jaquub sowie ihre Nachkommen, Allahs Segen und Frieden auf ihnen allen, hielten viele Generationen lang die Erinnerung an die Wahrheit wach und wurden verdientermaßen durch den Mund der Menschen sehr gelobt - mit dem Lob der Wahrheit. Ibrahiim, Allahs Segen und Frieden auf ihm, betete darum, dass er durch den Mund der Wahrheit unter Menschen späteren Generationen lobend erwähnt werden sollte: vergleiche Suura 26:84. Gewöhnliches Lob braucht nichts zu bedeuten, es kann auf egoistische Schmeicheleien anderer oder Manipulationen seitens des Gelobten zurückgehen. Nur Lob mit dem Mund der Wahrheit ist wirkliches Lob.

(Juusuf `Allii)

Wörtlich: „eine erhabene Sprache der Wahrheit" oder „Wahrhaftigkeit". Der Begriff „Lisaan" („Sprache" oder „Zunge") wird hier stellvertretend für das gebraucht, was dadurch ausgesprochen wird. Eine von vielen Kommentatoren vertretene alternative Interpretation ist „gewährten ihnen einen hohen Ruf für die Wahrheit". (Asad)

Dies soll die Auswanderer trösten, die gezwungen waren, ihre Heimat zu verlassen. Ihnen wird hier mitgeteilt, dass sie ebenso gesegnet und mit einem guten Ruf geehrt werden würden wie einst der Prophet Ibrahiim, Allahs Segen und Frieden auf ihm, nach seiner Auswanderung. (Maududi)

 

Abschnitt 4

51. Und bringe im Buch (die Geschichte von) Muusa in Erinnerung. Er war für wahr ein Auserwählter108 und ein Gesandter, ein Prophet.109

108. Er war allein Allah ergeben und ohne jeden Makel. (Darjabadi)

Das arabische Wort „muchlas" bedeutet „gereinigt". Mit andern Worten, Allah hatte den Propheten Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, besonders für diese prophetische Aufgabe ausgesucht. (Maududi)

Während die einen „muchlis" aussprechen, was soviel wie „treuergeben, aufrichtig" bedeutet, lesen die anderen dieses Wort als „muchlas", was derjenige der von Allah ausgesucht und erwähnt wurde" heißt. (Qutb)

109. Ein Gesandter (Rasuul) ist ein Prophet, dem eine Lehre von Allah gegeben worden ist, um sie den Menschen zu übermitteln. Einem Propheten (Nabi) hingegen wird diese Pflicht nicht auferlegt. (Qutb)

Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, war

1. besonders auserwählt und deshalb in allen Wissensgebieten der Ägypter unterrichtet, so dass er sein Volk aus der ägyptischen Knechtschaft befreien konnte; dies kann sich auch beziehen aufn nahmen “Kalimullah“ (derjenige, mit dem Allah ohne die Vermittlung eines Engels direkt gesprochen hat, vergleiche Suura 4:164 und die entsprechende Fußnote);

2. er war ein Prophet (Nabi), denn er empfing Offenbarungen; und

3. er war ein Gesandter (Rasuul) denn er brachte ein offenbartes Buch und führte eine organisierte Gemeinschaft (Umma), für die er Gesetze brachte. (Juusuf `Allii)

 “Nabi" (Prophet) ist nicht jemand, der die Zukunft voraussagt, sondern jemand, der Allahs Offenbarung empfängt und dafür verantwortlich ist, diese den Menschen mitzuteilen. “Rasuul" ist ein Gesandter Allahs, ein Bote. In diesem Sinne werden auch Engel als “Rasuul" bezeichnet. (Darjabadi)

Die Erwähnung von Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, und anderen Propheten in diesem Zusammenhang soll noch einmal die Aussage bestätigen, dass sie alle - wie auch ’Isa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, sterbliche Diener Allahs waren, denen Er Seine Botschaft offenbart hatte (vergleiche oben Aja 30). Zur Unterscheidung der Begriffe “Nabi" (Prophet) und “Rasuul" (Gesandter) vergleiche auch die Fußnote zu Suura 22:52. (Asad)

Im Qur’an werden die Begriffe “Rasuul" und “Nabi" oft für ein und dieselbe Person benutzt. An anderen Stellen wird unterschieden, um zu zeigen, dass ein Unterschied besteht, wenn dieser auch nicht wesentlich ist: jeder „rasuul" ist auch ein “Nabi", aber ein “Nabi" muss nicht unbedingt auch ein “Rasuul" sein. Ein “Rasuul" hat eine besondere, wichtige Aufgabe zu erfüllen. (Maududi)

 

52. Und Wir riefen ihn von der rechten Seite des Berges110 und ließen ihn näher kommen zu vertraulichem Gespräch.111

110. Dies bezieht sich nach meinem Dafürhalten auf die Ereignisse, die ausführlicher in Suura 20:9-86 geschildert werden vielleicht auch auf Exodus 8:1-18 und 4:1-17. Dieser Aja ist von großer mystischer Bedeutung. Es geschah, als Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, (mit seiner Familie) unterwegs war und die Herden seines Schwiegervaters Jethro hütete, unmittelbar vor seiner Berufung. Der Ort muss in der Nähe des Berges Sinai (Dschabal Muusa) gelegen haben. Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, sieht in der Ferne ein Feuer. Als er sich diesem jedoch nähert, hört er eine Stimme, die ihm sagt, dass er sich auf heiligem Boden befindet. Allah fordert ihn auf, die Schuhe auszuziehen und näher kommen. Als er dies tut, werden ihm wichtige Geheimnisse offenbart. Er erhält seien Auftrag, und sein Bruder Haruun, Allahs Segen und Frieden auf ihm, zu seinem Begleiter bestimmt, der ihm beistehen soll. Danach gehen er und Haruun, Allahs Segen und Frieden auf ihnen beiden,  nach Ägypten und treten Pharao gegenüber wie in Suura 7:108-144 und an anderen Stellen berichtet wird. Die „rechte Seite" des Berges kann bedeuten, dass Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, Stimme von der rechten Seite des ihm gegenüberliegenden Berges hörte; oder es kann im übertragenen Sinne „recht" bedeuten, nämlich die Seite die gesegnet und heilig ist. (Juusuf `Allii)

Geographisch bedeutet die „rechte Seite" des Berges die Ostseite, da Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, ich von Midjan her dem Berg näherte. (Maududi)

111. “Qarrabnaahu Nadschija" bedeutet auch: „Wir sprachen zu ihm direkt und ohne Mittler". (Qutb)

 

53. Und Wir gewährten ihm aus Barmherzigkeit von Uns seinen Bruder Haruun als Propheten.112

112. Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, war schüchtern und zögerte, zu Pharao zu gehen, denn er konnte nicht gut sprechen. Deshalb bat er darum, dass sein Bruder Haruun, Allahs Segen und Frieden auf ihm, ihm bei dieser Aufgabe begleitete. In Seiner Barmherzigkeit gewährte Allah ihm dies. Vergleiche auch Suura 20:25-36. (Juusuf `Allii)

Wieder wird die Barmherzigkeit Allahs erwähnt, die er einem Seiner Propheten erweist. Diesmal ist es gegenüber dem der Beistand seines Bruders Haruuns gewährt wird, als er Allah darum bittet. (Qutb)

 

54. Und bringe im Buch (die Geschichte von) Ismael in Erinnerung,113 der stets seine Versprechen erfüllte114 und ein Gesandter, ein Prophet war.

113. Nun wendet sich der Text dem anderen Zweig der Nachkommen Ibrahiims, zu und erwähnt Ismael, Allahs Segen und Frieden auf ihnen beiden, den Stammvater des arabischen Volkes. (Qutb)

Seine Mutter war nicht irgendeine Frau, sondern Magar, die Ägypterin, die aus dem zweitgrößten Zentrum der Kultur in der antiken Welt stammt. (Darjabadi)

Ismail war Ibrahiims, ältester Sohn und Stammvater der „nördlichen" arabischen Stämme und damit des Propheten Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihnen allen, dem Stamm der Quraisch. (Asad)

114. Ismael, Allahs Segen und Frieden auf ihm, war „Dabichhullah", das heißt das erwählte Opfer Allahs. Als Ibrahiim, Allahs Segen und Frieden auf ihm,  Allahs Befehl mitteilte, ihn zu opfern, bot er sich freiwillig selbst dazu an und zögerte nicht, sein Versprechen zu erfüllen, bis sein Opfer von Allah durch das eines Widders ersetzt wurde. (Juusuf `Allii)

Dass er seine Versprechungen hielt, wird hier als besondere Eigenschaft hervorgehoben. Eigentlich ist es eine Eigenschaft aller Propheten und aufrichtigen Menschen, aber bei Ismael, Allahs Segen und Frieden auf ihm, sie in ganz besonderem Maße ausgeprägt. (Qutb)

 

55. Er pflegte seinen Leuten115 das Gebet und die Sakach zu gebieten,116 und er erlangte Wohlgefallen bei seinem Herrn.117

115. Vergleiche Genesis 21:20-21, wo von der Gründung seines Familienstandes berichtet wird. (Darjabadi)

116. Der Text erwähnt zwei Artikel der Aqida, den Ismael, Allahs Segen und Frieden auf ihm, verkündet, nämlich das Gebet und das Almosengeben. (Qutb)

Vielleicht weist dies darauf hin, dass Ismael, Allahs Segen und Frieden auf ihm, der erste Prophet war, der Gebet und Almosen als obligatorische Handlungen einführt. (Asad)

Zu Sakach siehe Suura 2, Aja 43, Fußnote 58. (Anm. d. Übers.)

117. Er war nicht ein Verworfener oder Außenstehender, wie ihn die Traditionen der Juden und Christen darstellen. (Darjabadi)

 

56. Und bringe im Buch (die Geschichte von) Idris in Erinnerung."' Er war fürwahr ein Wahrhaftiger,119 ein Prophet120.

118. Die Zeit, in der Idris gelebt hat, können wir nicht näher bestimmen. Wahrscheinlich lebte er früher als Ibrahiim, Allahs Segen und Frieden auf ihnen beiden, und gehörte nicht zu den Propheten der Kinder Israels, denn wir erfahren nichts über ihn aus ihren heiligen Schriften. Der Qur’an beschreibt ihn als einen rechtschaffenen Propheten, dessen Rang Allah erhöht hat. (Qutb)

Er wird zweimal im Qur’an erwähnt, nämlich hier und in Suura 21:85, zusammen mit denen, die geduldig und standhaft waren. Seine Identifikation mit dem biblischen Henoch, der „mit Allah ging" (Genesis 5:21-24), kann zutreffen, muss aber nicht. Auch die Interpretation, Aja 57 unten bedeute dasselbe wie Genesis 5:24 („Gott nahm ihn"), dass er nämlich hinweggenommen wurde, ohne die Pforten des Todes durchschreiten zu müssen, ist nicht gerechtfertigt. Hier wird uns nur mitgeteilt, dass er ein wahrhaftiger, aufrichtiger Mensch war und in seinem Volk eine hohe Stellung innehatte. Dieser Punkt reiht ihn unter die zuvor erwähnten Personen ein: er blieb in Verbindung mit seinem Volk und war in seiner Mitte geehrt. Geistiger Fortschritt braucht uns nicht von unseren Angehörigen und Volksgenossen zu trennen, denn wir sollen sie leiten und ihnen helfen. In der höchsten Stellung hielt er sich an Wahrheit und Taqwa. (Juusuf `Allii)

Wenn der biblische Henoch gemeint ist, dann war er nach jüdischer Tradition der Erfinder der Schrift, Mathematik und Astronomie. (Darjabadi)

Idris war der Großvater Nuchs und der erste Gesandte nach Adam, Allahs Segen und Frieden auf ihnen allen. Er war der Erste, der mit der Feder schrieb und Kleider aus zusammengenähtem Stoff trug, nachdem die Menschen zuvor Kleider aus Leder getragen hatten. (Safwat Al-Tafaasir)

Während die Mehrheit der klassischen Kommentatoren, ohne sich auf eine autorisierte Überlieferung stützen zu können, Idris mit Henoch identifiziert, vertreten einige moderne Kommentatoren die Ansicht, Idris sei die arabisierte Form von Osiris (was seinerseits die altgriechische Form des ägyptischen Namens As-Ar oder Us-Ar ist), der ein weiser König und/oder Prophet gewesen sein soll, den die Ägypter in der Folgezeit vergötterten. Diese Vermutung ist jedoch zu weit hergeholt, um ernsthaft in Betracht gezogen werden zu können. Einige der frühesten Kommentatoren schließlich meinen - was meiner Ansicht nach am überzeugendsten ist - dass „Idris`" nur ein anderer Name für „Ilyas", den biblischen Elias ist. (Asad)

119. Wenn es sich um Henoch handelt, wird damit die Anschuldigung einiger Juden zurückgewiesen, er sei in seiner Frömmigkeit inkonsequent oder leichtsinnig gewesen. (Darjabadi)

120. Vergleiche Genesis 5:22-24. (Darjabadi)


 

57. Wir erhoben ihn in einen hohen Rang.121

121. Das arabische Wort kann einen Ort bedeuten wie auch eine Stellung. Damit muss nicht unbedingt die jüdisch-christliche Vorstellung gemeint sein, er sei lebend zum Himmel aufgefahren (vergleiche Genesis 5:24). (Darjabadi)

„Rafa'naahu" bedeutet wörtlich: „Wir erhöhten ihn". Derselbe Ausdruck erscheint in Suura 3:55 und 4:158 auf 'Isa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, bezogen. Vergleiche auch die entsprechenden Fußnoten. (Asad)

 

58. Diese sind die Propheten, denen Allah Seine Gnade erwiesen hat aus der Nachkommenschaft und aus denen, die Wir mit Nuch dahin trugen122 und aus der Nachkommenschaft Ibrahiims und Isra’iils,123 und aus denen, die Wir rechtgeleitet und auserwählt haben.124 Wenn ihnen die Zeichen des Barmherzigen vorgetragen wurden, warfen sie sich in Ehrfurcht nieder und wurden zu Tränen gerührt.125

122. In der Arche. (Darjabadi)

123. Die früheren Generationen werden vom geistigen Standpunkt aus in drei Zeiträume unterteilt:

1. von Adam bis Nuch;

2. von Nuch - Ibrahiim

3. von Ibrahiim, Allahs Segen und Frieden auf ihnen allen bis in eine unbestimmt Zeit,

nämlich bis zu jener Zeit, als die Botschaft Allahs entstellt war und ein endgültiger Verkünder der Wahrheit und Einheit gebraucht wurde. Isra’iil ist ein anderer Name für Jaquub, Allahs Segen und Frieden auf ihm. (Juusuf `Allii)

Adam steht für die Menschheit insgesamt, Nuch umfasst seine Nachkommen. Ibrahiim steht für die beiden großen Zweige des Prophetentums, Jaquub, für den Zweig der Kinder Isra’iil und Ismael dem die Araber abstammen und mit ihnen das Siegel der Propheten Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihnen allen. (Qutb)     ,

Während die hebräischen Propheten, deren Linie mit ’Isa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, zu Ende ging, über Ishaaq und Isra’iil (Jaquub) von Ibrahiim abstammten, führte Muchammad seine Abstammung von diesem Urvater auf dessen erstgeborenen Sohn Ismael, Allahs Segen und Frieden auf ihnen allen, zurück. (Asad)

 124. Die grammatische Form weist darauf hin, dass sich die hier erwähnte „Nachkommenschaft" nicht nur auf die Gesandten beschränkt, sondern auch ihre würdigen Anhänger umfasst, die Allah gegenüber wahrhaftig sind und Seine Normen aufrechterhalten. (Juusuf `Allii)

125. Sie waren demütige, gehorsame Diener Allahs und aufrichtig im ’Ibadach. (Darjabadi)

Alle Propheten waren sich dessen bewusst, dass sie nichts weiter als sterbliche, demütige Diener Allahs waren. Vergleiche auch Suura 32:15). (Asad)

Beim Lesen oder Hören des arabischen Textes folgt an dieser Stelle eine Niederwerfung. (Anm. d. Übers.)

Die hervortretende Eigenschaft dieses Propheten und jener Rechtschaffenen aus ihrer Nachkommenschaft, die Allah zum Iman führte, ist, dass ihre Herzen erzittern, wenn ihnen die Zeichen Allahs vorgetragen werden, so dass sie weinend niederfallen vor Rührung. (Qutb)

 

59. Doch nach ihnen folgte eine Nachkommenschaft, die das Gebet unterließ126 und ihren Begierden nachgab.127 So werden sie dem Untergang preisgegeben,128

126. Es scheint, dass die degenerierten Menschen das Gebet völlig aufgaben oder es vernachlässigten oder nicht ernstnahmen. Dies ist der erste Missstand, denn danach bleibt keine Verbindung mehr zwischen Mensch und Allah. Hier wird es als allgemeingültiges Prinzip erwähnt, dass der Niedergang der Völker aller früheren Propheten mit der Vernachlässigung des Gebets begann. (Maududi)

127. Dies ist das unausweichliche Ergebnis, wenn die Verbindung mit Allah verloren geht. Während sie ihre Gebete mehr und mehr vernachlässigten, gerieten sie dementsprechend immer weiter in den Griff ihrer Begierden und sanken in den tiefsten Abgrund moralischen Elends hinab. (Maududi)

128. Diese selbstsüchtige, kafir Nachkommenschaft gewinnt manchmal die Oberhand, aber selbst dann gibt es immer eine Minderheit, die ihren falschen Weg erkennt, umkehrt, den Iman verinnerlicht und ein rechtschaffenes Leben führt. Sie werden im zukünftigen Leben nicht bestraft, nur weil sie in dieser Welt mit den Kafirs zusammenlegen mussten. Sie erhalten den vollen Lohn für Iman und Rechtschaffenheit. (Juusuf `Allii)

Die Kafirs erkennen im zukünftigen Leben das volle Ausmaß des Selbstbetrugs, der zu ihrem geistigen Untergang geführt hat. (Asad)

 

60. Außer denen, die reuevoll umkehren, und den Iman verinnerlichen und Gutes tun.129 Sie sind es, die in den Garten eingehen werden und denen in nichts Unrecht getan wird,130

129. Nur die Reue, die aus dem Iman und dem tugendhaften Wirken hervorgeht, rettet einen von solchem Ausgang. (Qutb)

130. Nicht nur geht ihnen nichts von dem Lohn für ihre guten Handlungen verloren, sondern sie erlangen einen Segen, der weit über ihre Verdienste hinausgeht. (Asad)

 

61. Gärten. der Ewigkeit, - die (wiewohl sie euch noch) verborgen sind131 und die der Barmherzige Seinen Dienern versprochen hat. Wahrlich, Sein Versprechen wird gewiss eintreffen.

131. „Bil-rayb" wird meiner Ansicht nach am besten mit „jenseits menschlicher Wahmehmungsmöglichkeiten" wiedergegeben, denn damit kommt am ehesten die zugrunde liegende Bedeutung zum Ausdruck, nämlich die Aussicht auf eine Wirklichkeit, die für den Menschen in Begriffen seiner irdischen Erfahrungswelt unvorstellbar ist und deswegen nur durch allegorische Hinweise angedeutet werden kann. Vergleiche auch Suura 2:3. (Asad)

Noch unsichtbar für Seine Geschöpfe. (Maududi)

 

62. Darin werden sie kein törichtes Gerede132 hören, sondern nur versöhnen des.133 Und sie werden dort ihre Versorgung haben des Morgens und des Abends.134

132. Es ist der größte Segen, dass der Mensch dort kein leeres Geschwätz oder unanständiges Gerede hört; alle Paradiesbewohner sind reine und gute Menschen; die sind sicher vor Verleumdungen, Klatsch und allen hässlichen Lauten. Was sie hören, ist gut, sinnvoll und richtig. Nur jemand mit edlen Gefühlen kann diesen Segen richtig schätzen. (Maududi)

133. wörtl. Frieden. (Anm. d. Übers.)

„Salaam" hat eine umfassende Bedeutung und schließt folgendes ein:

1. ein Gefühl der Sicherheit und Beständigkeit, das in diesem Leben unbekannt ist;

2. Vollständigkeit, Vollkommenheit und Nichtvorhandensein von Mängeln (wie in dem Wort „saalim");

3. Heil, Erlösung, Befreiung (wie in dem Wort „sallama");

4. Gruß, Harmonie mit denen, die uns umgeben;

5. Zustimmung in dem Sinne, dass wir zufrieden und nicht unzufrieden sind; und außerdem

6. die gewöhnliche Bedeutung von Frieden: Abwesenheit aller kriegerischen Elemente. Alle diese Bedeutungsschattierungen sind in dem Wort “Islam“ enthalten. Der Himmel ist daher die Vervollkommnung des Islam (Juusuf `Allii)

Worte des Friedens und des Trostes. Das Paradies ist in erster Linie ein Ort der Ruhe, frei von allen Übeln und Lastern. (Darjabadi)

Der Begriff „salaam" enthält die Vorstellung geistiger Vollständigkeit, Freiheit von Fehlern und Übeln aller Art kund innere Zufriedenheit. Vergleiche auch Suura 5:16 und die entsprechende Fußnote. (Asad)

134. Lebensunterhalt im höchsten metaphorischen Sinne, alle Mittel zur vollkommenen Zufriedenheit der Seele und ihrer Selbstverwirklichung unter den neuen Verhältnissen, wie wir sie uns in unserem materiellen Leben nur vage vorstellen können. Am Morgen und Abend: das heißt früh und spät, nämlich immer. (Juusuf `Allii)

Zu Zeiten, die den gewohnten von Morgen und Abend ähneln, aber nicht die gleichen sind. Denn im Paradies wird es weder Tag noch Nacht geben, sondern Zeiten, deren Verlauf sie durch die Verschiedenheit der Lichtstrahlen erkennen können. (Ibn Kasir)

 

63. Dies ist das Paradies, das Wir denen unserer Diener vermachen, die mutaqi135sind.

135. Die Bedeutung umfasst jedoch darüber hinaus auch „vorsichtig", „bedächtig", „sich vor dem Bösen in acht nehmend". (Anm. d. Übers.)

Der Tag, der zur Ererbung des Paradieses führt, ist klar und deutlich durch Umkehr, Iman und tugendhaftes Handeln und nicht durch die Abstammung. Wer sich also der Abstammung frommer Vorfahren und Propheten erfreut, das Gebet aber außer acht lässt und nur seinen Begierden nachgeht, dem wird seine Abstammung nichts nützen. (Qutb)

 

64. „Wir kommen nur auf Beschluss deines Herrn herab.136 Ihm gehört, was vor uns und was hinter uns und was dazwischen liegt.137 Und dein Herr pflegt niemals etwas zu vergessen.138

136. Diese Lektion wird beendet mit der Proklamation von Allahs Alleinherrschaft. (Qutb)

Wir neigen zur Ungeduld über die Übel und Missstände, die wir in unserer Umgebung wahrnehmen. Vielleicht geben wir uns die größte Mühe, Allah zu dienen, und sehen keine Ergebnisse. In unserer menschlichen Kurzsichtigkeit klagen wir innerlich. Aber wir dürfen nicht ungeduldig sein. Allahs Engel kommen nicht aufs Geratewohl, sondern auf Allahs Geheiß entsprechend Seinem allumfassenden Willen und Plan. Allah vergisst nicht. Wenn Dinge verzögert werden, dann geschieht dies in Übereinstimmung mit einer weisen Voraussicht, die für alles sorgt. Unsere eindeutige Pflicht ist es, in Seinem Dienst geduldig und ausdauernd zu sein. (Juusuf 'Allii)

In diesem Satz geht es um den Engel Dschibril, nachdem der Prophet Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, in eifriger Erwartung über die langen Zwischenräume zwischen den Offenbarungen geklagt hatte. (Darjabadi)

Der Abschnitt ist zwischen zwei andere eingefügt, und es geht daraus hervor, dass diese Suura nach einer langen Zeitspanne herabgesandt worden ist. Zeitweilig litten der Prophet Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, und seine Gefährten unter großen Schwierigkeiten und sehnten sich nach einer Offenbarung, die sie tröstete. Als Dschibril schließlich kam, übermittelte er zuerst den Teil der Botschaft, der unmittelbar gebraucht wurde. Bevor er fortfuhr, sprach er mit Allahs Erlaubnis diese Worte als Erklärung für die Verzögerung und Aufforderung zur inneren Stärke. Dies geht nicht nur aus dem Wortlaut dieses Textes hervor, sondern auch aus einigen Überlieferungen. (Maududi)

137. In Raum und Zeit. Die Engel sind völlig abhängig von Allahs Willen. (Darjabadi)

Das, was selbst die Engel nur andeutungsweise erkennen, aber nicht völlig begreifen können. Die Bezugnahme auf die Engel knüpft an die vorangegangene Erwähnung einiger früherer Propheten an, die wie Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, Empfänger Offenbarungen Allahs waren. (Asad)

138. Wie fehlgeleitete Menschen es sich manchmal vorstellen, sondern Er nimmt alle Dinge wahr. (Darjabadi)

Er vergisst nichts von dem, was Seine Diener tun. (Safwat Al-Tafasir)

Allah vergisst nichts, sondern sendet Seine Offenbarungen erst dann, wenn Er dies in Seiner Weisheit für erforderlich hätte. (Qutb)

 

65. Er, Der Herr, ist über Himmel und Erde und all dem, was zwischen beiden ist.139 So diene (nur) Ihm und übe dich dabei in Geduld und Ausdauer.140 Kennst du denn jemanden, der Ihm gleich wäre?"141

139. All unsere Angelegenheiten unterstehen Seiner Herrschaft. (Qutb)

140. „'Ibaada" besteht nicht nur aus religiösen Zeremonien, sondern umschließt jede äußerliche und innere Regung, jede Absicht und jede Neigung. Dies alles soll der Mensch auf Allah allein ausrichten, obgleich es viel Mühe von ihm erfordert. (Qutb)

Du sollst nicht nur konsequent dem Weg des ’Ibada folgen und alle Schwierigkeiten und Hindernisse mit Standhaftigkeit ertragen, sondern dich auch nicht beunruhigen, wenn Offenbarung und Hilfe sich verzögern. Sei zufrieden mit Seinem Dienst wie ein gehorsamer Diener und erfülle gewissenhaft deine Pflichten und alles, wofür du als Diener und Gesandter verantwortlich bist. (Maududi)

141. Je mehr wir von der Wahrheit und dem Geheimnis des Lebens spüren, umso mehr erkennen wir, dass niemand mit Allah vergleichbar ist. Er steht über allen Begriffen. Wenn wir jedoch an Seine schönen Eigenschaften denken und versuchen, sie uns mittels Namen vorzustellen, dann können wir in der ganzen weiten Welt unserer Phantasie nichts finden, was Ihm in dieser Hinsicht auch nur annähernd vergleichbar wäre. Es ist der Einzigartige; Preis sei Ihm! (Juusuf `Allii)

„Samija" bedeutet wörtlich: „Namensvetter". Hier bedeutet es, dass Er der einzige Gott ist; es gibt keinen Gott außer Ihm. Wenn wir wissen, dass Er der einzige Gott ist, haben wir keine Alternative, als Ihm zu dienen und Seinen Geboten zu folgen. (Maududi)

 

Abschnitt 5

66. Der Mensch pflegt zu sagen: „Soll ich etwa, nachdem ich gestorben bin, alsdann wieder zum Leben erweckt werden?"142

142. Um die Tatsache der Auferstehung zu leugnen und ins Lächerliche zu ziehen. (Darjabadi)

Die letzte Lektion dieser Suura setzt den Disput über den Götzendienst und die Versleugnung der Wiederauferstehung fort. Sie fängt mit der Feststellung an, dass es bei allen Rassen und in allen Generationen für den Menschen typisch ist, die Auferstehung in Abrede zu stellen. (Qutb)

 

67. Bedenkt der Mensch denn nicht, dass Wir ihn vordem erschaffen haben, obwohl er ein Nichts war?143

143. Auferstehung müsste für den Menschen doch eher vorstellbar sein als die erste Schöpfung. (Qutb)

Allah ist derselbe Schöpfer und hat nichts von Seiner Schöpferkraft eingebüßt. (Darjabadi)

Wörtlich: „als (oder obwohl) er nichts war". (Asad)

 

68. Doch bei deinem Herrn! Wir werden sie gewiss versammeln, ebenso wie die Scheytane!144 Dann werden Wir sie auf den Knien rund um die Hölle zusammenführen.145

144. Zusammen mit den Scheytane, die sie verführt haben. (Safwat Al-Tafasir)

Kufr an ein zukünftiges Stadium ist mehr als philosophischer Zweifel, sondern eine Willensentscheidung und eine trotzige Protesthaltung gegen unsere inneren geistigen Instinkte und Erfahrungen. Zuvor waren wir nichts. Sollte Allah, der uns aus nichts erschaffen hat, nicht auch unsere Persönlichkeit fortsetzen können? Wenn wir uns jedoch weigern, Sein Licht und seine Rechtleitung anzunehmen, wird sich unser Zustand immer weiter verschlechtern. Wir verlieren Seine Gnade. Wir gesellen uns zu den Bösen. In äußerster Demütigung werden wir mit allen Folgen unserer abweisenden Haltung gegen die Wahrheit konfrontiert. (Juusuf `Allii)

Vergleiche auch die Bezugnahme auf die „Verehrung Scheytans" in den Ajas 44-45 dieser Suura sowie die entsprechenden Fußnoten. Die Symbolik der Übeltäter, die am Tag des Gerichts mit den Scheytane, den „scheytanischen Kräften, die sie im Leben angetrieben haben", zusammengekettet werden, ist leicht verständlich, wenn wir uns erinnern, dass der Begriff “Schaytan“ im Qur’an oft benutzt wird, um die bösen Impulse im Inneren des Menschen zu bezeichnen. Das Personalpronomen bezieht sich hier auf diejenigen, die den Gedanken einer Auferstehung und eines Lebens nach dem Tod ablehnen. (Asad)

Die „Scheytane" sind jene Führer, die die Bösen dazu aufrufen, das Leben dieser Welt zu genießen, denn es gäbe kein zukünftiges Leben, wo sich die Menschen vor Allah verantworten müssen. (Maududi)

145. „Rund um die Hölle": viele Wege führen zum Bösen, und Menschen nähern sich ihm von überallher. Daher auch die Allegorie von den sieben Toren der Hölle; vergleiche Suura 15:44 und die entsprechende Fußnote. (Juusuf `Allii)

In ihrem elenden Zustand haben sie nicht die Kraft aufzustehen. (Qutb)

 

69. Darum werden Wir gewiss aus jeder Gruppe die herauszerren, die am heftigsten gegen den Barmherzigen aufbegehrten.146

146. Aus jeder Religionsgemeinschaft werden Wir ihre Häupter, die sie zum Bösen verführten, als erste herausholen. (ibn Kasir)

Wir werden ihre Schlimmsten als erste ausrufen. (Qutb)

 

70. Dann sind fürwahr Wir es, die am besten wissen, wer es am ehesten verdient, der Glut ausgesetzt zu werden.147

147. Darum sind lange und umständliche Ermittlungen nicht nötig. (Darjabadi)

Dies spielt auf die Tatsache an, dass nicht jeder Übeltäter unwiderruflich der Hölle ausgeliefert wird. (Asad)

Wir wissen am besten wer es verdient, in die Hölle einzugehen und wer die Vervielfachung die Strafe erwirkt hat, so dass wir mit ihnen den Anfang machen. (Safwat Al-Tafasir)

So wird niemand aus dieser großen Ansammlung aufs geratewohl dahinein geworfen. (Qutb)

 

71. Und es gibt nicht einen von euch, der nicht vor ihr erscheinen wird.148 Das ist ein unweigerlicher Beschluss deines Herrn.

148. Hier sind drei Interpretationen möglich.

1. Die allgemeine Interpretation ist die, dass jede Seele durch dieses Feuer hindurch oder darüber hinweggehen muss. Es kann das Feuer der Versuchung oder Angst oder Verzweiflung sein. Aber sie alle werden die Hölle sehen. Wer mutaqi ist, wird durch Seine Gnade gerettet, während uneinsichtige Übeltäter Leiden und Demütigungen ertragen müssen.

2. Wenn wir das Pronomen „euch" auf die „hartnäckigen Übeltäter" in Aja 69 oben beziehen, sowohl die Führer wie auch die Mitläufer, dann bezieht sich dieser Aja nur auf die Bösen.

3. Einige beziehen diesen Aja auf die Brücke „Siraat" über die Hölle, über die alle hinweggehen müssen, um an ihren Bestimmungsort zu gelangen. Diese Brücke wird im Qur’an nicht erwähnt. (Juusuf `Allii)

Jeder Mensch steht einmal der Hölle gegenüber, aber wie aus dem folgenden Aja eindeutig hervorgeht, werden die mutaqi Menschen davor gerettet, während die Übeltäter gedemütigt darin zurückgelassen werden. (Maududi)

 

72. Alsdann149 werden Wir diejenigen erretten, die muraqi gewesen sind.150 Doch die, die Unrecht getan haben, werden Wir dort auf den Knien zurück lassen.151

149. „Tumma" bedeutet wörtlich: „dann" oder „danach". Hier wird es jedoch als Verbindungswort benutzt und am besten mit „andererseits" oder „aber" übersetzt. (Asad)

150. Die ihren Herrn fürchteten und an Ihn den Iman verinnerlichten. Eine ähnliche Lehre ’Isas, Allahs Segen und Frieden auf ihm, gibt es in den apokryphen Evangelien. (Darjabadi)

Auch die Mu’mins werden bei dieser schaurigen Vorstellung zugegen sein. (Qutb)

 

73. Und wenn Ihnen Unsere klaren Zeichen vorgetragen werden, sagen die Kafirs152 zu denen, die mu’min sind: „Welche von den beiden Seiten153 hat wohl die bessere Rangstufe und die schönere Gesellschaft"154

151. Das heißt völlig gedemütigt und zerschlagen durch ihre verspätete Erkenntnis des Gerichts Allahs und der ethischen Wahrheiten, die sie in ihrem irdischen Leben missachtet hatten. (Asad)

152. Arrogant und spöttisch. (Darjabadi)

Dies bezieht sich auf jene Kafirs, die in Aja 66 dieser Suura erwähnt sind, die sagen: "Werden wir auferweckt werden." (Qutb)

153. Wörtlich: „zwei Gruppen" oder „Parteien": eine Anspielung auf zwei Arten menschlicher Gesellschaft, die durch ihren grundlegenden Unterschied in der Haltung zu Islam und Moral gekennzeichnet sind. (Asad)

Dies sagten die Reichen von den Kafirs zu den Armen von den Mu’mins. (Qutb)

Von Baydawii wurde überliefert: „Als die Götzendiener zur Zeit des Propheten Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, deutlichen Zeichen hörten, aber nicht in der Lage waren, sie zu widerlegen, prahlten sie mit ihrem Reichtum in dieser Welt. Sie zogen daraus Rückschlüsse auf ihren höheren Wert. (Safwat Al-Tafasir)

Wer von uns beiden. (Al-Dschalalain)

Die reichen Quraisch meinten: „Wäre das, was Muchammad predigte, Gutes, so wären seine Anhänger nicht ausschließlich solche, die in den Augen der Leute keine Wertschätzung genießen". (Qutb)

154. Zeitweilig mögen die Kafirs äußerlich ein besseres Bild abgeben, beispielsweise in Volksversammlungen, wo Dinge durch Abstimmen entschieden werden. Aber auch in dieser Welt setzt sich die Wahrheit durch, und letztendlich werden die Positionen umgekehrt. (Juusuf `Allii)

Diese parabolische „Aussage" der Kafirs impliziert in der Form einer rhetorischen Frage ein oberflächlich plausibles, aber irreführendes Argument zugunsten einer Gesellschaft, die sich weigert, sich absoluten moralischen Forderungen unterzuordnen und allein dem Diktat der Zweckmäßigkeit zu folgen bereit ist. In einer solchen Gesellschaftsordnung werden materieller Erfolg und Macht gewöhnlich als Folge einer mehr oder weniger bewussten Ablehnung aller metaphysischen Rücksichtnahmen betrachtet - insbesondere all dessen, was als Allah gewollte ethische Norm gilt - in der Annahme, diese seien nur Hindernisse auf dem Weg der freien, uneingeschränkten „Entwicklung" des Menschen. Es versteht sich von selbst, dass diese Haltung (die ihren Gipfel in der historischen Aussage erreicht hat, Religion sei „Opium für das Volk") der Forderung jeder höheren Religion widerspricht, dass das menschliche Gesellschaftsleben, wenn es wirklich „gut" sein soll, bestimmten ethischen Prinzipien und Einschränkungen angepasst werden muss. Solche Einschränkungen hemmen an sich schon den grundsatzlosen Machttrieb, der die materialistischen Gesellschaften beherrscht und ihnen ermöglicht, ohne Rücksicht auf den Schaden, den sie an anderen und - geistig - an sich selbst anrichten, in kürzester Zeit Wohlstand und Machtpositionen zu erlangen. Aber gerade dadurch, dass sie für die Selbstsucht und den Machthunger des Menschen eine Bremse darstellen, sind es eben nur diese ethischen Rücksichten und Einschränkungen, die eine Gemeinschaft von der endlosen, selbstzerstörerischen inneren Spannung und Frustration befreien können, denen materialistisch orientierte Gesellschaften ausgesetzt sind. Dadurch bringen sie einen dauerhafteren, weil organischeren Zustand gesellschaftlichen Wohlbefindens zustande. Dies ist kurz gefasst die elliptisch implizierte Antwort des Qur’an auf die rhetorische Frage im Mund derer, die „die Wahrheit leugnen". (Asad)

Vergleiche auch Suura 18:32-44 und die entsprechenden Fußnoten. (Maududi)

 

74. Doch wie viele Völker vor ihnen haben Wir bereits vernichtet, die sich weitaus größerer Besitztümer und schönerer Erscheinung erfreuten?155

155. Die mit ihrer irdischen Pracht und ihrer materialistischen Zivilisation prahlten. (Darjabadi)

Der Mensch ist wahrlich vergesslich. Denn wenn er sich erinnern und nachdenken würde, so würde er sich nicht durch die äußere Erscheinung verblenden lassen, während der Untergang der verflossenen Völker um ihn herum seine Aufmerksamkeit auf sich zieht. (Qutb)

So wie Wir die früheren Völker vernichteten, so werden Wir auch die kommenden folgen lassen. (Safwat Al-Tafasir)

 

75. Sprich:156 „Wer sich im Irrtum befindet, den möge der Barmherzige darin verharren lassen, bis157 sie das Ihnen Versprochene zu sehen gekommen,158 sei es die Strafe oder die Stunde (des Gerichts).159 Dann werden sie wissen, wer in der schlimmeren Lage ist und die schwächeren Hilfskräfte160 besitzt.

156. Dies soll der Prophet Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, zu jenen sagen, die von ihrem Reichtum, ihrer Macht und ihrer Position in dieser Welt berauscht sind. (Darjabadi)

157. So lange bis sein Leben erfüllt ist und er dem Barmherzigen begegnet. (ibn Kasir)

Dies ist die äußerste Form der Drohung. (Qutb)

158. „(Und lass sie sagen, was immer sie sagen.) bis zu der Zeit..." Diese Interpolation bezieht sich auf die Aussagen der Wahrheitsleugner, wie sie oben in Aja 73 erwähnt wurden. (Asad)

159. Das heißt die Strafe im diesseitigen Leben oder die der Hölle im Jenseits. (Al-Dschalalain)

Allah warnt davor, dass jede böse Tat ihre Strafe mit sich bringen muss, und dass es ein zukünftiges Leben und einen Tag des Gerichts geben wird. Oft beginnt die Strafe für das Böse schon in diesem Leben. Übertreibungen und Exzesse beispielsweise führen schon in diesem Leben zu schmerzhaften Folgen. Aber einige feinere Formen der Selbstsucht und Bosheit werden - wie jede Ungerechtigkeit - bestraft, wenn ihre Zeit gekommen ist, wenn sich die Stunde nähert. In jedem Fall werden die arroganten, prahlerischen Übeltäter erkennen, dass sich ihre Stichelei (vergleiche oben Aja 73) gegen sie kehrt. (Juusuf `Allii)

160. Wörtlich: „in Bezug auf Unterstützung" oder „Kräfte", „Heerscharen" (Dschundan), ein Ausdruck, der in diesem Zusammenhang sowohl materielle Mittel bezeichnet als auch die Fähigkeit, diese zu guten Zwecken einzusetzen. (Asad)

Dies ist die Antwort auf ihre herablassende Frage: „Wer von den beiden Lagern hat wohl die bessere Rangstufe…“, Aja 73. (Qutb)

 

76. Und Allah mehrt die an Rechtleitung, die nach Rechtleitung trachten.161 Und die bleibenden guten Werke sind die, die bei deinem Herrn die bessere Belohnung und den besseren Gewinn haben."162

161. Wörtlich: „Allah vermehrt an Rechtleitung jene, die ...", das heißt Allah ermöglichst denjenigen, die von Seiner Rechtleitung Gebrauch machen, eine immer tiefere Einsicht für den rechten Weg. (Asad)

In kritischen Situationen hilft Allah ihnen, richtige Entscheidungen zu treffen und den rechten Weg einzuschlagen, schützt sie vor Bösem und Falschem, und sie schreiten immer weiter auf dem rechten Weg fort. (Maududi)

162. Diese Zeilen sind dieselben wie in Suura 18:46 mit dem Unterschied, dass hier „Marad" („Ertrag") statt „amal" („Hoffnung") steht. Der Sinn ist praktisch derselbe, „Hoffnung ist jedoch besser angebracht in einem Abschnitt, in dem es allgemein um die Güter dieser Welt geht, und „Ertrag" in einem Abschnitt, der von den Aufwendungen der Bösen für irdische Positionen handelt. (Juusuf `Allii)

Im Gegensatz zu den vergänglichen Übeltätern. (Darjabadi)

Vergleiche auch Suura 18:46. Die Früchte guter Handlungen sind dauerhaft, und die Handlungen selbst sind vor Allah mehr wert und bringen reichere Erträge. (Asad)

 

77. Hast du den gesehen, der nicht an Unsere Zeichen den Iman verinnerlicht163 und doch sagt: „Ich werde gewiss Vermögen und Kinder bekommen."164

163. Abgesehen von Menschen, die mit Besitz und Macht prahlen, über die sie tatsächlich verfügen, gibt es auch solche, die damit prahlen, dass sie diese in der Zukunft erlangen werden, und ihre gesamte Hoffnung darauf aufbauen. Sind sie sich dessen so sicher? Sie leugnen Allah und Seine Güte und Barmherzigkeit. Aber alles Gute ist in Allahs Hand. Kann ein solcher Mensch etwa über Allah verfügen, dass Er ihn segnet, während er den Iman an Ihn ablehnt? Oder gibt er vor, er sei in die Geheimnisse der Zukunft eingedrungen? Kein Mensch kann nämlich wissen, was die Zukunft für ihn bereithält. (Juusuf `Allii)

164. Dies sagte ein Mann namens Al `As ibn Wael. Er behauptete, dass er, falls er stirbt und eines Tages wieder erweckt würde, er reich an Gütern und Kindern sein werde. (Qutb)

Dies ist eine weitere Veranschaulichung der in den Ajas 73-74 erwähnten Haltung: unter Ausschluss aller ethischen Berücksichtigungen auf materiellen Werten zu bestehen, und die Überzeugung, irdischer „Erfolg" sei das einzige, was im Leben wirklich zählt. Wie an vielen anderen Stellen im Qur’an wird diese materialistische Vorstellung von „Erfolg" mit der Voreingenommenheit des Menschen für „Vermögen und Kinder" gleichgesetzt. (Asad)

 

78. Hat er etwa das Verborgene enthüllt165 oder aber dem Barmherzigen ein Versprechen abgenommen?166

165. Der Begriff „Al-Rayb" bezeichnet in diesem Zusammenhang die unerforschliche Zukunft. (Asad)

166. So dass er sich aufgrund dessen so sicher sein kann, dass das Versprechen erfüllt werde. (Qutb)

 

79. Doch nein! Wir werden gewiss nieder schreiben, was er behauptet,167 und Wir werden die Strafe für ihn noch verschärfen.168

167. Alles, was er sagt, wird für den Jüngsten Tag registriert, nichts davon wird vergessen, und es gibt keine Irrtümer darin. Vor Allahs Wissen bleibt nichts verborgen, sei es klein oder groß. (Qutb)

168. Anstatt mit Kindern und Vermögen bereichert zu werden, wird ihm die Strafe vervielfacht. (Safwat Al-Tafasir)

Ein solcher Mensch verdient doppelte Strafe: einmal für seinen absichtlichen Kufr, und dann für den Missbrauch Seines heiligen Namens. (Juusuf `Allii)

Seine prahlerischen Worte werden zusammen mit seinen übrigen Vergehen registriert, und er wird die Konsequenzen für diesen arroganten Anspruch tragen müssen. (Maududi)

 

80. Und Wir werden all das von ihm erben, wovon er spricht,169 und er soll zu Uns kommen, allein und nackt und bloß.170

169. „Wir werden erben" - vergleiche auch Aja 40 dieser Suura und die entsprechende Fußnote. Selbst wenn ein Mensch Reichtum und Macht besitzt, muss dies dereinst zum Schöpfer aller Dinge zurückkehren, und der Mensch selbst muss allein, ohne Begleiter und ohne alle diese Dinge, von denen er so viel erwartet hatte, vor Allahs Richterstuhl erscheinen. (Juusuf `Allii)

Allah nimmt schließlich alle Seine Gaben, von denen dieser so arrogant gesprochen hatte, wieder an sich, wie es ein Erbe nach dem Tod des Erblassers tut. (Qutb)

170. Ohne Eigentum und Kinder und ohne Beistand und Helfer, sondern schwach und einsam. (Qutb)

Ausschließlich von Allahs Gnade und Barmherzigkeit abhängig. Vergleiche auch Suura 6:98 und Aja 95 dieser Suura. (Asad)

 

81. Und sie171 haben sich anstelle von Allah Götter genommen, damit ihnen von diesen Macht und Ehre zuteil werde.172

171. Die Götzendiener. (Darjabadi)

172. „`Is" bedeutet „hoher Rang", „Ruhm", „Macht", die Fähigkeit, anderen den eigenen Willen aufzuzwingen oder seinen Willen durchzusetzen. (Juusuf `Ali)

Diejenigen Menschen nämlich, die nicht an Allahs Zeichen den Iman verinnerlichen, machen andere Wesen zu Göttern außer Ihm und suchen bei ihnen Ehre und Hilfe. Manche von ihnen verehren Engel, andere Dschin oder ähnliche Wesen und bitten diese um Hilfe und Macht. (Qutb)

Dies bezieht sich sowohl auf den im vorigen Aja erwähnten Menschentyp als auch auf die Ajas 73-75: Menschen, die mit fast religiöser Hingabe Reichtum und Macht „verehren", schreiben diesen Manifestationen irdischen Erfolges den Status gewöhnlicher Kräfte zu. (Asad)

 

82. Führwahr!173 Sie werden von ihrer Anbetung nichts wissen wollen und zu ihren Widersachern werden.174

173. Das Wort „kallaa" hat zwei Bedeutungen: Einmal bedeutet es „wahrlich oder wahrhaftig" und ein anderes Mal bedeutet es „nein". (Qutb)

174. Indem sie sich von diesen lossagen und Zeugnis gegen sie ablegen. (Qutb)

Statt ihren Verehrern zu helfen. (Darjabadi)

Vergleiche auch Suura 10:28-30, wo die Götzen leugnen, von ihrer Verehrung überhaupt etwas gewusst zu haben und ihre Verehrer im Stich lassen; und Suura 5:119, wo ‚’Isa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, verneint, die Menschen jemals zu seiner Verehrung aufgefordert zu haben und seine falschen Anbeter Allahs Barmherzigkeit oder Strafe anheim stellt. (Juusuf `Allii)

 

Abschnitt 6

83. Hast du nicht gesehen, wie Wir die Scheytane175 auf die Kafirs176 losgelassen haben, um sie zum Wüten aufzureizen?177

175. Die Unrecht und Kufr nur vorschlagen können und nicht die Macht haben, sie aufzuzwingen. (Darjabadi)

Wörtlich: „die Scheytane". Mit diesem Begriff bezeichnet der Qur’an oft alles, was wirklich böse ist, besonders die unmoralischen Impulse im Menschen selbst. Vergleiche auch Suura 2:14 und Aja 44 dieser Suura  mit den entsprechenden Fußnoten. (Asad)

176. Die sich aus eigenem freien Willen den Launen Scheytans versklaven. (Darjabadi)

177. Nach den von Allah gegebenen Gesetzmäßigkeiten wird das Böse, wenn es ein gewisses Stadium des Trotzes und der Rebellion erreicht hat, sich selbst überlassen, so dass es mit Gewalt seinen eigenen Untergang herbeiführt. Ein gewisses Maß an Aufschub wird ihm als Chance eingeräumt; bei ausbleibender Reue sind jedoch seine Tage gezählt. Deswegen sollten sich die Guten nicht über den scheinbaren irdischen Erfolg der Bösen grämen, sondern weiterhin ihre Pflichten erfüllen und auf Allah vertrauen. (Juusuf `Allii)

Allah hat den Scheytanischen Kräften erlaubt, unter den Menschen aktiv zu sein, und es dem freien Willen des Menschen überlassen, diese bösen Einflüsse oder Impulse aufzunehmen oder abzuweisen. Vergleiche auch Suura 14:22, wo Scheytan darauf hinweist, dass er keine Macht über die Menschen hatte, sondern sie nur rief und sie auf diesen Ruf antworteten. Vergleiche auch Suura 15:41. (Asad)

 

84. So suche nicht, ihre Strafe zu beschleunigen.178 Wir räumen ihnen wahrlich nur eine Anzahl (von Tagen) ein.179

178. Sei ihretwegen nicht traurig oder ungeduldig, denn ihnen wird nur eine kurze Zeit gewährt. Alle ihre Handlungen werden registriert und berechnet. (Qutb)

179. Wörtlich: „Wir zählen für sie nur eine Zahl". Vergleiche auch oben Aja 75. (Asad)

Wir haben ihnen nur einen gewissen Zeitraum als Gelegenheit zur Umkehr zugestanden. (Darjabadi)

Ertrage geduldig noch eine Weile ihrer Verfolgungen, denn ihre Zeit läuft ab. (Maududi)

 

85. An dem Tag, an dem Wir die Mutaqis vor dem Barmherzigen versammeln werden als Ehrengäste,180

180. „Wafd" ist eine geehrte Gemeinschaft oder Abordnung. (Darjabadi)

Denn es wird ihnen ein ehrenvoller Empfang bereitet. (Qutb)

 

86. Und wir die Sünder zur Hölle hinabführen werden, wie Vieh zur Wasser stelle,181

181. Beachte den Kontrast zwischen den Geretteten und den Verdammten. Die einen ziehen wie geehrte Gäste würdig zum König, die anderen laufen in höchster Pein ihrer Strafe entgegen wie Vieh, das der Durst zur Tränke treibt. Beachte die Metapher mit dem Wasser. Sie laufen wie verrückt nach Wasser, stürzen jedoch ins Feuer. (Juusuf `Allii)

 

87. Soll niemand imstande sein, Fürsprache einzulegen182 außer denen, die vom Barmherzigen ein Versprechen entgegengenommen haben.183

182. Sie werden nicht die Fähigkeit zur Fürbitte haben. (Darjabadi)

183. Oder „Erlaubnis". Einen ausgesprochenen Vermittler, der einen „entfremdeten" Allah wieder mit der Menschheit versöhnt, gibt es nach islamischer Vorstellung nicht. (Darjabadi)

Nach Ansicht der klassischen Kommentatoren einschließlich einiger besonders hervorragender Gefährten des Propheten Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, bedeutet der „Bund mit Allah" (oder das Versprechen von Allah) hier die Erkenntnis seiner Einheit und Einzigartigkeit. Folglich können, wie Rasi betont, selbst Menschen, die große Fehler gegangen haben, auf Allahs Vergebung hoffen - symbolisch ausgedrückt durch das Recht auf „Fürbitte", das am Jüngsten Tag den Propheten Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, gewährt wird, vorausgesetzt, dass jene Menschen zu Lebzeiten sich der Existenz und Einheit Gottes bewusst waren. Vergleiche auch Suura 10:3 und die entsprechenden Fußnoten. (Asad)

Nur derjenige darf Fürbitte einlegen, dem Allah selbst dies erlaubt hat, nicht jene, die von den Menschen selbst ohne irgendwelchen Grund zu ihren Fürsprechern gemacht wurden. (Maududi)

 

88. Und184 sie sagen:185 „Der Allerbarmer hat sich einen Sohn zugesellt."186

184. Das „und" verbindet diesen Abschnitt mit Aja 81 oben. (Asad)

185. Die Polytheisten allgemein, oder hier auch speziell die Christen. (Darjabadi)

186. Diese Anspielung auf dem Diin der Christen an 'Isa, Allahs Segen und Frieden auf ihm. als „Sohn Allahs" und ganz allgemein auf jeglichen Glauben an Allahs „Inkarnation" in einem geschaffenen Wesen, nimmt das oben in Aja 81 angedeutete Thema wieder auf, nämlich die Vergötterung von anderen Wesen oder Mächten als Allah, so dass diese „eine Quelle der Macht" für ihre Verehrer werden. Während sich jedoch Aja 81 besonders auf die Kafirs bezieht, die materiellem Reichtum und Macht gottähnlichen Status zuerkennen und sich völlig dem Streben nach irdischen Erfolg hingeben, bezieht sich dieser Abschnitt auf Menschen, die zwar Allah akzeptieren, aber auch Propheten und Heilige vergöttern in der unbewussten Hoffnung, diese könnten sich als Vermittler zwischen ihnen und dem Allmächtigen einsetzen. Da eine solche Vergötterung gegen den Grundsatz der transzendentalen Einheit Allahs verstößt, bricht der Mensch damit seinen „Bund mit Allah" und begeht, wenn er bewusst darauf besteht, einen unverzeihlichen Fehler. Vergleiche Suura 4:48 und 116. (Asad)

 

89. Ihr bringt da fürwahr etwas Abscheuliches vor!187

187. Der Glaube, Allah habe einen Sohn gezeugt, ist nicht eine Frage von Formulierungen oder spekulativer Gedanken. Es ist eine furchtbare Lästerung, die Allah auf die Stufe eines Tieres erniedrigt. Wenn diese Vorstellung mit der Lehre einer stellvertretenden Sühne kombiniert wird, dann wird damit Allahs Gerechtigkeit und die persönliche Verantwortlichkeit des Menschen geleugnet. Dies wirkt sich destruktiv auf jede moralische und geistige Ordnung aus und wird strengstens verurteilt. (Juusuf `Allii)

 

90. Beinahe möchten die Himmel darüber auseinander brechen und die Erde sich spalten und die Berge zertrümmert niederstürzen,188

188. Diese Behauptung lässt das ganze Universum erzittern. Seine Natur verabscheut sie und sein Inneres mitbilligt sie. (Qutb)

So entsetzlich ist eure Lästerung. In einem der apokryphen Evangelien weist ’Isa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, die Verehrung seiner Anhänger selbst mit den Worten zurück: „Hebt euch hinweg von hier, ihr Besessenen, denn ich fürchte, die Erde könnte sich spalten und mich und euch verschlingen eurer furchtbaren Worte wegen." (Darjabadi)

 

91. Dass sie dem Allerbarmer einen Sohn zuschreiben.189

189. Selbst den frühen Christen erschien die Lehre der Dreieinigkeit als unvereinbar mit der Einheit Allahs, die in der Schrift betont wird. Sie lehnten sie deshalb ab und nahmen ’Isa, Allahs Segen und Frieden auf ihm,  nicht als inkarnierte Gottheit, sondern als Allahs höchstes Geschöpf an, durch das alles andere erschaffen war, oder als den vollkommenen Menschen, der die wahre Lehre von Allah verkündet. (Darjabadi)

 

92. Es geziemt dem Allerbarmer nicht, Sich einen Sohn zuzugesellen.190

190. Dieses Grundprinzip ist früher in der Argumentation dargelegt worden (sehe oben Aja 35). Es wurde durch eine Schilderung der persönlichen Lebensgeschichte vieler Propheten einschließlich ’Isa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, selbst veranschaulicht, die sich ihren Angehörigen gegenüber gerecht verhielten und Allah demütig dienten. Die bösen Folgen solcher abergläubischen Vorstellungen wurden mit einem Hinweis auf viele frühere Generationen hervorgehoben, die ihren eigenen Untergang heraufbeschworen, indem sie Allah entehrten. Gegen Ende dieser Suura wird das Argument jetzt abgerundet.

(Juusuf `Allii)

Er hat weder Vater noch Mutter noch Kinder noch Geschwister noch Gefährten. (Darjabadi)

Der Gedanke, Allah könnte einen „Sohn" haben - sei es im tatsächlichen oder metaphorischen Sinne dieses Wortes - würde einen gewissen Grad an Ähnlichkeit zwischen „Vater" und „Sohn" voraussetzen. Allah ist jedoch in jeder Hinsicht einzigartig, und „nichts ist Ihm gleich" (vergleiche Suura 112:4). Die Vorstellung von einer „Nachkommenschaft" impliziert darüber hinaus eine organische Fortführung dessen, der sich fortpflanzt, oder eines Teiles von ihm, in einem anderen Wesen, und setzt daher eine gewisse Unvollständigkeit vor der „Fortpflanzung" (oder „Inkarnation") voraus. Der Gedanke der Unvollkommenheit aber, in welchem Sinne auch immer, negiert die Vorstellung von Allah überhaupt. Selbst wenn der Gedanke einer „Sohnschaft" nichts weiter als einen der verschiedenen „Aspekte" des Einen Gottes ausdrücken soll (wie es beim christlichen Trinitätsdogma beansprucht wird), dann ist er aus Sicht des Qur’ans insofern lästerlich, als es ein Versuch ist, Ihn zu definieren, Der über jede Definition erhaben ist (vergleiche Suura 6:100). (Asad)

Abu Huraira berichtet, dass der Prophet Allahs gesagt hat: „Der Sohn Adams hat Mich der Lüge bezichtigt, was ihm nicht zusteht, und Mich beleidigt, was ihm ebenfalls nicht zusteht. Er bezichtigt Mich der Lüge, indem er sagt: „Er wird mich nicht wieder zurückbringen, wie Er mich entstehen ließ", wobei die Ersterschaffung für Mich nicht leichter ist als ihre Wiederherstellung. Und was seine Beleidigung Mir gegenüber angeht, so ist das seine Behauptung, Ich habe Mir einen Sohn zugesellt, wobei Ich Der Einzige bin, Der ewig Unabhängige, Der weder gezeugt hat, noch gezeugt wurde, und keiner ist Mir gleich."

(Al-Bucharii)

 

93. Es gibt niemanden in den Himmeln und auf Erden,191 der nicht als Diener zum Allerbarmer kommt.192

191. Selbst unter Seinen Propheten und Engeln. (Darjabadi)

Auch Usair und ’Isa, Allahs Segen und Frieden auf ihm. (Al-Dschalalain)

192. Alle, ob es Menschen oder Engel sind, sind geschaffene Wesen und haben keinerlei Anteil an Seiner Göttlichkeit. Alle ergeben sich bewusst oder unbewusst in Seinen Willen. Vergleiche auch Suura 13:15 und 16:48-49. (Asad)

 

94. Er kennt sie alle einzeln193 und hat ihre Zahl genauestens vermerkt.194

193. Er umfasst alle Seine Geschöpfe mit Seinem Wissen. (Darjabadi)

194. Er kennt ihre Anzahl vom Anfang ihrer Schöpfung und bis zum jüngsten Tag.

(ibn Kasir)

Allah hat weder Söhne noch Favoriten noch Schmarotzer, wie wir sie mit Menschenwesen in Verbindung bringen. Andererseits erhält jedes einzelne Seiner Geschöpfe Seine Liebe und Fürsorge. Jedes einzelne von ihnen, wie gering auch immer, ist individuell vor Seinem Thron der Gerechtigkeit und Barmherzigkeit ausgezeichnet und steht vor Ihm für sich selbst ein. (Juusuf `Allii)

 

95. Und am Tag der Auferstehung werden sie alle einsam, nackt und bloß zu Ihm kommen.195

195. Ohne jemanden, der ihm Gesellschaft leistet, oder mit dem er sich brüsten kann. Ja sogar ohne Sinn und Gefühl für Gesellschaft. (Qutb)

Ohne Helfer oder Gefolge. In der unvermeidlichen Einzigartigkeit seiner Individualität wird das begrenzte Ich dem unendlichen Ich gegenübertreten, um selbst die Folgen seiner vergangenen Handlungen zu sehen und die Möglichkeit für seine Zukunft zu beurteilen. (Darjabadi)

Vergleiche oben Aja 80. (Asad)

 

96. Wahrlich, denjenigen, die den Iman verinnerlicht haben und gute Werke tun, wird der Barmherzige Liebe196 zuteil werden lassen.197

196. In dieser Welt, abgesehen von ihrem Lohn in der Zukunft. (Darjabadi)

Von der Beschreibung des Frevler geht nun der Qur’an über zu denen, die an Ihn den Iman verinnerlichen. (Safwat Al-Tafasir)

Wen Allah in dieser Welt beliebt macht, dem wird das auch im Jenseits zuteil werden. (Qutb)

197. Seine eigene Liebe und die Liebe seiner Mitgeschöpfe, in dieser Welt ebenso wie im zukünftigen Leben. Gutes bringt Liebe und Frieden hervor, Böses hingegen Hass und Streit. (Juusuf `Ali)

In den Herzen der Rechtschaffenen sät Allah Zuneigung zu den Mu’mins. (ibn Kasir)

Dies wurde in der Kraft des Propheten Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, selbst veranschaulicht, der von einer warmen und opferbereiten Liebe umgeben war und eine große Fähigkeit hatte, Menschen an sich zu ziehen. (Darjabadi)

Allah schenkt ihnen Seine Liebe und die Möglichkeit, Seine Geschöpfe zu lieben und von den Mitmenschen geliebt zu werden. Wie aus dem nächsten Aja hervorgeht, ist diese Gabe der Liebe in der Rechtleitung enthalten, die dem Menschen durch die Offenbarung angeboten wird. (Asad)


 

97. So haben Wir ihn198 fürwahr leicht verständlich gemacht in deiner Sprache,199 damit du mit ihm den Mutaqis die Verheißung verkünden und die Streitsüchtigen warnen kannst.

198. Nämlich den Qur’an. (Darjabadi)

199. Da der Mensch nicht in der Lage ist, das „Wort" Allahs an sich zu verstehen, wurde es ihm immer in seiner eigenen, menschlichen Sprache offenbart (vergleiche auch Suura 14:4) und in dem menschlichen Verstand zugänglichen Vorstellungen erläutert. Damit wird auch gesagt, dass die Offenbarung „in das Herz des Propheten" herabgesandt wurde (siehe Suura 2:97 oder 26:193-194). (Asad)

 

98. Doch wie viele Völker vor ihnen haben Wir bereits vernichtet! Kannst du jetzt noch eines von Ihnen finden oder auch nur einen Ton von ihnen hören?200

200. Vergleiche Aja 74 in Suura 19, an den dieser Satz erinnert, indem er das Fortschreiten des Unrechts aufzeigt, die Rechtleitung, die Allah den Guten gibt, die Entehrung der Lästerung, den gewährten Aufschub und das Ende, wenn die Menschen persönlich zur Rechenschaft gezogen werden. (Juusuf `Allii)

Niemand bleibt zurück außer Dem Einzigen, Lebendigen, Der den Tod nicht erleidet. (Qutb)

 

 

Einführung zu der Suura 20 “Taa Haa“

Die chronologische Zuordnung dieser Suura ist wichtig: sie steht im Zusammenhang mit der geistigen Lehre, die sie beinhaltet. Sie spielt eine wichtige Rolle in der dramatischen Szene, die mit `Umars Bekehrung endet und sich ungefähr sieben Jahre vor der Hidschra abspielte.

Ibn Hidschaam hat diese Szene mit allen dramatischen Einzelheiten geschildert. `Umar war zuvor einer der größten Feinde und Verfolger des Islam gewesen. Ähnlich seinen blutdürstigen Verwandten, den Quraisch, plante er, den Propheten Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, zu ermorden, als er erfuhr, dass einige unter seinen nächsten Verwandten den Islam angenommen hatten. Seine Schwester Fatima und ihr Mann Said waren Muslime geworden, aber in jener Zeit der Verfolgung hatten sie ihren Iman geheim gehalten. Als `Umar sich ihrem Haus näherte, hörte er, wie sie diese Suura von einer in ihrem Besitz befindlichen Abschrift lasen. Es gelang ihnen, die Abschrift rechtzeitig zu verstecken. `Umar griff seine Schwester und ihren Mann an, aber beide ertrugen seinen Zornausbruch mit beispielhafter Geduld und bekannten ihren Iman. `Umar war von ihrer Aufrichtigkeit und Standhaftigkeit so beeindruckt, dass er sie bat, das Blatt sehen zu dürfen, von dem sie gelesen hatten. Sie zeigten ihm, und er war innerlich so erschüttert, dass er nicht nur zum Iman fand, sondern einen seiner stärksten Unterstützer und Verkünder wurde.

Das Blatt enthielt einen Teil dieser Suura, wahrscheinlich die Einführung. Die mystischen Buchstaben Ta Ha sind dieser Suura vorangestellt. Was bedeuten sie? Nach den ältesten Überlieferungen bilden sie eine dialektische Interjektion mit der Bedeutung: „O Mann!". Wenn dies der Fall ist, dann ist dieser Titel auf zweierlei Weise besonders angemessen:

1. Sie war eine direkte und persönliche Anrede an einen Menschen im Zustand höchster Aufregung, von seinem Temperament in die Versuchung geführt, Unrecht zu tun, aber von Allahs Gnade wie von einem persönlichen Appell angerufen, um der Wirklichkeit ins Auge zu schauen, denn Allah kannte seine innersten Gedanken (siehe Aja 7). Allah schickte Seine Offenbarung aus Gnade und Barmherzigkeit (siehe Aja 5).

2. Sie greift die Geschichte aus der letzten Suura auf, die des Menschen als eines geistigen Wesens, und veranschaulicht sie in weiteren Einzelheiten. Sie erzählt die Geschichte von Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, in der Krise seines Lebens, als er von Allah berufen wurde, und in der persönlichen Beziehung zu seiner Mutter und wie es dazu kam, dass er am Hof des Pharao aufgezogen wurde und alles Wissen der Ägypter erwerben konnte, um es in Allahs Dienst zu nutzen, sowie auch seine Beziehung zum Pharao, der hier die Rolle seines Adoptivvaters spielt (vergleiche auch Suura 18:9). Weiterhin wird von einer gefallenen Seele berichtet, die die Israeliten zum Götzendienst verführt, und daran erinnert, wie Scheytan, der Erzfeind des Menschen, dessen Fall verursachte. Gebet und Gotteslob sind notwendig für den Menschen, um seine geistige Blindheit zu heilen und ihm zu ermöglichen, dass er Allahs Offenbarung richtig einschätzt. (Juusuf `Allii)

Wie alle makkanischen Suuras verfolgt auch diese die gleiche Ziele, nämlich die Grundsätze des Imans zu festigen, wie den Iman an die Einheit Gottes, das Prophetentum und die Auferstehung. (Safwat Al-Tafasir)

Diese Suura beginnt und endet mit einer direkten Anrede an den Propheten Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm. Sie weist ihn auf eine Aufgabe und die Grenzen seiner Pflicht hin. Doch im Mittelpunkt dieser Suura ist die Geschichte von Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, ausführlich dargestellt, angefangen mit seiner Sendung bis zur Anbetung des Kalbes durch die Kinder Israels. Die Geschichte Adams, Allahs Segen und Frieden auf ihm, wird nur kurz angesprochen. Darin tritt insbesondere die Vergebung Allahs hervor und Adams, Allahs Segen und Frieden auf ihm, Rechtleitung. Darüber hinaus werden einige Szenen des Jüngsten Tages vor Augen geführt. (Qutb)

“Taa Haa“ ist auch ein Beiname des Propheten Muchammad - Friede sei mit ihm. Aus dieser Tatsache ergibt sich vielleicht ein weiterer Aspekt zum Verständnis dieser Suura, vor allem im Zusammenhang mit der Vorhersage in Deuteronomium 18:18-20, wo Gott zu Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, sagt: „Ich will ihnen einen Propheten, wie du bist, erwecken aus ihren Brüdern und meine Worte in seinen Mund geben; der soll zu ihnen reden alles, was ich ihm gebieten werde. Doch wer meine Worte nicht hören wird, die er in meinem Namen redet, von dem will ich's fordern. Doch wenn ein Prophet so vermessen ist, dass er redet im Namen anderer Götter, dieser Prophet soll sterben." „Einen Propheten, wie, du bist" würde bedeuten: ein Prophet, der ein Gesetz bringt und eine Gemeinschaft gründet; diese beiden Eigenschaften sind charakteristisch für den Propheten Muchammad - Friede sei mit ihm, und darin liegt die besondere Parallele zu, dessen Geschichte hier ausführlich wiedergegeben ist. Einer der Hauptaspekte ist dabei Allahs Barmherzigkeit, und auch in dieser Hinsicht besteht eine Querverbindung: Der Prophet Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm,  wird im Qur’an besonders als „Barmherzigkeit für die Welten" (vergleiche Suura 21:107) bezeichnet. Eine weitere Analogie besteht im Verhältnis der beiden Propheten zu ihrer jeweiligen Gemeinschaft - eine Möglichkeit für Muslime, aus der Geschichte zu lernen. (Anm. d. Übers.)

Zusammenfassung:

Allahs Offenbarung (der Qur’an) ist kein Anlass zum Leid, sondern ein Geschenk der Barmherzigkeit von Allah, dem Barmherzigen. (Ajas 1-8) 

Wie Muusa zuerst auserwählt und zusammen mit seinem Bruder Haruun, Allahs Segen und Frieden auf ihnen beiden, mit der Botschaft an Pharao betraut wurde. (Ajas 9-36)

Wie Muusas, Allahs Segen und Frieden auf ihm, Mutter angewiesen wurde, ihren kleinen Sohn im Fluss aussetzen so dass er unter Allahs eigener Überwachung am Hof des Pharao aufwuchs und damit in der Lage war, diesem später Allahs Ruhm zu verkünden. (Ajas 37-76)

Wie Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, angeleitet wurde, sein Volk zu führerrund dessen Geist zu zügeln, und wie dieser Geist von Saamirija wieder erregt wurde. (Ajas 77 -104):

Am Tag des Gerichts wird persönliche Rechenschaft gefordert Allahs Wahrheit zur Geltung gebracht. Der Mensch soll sich vor Scheytan, seinem Feind, in acht nehmen und Eitelkeit meiden, sich durch Gebet und Lobpreisung Allahs reinigen und den Ruf zu Allah erwarten. (Ajas 105 - 133)


 

“Ta Ha“

Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen.

 

1. Ta Ha1

1. Vergleiche auch die Einführung zu dieser Suura. Wenn “Ta Ha“ hier für „O Mann!" steht, dann hat dies in sich schon wieder eine mystische Bedeutung. Aber die Buchstaben würden dann ein Wort bilden und im engeren Sinne nicht mehr zu den abgekürzten Buchstaben zählen (diesbezüglich vergleiche auch Fußnote l zu Suura 2:1); dies ist jedoch eine Frage der Klassifizierung und hat keinen Einfluss auf die Bedeutung. AIle diese Interpretationsversuche sind Vermutungen, und wir dürfen nicht dogmatisch damit umgehen. (Juusuf `Allii)

Diese Buchstaben könnten auch „Sei still!" bedeuten. (Darjabadi)

Nach Ansicht einiger Kommentatoren handelt es sich hierbei um abgekürzte Buchstaben ähnlich denen, die anderen Suuras vorangestellt sind. Andere sind jedoch der Ansicht, dass es sich nicht einfach um die Kombination zweier einzelner Buchstaben handelt, sondern ein Wort mit einer eigenen Bedeutung ist, das in der nabatäischen und syrischen Sprache „O Mann!" bedeutet, ähnlich wie auch in dem rein arabischen Dialekt des jemenitischen Stammes 'Ak, wie aus einigen Fragmenten ihrer vorislamischen Dichtung hervorgeht. (Asad)

Unter den vielen Interpretationen dieser Suura ist eine, dass dies ein Name Allahs ist und ein Eid, bei dem Er schwor. Dies wird auch von Ibn ` Abaas überliefert. Es wird auch gesagt, dass es ein Name des Propheten ist, denn nach einer Überlieferung hat der Prophet Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, sagt: „Ich habe zehn Namen bei Allah, und er erwähnte darunter Taha und Jaasin. Eine andere Aussage ist die, dass es sich um zusammenhängende Buchstaben handelt, wobei jeder von ihnen auf einen Begriff hinweist. Während “Taa“ für „Taahir" (rein) steht, steht das Ha für „Haad " (rechtleitend). (Qurtubi)

Wie in den anderen Suuras, die mit einzelnen Buchstaben anfangen, wird anschließend über den Qur’an gesprochen. (Qutb)

 

2. Wir haben dir den Qur’an nicht herabgesandt, um dich unglücklich zu machen,2

2. Allahs Offenbarung kann aus zwei Gründen den Menschen Schwierigkeiten verursachen:

1. sie zügelt den Egoismus des Menschen und tadelt seine Engstirnigkeit; und

2. sie stört die Bösen und veranlasst sie zu Spott und Verfolgung. Beides sind Nebenerscheinungen, die auf die Fehler und Mängel des Menschen zurückzuführen sind. Was die Schwierigkeiten angeht, so soll die Offenbarung eine Warnung aussprechen, so dass Verfolger zur Besinnung kommen. Für mu’min Menschen bringt sie Trost, auch wenn dies in diesem Zusammenhang nicht besonders erwähnt wird. (Juusuf `Allii)

Wir haben dir den Qur’an nicht hinabgesandt, damit du durch ihn mit ihm unglücklich wirst. Du sollst weder durch die Rezitation dieser Botschaft noch durch den damit gebotenen ’Ibdach mehr belastet werden, als du zu ertragen vermagst. Diese Offenbarung ist leicht zu lernen und legt den Menschen nicht mehr auf, als ihre Fähigkeiten ermöglichen, und verpflichtet zu nichts, wozu ein Mensch nicht die Kraft hat. Sie soll nur eine Gelegenheit geben, mit Allah in Verbindung zu bleiben; insofern ist sie eine Quelle der Kraft und Ruhe und vermittelt Weisheit durch innere Zufriedenheit, das Bewusstsein der Nähe Allahs und die Verbindung mit Ihm. Auch in Bezug auf die Menschen, die nicht daran den Iman verinnerlichen wollen, soll diese Offenbarung dich nicht bedrücken. Es ist nicht deine Aufgabe, ihnen die Entscheidung zum Islam abzunehmen oder dir ihretwegen Sorgen zu machen. Dieser Qur’an ist ein Hinweis und eine Ermahnung. (Qutb)

Durch deinen Eifer, den Kafirs Rechtleitung zu bringen, oder auch durch Überanstrengung bei deinen nächtlichen Gebeten. (Darjabadi)

Die durch den Qur’an auferlegte ethische Disziplin soll nicht die Lebensfreude des Menschen schmälern, sondern im Gegenteil diese durch ein vertieftes Bewusstsein von Gut und Böse vergrößern. (Asad)

 

3. Sondern als Ermahnung für den, der (Allah) fürchtet,3

3. Wer Furcht empfindet, gedenkt und bittet um Vergebung, wenn er darauf hingewiesen wird. (Qutb)

Und hier endet die Aufgabe des Propheten Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm. Dieser Aja erläutert die Bedeutung des vorigen. Ziel der Offenbarung des Qur’an ist nicht, dass der Prophet Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, damit vor eine unmögliche Aufgabe gestellt oder mit der unnötigen Sorge belastet wird, in die Herzen der Hartnäckigen Iman einzupflanzen, sondern er soll diejenigen ermahnen, die Allah fürchten. Deswegen soll er nicht seine Mühe an jene verschwenden, in denen keine Spur von Taqwa mehr vorhanden ist und die sich nicht darum kümmert, was Wahrheit und was Trug ist. (Maududi)

 

4. Herabgesandt von Dem, Der die Erde und die Himmel erschaffen hat.4

4. Derjenige, der diesen Qur’an herabgesandt hat, ist Derselbe, Der Himmel und Erde erschaffen hat. Der Qur’an ist ebenso ein Phänomen des Daseins wie Himmel und Erde. Beide entstammen der höchsten Autorität, und es besteht eine Verbindung zwischen den Gesetzmäßigkeiten, die dieses Dasein beherrschen, und dem Gesetz, das dieser Qur’an enthält. (Qutb)

 

5. Der Allerbarmer hat seinen Platz auf dem Thron eingenommen,5

5. Vergleiche auch Suura 10:3. Wenn uns in unserer unvollkommenen Sichtweise auf der Erde Dinge als falsch erscheinen, dann sollen wir uns daran erinnern, dass Allah, Der alle Seine Geschöpfe umfasst und auf dem Thron der Gnade und Barmherzigkeit sitzt, die Herrschaft innehält. Unser Iman wird uns dann sagen, dass alles seine Richtigkeit hat. Allahs Autorität ist nicht wie eine irdische Autorität, die in Frage gestellt werden oder vergehen kann. Sie ist „fest eingerichtet". (Juusuf `Allii)

Vergleiche auch Suura 7:54 und die entsprechende Fußnote, wo der Begriff „`Arsch" (hier übersetzt mit „der Thron Seiner Allmacht") ausführlich erläutert wird. (Asad)

Nachdem Gott das gesamte Universum geschaffen hat, beherrscht Er es und leitet alle seine Angelegenheiten. (Maududi)

 

6. Ihm gehört, was in den Himmeln und was auf Erden ist, und was zwischen beiden und was unter dem Erdboden ist.6

6. Eine erschöpfende Definition all dessen, was wir wahrnehmen oder uns vorstellen können - was im Himmel, auf der Erde, zwischen den beiden oder unter der Erde ist. (Juusuf `Allii)

Allah, Dem Erhabenen, gehört alles im Dasein: die Sieben Himmel, die Erde und die Schöpfung, die zwischen beiden existiert, selbst die Mineralien, die unter der Erde verborgen liegen. Alles gehört Ihm und steht zu Seiner Verfügung und unter seiner Verwaltung. (Safwat Al-Tafasir)

Es gibt also nicht etwas so Absurdes wie einen Gott der Unterwelt, wie es sich kafir Völker vorgestellt haben. (Darjabadi)

 

7. Und ob du7 auch laut äußerst (oder nicht) - Er weiß fürwahr um das Geheime und was noch verborgener ist.8

7. Angesprochen ist damit der Leser. (Darjabadi)

8. Ibn 'Abbaas erklärte: „Sirr (Geheimnis) ist das, was der Mensch einem anderen insgeheim zuflüstert. Das noch Verborgenere ist das, was er bei sich hegt und von dem er niemandem erzählt." (Qutb)

Hierin sind zwei oder drei Implikationen enthalten.

1. Was auch immer du bekennst oder laut aussprichst, es gibt Allah keine neuen Informationen: er kennt nicht nur das, was geheim und anderen Menschen verborgen ist, sondern auch das, was Menschen besonders sorgfältig geheim halten.

2. Es nützt dir nichts, unaufrichtige Bekenntnisse abzulegen: Allah kennt deine verborgenen Absichten, und das allein zählt.

3. Wenn du das Wort Allahs liest oder zu Ihm betest, ist es nicht nötig, deine Stimme zu erheben: in jedem Fall urteilt Allah deinen inneren Gedanken entsprechend, die wie ein offenes euch vor Ihm liegen. (Juusuf `Allii)

Er kennt nicht nur die unausgesprochenen, bewussten Gedanken, sondern auch alles, was im unbewussten Inneren vor sich geht. (Asad)

Beachte den Zusammenhang zwischen dem vorigen Aja und diesem: dort geht es um äußerlich wahrnehmbare Phänomene in dieser Existenz, während es hier um äußerlich hörbare Sprache geht. Er vergleicht das Sichtbare im Dasein mit dem offenbarten Wort und das, was die Erde verbirgt mit dem, was im Herzen der Menschen verborgen ist. Dies soll dem Propheten Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, sagen, dass Allah mit ihm ist und ihn hört. Er lässt ihn nicht allein den Kafirs gegenübertreten. (Qutb)

 

8. Allah - es gibt keine Gottheit außer Ihm. Ihm gehören die schönsten Namen.9

9. Vergleiche auch Suura 17:110 und die entsprechende Fußnote. Allah ist Alles in Allem, aber das Schönste, was wir uns vorstellen können, kann auf Ihn bezogen werden. In unserer mystischen Philosophie spielt der Begriff „Name" eine besondere Rolle, denn darunter werden Eigenschaften zusammengefasst, und er bedeutet ungefähr so etwas wie ein Ehrentitel. (Juusuf `Allii)

Er besitzt alle vollkommenen Attribute und Eigenschaften. (Maududi)

Es steht in einem Hadis. „Allah hat neunundneunzig Namen. Wer sie alle Eigenschaften verinnerlichen kann, wird ins Paradies eingehen". (Safwat Al-Tafasir)

 

9. Ist nicht die Geschichte von Muusa zu dir gelangt?10

10. Die Geschichte Muusas, Allahs Segen und Frieden auf ihm, ist die am häufigsten im Qur’an erwähnte Geschichte, mit der verschiedene Lehren illustriert werden.

In Suura 5 geht es beispielsweise darum, dass das Volk Israel nicht in das Verheißene Land einziehen wollte, weil dieses von einem mächtigen Volk bewohnt war. In Suura 18 trifft Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, einen geheimnisvollen Diener Allahs, von dem er lernt. In Suura 2, 7, 10 und hier rücken verschiedene andere Lehren ins Blickfeld der Aufmerksamkeit, und zwar je nach der Suura unter verschiedenen Aspekten. In Suura 2 erscheint die Geschichte Muusas, Allahs Segen und Frieden auf ihm, in Verbindung mit der Geschichte des Ad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, unter dem Gesichtspunkt des Bundes Allahs mit Seinem Statthalter auf Erden, nachdem Er dessen Fehltritt verziehen hat; darauf folgt die Geschichte von Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, und den Kindern Israels, um sie an die Gnade Allahs und Seinen Bund mit ihnen, die Befreiung von Pharao, Allahs Versorgung währen der Wüstenwanderung zu erinnern. Sie beschreibt Allahs Gespräch mit Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, währenddessen sie das Kalb anbeteten, Allahs darauf folgende Vergebung und den Bundesschluss mit ihnen unter dem Berg. Als Beispiele des Bundesbruches werden der Verstoß gegen die Sabbathordnung und die Weigerung, die Kuh zu opfern besonders erwähnt. In Suura 7 liegt der Schwerpunkt auf der Warnung für alle, die Allahs Zeichen leugnen. Die Geschichte Muusas, Allahs Segen und Frieden auf ihm, soll die Lehre vom Prophetentum verdeutlichen, wobei die Zeichen des Stabes, der Hand und der ägyptischen Plagen zur Veranschaulichung dienen. In allen Einzelheiten wird das Wesen der Magie und der Untergang Pharaos und seiner Mächtigen erläutert. Und was die Kinder Israels taten, als sie in Abwesenheit Muusas, Allahs Segen und Frieden auf ihm, das Kalb anbeteten. Hier endet die Geschichte mit der Verkündung, dass denjenigen Allahs Gnade und Rechtleitung zuteil wird, die dem des Lesens und Schreibens unkundigen Propheten folgen. In Suura 10 wird über den Untergang der Leugner berichtet.

Und in dieser Suura wird aus der Geschichte Muusas, Allahs Segen und Frieden auf ihm, die Szenerie der Zauberer und der Untergang von Pharao und seinen Leuten detailliert ausgeführt. Hier wird vorausgeschickt die Erwähnung von Allahs Barmherzigkeit und Seiner Fürsorge für diejenigen, die Er auserwählt hat, dass sie Seine Botschaft übermitteln und die Menschen zu Seinem Dienst aufrufen. Die Geschichte Muusas, Allahs Segen und Frieden auf ihm, beinhaltet Beispiele Seiner besonderen Fürsorge, die ihn von seiner Geburt an begleitet und ihn später nach seiner Berufung stärkt und ihm die Durchführung seiner Aufgabe ermöglicht. (Qutb)

Hier wird  unter dem Gesichtspunkt seines Auftrages und seiner geistigen Entwicklung dargestellt (Ajas 9-24).

In den Ajas 25-36 geht es um die Beziehung zu seinem Bruder Haruun, Allahs Segen und Frieden auf ihm, in den Ajas 37-40 wird seine Beziehung zu seiner Mutter und seiner Schwester sowie seine Erziehung dargestellt. Es folgt in den Ajas 41-76 seine geistige Auseinandersetzung mit Pharao und in den Ajas 77-98 schließlich die Auseinandersetzung mit seinem eigenen Volk, den Israeliten. (Juusuf `Allii)

Abgesehen von zwei kurzen Bezugnahmen auf Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, in früher offenbarten Suuras (53:36 und 87:19) ist dies die früheste Wiedergabe der Geschichte Muusas, Allahs Segen und Frieden auf ihm, im Qur’an. In diesem Stadium ist sie mit dem Gedanken der Offenbarung verbunden, wie er am Anfang dieser Suura (Ajas 1-4) zum Ausdruck gebracht wird, und ganz allgemein mit der Lehre des Qur’ans von der grundlegenden Einheit aller offenbarten Diins Allahs. (Asad)

 

10. Als er ein Feuer11 sah, sprach er zu seiner Familie: „Bleibt (zurück). Ich habe fürwahr ein Feuer erblickt.12 Vielleicht kann ich euch davon Glut bringen oder ich finde beim Feuer Rechtleitung."13

11. Das Feuer: es schien ein gewöhnliches Feuer zu sein, wie es immer die Anwesenheit von Menschen in der Wüste oder in einer einsamen Gegend anzeigt. Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, macht sich allein auf den Weg, um von dort die Mittel zu besorgen, für seine Familie ein Feuer anzuzünden und vielleicht von den Leuten, die er dort vorfinden würde, Hinweise auf den weiteren Verlauf des Weges zu erfahren. Es war jedoch kein gewöhnliches Feuer, sondern ein brennender Busch: ein Zeichen von Allahs Herrlichkeit. (Juusuf `Allii)

Vergleiche auch Exodus 3:2. (Darjabadi)

Aus dem Zusammenhang scheint es hier (wie auch in Suura 27:7), dass Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, sich in der Wüste verirrt hat. Dies ist wahrscheinlich eine symbolische Anspielung auf seine allmähliche Erkenntnis, dass er geistige Führung brauchte. Dieser Teil der Geschichte bezieht sich auf die Zeit seiner Wanderungen und Reisen nach seiner Flucht aus Ägypten (vergleiche Suura 28:14 ff.) Zur Allegorie vom „Feuer" - dem „Brennenden Busch" der Bibel - vergleiche die Fußnote zu Suura 27:7-8. (Asad)

12. Feuer weist gewöhnlich auf eine menschliche Ansiedlung hin. (Darjabadi)

13. Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, machte sich auf den Weg, um sich einen Brand von jenem Feuer zu holen und Orientierung auf seiner nächtlichen Reise zu finden, aber zu seiner Überraschung sollte er weit Größeres finden. Dieses Feuer wärmte zwar, aber nicht den Körper, sondern den Geist. Ein Feuer, das nicht der Orientierung auf nächtlichen Reisen diente, sondern auf der größten Reise. (Qutb)

Hier beginnt Muusas, Allahs Segen und Frieden auf ihm, geistige Geschichte. Es war seine geistige Geburt. Sein physisches Leben, seine Kindheit und seine Erziehung werden später erwähnt, um einen Aspekt zu veranschaulichen. Nachdem er aufgewachsen war, verließ er den Hof des Pharao und ging zu den Midijanitern auf der Sinai-Halbinsel. Er heiratete dort und war nun mit seiner Familie und seinen Herden unterwegs, als er von Allah zu seiner Aufgabe gerufen wurde. Er ging, um ein Feuer zum Trost und zur Führung zu finden, und der fand Trost und Führung auf einer viel höheren Ebene. Der ganze Abschnitt ist voll von mystischer Bedeutung, die im arabischen Original in den kurzen gereimten Ajas zum Ausdruck kommt. Sowohl Rhythmus als auch die Bedeutung weisen auf höchste Geheimnisse hin. (Juusuf `Allii)

 

11. Und als dorthin kam,14 wurde er gerufen: „Muusa“!15

14. Das heißt zu dem, was wie ein Feuer aussah, in Wirklichkeit aber reines Licht war. (Darjabadi)

15. Der Hals trocknet aus und man erzittert bei der Vorstellung dieser Szenerie. Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, befindet sich in finsterer Nacht und in völliger Stille allein an diesem Ort. Er ist auf der Suche nach Feuer, das er auf der anderen Seite des heiligen Berges vermutet. Doch plötzlich erschallt der Ruf von überall um ihn herum. (Qutb)

 

12. Wahrlich, Ich bin der Herr. Darum lege deine Schuhe ab.16 Du bist fürwahr im geheiligten Tal Tuwaa.17

16. Als Zeichen des Respekts sollte er die Schuhe ausziehen. Die dementsprechende mystische Bedeutung ist, dass Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, seine irdischen Interessen beiseitelegen sollte, denn er war von Allah, dem Allerhöchsten, auserwählt worden. (Juusuf `Allii)  

Vergleiche Exodus 3:5. Bei den Juden galt es als Zeichen des Respekts, die Schuhe abzulegen, wenn man sich einem heiligen Ort oder einer heiligen Person näherte (vergleiche auch Josua 5:15). (Darjabadi)

Wahrscheinlich galt es aus diesem Grund bei den Juden als verboten, mit Schuhen an den Füßen Gebete zu verrichten. Nach verschiedenen Überlieferungen ist es im Islam erlaubt, beim Gebet Schuhe zu tragen, wenn man auf bloßer Erde steht und nicht in der Moschee oder an einem Ort, wo Matten oder Teppiche zur Verfügung stehen. (Maududi)

17. Dieses Tal lag unmittelbar am Fuß des Berges Sinai, wo Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, später das Gesetz in Empfang nehmen sollte. Die mystische Bedeutung parallel dazu ist die, dass wir durch die Prüfungen in diesem bescheidenen Leben auserwählt werden, dessen Tal ebenso heilig ist und ebenso Allahs Herrlichkeit empfängt wie die Höhen des Berges, wenn wir nur die Einsicht haben, dies wahrzunehmen.

(Juusuf `Allii)

Während einige Kommentatoren annehmen, das Wort„ Tuwaa" sei der Name des „geheiligten Tales", erklärt Samachsari sehr überzeugend die Bedeutung als „zweimal" - das heißt in diesem Falle „zweimal geheiligt" - wahrscheinlich deswegen, weil Allahs Stimme darin hörbar wurde und weil Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, dort zum Propheten berufen wurde. (Asad)

 

13. Und Ich habe dich auserwählt,18 so höre denn auf das, was (dir) offenbart wird.19

18. Zum Propheten. (Darjabadi)

Welch eine Ehre, von Allah selbst auserwählt zu werden aus der Menge seiner Geschöpfe! Dies gilt als eine besondere Barmherzigkeit diesem Menschen gegenüber. (Qutb)

19. Das Offenbarte wird in Kürze in drei Punkten zusammengefasst - den Iman an die Einheit Gottes, die Hinwendung zum ’Ibadach und den Iman an die Stunde (des Gerichts) - die als die Grundzüge der einzigen Botschaft Allahs gelten. (Qutb)

 

14. Ich bin fürwahr Allah - es gibt keine Gottheit außer Mir.20 So diene Mir und verrichte das Gebet,21 um Meiner zu gedenken.22

20. Die Einheit Allahs ist Grundprinzip des Islams überhaupt. Und das bestätigt Allah mit allem Nachdruck durch Seine Worte. (Qutb)

21. Das Gebot ist der vollkommenste Ausdruck der Dienstbereitschaft gegenüber Allah und das vollkommenste Mittel, Seiner zu gedenken. (Qutb)

Bewusstes Gedenken Allahs und Seiner Einheit und Einzigartigkeit sind das innerste Ziel und die intellektuelle Begründung jedes wahren Gebets. (Asad)

22. Einige Kommentatoren erklären die Bedeutung als: „Verrichte das Gebet, damit Ich Mich an dich erinnere." Das Gebet soll fünfmal am Tag den Menschen Allahs Anwesenheit erinnern. Deswegen ist es auch wichtig, Gebete nachzuholen, nachzuholen, die man versäumt hat. Der Prophet Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, wurde einmal gefragt: „Was sollen wir tun, wenn wir die Gebetszeit verschlafen?" Er antwortete: „Verschlafen ist keine Sünde. Ein Fehler ist es jedoch, wenn man das Gebet bewusst vernachlässigt, wenn man wach ist. Wenn also jemand ein Gebet vergisst oder verschläft, dann soll er es nachholen, wenn er sich erinnert oder aufwacht." (Maududi)

 

15. Die Stunde wird ganz gewiss kommen23 - es ist Mein Wille, sie verborgen zu halten,24 - wo jeder Seele vergolten wird,25 wonach sie gestrebt hat.26

23. Zu allererst sollen wir unser Leben verbessern und Allah verehren und Ihm dienen, wie im letzten Aja erwähnt wurde. Der nächste Schritt besteht darin, dass wir die Bedeutung des zukünftigen Lebens erkennen, wo jeder die Vergeltung für sein Verhalten in diesem Leben erhält. (Juusuf `Allii)

Vergleiche auch Suura 15:85 und die entsprechenden Fußnoten.

24. „Uchfii" bedeutet entweder „verborgen halten" oder „manifestieren", dementsprechend haben sich einige Kommentatoren für die eine Bedeutung entschieden und andere für die andere. Wenn wir die erste Bedeutung nehmen, dann wird damit gesagt, dass die genaue Stunde oder der Tag, an dem das Gericht kommt, dem Menschen verborgen ist. Die zweite Bedeutung weist darauf hin, dass die Tatsache, dass das Gericht stattfinden wird, den Menschen bekannt gemacht werden soll, damit sie sich erinnern und gewarnt sind. Meiner Ansicht nach sind beide Bedeutungen impliziert, so wie es oft bei mystischen Interpretationen der Fall ist. (Juusuf `Allii)

Der Sinn der Geheimhaltung, sowohl der Stunde des Todes als auch der der Auferstehung, liegt darin, dass wenn die Menschen diese im voraus wüssten, sie sich alles Schlechte erlauben würden, um dann kurz zuvor zu bereuen und umzukehren. (Safwat Al-Tafasir)

25. So wird sie belohnt oder bestraft. (Ibn Kasir)

26. Der Ausdruck „Nach ihrem Bestreben" bedeutet bewusstes Streben und schließt damit unfreiwillige Handlungen (Handlungen im weitesten Sinne des Wortes mit allem, was in Worten oder Taten zum Ausdruck kommt) ebenso aus wie unfreiwillige Unterlassungen, ohne Rücksicht darauf, ob die betreffende Handlung oder Unterlassung moralisch gut oder schlecht ist. Indem dieses Prinzip in der Geschichte Muusas, Allahs Segen und Frieden auf ihm, erwähnt wird, unterstreicht der Qur’an die wesentliche Einheit der ethischen Werte, die allen Diins Allahs zugrundliegen. Vergleiche auch Suura 53:39 und die entsprechende Fußnote. (Asad)

 

16. Darum lass dich ja nicht davon abwendig machen durch jenen, der nicht daran den Iman verinnerlicht, sondern seinen niederen Begierden folgt, denn dann würdest du ins Verderben stürzen.27

27. Angesprochen ist damit jeder einzelne dem Islam verpflichtete Mensch. (ibn Kasir)

Wenn man nur den eigenen Gelüsten folgt, führt das zur Verleugnung der Stunde. Doch wer eine gesunde Naturveranlagung besitzt, erkennt sogleich, dass die Menschheit ihre Vollendung auf dieser Welt nicht finden kann. Auch vollkommene Gerechtigkeit kann erst in einem anderen Leben ihre Verwirklichung finden. (Qutb)

Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, stand noch der engstirnige Widerstand des hochmütigen Pharao und seiner stolzen Ägypter und später die Rebellion seines eigenen Volkes bevor. Bei seiner Berufung wird er vor beiden Gefahren gewarnt. Die mystische Bedeutung bezieht sich auf die eigene Seele des Menschen: wenn ihn das Licht einmal erreicht, soll er daran festhalten, damit er nicht umkommt. Er wird in seiner Umgebung Gefahren aller Art ausgesetzt sein: die schlimmste ist die Gefahr durch kafir Menschen, die allem Anschein nach mit ihrer Selbstsucht Erfolg haben und ihren sinnentleerten Impulsen folgen. (Juusuf `Allii)

 

17. Und was ist das in deiner rechten Hand, O Muusa?“28

28. Diese Frage wurde nicht gestellt um eine Information zu erhalten, denn Allah wusste sehr wohl, dass Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, einen Stab in seiner Hand hielt. Sie sollte  Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, vielmehr einprägen, dass es sich um einen Stab handelte, damit er innerlich darauf vorbereitet war, das Wunder zu erleben, das dann damit geschehen sollte. (Maududi)

Jeder Prophet braucht für sich selbst ein Zeichen, um an seine Sendung den Iman zu verinnerlichen. Vielleicht hätte für ihn der Beweis des brennenden Busches genügt. Doch um dies auch seinen Leuten nahe zu bringen, erfolgten die anderen Beweise, die mit der Hand und dem Stab, um dem ersten mehr Nachdruck zu verleihen. (Qutb)

 

18. Er antwortete: „Es ist mein Stab.29 Darauf stütze ich mich und damit schlage ich für meine Schafe (Laub) ab und er dient mir auch zu anderen Zwecken."30

29. Es folgt das Wunder mit dem Stab. Der Stab selbst hat eine vielfältige mystische Bedeutung. Zunächst wird jedoch nun Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, Aufmerksamkeit darauf gelenkt, und er denkt an den gewöhnlichen Nutzen, den er im Alltag davon hat. (Juusuf `Allii)

30. Obwohl Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, nur nach dem, was er in seiner Rechten hielt, gefragt wurde, und nicht nach dessen Aufgabe, erkennt er den Sinn der Frage, die sich nur auf den Zweck richten konnte. Denn was er in seiner Hand hielt, war augenscheinlich. So erwähnt er nur zwei Beispiele der zahlreichen Verwendungszwecke, die er dafür hatte. (Qutb)

 

19. Allah sprach: „Wirf ihn hin, O Muusa!"

20. Da warf er ihn hin, und siehe, er wurde zu einer sich windenden Schlange.31

31. Vergleiche Suura 7:107, wo für „Schlange" ein anderes Wort (tu`baan) und ein anderes Eigenschaftswort („offenkundig alle") benutzt wird. Die Szene dort ist vor Pharao, seinen Zauberern und dem Volk; Zielsetzung ist es, durch ein Wunder die Sinnlosigkeit ihrer Magie bloßzustellen: der Stab erscheint vor ihnen als lange, sich dahinringelnde Schlange. Hier ist sie ein Symbol, das Muusas, Allahs Segen und Frieden auf ihm, Verstand Allahs Geheimnis enthüll soll: er Stab wird zur „hayja" (zu einer lebenden Schlange), und ihre Bewegung macht einen starken Eindruck auf Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, denn es gibt keine anderen Augenzeugen. So können die höchsten geistigen Geheimnisse durch Allahs Gabe der Einsicht aus den gewöhnlichsten Dingen des Alltagsgebrauchs erkannt werden. Wenn sie einmal verstanden wurden, kommt Angst nicht mehr in Frage. Sie sind in Wirklichkeit die Tugenden dieses Lebens, die auf eine höhere Ebene emporgehoben wurden. (Juusuf 'Allii)

Dieses Wunder der Verwandlung eines Stabes in eine Schlange sollte eine besondere Bedeutung für Ägypten haben, wo Schlangen vergöttert werden. (Darjabadi)

 

21. (Allah) sprach: „Nimm sie auf und fürchte dich nicht.32 Wir werden sie alsbald in ihren früheren Zustand zurückbringen.33

32. Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, war wie jeder andere Mensch dem menschlichen Gefühl der Angst ausgeliefert. Dies bedeutet nicht eine Herabsetzung seiner Person. Vergleiche auch Exodus 4:2-3. (Darjabadi)

In diesem Text ist nicht wie an anderer Stelle, davon die Rede, dass er die Flucht ergriff, sondern es wird nur leicht auf die Furcht, die Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, befiel, hingewiesen, denn diese Suura soll das Klima von Sicherheit und Zuversicht vermitteln, was durch die Erwähnung von Entsetzen und Flucht gestört würde. (Qutb)

33. Die wunderbare Verwandlung des Stabes in eine Schlange hat meines Erachtens eine mystische Bedeutung. Sie scheint eine Anspielung auf den grundlegenden Unterschied zwischen Schein und Wirklichkeit und damit auf die geistige Einsicht in diesen Unterschied zu sein, die Allah Seinen auserwählten Dienern gewährt (vergleiche auch Muusas, Allahs Segen und Frieden auf ihm, Erfahrung mit dem ungenannten Weisen in Suura 18:66-82). Diese Interpretation wird gestützt in Suura 27:10 und 28:31, wo jeweils gesagt wird, dass Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, sah, wie der Stab sich schnell bewegte, „als ob es eine Schlange wäre". (Asad)

Allah zeigte ihm dieses Wunder damit er nicht erschrickt, wenn er sie Pharao zeigt. (Qutb)

 

22. Und stecke deine Hand unter deine Achsel.34 Sie wird weiß, ohne das geringste Übel, hervorkommen.35 Ein weiteres Zeichen,36

34. Wörtl.: Lege deine Hand ganz dicht an deine Seite. Das zweite große Wunder, das gezeigt wurde, war die „weiße (strahlende) Hand". Wenn Haut weiß wird, ist dies gewöhnlich ein Zeichen für eine Krankheit wie Lepra oder ähnlich abstoßend. Hier handelt es sich nicht um eine Krankheit, im Gegenteil, die Hand wurde veredelt und leuchtete wie durch das Licht Allahs. Ein solches Wunder übertraf die ägyptische Magie bei weitem.

35. Vergleiche Exodus 4:6. (Darjabadi)

Der Talmud erklärt das Wunder ebenso wie die Bibel und fügt hinzu, dass es für den Pharao gedacht war, der an Lepra litt. Leider ist diese Interpretation auch von einigen muslimischen Kommentatoren übernommen worden. (Maududi)

36. Für die Allmacht Allahs und den prophetischen Auftrag von Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm. (Darjabadi)

Um zuversichtlich zu werden angesichts der großen Aufgabe, die er tatkräftig anzupacken hatte. (Qutb)

 

23. Um dir nur einige Unserer größten Zeichen zu zeigen.

24. Gehe hin zu Pharao.37 Er hat wahrlich alles Maß überschritten.38

37. Demselben Pharao, dem er entflohen ist. (ibn Kasir)

Mit den dir gegebenen Beweisen. (Safwat Al-Tafasir)

Nachdem Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, seelisch vorbereitet wurde, erhält er nun definitiv den Auftrag, zu Pharao zu gehen und diesen auf seinen Irrweg aufmerksam zu machen. Dessen Größenwahn ging so weit, dass er von sich sagte: „Ich bin euer allerhöchster Herr!" Vergleiche Suura 79:24. (Juusuf 'Allii)

Vergleiche Exodus 3:10 (Darjabadi)

38. Das Wort „Taraa" beinhaltet: Widerspenstigkeit, Hochmut, Gotteslästerung und die Überschreitung aller Grenzen. (Qutb)

Dies scheint sich auf das größte Vergehen des Pharao zu beziehen, nämlich seinen Anspruch auf Verehrung Allahs. Vergleiche auch Suura 27:10. (Asad)

 

Abschnitt 2

25. Er Muusa sprach: „Mein Herr, weite mir meine Brust,39

39. Durch die Gelöstheit der Brust wandelt sich die Mühe des Aufwandes zu einem Vergnügen und die Not zu einer Freude. (Qutb)

Die Brust ist als Sitz von Wissen und Gefühlen bekannt. Um die Gabe höchster geistiger Einsicht bittet Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, hier zuerst. Vergleiche auch Suura 44:1. Zu dieser Zeit war dies das Notwendigste. Er bittet noch um drei weitere Dinge, nämlich

1. Allahs Hilfe bei seiner Aufgabe, die ihm zunächst sehr schwierig erscheint;

2. die Gabe der Redegewandtheit und die Entfernung seiner Sprachbehinderung; und

3. die Hilfe seines Bruders, den er liebte und dem er vertraute (Haruun, Allahs Segen und Frieden auf ihm, Rat und Tat), denn er würde sonst unter den Ägyptern sehr allein sein. (Juusuf `Allii)

So dass ich die Kraft habe, Deine Botschaft zu übermitteln. (Darjabadi)

Erfülle mein Herz mit Mut, der notwendig ist, um diese große Aufgabe als Gesandter Allahs zu erfüllen, und gibt mir die nötige Zuversicht. Darum bittet Beil er die mit seinem Auftrag verbundene schwere Verantwortung erkennt. (Maududi)

 

26. Und erleichtere meinen Auftrag für mich,40

40. Erleichterung und Hilfe Allahs für Seine Diener besteht darin, dass Er den Erfolg gewährleistet. Denn was kann der Mensch ohne Allahs Hilfe tun? Was kann er mit seiner begrenzten Kraft und seinem mangelhaften Wissen auf seinem langen Weg erreichen? (Qutb)

 

27. Und löse den Knoten meiner Zunge,41

41. Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, bat Allah darum, weil ihm bewusst war, dass er nicht redegewandt war, dass er aber als Gesandter Allahs fließend sprechen musste, um auf Pharao und seine Höflinge Eindruck zu machen. Der Talmud gibt eine merkwürdige Erklärung für Muusas, Allahs Segen und Frieden auf ihm, Sprachbehinderung, nach der dieser als Kind seine Zunge mit einer glühenden Kohle verbrannte, um Pharaos Strafe dafür zu entgehen, dass er dessen Krone genommen und sich selbst auf den Kopf gesetzt hatte. Diese Geschichte wurde von vielen muslimischen Kommentatoren übernommen, obwohl sie auf den ersten Blick absurd ist. (Maududi)

Wörtlich: „Löse einen Knoten von meiner Zunge“, das heißt entferne das Hindernis von meiner Sprache. (Juusuf 'Allii)

 Es wurde überliefert, dass die Zunge Muusas, Allahs Segen und Frieden auf ihm, steif war, was auch durch den Text in 34:28 hervorgeht, in dem steht ,,...er Haruun ist beredter als ich..." (Qutb)

 

28. Damit sie meine Rede verstehen,42

42. Wenn ich Deine Botschaft übermittle. Vergleiche auch Exodus 4:10. (Darjabadi)

Das würde bedeuten, dass er nicht von Natur aus redebegabt war. (Asad)

 

29. Und gib mir einen Beistand43 aus meiner Familie,

43. Die Grundbedeutung des Begriffes „Wasir" ist „Lastträger", abgeleitet von „Wisr" („Last"). Haruun, Allahs Segen und Frieden auf ihm, sollte ihm helfen, seine Last zu tragen. In nachklassischer Zeit wurde der Begriff „Wasir" für Minister der Regierung angewendet. (Asad)

 

30.   Haruun meinen Bruder,44

44. Haruun, Allahs Segen und Frieden auf ihm, war für flüssiges und überzeugendes Reden bekannt. Vergleiche auch Exodus 4:14. (Darjabadi)

Haruun, Allahs Segen und Frieden auf ihm, war durch seine Beredsamkeit bekannt, sondern auch durch seinen unerschütterlichen Sinn und starke Nerven.  hingegen war leicht reizbar und von rauer Natur. (Qutb)

Nach Exodus 7:7 war Haruun drei Jahre älter als Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihnen beiden.  (Maududi)

 

31. Und stärke mir den Rücken durch ihn,45

45. Wörtlich: „stärke meinen Rücken durch ihn". Die Kraft eines Menschen liegt in seinem Rücken und seinem Rückgrat, so dass er aufrecht stehen und seinen Aufgaben ins Gesicht sehen kann. (Juusuf `Allii)

 

32. Und lass ihn an meinem Auftrag46 teilhaben,

46. An meinem Prophetentum und an der Übermittlung der Botschaft. (Qutb)

Mach ihn zu meinem Berater. (ibn Kasir)

 

33. Damit wir Dich verherrlichen mögen,47

47. Wir beide gemeinsam. (Darjabadi)

Alle diese Bitten äußert Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, nicht, um damit seiner Aufgabe direkt entgegenzutreten, sondern um gemeinsam mit seinem Bruder an Allah denken und Ihn um so mehr verherrlichen zu können. (Qutb)

Indem wir Deine Einheit verkünden. (Darjabadi)

Muusas, Allahs Segen und Frieden auf ihm, Bitten sind durch geistige, nicht durch irdische Absichten inspiriert. Die Absicht ist, ganz allgemein gefasst, Allah zu verherrlichen, und zwar nicht gelegentlich, sondern systematisch und ständig. Dieser Aja und der folgende beherrschen alle seine Bitten, von Aja 25 bis Aja 32. (Juusuf `Allii)

 

34. Und ohne Unterlass Deiner gedenken.48

48. Wörtlich: „viel" oder „oft". (Asad)

Dass wir Deine vollkommenen Eigenschaften und Attribute erwähnen und uns daran erinnern. (Darjabadi)

 

35. Denn Du bist es, Der uns sieht."49

49. Lobpreisung Allahs und Erinnerung an Ihn ist eine Form, Dankbarkeit, auszudrücken. Dies tut Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, für die Gnade, die Allah ihm geschenkt hat. (Juusuf `Allii)

Du weißt, wie sehr ich einen Helfer brauche. (Darjabadi)

Du kennst unseren Zustand und siehst unsere Mängel und Schwächen und weißt um unsere Hilfsbedürftigkeit. (Qutb)

 

36. (Allah) sprach: „Deine Wunsch ist in Erfüllung gegangen, O Muusa“50

50. In diesen Worten liegt weder ein Versprechen noch ein Aufschub, sondern die einfache Mitteilung, dass sein Wunsch in Erfüllung gegangen ist. (Qutb)

 

37. Und Wir haben dir zuvor schon Unsere Gunst erwiesen,51

51. Ohne Bitte oder Gebet deinerseits. (Darjabadi)

Nämlich in Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, Kindheit, an die in den Ajas 38-40 erinnert wird. Vergleiche auch Suura 28:3-21, wo die Geschichte pharaonischen Verfolgung der Kinder Israels, des Mordes an den neugeborenen Jungen, der Errettung des kleinen einer Aufnahme am Hof des Pharao sowie seiner Flucht aus Ägypten, nachdem er einen Ägypter getötet hatte, ausführlich erzählt wird. (Asad)

 

38. Als Wir deiner Mutter die Eingebung zuteil werden ließen:52

52. Diese Eingebung war der Grund seiner Errettung. (Safwat Al-Tafasir)

Angesichts der großen Aufgabe, die Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, bevorstand, nämlich die der Begegnung mit dem mächtigen König und Tyrannen seiner Zeit, weil Allah ihm vor Augen führen, dass Er ihn auch diesmal nicht ohne Seine Fürsorge und die nötige Vorbereitung, die ihn schon einmal als schwachen Säugling begleitet hatte, den Kampf zwischen Glauben und ungeheurer Kufr aufnehmen lassen wird. (Qutb)

Hier wird nicht die Geschichte erzählt, sondern nur die wesentlichen werden wiederholt, die sich auf die geistige Erziehung und das Wort Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, auswirkten. Lange nach der Zeit von Juusuf, Allahs Segen und Frieden auf ihm, der Minister eines der ägyptischen Könige gewesen war, kam ein Pharao an die Macht, der die Israeliten hasste und sie vernichten wollte. Er befahl, deren männliche Kinder zu töten, sobald sie geboren waren. Mutter versteckte ihn eine zeitlang, aber als dies unmöglich wurde, kam ihr die Eingebung, den Jungen in einen Kasten zu lagen und diesen auf dem Nil treiben zu lassen. Dies war nicht nur ein spontaner Einfall. Es entsprach Allahs Plan, Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, mit dem gesamten Wissen der Ägypter zu erziehen, damit dieses Wissen selbst benutzt werden konnte, um zu verkünden. So trieb also der Kasten auf dem Nil dahin und gelangte in einen Seitenarm, der durch Pharaos Garten floss. Dort wurde er von dessen Familienangehörigen gefunden, und Pharaos Frau nahm das Kind zu sich. Vergleiche auch Suura 28:4-13. (Juusuf `Allii)

 

39. „Lege ihn in einen Kasten und wirf ihn in den Fluss,53 und der Fluss wird ihn ans Ufer treiben,54 und er wird von jemandem55 aufgenommen werden, der Mein Feind und zugleich sein Feind ist."56 Doch Ich umgab dich mit Meiner Liebe,57 damit du unter Meinen Augen aufgezogen würdest.58

53. Vergleiche Exodus 2:3 (Darjabadi)

54. In der Nähe von Pharaos Garten. (Darjabadi)

55. Nämlich Pharao, der Allah herausforderte. (Darjabadi)

56. Pharao war ein Feind Allahs, weil er arrogant war und Allah lästerte, indem er sich selbst zum Gott erklärte. Er war ein Feind des es r er hasste die Israeliten und wollte alle ihre männlichen Kinder töten lassen, aber auch deswegen, weil Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, die zu erwartende Offenbarung vertritt. (Juusuf `Allii)

Feind Allahs auch insofern, als er Kinder Israels unterdrückte. (Darjabadi)

57. Allah machte das Kind liebenswert, so dass es die Liebe gerade jener erregte, die es von ihren Grundsätzen her eigentlich getötet hätten. (Juusuf `Allii)

58. In dem Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, in den königlichen Haushalt aufgenommen wurde, wurde er nicht nur vom irdischen Standpunkt her auf die beste Weise erzogen, sondern Allahs besondere Fürsorge brachte ihn seiner Mutter wieder, wie aus dem nächsten Aja hervorgeht, und ernährte ihn mit der Milch seiner Mutter und verband ihn in seinem inneren Wachstum mit den Gefühlen seines Volkes Israel. (Juusuf `Allii)

Unter Meinen Augen. Und vor den Augen Pharaos - deines und Meines Feindes - und im Griff seiner Hände ohne jeden Beschützer und ohne jede Möglichkeit zur Intervention oder Verteidigung. Aber seine Augen schauen nicht mit Bösem auf dich, weil Meine Liebe auf dir ruht; ebenso wenig können seine Hände dir Schaden zufügen, denn du wächst unter Meinen Augen heran. (Qutb)

"Unter meinen Schutz und entsprechend der Zielsetzung, die Ich für dich bestimmt habe". Dies ist möglicherweise eine Anspielung auf Muusas, Allahs Segen und Frieden auf ihm, Erziehung in der kulturellen Umgebung des königlichen Palastes und der damit verbundenen Aufgabe des ägyptischen Wissens - Lebensumstände, die ihn für seine zukünftige Aufgabe als Führer seines Volkes und für Allahs besonderen Auftrag ausbilden sollten. (Asad)

 

40. Und wie deine Schwester59 hinging und sagte:60 „Soll ich euch jemanden zeigen, der ihn stillen und betreuen könnte?"61 So62 brachten Wir dich zu deiner Mutter zurück,63 damit ihre Augen gekühlt wurden64 und sie sich nicht weiter grämte. Und du brachtest einen Mann um,65 doch Wir retteten dich aus der Bedrängnis.66 Und Wir setzten dich einer schweren Prüfung aus.67 Und du bliebst mehrere Jahre bei den Leuten von Madjan.68 Dann kamst du auf Geheiß hierher, O Muusa69

59. Nämlich Marjam, die Prophetin Mirjam der Bibel (vergleiche Exodus 15:20). Bei Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, Geburt war sie ein heranwachsendes Mädchen von 15 oder 16 Jahren. (Darjabadi)

Meine Fürsorge erschöpfte sich nicht darin, dir eine Bleibe in Pharaos Palast zu gewähren, während deine Mutter der Ruhelosigkeit und der Sorge ausgesetzt war, sondern Ich habe euch beide wieder zusammengebracht. (Qutb)

60. Nachdem sie auf Geheiß der Mutter seiner Spur folgte (vergleiche auch 11:28). (Qutb)

Zu Pharaos Angehörigen, nachdem du dich geweigert hattest, verschiedene Ammen zu akzeptieren. (Darjabadi)

61. Es war die Fügung Allahs, die ihm die fremden Ammen verweigern ließ. (Qutb)

Vergleiche Exodus 2:7. (Darjabadi)

62. Wir können uns vorstellen, dass die besorgte Mutter, nachdem sie das Kind im Fluss ausgesetzt hatte, die Schwester beauftragt, dem Kasten am Ufer zu folgen und zu beobachten, wer ihn finden würde. Als Pharaos eigene Angehörige das Kind gefunden hatten und zu lieben schienen, erschien sie wie zufällig bei ihnen und fragte, ob sie eine Amme suchen sollte. Gerade das wollten sie. So lief die Schwester nach Hause und benachrichtigte ihre Mutter. Diese war sehr erfreut und kam sofort, um ihr Kind in die Arme zu schließen, und dies ohne jede Heimlichtuerei. (Juusuf `Allii)

Vergleiche auch Suura 28:12. (Asad)

63. Nachdem ihr Vorschlag angenommen worden war. (Darjabadi)

64. Wir können uns vorstellen, dass die Augen der Mutter von Tränen gerötet waren, weil sie sich von ihrem Kind hatte trennen müssen. Nun wurden sie gekühlt: dieser Satz bedeutet, dass ihr Herz getröstet wurde. (Juusuf `Allii)

65. Die Jahre vergingen, und das Kind wuchs heran. An äußerlicher Gelehrsamkeit gehörte Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, zur Familie des Pharao. In seinem Inneren und nach seinen Gefühlen gehörte er zum Volk Israel. Eines Tages gelangte er in eine israelitische Ansiedlung und entdeckte die ganze ägyptische Unterdrückung, unter der das Volk Israel litt. Er sah einen Ägypter, der - offensichtlich zu Unrecht - einen Israeliten schlug. Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, verspürte brüderliche Sympathie und schlug den Ägypter. Er hatte nicht die Absicht, ihn zu töten, aber dieser kam durch den Schlag zu Tode. Als dieser Zwischenfall bekannt wurde, wurde Position in Pharaos Familie unmöglich. Er musste aus Ägypten fliehen und wurde nur durch Allahs Gnade gerettet. Er floh auf die Sinai-Halbinsel zu den Madjanitern und hatte verschiedne Erlebnisse. Er heiratete die Tochter eines Madjanitenführers und lebte jahrelang bei diesem Volk als ägyptischer Fremder. In vielen Prüfungen und Versuchungen behielt er seinen makellosen Charakter. (Juusuf `Allii)

Vergleiche Suura 28:14. (Asad)

66. In seiner Barmherzigkeit errettet Allah ihn aus Pharaos Gewalt. (Darjabadi)

67. Unterwegs zu den Madjanitern. (Darjabadi)

Einzelheiten zu diesem speziellen Ereignis, das ein Wendepunkt in Muusas, Allahs Segen und Frieden auf ihm, Leben werden sollte, finden wir in Suura 28:15-21.(Asad)

Dies ist eine weitere Gnade Allahs, die er in Erinnerung ruft. Denn als Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, voll des Kummers nach seiner ungewollten Tat war, wies ihn Allah die Mittel, um Vergebung zu bitten. Erst dann wich der Kummer von ihm. Jedoch wurde er als Buße einer harten Prüfung unterzogen, auch um ihn auf die ihm bevorstehende Aufgabe vorzubereiten. So wurde er der Angst ausgesetzt, musste flüchten, seine Familie und Heimat verlassen und minderwertige Arbeiten verrichten, wie z.B. Schafe hüten, obwohl er in einem der Königspaläste aufgewachsen war. (Qutb)

68. Vergleiche Suura 28:22-28. (Asad)

Vergleiche auch oben Fußnote 65. Nachdem er jahrelang ein ruhiges Leben geführt und die Herden seines Schwiegervaters geweidet hatte, gelangte er eines Tages in das Tal Tuwaa unterhalb des Sinai-Gebirgsmassivs. Der Gipfel auf der Arabien zugewandten Seite, wo sich Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, befand, wurde auf hebräisch Horeb genannt. Dort erfüllte sich Allahs Plan: Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, sah in einiger Entfernung das Feuer und wurde, als er darauf zuging, von Allah angesprochen und zu Seinem Gesandten für jene Zeit auserwählt. (Juusuf `Allii)

69. Zu einer Zeit, die Wir zum Beginn deiner prophetischen Aufgabe bestimmt haben. (Darjabadi)

 

41. Und Ich habe dich für Meinen Auftrag auserwählt.70

70. Das heißt für Meinen Dienst. (Darjabadi)

Und deswegen habe ich dich unter Meinen Augen aufwachsen lassen, um Mir allein zu dienen. (Qutb)

 

42. Gehe du also und dein Bruder hin mit Meinen Zeichen,71 und lasst nicht nach, Meiner zu gedenken.72

71. Bewaffnet mit Seinen Zeichen, von denen Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, zwei, das mit dem Stab und das andere mit der Hand, zu sehen bekam.(Qutb)

Wir können von der Annahme ausgehen, dass Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, allein ins Licht der Madjaniter geflohen war und jetzt allein, das heißt zwar mit seiner Familie, nicht aber mit seinem Bruder, ins Tal Tuwaa gekommen war. Als er seinen Auftrag erhalten hatte und als ihm die Bitte gewährt worden war, dass sein Bruder ihn begleitete, können wir annehmen, dass er Schritte unternahm, Haruun, Allahs Segen und Frieden auf ihm, zu sich zu holen, und dass sie sich in Tuwaa trafen. Wahrscheinlich verging einige Zeit, bis sie nach Ägypten kamen; dann beteten sie und erhielten diese Anweisungen in ihrem Haus in Ägypten. (Juusuf `Allii)

Haruun, Allahs Segen und Frieden auf ihm, war ebenfalls ein Prophet. (Darjabadi)

72. Seit nicht nachlässig, Meiner zu gedenken, denn das ist eure Ausrüstung, eure Waffe und eure Stütze, die euch bei der Erfüllung eurer Aufgabe helfen soll. (Qutb)

 

43. Geht beide hin zu Pharao,73 denn er hat wahrlich alles Maß überschritten.74

73. Ihre Botschaft richtete sich in erster Linie an den Pharao und die Ägypter, und erst in zweiter Linie hatten sie den Auftrag, die Kinder Israels aus Ägypten zu führen.

(Juusuf `Allii)

74. Vergleiche oben Aja 24. (Darjabadi)

Nach einem Rückblick auf Muusas, Allahs Segen und Frieden auf ihm, früheres Leben kommen wir jetzt in die Zeit zurück, in der Muusas, Allahs Segen und Frieden auf ihm, wirkliche Aufgabe begann. Die Geschichte seines früheren Lebens wird damit abgerundet. (Juusuf `Allii)

 

44. Doch75 sprecht in freundlichen Worten zu ihm,76 vielleicht lässt er sich ermahnen oder ist bereit, (Mich) zu fürchten."77

75. Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, erwies ihm immer den Respekt, den er einem König schuldig war. (Darjabadi)

76. Durch eure überzeugende Rede. (Darjabadi)

Die Sanftheit der Sprache verhindert, dass ein Sündiger sich dieser rühmt und erweckt nicht den falschen Stolz, dem sich die Tyrannen hingeben. Stattdessen kann sie die Seele so berühren, dass sie sich mahnen lässt und die Folgen der Tyrannei zu fürchten beginnt. (Qutb)

77. In seinem Größenwahn hatte der Pharao bis dahin sich selbst und die Tatsache vergessen, dass er vor Allah ein winziges Geschöpf war. Daran sollte er erinnert werden, so dass er vielleicht umkehrte und mu’min wurde oder zumindest davon Abstand nahm, „das Maß Allahs zu überschreiten". Einige Menschen meiden das Böse aus aufrichtiger Liebe zu Allah und Verständnis für ihre Mitmenschen, und einige (die gröberen Gemüter) aus Angst vor den Folgen. Selbst letzteres kann ein erster Schritt zu ersterem sein. (Juusuf `Allii)

Wörtlich: „oder (damit) er fürchtet", nämlich das Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, Worte wahr sein könnten. Mit dieser Hoffnung soll der Gesandte an seine Aufgabe herangehen, selbst wenn vorauszusehen ist, wie Pharao reagieren wird. Und da jede Geschichte im Qur’an das Ziel hat, eine ewige Wahrheit hervorzuheben oder einen allgemeingültigen Verhaltensgrundsatz zu erläutern, wird deutlich, dass Allahs Gebot an Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, mit diesem speziellen Übeltäter „auf sanfte Weise zu sprechen, damit er vielleicht zur Besinnung kommt", seine Gültigkeit für alle Zeiten und für alle ähnlichen Anlässe behält. (Asad)

Die beiden einzigen Methoden, einen Menschen auf den rechten Weg zu bringen, sind

1. ihn durch Argumente und Ermahnungen zu überzeugen, oder

2. ihn vor den Folgen seiner Irrwege zu warnen. (Maududi)

 

45. Da sagten sie: „Unser Herr, wir haben fürwahr Angst,78 dass er feindselig gegen uns vorgeht79 oder gewalttätig wird."80

78. Diese Befürchtung sprachen sie offensichtlich nach ihrer Ankunft in Ägypten aus, kurz bevor sie dem Pharao gegenübertraten. (Maududi)

79. An Ort und Stelle erforderte die Atmosphäre größten Mut und Festigkeit, um den gefährlichen Auftrag ausführen zu können, der ihnen anvertraut worden war. (Juusuf 'Allii)

Dass er gewalttätig gegen uns vorgeht, bevor wir überhaupt zum Sprechen kommen. (Darjabadi)

80. Noch mehr als zuvor. (Darjabadi)

 

46. Er antwortete: „Habt keine Angst. Ich bin wahrlich mit euch. Ich höre und sehe (alles).81

81. Vergleiche Exodus 3:12 und 4:12. (Darjabadi)

Allah ist mit den beiden. Der, Der überlegen ist, der stark und mächtig ist, dem sich Seine Geschöpfe unterwerfen. Er ist es, Der alles ins Dasein gerufen hat, Tiere, Menschen und alle Dinge, indem Er nur zu sagen braucht: „Sei!" Er ist mit ihnen beiden. Diese Aussage hätte genügt. Doch um ihnen mehr Zuversicht einzuflößen, fügt Er hinzu: Ich sehe und ich höre. Welche Macht kann der Pharao dann noch über sie ausüben? (Qutb)

 

47. Nun geht beide zu ihm und sprecht: Wir sind fürwahr Gesandte deines Herrn.82 Darum lass die Kinder Israels mit uns ziehen und quäle sie nicht.83 Wir sind wahrlich mit einem Zeichen von deinem Herrn zu dir gekommen.84 Friede ist mit denen, die der Rechtleitung folgen.85

82. Sie fangen gleich mit der Grundlage ihrer Sendung an, nämlich, dass sie von seinem Herrn gesandt sind. Damit sollte er vom ersten Moment an merken, dass es einen Gott gibt, Der sein und aller Menschen Herr und nicht nur der Herr Muusa und der Haruun, Allahs Segen und Frieden auf ihnen beiden, der Kinder Israel ist. (Qutb)
 

83. Die Kinder Israels hatten unter Unterdrückung und Schwierigkeiten aller Art zu leiden. Schwere Arbeit wurde ihnen auferlegt; ihre Führer wurden ungerecht geschlagen; sie wurden gezwungen, ohne Stroh Ziegel herzustellen. Vergleiche Exodus 5:6-19 sowie Sure 6:5. (Juusuf `Allii)

Vergleiche auch Suura 2:49; 7:141 und 14:6. Eine ausführliche Schilderung der pharaonischen Unterdrückung der Kinder Israels finden wir in Exodus 1:8-22. (Asad)

84. Das unsere Vertrauenswürdigkeit bestätigt. (Darjabadi)

85. In Seiner unbegrenzten Barmherzigkeit bietet Allah selbst den hartnäckigsten Übeltätern Frieden an, selbst denjenigen, die gegen Ihn kämpfen. Wie jedoch aus dem nächsten Aja deutlich wird, kann ihr Trotz nicht endlos weitergehen. Unweigerlich muss schließlich die Strafe für ihre Ungerechtigkeit kommen, ob der Ungerechte nun eine wichtige Rolle in der Gesellschaft spielt oder eine unwichtige. (Juusuf `Allii)

Wer der Rechtleitung folgt, ist vor der Strafe sicher. (Darjabadi)

Damit versuchen sie, ihn gewogen zu machen und sein Interesse zu wecken, auf das er von ihnen den Frieden annimmt und der Rechtleitung folgt. (Qutb)

 

48. Uns ist fürwahr offenbart worden, dass die Strafe jenen treffen wird, der (die Wahrheit) als Lüge verwirft und sich abwendet."86

86. Hier folgt eine Drohung, die ihn vielleicht dazu veranlasst, nicht zu denen zu gehören, die leugnen und sich abwenden. (Qutb)

Eine vergleichbare Studie dieser Geschichte in Bibel und Talmud zeigt, dass der Qur’an nicht einfach Geschichten aus diesen Büchern kopiert, sondern in einer eigenen Version die Würde und Größe der Gesandten besonders herausstellt. (Maududi)

 

49. (Da) sagte (Pharao).87 „Wer ist also euer beider Herr, O Muusa88

87. Nachdem Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, ihm seine Botschaft ausgerichtet hatte. (Darjabadi)

Einzelheiten wurden hier ausgelassen. (Maududi)

Er richtet die Frage an Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, nachdem er erkannt hat, dass Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, der Vertreter dieser Behauptung ist. (Qutb)

88. Beachte, wie gezielt der Pharao die Implikation in Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, Rede zu " weit, wo dieser von„deinem Herrn" spricht (siehe oben Aja 47). Er weist damit den Hinweis zurück, der Allah, der Muusa und Haruun, Allahs Segen und Frieden auf ihm, gesandt hat, könne möglicherweise auch sein eigener Herr sein. Herausfordernd fragt er: „Wer ist dieser euer Herr, von dem ihr sagt, er habe euch gesandt?" (Juusuf `Allii)

Pharao will nicht zugeben, dass der Herr von Muusa und Haruun, Allahs Segen und Frieden auf ihnen beiden, auch sein eigener Herr ist, sondern will nur darüber disputieren. (Qutb)

Vergleiche Exodus 5:2. Pharao hält sich selbst für eine Inkarnation des Sonnengottes. (Darjabadi)

Auf dem Anspruch, eine Inkarnation des Sonnengottes zu sein, begründet Pharao nicht nur seine politische Macht über Ägypten, sondern einen theoretischen Machtanspruch über alle Menschen. Er konnte deswegen nicht akzeptieren, dass es über ihm noch eine Macht geben sollte, deren Gesandter ihm befehlen und von ihm Gehorsam fordern könnte. (Maududi)

 

50. Muusa antwortete: „Unser Herr ist Der, Der jedem Ding sein Dasein89 und (seine) Rechtleitung gibt."90

89. Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, antwortet, indem er einige Eigenschaften Allahs aufzählt: unser Herr ist Derjenige, Der allem Existierenden seine Existenz geschenkt hat; Der alle Wesen zu ihrer Pflichterfüllung anleitet, zu der Er sie erschaffen hat. Alle Dinge und Wesen sind Geschöpfe und von Seiner Rechtleitung abhängig. Niemand außer Ihm kann sich Privilegien Allahs anmaßen. (Qutb)

Er allein ist unser Herr in jeder Hinsicht. (Maududi)

90. Wies jeden in seine Aufgabe ein und versah ihn mit den Erfordernissen, die er dazu benötigt. (Qutb)

Muusas, Allahs Segen und Frieden auf ihm, Antwort war aufrichtig, würdig und einleuchtend. Er hält sich nicht mit Debatten über „meinen Herrn" oder „deinen Herrn" auf, den Allah Israels oder den Allah Ägyptens. Sein Bruder und er waren stolz darauf, „unserem Herrn" zu dienen, und Er ist der allumfassende Herr und Erhalter, der einzige Gott, Der alles erschaffen hat. Von Ihm erhält alles seine Form und seine Natur einschließlich der Willensfreiheit und der Macht, wie sie der Mensch bekommen hat. Auch er, der Pharao, war diesen Bedingungen unterworfen. Damit er von seiner Willensfreiheit richtigen Gebrauch machen konnte, hatte Allah ihm durch Seine Gesandten Rechtleitung zukommen lassen und ihm Seine Zeichen gezeigt. Muusa und Haruun, Allahs Segen und Frieden auf ihnen beiden, standen da als solche Gesandte mit solchen Zeichen. Wird Pharao jetzt begreifen und recht handeln? (Juusuf `Allii)

Vergleiche Exodus 5:3. (Darjabadi)

Im arabischen Originaltext steht dieser Satz in der Vergangenheit. Da er sich aber offensichtlich auf den ständigen Prozess der Schöpfung Allahs bezieht, ist er von der Zeitvorstellung unabhängig und bezeichnet, wie an so vielen anderen Stellen im Qur’an, eine unabgeschlossene Gegenwart. Der Begriff „Halq" bezeichnet in diesem Zusammenhang nicht nur das innere Wesen eines Geschöpfes, sondern auch die äußere Form, in der es sich manifestiert, deswegen übersetze ich mit „sein Wesen und seine Form". Der diesem Satz zugrunde liegende Gedanke wird zum erstenmal in Suura 87:2-3 ausgedrückt, das heißt in einer der frühesten Suuras. (Asad)

Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, teilt dem Pharao nicht nur mit, wer sein Herr ist, sondern auch warum, und warum es keinen anderen Herrn als Ihn geben kann. Sein Argument ist folgendes: wenn Pharao Allah seine Menschengestalt und die Funktionsfähigkeit seiner einzelnen Körperteile verdankt, von denen er abhängig ist, so ist sein Anspruch, Herr der Menschen zu sein, absurd, und die Anerkennung dieses Anspruches durch seine Untertanen eine Dummheit. Außerdem weist Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, auf die Notwendigkeit des Prophetentums hin, das Pharao leugnet. Wenn Allah alles im Universum leitet, so muss Er auch das menschliche Bedürfnis nach Rechtleitung erfüllen. Während die Rechtleitung der Tiere und Vögel über deren Instinkt erfolgt, geschieht die Rechtleitung der Menschen durch Gesandte, die sich mit vernünftigen Argumenten an sie wenden. (Maududi)

 

51. (Pharao) fragte: „Und wie steht es dann um die früheren Generationen?"91

91. Was ist mit den früheren Generationen geschehen? Wohin sind sie entschwunden? Wer war ihr Herr? Und was ist ihr Schicksal, wo sie doch diesen Allah nicht gekannt haben? (Qutb)

Der Pharao wollte die Lehre des verachteten Israeliten nicht annehmen, der in seinen Augen ein Abtrünniger von der hoch entwickelten ägyptischen Kultur war. Mit seinen Fragen will er Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, in die Versuchung bringen, die Ahnen zu schmähen; damit hätte dieser sofort die Sympathie der ägyptischen Massen verloren. (Juusuf `Allii)

Diese List, die sehr effektiv unvernünftige Menschen in die Falle gelockt hat, wird hier besonders erwähnt, weil sie auch in Makkach gegen den Propheten Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, angewandt wurde. (Maududi)

 

52.   Muusa sprach: „Das Wissen darum ist bei meinem Herrn in einem Buch92 (aufgezeichnet). Mein Herr irrt sich niemals und vergisst nicht.93

92. Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, fiel auf diese List nicht herein. Er dachte an das Gebot, rücksichtsvoll zu sprechen (siehe oberen Aja 44). Er spricht rücksichtsvoll, verwässert aber dabei nicht die Wahrheit. Er sagt praktisch: „Allahs Wissen ist vollkommen, und alles wird bei Ihm aufgezeichnet. Menschen können bei der Erfassung von Fakten vielleicht Fehler machen oder vergessen, nicht aber Er. Aber Allah ist nicht nur allwissend, sondern auch allgütig. Seht euch nur um: die ganze Erde liegt euch zu Füßen wie ein Teppich. Menschen können sich frei darauf bewegen. Er sendet Wasser in Fülle vom Himmel, das sich im Fluss sammelt und ganz Ägypten bewässert und fruchtbar macht, so dass Menschen und Tiere ihre Nahrung finden." (Juusuf `Allii)

Im Buch der Aufzeichnungen. (Darjabadi)

Das heißt Er allein entscheidet über das Schicksal im zukünftigen Leben, denn Er allein kennt ihre verborgenen Absichten und versteht die Gründe für ihre Irrtümer, und nur Er kann ihre geistigen Verdienste und Fehler richtig beurteilen. (Asad)

93. Diese beiden Mängel können nur Geschöpfe befallen, aber nicht den Schöpfer. Zum einen können sie nicht alles geistig erfassen, und zum anderen vergessen sie oft das, was sie einmal gewusst haben. Und gerade dies weist Allah entschieden zurück. (ibn Kasir)

Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, sagt damit: „Diese Menschen stehen jetzt ihrem Herrn gegenüber, und mir steht es nicht zu, ein Urteil über ihr Verhalten und ihre Absichten abzugeben; bei Ihm liegen jedoch die Aufzeichnungen ihrer Handlungen, und Ihm bleibt nichts verborgen, Er allein weiß, was mit ihnen geschehen soll. Was jedoch dich und mich angeht ist unsere eigene Lage und Einstellung zum Leben. Wir sollten uns lieber um unser eigenes Ziel kümmern als um das Ende derjenigen, die schon vor Allah stehen." (Maududi)

Nach Rasi ist hier vorläufig das Gespräch zwischen Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, und dem Pharao zu Ende, und die Ajas 53-55 bilden eine Erläuterung des Qur’ans an die Menschen allgemein. (Asad)

 

53. Er ist es,94 Der die Erde für euch zu einer Wiege gemacht hat95 und euch dort auf Wegen dahin ziehen lässt96 und vom Himmel Wasser herniedersendet."97 Und Wir98 bringen damit Arten99 von unterschiedlichem Wachstum hervor.

94. Offensichtlich bilden die Ajas 53-55 einen Einschub. Auch an anderen Stellen im Qur’an hat Allah zu den Worten eines Sprechers einige Worte als Ermahnung hinzugefügt. Dies Einschub knüpft darüber hinaus nicht nur an den vorigen Aja an, sondern ist mit der ganzen Antwort des Propheten Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm,     verbunden (Ajas 50-52). (Maududi)

95. Immer und überall ist die Erde für die Menschen eine Wiege, so wie die Wiege eines Kindes. Denn der Mensch ist nichts als ein Kind dieser Erde, in deren Schoß er aufwächst und an deren Brust er sich ernährt. (Qutb)

96. „Sabil" bedeute nicht nur Straße, sondern bezeichnet auch Wasserstraßen oder Kanäle und unter modernen Bedingungen Luftverbindungen - kurz alle Mittel der Kommunikation. (Juusuf `Allii)

Das heißt, Er hat euch Mittel und Wege zur Verfügung gestellt, euren Lebensunterhalt - sowohl materiell als auch geistig - auf der Erde und von der Erde zu erlangen. (Asad)

97. Das euer Land direkt oder über die Flüsse fruchtbar macht. (Darjabadi)

Aus diesen entstehen auch die Flüsse - darunter der Nil, der so nah an Pharao vorbeifließt. (Qutb)

98. Dieser Satz scheint nicht mehr zu Muusas, Allahs Segen und Frieden auf ihm,  Rede zu gehören, sondern bildet eine Überleitung zu den folgenden Ajas 54-56 als eine Art Erläuterung Allahs zum Wirken Seiner Fürsorge in der Natur. (Juusuf `Allii)

99. „Azwaadsch" können wir hier (wie auch in Suura 15:88) mit „Gruppen", „Arten" übersetzen statt mit „Paare". (Juusuf `Allii)

Vergleiche auch Suura 13:3 und die entsprechende Fußnote. (Asad)

 

54. So esst (davon) und weidet euer Vieh.100 Wahrlich, darin sind Zeichen101 für die, die Einsicht besitzen.102

100. Mit diesen Produkten der Erde. (Darjabadi)

101. Zeichen Seiner Fürsorge. (Darjabadi)

Darin liegen Hinweise, Beweise und Argumente. (Ibn Kasir)

102. Wer seine Vernunft zur Suche nach der Wahrheit benutzt, wird durch diese Zeichen einen Zugang zur Realität finden, denn daraus geht deutlich hervor, dass dieses Universum einen einzigen Herrn hat, Der es erhält, und dass es darin keinen Platz für einen weiteren Herrn gibt. (Maududi)

 

Abschnitt 3

55. Aus ihr103 haben Wir euch erschaffen und zu ihr werden Wir euch zurückbringen und aus Ihr werden Wir euch abermals hervorbringen.104

103. Aus ebendieser Erde, die eure Wiege ist (vergleiche oben Aja 53 und die entsprechende Fußnote), auf der ihr euch über Straßen und Kanäle frei bewegen könnt, die Pflanzen zum Essen und zum Weiden eurer Tiere hervorbringt - aus dieser haben Wir auch euch hervorgebracht. Der Mensch ist aus der Materie dieser Erde geschaffen, ernährt sich von ihren Produkten, trinkt von ihrem Wasser und atmet von ihrer Luft. Er ist ihr Kind, und sie ist seine Wiege. (Qutb)

104. Denn euer Urvater Adam, Allahs Segen und Frieden auf ihm, ist aus dem Leben dieser Erde erschaffen worden. Zur Erde kehrt ihr eines Tages zurück, wenn ihr gestorben seid, und aus ihr werdet ihr wieder hervorgebracht. (ibn Kasir)

Die Erwähnung der Erde als ein Teil des Disputs mit Pharao hat ihre Bewandtnis: Dieser Pharao, der sich zur Gottheit erhebt, entstammt nämlich auch aus dieser Erde und wird ebenso zu ihr zurückkehren. (Qutb)

Genau wie bei der Ersterschaffung. (Al-Dschalalain)

Dies ist eine allgemeine und unveränderliche Gesetzmäßigkeit. Dieses Leben ist lediglich ein Vorspiel für die Ewigkeit, wo uns ein neues Leben und ein neuer Zustand der Dinge erwartet. Dieser Aja wird bei der Beerdigung vorgetragen, wenn ein Muslim ins Grab gesenkt wird. (Darjabadi)

Vergleiche auch Suura 3:59 und 15:26. „Zur Erde zurückkehren" bezeichnet die Auflösung dieses Körpers nach dem Tod in die organischen und anorganischen Grundbestandteile, aus denen er sich zusammensetzt. Alle diese Tatsachen - Schöpfung, Fortbestand und Auflösung - enthalten die Botschaft von Allahs Allmacht, der Vergänglichkeit des irdischen Lebens

und der Auferstehung. (Asad)

 

56. Und Wir zeigten (Pharao)105 fürwahr alle Unsere Zeichen,106 doch er verwarf sie als Lügen und weigerte sich (sie anzuerkennen).107

105. Wörtlich: „Wir zeigten ihm", nämlich Pharao. Nach Samachsari, Rasi und Baydaawi bedeute das Verb hier: „Wir machten ihn bekannt mit" oder „Wir machten ihn (dessen) bewusst." (Asad)

106. Alle die Zeichen und Wunder, die Allah Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, zu tun bevollmächtigte hatte. (Darjabadi)

„Zeichen" umfasst alle jene Argumente, die auf Naturphänomenen und menschlichen Lebenserfahrungen begründet sind, sowie hier auch die Wunderzeichen, die Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, gegeben worden waren. (Maududi)

Dazu zählen auch die Plagen, die Ägypten heimsuchen sollten, sowie der Durchzug den Kindern Israels durch das Meer. Dieser Aja bildet eine Art Einleitung zu der geistigen Auseinandersetzung zwischen Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm und Pharao. (Juusuf `Allii)

107. Er wies sie als Zauberei zurück und weigerte sich, sich zur Einheit Gottes zu bekennen. (Al-Dschalalain)

 

57. Er sprach: „Bist du zu uns gekommen, um uns mit deiner Zauberei unserem Land zu vertreiben, O Muusa?108

108. Die Ägypter warfen Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, Intrige vor, sie ihres Landes zu berauben und schwarze Magie zu betreiben. Beide Vorwürfe waren eindeutig falsch Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, wollte lediglich sein Volk aus der Knechtschaft befreien. Die Ägypter besaßen alle Macht; sie wollten die Kinder Israels als entrechtete Sklaven behalten. Jeder, der diese Ungerechtigkeit anprangerte, wurde als Aufrührer hingestellt der den Ägyptern die ihnen zustehenden Rechte nehmen wollte. Bezüglich der Magie beurteilten die Ägypter Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, nach ihren eigenen Normen. Sie praktizierten Magie, um das Volk zu betrügen. Hier werfen sie dem Gesandten Allahs vor, dasselbe zu tun, obgleich seine Einstellung und die Quelle seiner Kraft völlig anders sind. (Juusuf `Allii)

So verstehen es immer die Tyrannen dieser Erde. Wenn jemand zu Allah aufruft, vermuten sie gleich, dass ein irdisches Ziel hinter diesem Aufruf steht, nämlich die Regierungsmacht an sich zu reißen. (Qutb)

 

58. Doch wir können dir gewiss mit Zauberei gleich dieser kommen.109 Darum setze zwischen uns und dir ein Zeitpunkt an, den weder wir noch du verfehlen werden, an einem zentral gelegenen Ort."110

109. Denn er betrachtete die Wunder als bloße Zauberei, wie sie zu dieser Zeit in Ägypten weit verbreitet war. So erschien es ihm eine Leichtigkeit, auf sie zu antworten. (Qutb)

110. Als Provokation lässt Pharao Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, den Zeitpunkt aussuchen und fügt - auch als Provokation - hinzu, er werde diesen Termin nicht verfehlen. (Qutb)

„Suwan": wörtlich „gleich". Diese Konstruktion bedeutet

1. einen zentralen Ort, der von allen Seiten gleich weit entfernt ist;

2. gleich gelegen für beide Seiten;

3. eine weite Ebene, wo sich eine große Menschenmenge ohne Schwierigkeiten versammeln kann. Dies alles sind mögliche Bedeutungen. Die von mir gewählte ist jedoch umfassender und schließt die anderen ein, nämlich

4. ein Ort, wo beide Seiten gleiche Chancen haben. (Juusuf `Allii)

 

59. Muusa sprach: „Euer Zeitpunkt soll am Tag des Festes sein.111 Und die Leute sollen am frühen Vormittag versammelt werden."112

111. Ein großer Festtag, an dem Tempel und Straßen geschmückt wurden und die Menschen einen arbeitsfreien Tag genossen. Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, trifft diese Vereinbarung, um eine größtmögliche Menschenmenge anzuziehen, denn seine erste Pflicht ist, die Wahrheit zu verkünden. Offensichtlich hatte er bei einer Anzahl Ägypter auch Erfolg (vergleiche Suura 20:70-76), obgleich der Pharao und seine hohen Beamten die Wahrheit ablehnten, so dass sie anschließend die Folgen tragen mussten. (Juusuf `Allii)

112. Die Zielsetzung des Pharao bestand darin, dass die Zauberer ihre Stäbe und Stricke allem Anschein nach in Schlangen verwandelten und damit Muusas, Allahs Segen und Frieden auf ihm, Wunder in den Schatten stellten. Gerade dies räumte Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, einen Vorteil ein, und er schlug vor, dazu keinen gewöhnlichen Tag anzuberaumen, sondern den Festtag. Zu diesem Zweck würden Menschen aus dem gesamten Reich zusammenströmen. Das Zusammentreffen sollte im Freien geschehen, so dass alle zuschauen konnten, und bei Tageslicht, so dass jeder die Geschehnisse deutlich beobachten konnte. (Maududi)

 

60. Und so ging Pharao daran, für seinen listigen Anschlag Leute zu versammeln, dann brachte er ihn vor.113

113. Offensichtlich war der Pharao von Muusas, Allahs Segen und Frieden auf ihm, Vorschlag überrascht. Am Festtag würde es sicherlich einen großen Zulauf geben, und es würden auch Leute kommen, die nicht zur Hofclique gehörten und möglicherweise den Zauberern des Pharao kritisch gegenüberstanden. Wahrscheinlich gab es aber auch noch etwas anderes in ihrer Beratung, etwas Unfaires und Boshaftes. Darauf bezieht sich Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, seiner Rede im nächsten Aja. (Juusuf `Allii)

Vergleiche Exodus 7:11 (Darjabadi)

Der Pharao und seine Beamten betrachteten die bevorstehende Auseinandersetzung als entscheidend für ihre eigene Zukunft und damit als äußerst wichtig. Überall im Lande wurden kundige Zauber angeworben. Die Menschen wurden aufgefordert, zu kommen und ihr magisches Geschick zu sehen, so dass sie vor Muusas, Allahs Segen und Frieden auf ihm, Stab keinen Respekt mehr hätten. Es wurde offen gesagt, dass das Schicksal ihres Diins vom Geschick der Zauberer abhing: sie konnte nur überleben, wenn sie den Sieg davontrug, sonst würde Muusas, Allahs Segen und Frieden auf ihm, Diin die Oberhand gewinnen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass sich die Vorstellungen des Diins der Königsfamilie und der ägyptischen Elite grundlegend von der des einfachen Volkes unterschieden. Sie hatten unterschiedliche Gottheiten und Tempel, verschiedene Glaubenslehren und verschiedene Vorstellungen vom Leben nach dem Tod. Sie unterschieden sich sowohl in der Glaubenspraxis als auch in der Ideologie. Darüber hinaus gab es starke Bevölkerungsgruppen, die unter dem Einfluss verschiedener Bewegungen zum Monotheismus neigten. Besonders hoben sich da die Israeliten mit ihrem Eingott hervor. Sie und ihre Leute bildeten zu jener Zeit etwa zehn Prozent der Bevölkerung. Bereits zuvor unter dem Pharao Amenophis IV oder Echnaton (1377-1360 v. ’Isa) hatte es religiöse Umwälzungen zugunsten des Monotheismus gegeben, die jedoch durch einen späteren König wieder rückgängig gemacht worden waren. Der Einfluss aber blieb, und dieser Pharao fürchtete, nute wieder eine ähnliche Revolution auslösen. (Maududi)

 

61. Muusa sagte zu ihnen:114 „Wehe euch! Heckt nichts Böses aus gegen Allah,115 sonst rottet Er euch durch eine Strafe aus. Dem ist wahrlich Misserfolg beschieden, der Böses ausheckt."116

114. Nämlich zu den Zauberern. (Darjabadi)

Zu Pharao und seinen Beamten, die ihn als „Magier" bezeichnet hatten. Nicht zu dem gewöhnlichen Volk, das die Auseinandersetzung zwischen ihm und den Magiern erst noch sehen sollte. (Maududi)

Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, beschloss, den Zauberern einen aufrichtigen Rat zu geben, bevor sie in den Kampf einstiegen. Er wollte ihnen die Möglichkeit geben, zur Rechtleitung umzukehren, anstatt Böses gegen Allah auszuhecken, vor dessen Folgen er sie ermahnen wollte. (Qutb)

115. Indem ihr absichtlich die Wahrheit Seiner Botschaft leugnet. (Asad)

Indem ihr Allahs Gesandten als „Magier" und Seine Zeichen als „Zauberei" bezeichnet. (Maududi)

116. Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, durchschaute sehr wohl ihre Hinterhältigkeit. Sie konnten ohne weiteres ihre trügerische Magie so darstellen, als käme sie von Allah oder an ihren Göttern. Hier warnt er sie, dass ihr Trug bloßgestellt wird und dass sich ihre falschen Erwartungen in Nichts auflösen. (Juusuf `Allii)

Auf lange Sicht. (Darjabadi)

 

62. So gerieten sie in Streit untereinander über diese Angelegenheit, doch sie hielten ihr Gespräch geheim.117

117. Während die einen der Meinung waren, dass dies nicht die Worte des Zauberers sein können, sondern die eines wahren Propheten, waren die anderen davon überzeugt, dass er ein Magier sein müsste. (ibn Kasir)

Sie wussten sehr wohl, dass sie es hier nicht mit einem gewöhnlichen Menschen zu tun hatten, sondern mit jemandem, der über für sie unvorstellbare Kräfte verfügte. Aber Böses denkt böse. Sie beurteilten Muusa       und Haruun, Allahs Segen und Frieden auf ihm, nach ihren eigenen Normen und hielten sie für Zauberer, die lediglich über Tricks verfügten, die den ihren überlegen waren. Ihrer Ansicht nach brauchten sie nur zusammenzuhalten, dann müssten sie den Sieg davontragen. Die Ajas 63-64 sind meiner Ansicht nach ihr internes Gespräch, worauf in Aja 65 ihre offene Herausforderung an Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, folgt. (Juusuf `Allii)

 

63. Sie sprachen:118 „Wahrlich, diese beiden119 sind gewiss große Zauberer, die euch mit ihrer Zauberei aus eurem Land vertreiben wollen und eure vortreffliche Lebensweise beseitigen wollen.120

118. Nachdem sie ihre geheime Absprache beendet hatten. (Safwat Al-Tafasir)

Diejenigen die diese Meinung vertraten, waren offensichtlich einige Fanatiker aus Pharaos Partei, die bereit waren, Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, um jeden Preis Widerstand zu leisten. Sie bereiteten die Öffentlichkeit auf eine entschlossene Auseinandersetzung vor, während die erfahreneren und friedlicher Gesinnten unter ihnen zu Vorsicht und Zurückhaltung rieten. (Maududi)

119. Vergleiche oben Aja 57. Der Dual bezieht sich auf Muusa und Haruun, Allahs Segen und Frieden auf ihm. (Asad)

Die aufrichtigen Worte Muusas, Allahs Segen und Frieden auf ihm, ließen sie doch an sich und an ihrem Glauben zweifeln. So gingen sie daran, sich gegenseitig Mut zuzusprechen und den Ängstlichen unter ihnen ihre Furcht vor Muusa und Haruun, Allahs Segen und Frieden auf ihm, zu nehmen mit den Worten, dass diese nur zwei seien, während sie zahlreich waren. Zudem stand ihnen Pharao mit seiner Macht und seinem Gefolge zur Seite. (Qutb)

120. Vergleiche unten Aja 104. „Mutlaa", Femininform von „amtaal", bedeutet „äußerst geschätzt", „ehrenwert". „Tarlqa" bedeutet wörtlich „Weg" und damit „Lebensweise", „Verhaltensweise", „Institution". „Sie wollen eure sehr geschätzten Institutionen vernichten", das heißt eure von den Vorfahren überlieferte Diin und Magie. (Juusuf `Allii)

„Eure beispielhafte (oder ideale) Lebensweise". (Asad)

Sie begründeten ihr Argument mit zweierlei:

1. wenn auch ihre Magier in der Lage waren, ihre, Stäbe in Schlangen zu verwandeln, wäre das ein klarer Beweis dafür, dass ein Zauberer war;

2. wenn andererseits Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, gewinnen würde, würden die Regierenden ihr Land verlieren sowie ihre ideale Lebensweise, und ihre Kultur, ihre Kunst ihre Vergnügungen und so weiter würden automatisch ein Ende finden. Deswegen sollten sie alle zusammenhalten, um Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, besiegen. (Maududi)

 

64. Darum sammelt euer ganzes Können. Dann tretet geschlossen vor.121 Denn erfolgreich wird heute derjenige sein, der die Oberhand gewinnt."122

121. Wörtlich: „in einer (einzigen) Linie", das heißt in Übereinstimmung miteinander. (Asad)

Sie forderten sie auf, eine vereinigte Front zu bilden und ihre Unstimmigkeiten bei diesem Anlass aus dem Spiel zu lassen. Jedes Zögern und jede heimliche Absprache vor aller Augen würde ihrer Ansicht nach nämlich den Eindruck erwecken, sie fühlten sich nicht im Recht. (Maududi)

122. Pharao war bei dieser geheimen Besprechung wahrscheinlich anwesend und versprach den Magiern die großzügigsten Geschenke, wenn sie nur Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, besiegten. Vergleiche auch Suura 7:114. Aber ich glaube, es ist hier mehr impliziert. Der Tag würde ein Krisentag werden: wenn sieden Sieg davontrügen, dann würde es ein Sieg für sie alle sein. Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, und sein Volk wären ein für allemal unterlegen. (Juusuf `Allii)

„Ihr solltet euch darüber im klaren sein, dass derjenige, der heute siegreich ist, (den ideologischen Kampf) gewinnen wird." (Maududi)

 

65. Sie fragten:123 „O Muusa Willst du, dass du (zuerst) wirfst,124 oder dass wir die ersten sind, die125 werfen?"

123. Durch die Rede der Fanatiker war das Selbstvertrauen wiederhergestellt. Das Auftreten der Magier auf dem Schauplatz der Auseinandersetzung wird hier nicht gesondert erwähnt. (Maududi)

124. Deinen Stab. (Darjabadi)

125. Unsere Stäbe. (Darjabadi)

 

66. Da antwortete er: „Nein, werft ihr." Und siehe da, ihre Stricke und Stäbe126 schienen ihm durch ihre Zauberei,127 als ob sie laufen würfen.128

126. Ihre Tricks waren so ausgeklügelt, dass die Vorführung auf die Zuschauer großen Eindruck machte. Sie werfen ihre Stäbe und Stricke hin, und es entstand der Eindruck, als ob sie sich wie Schlangen umherbewegten. Die Wirkung war so realistisch, dass selbst Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, etwas verunsichert wurde. Selbstverständlich hatte er keine Tricks, und er vertraute völlig und ausschließlich auf Allah. (Juusuf `Allii)

127. Vergleiche Suura 7:116, wo davon die Rede ist, dass sie die Augen der Zuschauer verzauberten und deren Herzen mit Angst füllten. Hier wird gesagt, dass nicht nur den gewöhnlichen Menschen durch die Magie Angst eingeflößt wurde, sondern dass selbst Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, von diesem Effekt ergriffen wurde. Er sah anscheinend nicht nur, dass sich die Stäbe und Stricke wie Schlangen bewegten, sondern er verspürte auch ein Unbehagen davor. (Maududi)

128. Als ob es lebende Schlangen wären. Vergleiche auch Exodus 7:11-12. Im Gegensatz zur Bibel betont der Qur’an, dass der Effekt der Magier illusorisch war. (Darjabadi)

 

67. Da empfand Angst in seiner Seele.129

129. Er befürchtete, die Zuschauer könnten durch die scheinbare Ähnlichkeit seines Wunders mit dem Trick der Zauberer beeinflusst werden. (Darjabadi)

Der vereinigte Angriff des Bösen ist manchmal so ausgeklügelt, dass der Trug als Wahrheit erscheint und so aufgefasst wird. Der Mu’min, der an der Wahrheit festhält, ist dann isoliert, und eine Art Demoralisierung will sich bei ihm einschleichen. Durch Allahs Gnade bewährt sich jedoch sein Iman, gibt ihm neue Zuversicht und hebt jene besonderen Wahrheiten hervor, die das dichte Gespinst des Truges zerreißen. (Juusuf `Allii)

Der Effekt der Zauberer beruhte auf Massensuggestion, der auch Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, vorübergehend erlag. (Asad)

Allem Anschein nach warfen alle Zauberer gleichzeitig ihre Stäbe und Stricke hin, so dass es überall von Schlangen zu wimmeln schien. Instinktiv verspürte Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, Furcht davor. Das ist nicht weiter merkwürdig, denn ein Prophet ist in erster Linie ein Mensch. Darüber hinaus fürchtete Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, mölicherweise auch, die Demonstration der Magie könnte im Volk zu einem Missverständnis bezüglich seines Wunders führen. Auch ein Prophet kann in gewissem Maße von Magie beeinflusst werden, wenn auch Magier nicht die Fähigkeiten haben, sein Prophetentum zu beeinflussen, die Offenbarung zu stören oder ihn zu verleiten. (Maududi)

Für einen Moment vergisst Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, dass er der Mächtigere ist. So erinnert ihn sein Herr daran, dass die größte Macht an seine Seite steht. (Qutb)

 

68. (Doch) Wir sprachen: „Fürchte dich nicht, denn du wirst es sein, der die Oberhand gewinnt.130

130. Allah lässt nicht zu, dass der Trug über die Wahrheit siegt. (Darjabadi)

Denn du hast die Wahrheit in der Hand, während sie nichts außer Trug besitzen. (Qutb)

 

69. So wirf, was in deiner rechten Hand ist. Es wird verschlucken, was sie vorgetäuscht haben.131 Denn das, was sie vorgetäuscht haben, ist fürwahr (nichts anderes) als ein Zaubertrick.132 Und der Zauberer wird niemals Erfolg haben, wo er auch sein mag."133

131. Die scheinbaren Schlangen. (Darjabadi)

Hierzu sind zwei Interpretationen möglich:

1. Muusas, Allahs Segen und Frieden auf ihm, Stab, der auf wunderbare Weise in eine Riesenschlange verwandelt wurde verschlang tatsächlich alle jene Stäbe und Stricke, die den Zuschauern als Schlangen erschienen.

2. Die Schlange von Muusas, Allahs Segen und Frieden auf ihm, Stab verschlang sie nicht tatsächlich, sondern machte die Wirkung ihrer Magie auf diese Dinge wirkungslos, so dass sie wieder als gewöhnliche Stäbe und Stricke erkennbar waren. (Maududi)

132. Der höchstens einen momentanen, vorübergehenden Effekt auslösen kann. (Darjabadi)

133. Dies kann bedeuten, dass

1. Trug und Illusion ihre Zeit haben, aber nicht überall bestehen können, besonders nicht in der Gegenwart der Wahrheit; und dass

2. Zaubereien und Magie ein böses Ende finden. (Juusuf 'Allii)

Sie können nicht bestehen bleiben angesichts eines Wunders, das ein Gesandter Allahs vollbringt. (Darjabadi)

Das heißt ungeachtet seiner bösen oder guten Zielsetzung. (Rasi)

Diese Feststellung impliziert eine kategorische Verurteilung aller Versuche, die unter dem Begriff „Magie" zusammengefasst werden, was immer auch die Absicht der Person sein mag, die sich damit befasst. (Asad)

 

70. Da134 fielen die Zauberer in Anbetung nieder.135 Sie sagten: „Wir verinnerlichen den Iman an den Herrn von Haruun und Muusa.“136

134. Als sie das großartige Wunder sahen. (Qutb)

Vergleiche auch Suura 7:117-119. (Asad)

135. Vor dem Herrn der Welten. (Al 6alälain)

Vergleiche auch Suura 7:20 und die entsprechende Fußnote. (Al-Dschalalain)

Sie warfen sich nieder, als ob sie von einer unsichtbaren Macht dazu veranlasst worden wären, denn sie waren überzeugt, dass es sich hier um ein wirkliches Wunder handelte und nicht um einen magischen Trick. (Maududi)

Die gleichen Zauberer, die kurze Zeit zuvor einander anzuspornen versuchten, und deren Geschicklichkeit so perfekt war, dass sie Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, Furcht einflößten, waren nun von der Überraschung so überwältigt, dass sie keine Worte fanden und in Ehrfurcht zu Boden fielen. (Qutb)

Als die Menschen dies sahen, bei vollem Tageslicht und mit eigenen Augen, waren sie davon überzeugt, dass es sich hier keinesfalls um bloße Zauberei handeln könnte. Über sie sagte ibn 'Abbaas: „Bei Tagesanbruch waren sie Zauberer, doch als der Tag sich neigte, waren sie fromme Märtyrer." (ibn Kasir)

136. Vergleiche diesen Abschnitt mit Suura 7:120-126 und den entsprechenden Fußnoten. (Juusuf 'Allii)

Das Diinbekenntnis der Magier zeigt, dass sie sich des Ergebnisses der Auseinandersetzung sehr wohl bewusst waren. Es handelt sich nicht um einen Wettbewerb zwischen den Effekten der Magier und denen des Propheten Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, sondern um die Entscheidung darüber, ob der Anspruch Muusas, Allahs Segen und Frieden auf ihm, ein Gesandter Allahs zu sein, wahr war oder nicht. Wenn sich Muusas, Allahs Segen und Frieden auf ihm, Stab tatsächlich in eine Schlange verwandelte, geschah damit ein Wunder. Andererseits hatte Pharao durch die Tricks seiner Magier beweisen wollen, dass es kein Wunder, sondern ein ähnlicher Trick war. Damit wird auch deutlich, dass sowohl der Pharao wie auch das Volk sehr wohl den Unterschied zwischen einem echten Wunder und einem Zaubertrick kannten. Auf die Weise sahen die Magier, dass hier ein Wunder mit Allahs Kraft ihre Magie bloßgestellt hatte. Deswegen sagten sie nicht, Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, sei ein geschickterer Zauberer, sondern warfen sich nieder und bekannten ihren Iman. Damit änderte sich schlagartig die Situation für den Pharao, der es darauf abgesehen hatte, Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, bloßzustellen". Er hatte vor aller Augen beweisen wollen, dass es nichts Außergewöhnliches ist, einen Stab in eine Schlange zu verwandeln. Die Niederlage der Zauberer und ihr Diinbekenntnis zeigten jedoch eindeutig, dass Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, Gesandter Allahs war, der nicht mit Zaubertricks arbeitete, sondern wirkliche Wunder vollbrachte. (Maududi)

 

71. (Pharao) sprach:137 „Wie könnt ihr an ihn den Iman verinnerlichen,138 bevor ich es euch gestatte? Er ist gewiss euer Meister, der euch die Zauberei gelehrt hat.139 Darum werde ich gewiss eure Hände und Füße wechselseitig140 abhacken lassen141 und ich werde euch an Palmenstämmen kreuzigen lassen. Dann werdet ihr wissen, wer von uns142 strenger strafen kann und anhaltender."143

137. Zornentbrannt zu den Zauberern. (Darjabadi)

Als er sah, wie diejenigen, die er zu seiner Unterstützung herbeigeschafft hatte, sich im Beisein der versammelten Leute dem Islam anschlossen und er vollkommen unterlegen war, griff er zurück auf seine Macht und Stärke. So drohte er ihnen mit dem Schlimmsten. (ibn Kasir)

138. An ihn: nämlich an Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, Vergleiche Suura 7:123 und die entsprechende Fußnote. (Asad)

139. Der Pharao wirft den bekehrten Zauberern vor, sie seien schon von vornherein mit Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, im Bund gewesen, und er habe sie sogar ihr Handwerk gelehrt. Arroganz und Böses können sich also nicht über ihre eigene enge Sichtweise hinaus Allahs Welten und die Welten der Schönheit und Wahrheit vorstellen. (Juusuf `Allii)

Ihr seit nicht nur heimlich im Bund miteinander gewesen, sondern Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, ist allem Anschein nach eurer Meister und Führer. Ihr habt euch zuvor verschworen, euch von eurem Meister besiegen zu lassen, damit der Eindruck entsteht, er sei ein Gesandter Allahs. so dass ihr auf diese Weise eine Revolution im Lande auslösen könnt. (Maududi)

Pharao selbst, die Zauberer und alle Menschen wussten, dass dies eine falsche Anschuldigung war. (ibn Kasir)

140. Die rechte Hand und den linken Fuß oder umgekehrt. (Maududi)

141. Dies war in der Antike eine grausame Art der Bestrafung, die langsam und schmerzhaft zum Tode führte. (Maududi)

Wie ibn 'Abbaas sagte, war er der Erste, der diese Strafen einführte. (ibn Kasir)

Entsprechend der grammatischen Form des Verbs ist zu verstehen: „ich werde euch in großer Zahl die Hände und Füße abschneiden". (Asad)

142. Ich oder der Allah, an den ihr jetzt den Iman verinnerlicht habt. (Asad)

143. Wer von uns beiden euch strenger und dauerhafter bestrafen kann. (Darjabadi)

Dies war der letzte Schachzug des Pharao, sein Spiel doch noch zu gewinnen. Er drohte ihnen grausame Strafen an, um sie zu dem Eingeständnis zu zwingen, Sie seien von vornherein mit im Bund gewesen. Die Standhaftigkeit der Zauberer wandte jedoch die Situation ins Gegenteil. Allein die Tatsache, dass sie bereit waren, die Strafe auf sich zu nehmen, bewies der Welt, dass sie aufrichtig an Muusas, Allahs Segen und Frieden auf ihm, prophetischen Auftrag den Iman verinnerlichten und der Vorwurf, sie seien mit ihm im Bunde, nicht zutraf. (Maududi)

 

72. Sie sprachen:144 „Niemals werden wir dich den deutlichen Zeichen, die zu uns gekommen sind, vorziehen oder Dem, Der uns erschaffen hat.145 Darum beschließe, was du beschließen willst, denn du kannst wahrlich nur beschließen, was das diesseitige Leben angeht.146

144. Wie es dem Geist wahrer Märtyrer entspricht. (Darjabadi)

Ikrima und andere erzählten: „Als die Zauberer sich niederwarfen, zeigte ihnen Allah ihren Platz im Paradies. Darum sagten sie diese Worte." (Qutb)
 

145. Deutliche Zeichen: die Wunder, die Persönlichkeit der Gesandten Allahs, die Logik der Ereignisse, die sich hier entfalteten, und das Licht der inneren Überzeugung in ihrem eigenen Gewissen. Darüber hinaus gibt es die Zeichen Allahs in der Natur, die an vielen Stellen erwähnt werden, beispielsweise oben in den Ajas 53-54. (Juusuf `Allii)

„Wir können dich niemals (der Wahrheit) vorziehen, nachdem wir deutliche Zeichen gestehen haben", oder „Wir können dich nicht diesen deutlichen Zeichen vorziehen, die wir vor uns sehen, oder dem Wesen, das uns erschaffen hat." (Maududi)

146. Deine Macht beschränkt sich nur auf das irdische Leben, doch wie kurz und unbedeutend ist das! (Qutb)

Damit war der erste Teil von Muusas, Allahs Segen und Frieden auf ihm, Auftrag - die Botschaft an die Ägypter - erfüllt. Vergleiche auch Suura 7:126 und die entsprechenden Fußnoten. (Juusuf `Allii)

Beachte die unmittelbare moralische Veränderung, die in den Zauberern durch ihre Bekehrung stattgefunden hat. Ein fester Halt in der religiösen Wahrheit verwandelt unmittelbar ein weltlich gesinntes, materialistisches Ich in ein höheres, rechtschaffenes Selbst, das den Zorn irdischer Mächte nicht mehr fürchtet. (Darjabadi)

 

73. Wir verinnerlichen nun den Iman an unseren Herrn. Möge Er uns unsere Vergehen verzeihen und das, was du uns an Zauberei aufgezwungen hast.147 Und Allah ist Der Beste und Der Beständigste."148

147. Magie und Trug, die in den ägyptischen Diin vorherrschten, waren zum Glaubensartikel, zu einer Art Staatsdoktrin geworden, an die alle Bürger glauben mussten beziehungsweise die die Priester aktiv praktizieren mussten. Der Pharao stand an der Spitze des ganzen Systems als höchster Priester oder oberster Allah. Zu recht tadeln also die bekehrten Zauberer hier den Pharao. (Juusuf `Allii)

Schließlich waren sie nicht aus eigenem Antrieb zu dieser Auseinandersetzung gekommen, sondern auf den Befehl des Pharao. (Darjabadi)

Der Pharao wurde als „Gottkönig" betrachtet und war somit eine Verkörperung des ägyptischen Diins, in der okkulte Praktiken und Magie eine wichtige Rolle spielten. Jeder Untertan war verpflichtet, Magie als integralen Bestandteil seiner Lebensweise zu akzeptieren. (Asad)

148. Wörtlich: „der Dauerhafteste", das heißt ewig. Vergleiche Suura 55:26-27. (Asad)

Das Beste bezüglich Seines Wesens und Seiner Attribute, und der Dauerhafteste bezüglich Seiner Vergeltung. (Darjabadi)

Allah ist Der Beste für uns, und nicht du, und Seine Belohnung ist beständiger als das, was du uns versprochen hast. (ibn Kasir)

Dies ist eine Antwort auf Pharaos Worte im yorletzten Aja, wie er sagte: ,,...und ihr werdet wissen, wer von uns beiden der stärker Strafende und der Beständigere ist." (Safwat Al-Tafasir)

 

74. Wahrlich,149 wer zu seinem Herrn als  Sünder kommt,150 für den ist die Hölle bestimmt. Darin soll er weder sterben151 noch leben.152

149. Nun nehmen die Zauberer vor Pharao die Haltung des Überlegenen ein. (Qutb)

Folgendes ist ein zusätzlicher Ausspruch Allahs, der sich an die vorhergehenden Worte der Magier anschließt. Die Ajas 74-76 sind am besten als Erläuterungen zu der Geschichte von den bekehrten Ägyptern zu verstehen, die „sich vom Bösen gereinigt" hatten. Einige Kommentatoren sehen sie jedoch als Fortsetzung ihrer Rede. (Juusuf `Allii)

150. Am Tag der Auferstehung. (Darjabadi)

151. So dass sein Leben ein Ende findet. (Darjabadi) 

152. Noch kann er sich eines angenehmen Lebens erfreuen. (Safwat Al-Tafasir)

Ein überhaupt erträgliches Leben. (Darjabadi)

Er wird weder geistig wiedergeboren, noch findet er seine Ruhe durch Vernichtung. Wie aus der Gegenüberstellung der Begriffe „Mudschrim" („Sünder") in diesem und „Mu’min"  im nächsten Aja hervorgeht, bezieht sich ersterer auf jemanden, der zu seinen Lebzeiten bewusst und ständig Allah geleugnet hat. (Asad)

 

75. Doch die zu Ihm als Mu’mins kommen, die gute Werke getan haben, denen werden die höchsten Rangstufen zuteil.

76. Gärten der Ewigkeit, unterhalb derer Ströme fließen.153 Darin werden sie immerwährend weilen, und das ist der Lohn dessen, der geläutert ist.154

153. Wo im Qur’an das Wort “`adn“ erscheint, wird es als Beschreibung für die „Gärten“ (Dschanach) des Paradieses gebraucht. Es ist hergeleitet von der Wurzel “`adana“, das in erster Linie bedeutet: „er blieb (irgendwo)“ oder „er behielt (etwas)", das heißt auf Dauer. Im biblischen Hebräisch, das an sich nur ein alter semitischer Dialekt ist, hat das hiermit eng verwandte Wort “Eden“ die zusätzliche Bedeutung von „Freude", „Seligkeit". Die Verbindung dieser beiden Bedeutungen veranlasst mich, die Wendung mit „Gärten andauernder Seligkeit" zu übersetzen. Wie an anderen Stellen im Qur’an wird die Seligkeit hier allegorisch durch Schilderungen dargestellt, die an irdische Freuden erinnern und sie so der menschlichen Vorstellung näher bringen. (Asad)

154. Wie es die Ägypter getan haben, die ihren Iman an den Einen Gott bekannten.

(Juusuf 'Ali)

Von Unrecht und Unglauben. (Darjabadi)

Der sich von Schmutz, Bosheit und Götzendienst befreit, sich dem Einzigen Gott hingibt und das befolgt, was die Gesandten Allahs überbrachten. (ibn Kasir)

 

Abschnitt 4

77. Und Wir gaben Muusa ein:155 „Mache dich mit Meinen Dienern auf156 und schlag für sie einen trockenen Pfad durch das Meer157 und habe keine Angst, dass du eingeholt wirst158 und fürchte dich nicht."159

155. Allah gab ihm diesen Befehl, als Pharao sich weigerte, die Kinder Israels mit Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, auswandern zu lassen. (ibn Kasir)

Nähere Einzelheiten von den Ereignissen, die sich während Muusas, Allahs Segen und Frieden auf ihm, Aufenthalt in Ägypten im Anschluss an diese Geschichte zutrugen, sind hier ausgelassen worden. Siehe diesbezüglich Suura 7:130-147;10:83-92; 40:23-50 und 43:46-56. (Maududi)

156. Schließlich wird geboten, mit seinem Volk bei Nacht Ägypten zu verlassen. Sie sollten durch das Rote Meer auf die Sinai-Halbinsel ziehen und sich weder vor dem Pharao noch vor dem Meer noch vor der unbekannten Sinia-Wüste fürchten. Sie. durchzogen das Meer trockenen Fußes, während Pharao, der sie mit seinem Heer verfolgte in den Wellen umkamen. Diese Episode steht jedoch hier nicht im Mittelpunkt, sondern die schwere Aufgabe, der sich nach der Errettung aus der ägyptischen Knechtschaft mit seinem eigenen Volk gegenübergestellt sah. (Juusuf `Allii)

157. Vergleiche Exodus 14:16. (Darjabadi)

Tabari erklärt den Satz: „Schlage ihnen einen trockenen Pfad durch das Meer" als: „Wähle für sie einen Pfad." Vergleiche auch Suura 26:63-66 und die entsprechende Fußnoten. (Asad)

158. Durch den Pharao. (Darjabadi)

159. Dass deine Leute im Meer ertrinken. (ibn Kasir)

 

78. Und Pharao verfolgte sie mit seinen Heerscharen, und die Wasserfluten verschlangen sie ganz und gar.160

160. Vergleiche Exodus 14:6-23. (Darjabadi)

Nach Suura 26:64-66 folgte Pharao mit seinem Heer den Israeliten auf dem trockenen Pfad und wurde ertränkt. In Suura 2:50 wird gesagt, dass die Israeliten das andere Ufer erreicht hatten und sie ertrinken sahen. Aus Suura 10:90-92 erfahren wir, dass der Pharao in seiner Todesstunde seinen Iman an Allah bekannte, als es schon zu spät war. Ihm wurde mitgeteilt, dass sein Körper als Lehre für kommende Generationen bewahrt werden würde. (Maududi)

Hier berichtet der Text nichts über das Schicksal der Zauberer, nachdem sie den Drohungen Pharaos mit dem Mut des Mu’mins begegneten, der seinen Blick nicht auf diese Erde richtet. Er lässt direkt diese Szene folgen, die Szene des vollständigen Triumphs, um den Mu’mins die Fürsorge Allahs deutlich vor Augen zu führen. (Qutb)

 

79. Und Pharao führte sein Volk irre, anstatt es rechtzuleiten.161

161. Pharao führte sein Volk im Alltagsleben ebenso in die Irre, wie er es schließlich auf diesen Irrweg zu seinem Untergang führte. (Qutb)

Pflicht der Könige und Führer wäre es eigentlich, ihrem Volk den rechten Weg zu weisen. Stattdessen führen die Bösen unter ihnen ihre Völker jedoch auf Irrwege und verursachen damit ihren Untergang. (Juusuf `Allii)

Vergleiche Exodus 14:26. (Darjabadi)

Darin war eine taktvolle Warnung an die Führer der kafir Mekkaner enthalten, die ihr Volk ebenso auf Irrwege führten wie seinerzeit der Pharao. (Maududi)

 

80. O Kinder Israels! Wir haben euch führwahr vor euren Feinden gerettet162 und Wir trafen ein Abkommen mit euch auf der rechten Seite des Berges (Sinai)163 und Wir sandten euch Manna und Wachteln herab.164

162. Der Teil der Geschichte, der von ihrer Wanderung vom Roten Meer zum Berg Sinai handelt, ist hier ausgelassen worden. Er wird in Suura 7:133-147 erwähnt. Dort wird auch gesagt, dass die Kinder Israels von verlangten, er solle ihnen einen Gott wie die Götter jener Völker machen. (Maududi)

Vergleiche auch Suura 2:49-50; 7:141 und 14:6. (Anm. d. Übers.)

Allah zählt den Kinder Israels Seine großartigen Gaben auf, angefangen mit ihrer Errettung von ihrem Feind, dem Pharao. Er gab ihnen auch die Genugtuung, ihn und seine Soldaten bis auf den letzten Mann ertrinken zu sehen. (ibn Kasir)

Im Schatten der glücklichen Errettung werden die Befreiten ermahnt, damit sie weder vergessen, noch überschwänglich werden. Sie werden auch an ihre einzige Waffe in ihrem Kampf erinnert, die ihnen den Sieg beschert hat. (Qutb)

163. Die rechte Seite: vergleiche Suura 19:52 und die entsprechende Fußnote. Die arabische Seite des Berges Sinai war der Ort, wo  Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, einen Auftrag erhielt, bevor er nach Ägypten ging, und wo er auch das Gesetz empfing, nachdem die Kinder Israels aus Ägypten ausgezogen waren. (Juusuf `Allii)

Zu Allahs Bund mit den Kindern Israels vergleiche Suura 2:63 und 83. (Asad)

Es war eigentlich Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, der zu dieser Begegnung mit Allah verabredet war. Da sie die Nutznießer dieser Verabredung waren, sind sie hier mit angesprochen worden. (Qutb)

Um Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, die Thora zu geben, auf dass ihr euch danach richtet. (Al-Dschalalain)

164. Vergleiche Exodus 16:13-15 und Numeri 11:8-9. (Maududi)

Vergleiche Suura 2:57 und 7:160 sowie die entsprechenden Fußnoten. (Anm. d. Übers.)

Manna ist eine Süßigkeit, die vom Himmel auf sie herabfiel. ( Al-Dschalalain)

 

81. „Esst von den guten Dingen, mit denen Wir euch versorgt haben,165 doch übertretet nicht das Maß Allahs,166 denn sonst würde Mein Zorn über euch hereinbrechen, und der, über den Mein Zorn hereinbricht, der geht wahrlich zugrunde.167

165. Die hier Angesprochenen sind die Juden zur Zeit des Propheten Muchammad wurden die Gaben an ihre Vorfahren zur Zeit Muusas, Allahs Segen und Frieden auf ihnen beiden, in Erinnerung gerufen als Vorbereitung auf die Aufforderung im nächsten Aja.

(Al-Dschalalain)

Dies sollte nicht nur wörtlich, sondern auch metaphorisch verstanden werden: Allah hat für euch gesorgt und euch gerettet. Er hat euch ethische und geistige Rechtleitung gegeben. Genießt die Früchte all dessen, aber seid nicht hochmütig und rebellisch, sonst zieht ihr euch mit Sicherheit Allahs Zorn zu. (Juusuf `Allii)

Dies bezieht sich auf Allahs Geschenk von Manna (möglicherweise "Honigtau") und Wachteln (Salwaa) während der Wüstenwanderung. Der Begriff Manna bezeichnet nicht nur die süße, harzige Substanz, die von gewissen Wüstenpflanzen abgesondert wird, sondern alles, was „als Gnadengeschenk gegeben" worden ist, das heißt ohne jede Mühe seitens des Empfängers. Ähnlicher

weise bezeichnet der Begriff „Salwaa“ nicht nur „Wachteln", sondern auch „alles, was den Menschen nach langen Entbehrungen zufrieden und glücklich macht". (Asad)

166. Oder: „verhaltet euch' nicht auf arrogante Weise“, dass heißt schreibt diese Gnadengeschenke nicht euren eigenen Vorzügen aufgrund eurer Abstammung von Ibrahiim, Allahs Segen und Frieden auf ihm. (Asad)

Durch Undankbarkeit und verschwenderisches Verhalten. (Darjabadi)

167. „Stawaa": Herabsinken, und zwar ins Höllenfeuer. (Al-Dschalalain)

Dies ist der Grundton der ständigen Auseinandersetzung zwischen Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, und seinem eigenen Volk und leitet den unmittelbar darauf folgenden Zwischenfall mit dem goldenen Kalb ein. (Juusuf `Allii)

Die klassischen Kommentatoren stimmen fast einmütig in der Ansicht überein, dass sich Allahs „Zorn" hier auf die unausweichliche Vergeltung bezieht, die der Mensch über sich bringt, indem er absichtlich Allahs Rechtleitung zurückweist und „die Grenzen der Gerechtigkeit überschreitet". (Asad)

 

82. Doch Ich bin fürwahr auch der Verzeihende dem gegenüber, der reuevoll umkehrt und den Iman verinnerlicht und gute Werke tut und danach auf dem rechten Weg bleibt."168

168. Und danach nie daran zweifelt. (ibn Kasir)

„Tauba" („Reue", „Umkehr") ist nicht etwas, das man nur ausspricht, sondern es ist eine Entschlossenheit des Herzens, die durch Iman und rechtes Handeln bewiesen wird. Sie manifestiert sich im praktischen Verhalten im Alltag. Wenn eine Umkehr stattfindet und der Islam sich bewahrheitet und durch aufrichtige gute Handlungen bestätigt wird, so begibt der Mensch sich auf den Weg der Rechtleitung. Rechtleitung ist also die Frucht von Streben und Wirken. (Qutb)

Vier Bedingungen für die Vergebung werden hier aufgezählt:

1. Reue: auf Rebellion, Ungehorsam, Götzendienst und Kufr zu verzichten;

2. Iman an Allah und den Gesandten und die Schrift und das zukünftige Leben;

3. Gute Werke: entsprechend den Anweisungen Allahs und Seines Gesandten; und

4. Rechtleitung: standhaft dem rechten Weg zu folgen und nicht auf Irrwege abzuweichen. (Maududi)

 

83 „Was169 ließ dich deinem Volk vorauseilen, O Muusa?"170

169. Als Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, auf dem Berg angelangt war, fragte Allah ihn. Dies spielte sich ab, als sich Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, vierzig Tage und Nächte auf dem Berg aufhielt. Vergleiche Suura 2:51. Muusa die Ältesten Israels mit Haruun, Allahs Segen und Frieden auf ihnen beiden, hatte zurückgelassen (vergleiche Exodus 24:14). Während er sich in Allahs Gegenwart auf dem Berg befand, spielten sich unten bei seinem Volk seltsame Szenen ab. Die Kinder Israels gerieten in Versuchung und erlagen ihr. Sie machten ein goldenes Standbild von einem Kalb und beteten es an, wie weiter unten geschildert wird. Vergleiche auch Suura 7:148-150 und die entsprechenden Fußnoten. (Juusuf `Allii)

170. Mit Volk sind hier die siebzig Leute gemeint, die Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, ausgesucht hat, um ihn bei der Begegnung mit Allah zu begleiten.

Diese ließ er unterwegs stehen und beeilte sich, von dem Wunsch getrieben, Allahs Wort zu hören. (Qutb)

Wörtlich: „Was hat dich deinem Volk vorangetrieben?' Dies bedeutet, er hätte sie in einem so frühen Stadium ihrer Freiheit nicht allein ohne seine persönliche Führung lassen sollen. In dieser unnachahmlichen elliptischen Weise spielt der Qur’an auf die psychologische Tatsache an, dass eine Gemeinschaft, die nach jahrhundertelanger Knechtschaft soziale und politische Freiheit erlangt, noch für lange Zeit den demoralisierenden Einflüssen ihrer Vergangenheit ausgesetzt ist und nicht plötzlich eine eigene geistige und soziale Disziplin entwickeln kann. (Asad)

 

84. Es sagte: „Sie sind mir dicht auf den Fersen. Und ich bin zu Dir vorausgeeilt, um Dein Wohlgefallen zu erlangen."171

171. Die klassischen Kommentatoren verstehen diesen Satz in seinem physischen Sinne, das heißt: „sie holen hinter mir auf und sind schon nahe". Da jedoch Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, offensichtlich allein auf den Berg hatte kommen sollen, bin ich der Ansicht, dass seine Antwort im übertragenen Sinne zu verstehen ist und die Vermutung zum Ausdruck bringen soll, dass die Kinder Israels selbst in seiner Abwesenheit seiner Führung folgen würden: eine Vermutung, die sich im folgenden als falsch erweist. (Asad)

 

85. (Allah) sprach: „Wir haben wahrlich dein Volk in deiner Abwesenheit der Versuchung172 ausgesetzt, und der As-Saamirii hat sie irregeführt."173

172, Hier werden die Details der Versuchung, worüber Allah Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, in Kenntnis setzt, nicht erwähnt, um schnell auf die Vorkommnisse bei seiner Rückkehr zu seinem Volk zu kommen. (Qutb)

Indem er das Goldene Kalb machte. Beachte, dass hier nicht der Prophet Haruun, Allahs Segen und Frieden auf ihm, sondern jemand anderes für diese Götzendienerei verantwortlich gemacht wird. (Darjabadi)

173. Wer war dieser As-Saamirii? Wenn wir die altägyptische Sprache betrachten, finden wir das Wort Semer: ein „Fremder". Da die Israeliten Ägypten gerade verlassen hatte, konnte sich unter ihnen sehr wohl ein ägyptischer Hebräer befinden, der diesen Spitznamen trug. Dass der Name Seiner später unter den Israeliten nicht unbekannt war, geht aus dem Alten Testament hervor. In 1. Könige 16:24 lesen wir, dass Omri, einer der Könige des Nordreiches nach der Teilung, der von etwa 903-896 v. ’Isa regierte, eine neue Stadt namens Samaria auf einem Hügel baute, die er von einem gewissen Semer gekauft hatte.

(Juusuf `Allii)

Ibn 'Abbaas erzählte: „Dieser As-Saamirii entstammte einem Volk, das Kühe heiligte. Er schloss sich äußerlich den Diin der Kinder Israels an, als er sich in Ägypten niederließ. In seinem Herzen blieb er jedoch der Anbetung der Kühe treu." (Qutb)

Es ist gut möglich, dass es sich bei der hier erwähnten Person um einen der vielen bekehrten Ägypter handelte, die den Kindern Israels bei ihrem Auszug aus Ägypten folgten. Diese Vermutung wird dadurch gestützt, dass er den Kult des Goldenen Kalbes einführte, zweifellos ein Nachhall des ägyptischen Apiskults. (Asad)

Westliche Kritiker des Propheten Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, die im Qur’an Missverständnisse und Inkohärenz finden wollen, haben an dieser Stelle ihren Vorwurf eines historischen Irrtums auf der These begründet, „As-Saamirii " bezeichne einen Einwohner der Stadt Samaria, die lange nach diesen Ereignissen erbaut wurde. Diese These ist jedoch nicht haltbar. Zahlreiche Personen in der Antike haben diesen Namen getragen, und selbst vor der Erbauung der Stadt Samaria gab es Menschen, die Semer oder Sumer hießen sowie auch Stämme mit diesem Namen. (Maududi)

 

86. Da kehrte Muusa zornig und bekümmert zu seinem Volk zurück.174 Er sprach: „O mein Volk! Hat euch nicht euer Herr ein aufrichtiges Versprechen175 gegeben? Hat es euch mit dem Versprechen etwa zu lange gedauert,176 oder wolltet ihr,177 dass der Zorn eures Herrn über euch hereinbricht,178 indem ihr das Versprechen mir gegenüber brecht?"179

174. Am Ende des vierzigtägigen Aufenthalts, und nachdem er das Gesetz empfangen hatte. (Darjabadi)

175. Dieser Aja bezieht sich auf zwei Versprechungen, Allahs Versprechen und das Versprechen des Volkes Israel. Diese beiden bilden einen Bund, den das Volk durch seinen Führer e ging. Vergleiche auch oben Aja 80 und 2:63. Allah versprach, die Kinder Israels zu schützen und sie in das Verheißene Land zu führen, und sie versprachen, Allahs Gesetz zu halten und Seinen Geboten zu folgen. (Juusuf `Allii)

176. „Erschien euch die Zeit zu lang, bis das Versprechen erfüllt wurde?" Oder nach Samachsari: „Erschien euch die Zeit meiner Abwesenheit zu lang?" (Asad)

177. Aus eurer eigenen Willkür heraus. (Darjabadi)

178. Wörtlich: „Oder habt ihr entschieden, dass das Strafgericht eures Herrn über euch fällig werden sollte?" Das heißt, seid ihr entschlossen, die Folgen eurer Handlungen zu ignorieren? (Asad)

179. Das heißt euer Versprechen mir gegenüber, nur dem Einen wahren Gott zu dienen. (Darjabadi)

 

87. Sie sagten: „Wir haben nicht aus freien Stücken das Versprechen dir gegenüber gebrochen,180 vielmehr ließ man uns die Lasten des Schmucks des (ganzen) Volkes tragen.181 Da warfen wir sie hin,182 so wie es uns der As-Saamiri aufgetragen hatte;183

180. Wir haben nicht von uns aus die Initiative ergriffen, das Kalb anzubeten. (Darjabadi)

181. Vergleiche Exodus 12:35-36. Die Antwort der Rückfälligen ist aus drei Gründen bemerkenswert:

1. As-Saamiri war zweifellos für den Vorschlag verantwortlich, ein goldenes Kalb zu machen, aber deswegen konnten sie die Verantwortung nicht von sich selbst abwälzen. Die Verantwortung für einen Fehler liegt auf dem, der ihn begeht, und er kann nicht vorgeben, er sei nicht in der Lage gewesen, ihn zu vermeiden.

2. Das Gold, das sie bei sich trugen, konnte nicht schwer gewesen sein, wenn man es entsprechend verteilt hätte.

3. Gold ist wertvoll, und wenn sie sich wirklich hätten entlasten wollen, dann hätten sie es nicht einzuschmelzen und zu einem Kalb zu gießen brauchen. (Juusuf 'Allii)

Es ist davon die Rede, dass sie den Schmuck des Pharao und seiner Soldaten an sich nahmen, als deren Leichen ans Land geschwemmt wurden. Und deswegen kann man das Wort „Ausaar" auch als Sünden verstehen, da sie sich ihn unberechtigt angeeignet hatten. (Qutb)

 

88. Dann184 formte er für sie die Gestalt eines Kalbes,185 das zu blöken schien.186 Da sagten sie-187 Dies ist euer Gott und der Gott von Muusa, doch er hat (es) vergessen."188

182. Wir warfen sie ins Feuer. (Darjabadi)

Auf Geheiß von As-Saamiri, der die Verspätung Muusas, Allahs Segen und Frieden auf ihm, damit begründete, dass die Kinder Israels ihn sich unerlaubt als Beute genommen hätten. Er gab ihnen zu verstehen, dass der Schmuck solang in dieser Grube bleiben sollte, bis Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, drüber entschieden hätte. (Qutb)

Nach Exodus 12:35 hatten die Israeliten unmittelbar vor ihrem Auszug aus Ägypten von den Ägyptern Schmuckstücke aus Silber und Gold „geliehen" - dies war offensichtlich unter Vorspiegelung falscher Tatsachen geschehen und ohne die Absicht, sie jemals zurückzugeben, denn - wie einen Aja später erwähnt wird - nahmen sie dies „als Beute". Während das Alte Testament in seiner gegenwärtigen Form dieses Unrecht nicht verurteilt, scheint den Kindern Israels die Tragweite ihres Vergehens bald bewusst geworden zu sein, und so beschlossen sie, diese unrechtmäßig erworbenen Schmuckstücke loszuwerden. (Asad)

183. Vergleiche oben Fußnote 173. Wenn der ägyptische Ursprung des Namens nicht akzeptiert werden kann, dann gibt es einen hebräischen Ursprung in dem Wort Somer („Wächter"), verwandt mit dem arabischen Wort „samara" („nachts wachen"). Dieser As-Saamiri war möglicherweise tatsächlich ein Wächter oder hatte diesen Spitznamen.

(Juusuf 'Allii)

Diese Entscheidung wurde von denjenigen vorgebracht, die an der von As-Saamiri angeregten Götzendienerei beteiligt gewesen waren. Sie wälzen damit die Verantwortung auf ihn ab. Leider haben manche Kommentatoren diesen Aja unter Einfluss der biblischen Überlieferung falsch interpretiert. Wir sind der Ansicht, dass der gesamte Aja etwa folgendes bedeutet: Als das Volk es überdrüssig war, seine Schmuckgegenstände am Körper zu tragen, beschlossen sie gemeinsam, sie alle an einem Ort zu sammeln und zu notieren, wie viel Gold und Silber jedem gehörte. Alles sollte dann zu Barren eingeschmolzen und auf Lasttiere verladen werden. Dementsprechend fügte jeder seine Schmuckstücke zu den anderen hinzu. (Maududi)

184. Hier verändert sich der Satz von der direkten Rede im vorigen Aja zur indirekten in diesem und den folgenden Ajas. (Asad)

185. „ Dschasad" (Körper) wird gewöhnlich auf eine leblose Gestalt bezogen. (Qutb)

Vergleiche Suura 7:148, wo dieselben Worte gebraucht und in der entsprechenden Fußnote erklärt werden. (Juusuf 'Allii)

186. Er setzte in die Figur des Kalbes Öffnungen ein, die, wenn der Wind hineinblies, die Geräusche eines Blökens hervorbrachten. Und als sie dieses Blöken hörten, vergaßen sie ihren Herrn, Der sie aus dem Land der Schmach gerettet hatte. (Qutb)

187. Das heißt As-Saamiri und seine Gesinnungsgenossen. (Darjabadi)

188. Das hat Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, vergessen und ist auf den Berg gegangen um seinen Gott zu suchen, während sein Gott hier bei uns ist. In ihrer Aussage versteckt sich die Anschuldigung an Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, nicht in Verbindung mit Allah zu stehen, was zu seiner Verirrung geführt habe. (Qutb)

Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, hat sowohl uns wie auch seinen Gott vergessen. So viele Tage lang ist er fortgeblieben. Er sucht sich auf dem Berg einen Gott, während sein Gott hier ist. Dies sprachen As-Saamiri und seine Gesinnungsgenossen, aber das übrige Volk akzeptierte es, und damit wird es zu seiner Aussage. (Juusuf 'Allii)

Vergleiche Exodus 32:4. (Darjabadi)

„Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, hat (seine Vergangenheit) vergessen" - eine Anspielung auf die Tatsache, dass Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, am Hof des Pharao nach ägyptischen Sitten erzogen worden war. (Asad)

 

89. Sahen sie denn nicht, dass es ihnen kein Wort erwidern konnte189 und dass es weder die Macht hatte, ihnen zu schaden noch zu nützen?190

189. Es war nicht einmal ein lebendes Kalb, das ihre Worte zu hören vermochte und sie auch nicht erwidern konnte, wie die Kälber gewöhnlich tun. Somit hatte es einen noch geringeren Wert als den eines Tieres. (Qutb)

190. Vergleiche Exodus 32:9. (Darjabadi)

Diese Bemerkung ist eingeschoben. Wie blind war doch dieses Volk! Sie hatten Zeichen des wahren, lebendigen Gottes gesehen, und dennoch waren sie bereit, ein totes Standbild zu verehren. Der wahre lebendige Gott hatte eindeutige Worte und Gebote ausgesprochen, während dieses Kalb nur sinnlose Laute ausstoßen konnte, die selbst wiederum durch eine Täuschung der Priester zustandekamen. Das Standbild konnte weder Gutes tun noch Schaden anrichten, während Allah der Herr und Erhalter des Universums ist, Dessen Barmherzigkeit grenzenlos und Dessen Zorn furchtbar ist. (Juusuf `Allii)

 

Abschnitt 5

90. Und Haruun hatte schon vordem mit allem Nachdruck zu ihnen gesagt:191 „O mein Volk! Ihr werdet fürwahr dadurch geprüft.192 Euer Herr ist wahrlich der Allbarmherzige.193 So folgt mir und gehorcht dem, was ich gebiete."194

191. Als ihr Prophet und der Stellvertreter ihres Erretters. (Qutb)

Vor Muusas, Allahs Segen und Frieden auf ihm, Rückkehr. (Darjabadi)

192. Es anzubeten. (Al-Dschalalain)

Widersteht dieser Versuchung. Sie ist eine Prüfung für euch. Folgt nicht dem Saamari, sondern gehorcht mir. (Juusuf `Allii)

193. Und nicht jener imaginäre Stiergott oder Kalbsgott. (Darjabadi)

194. Eurem Herr allein zu dienen. (Qutb)

Die biblische Geschichte macht Haruun, Allahs Segen und Frieden auf ihm, zum Schuldigen, was jedoch nicht mit seiner Stellung als Priester Allahs und rechter Hand Muusas, Allahs Segen und Frieden auf ihm, vereinbar ist. Vergleiche auch Suura 7:150 und die entsprechende Fußnote. Die hier vorliegende Version ist zusammenhängend und erklärt in Saamari die unterschwelligen Einflüsse des ägyptischen Osiriskultes. (Juusuf `Allii)

 

91. Sie sprachen:195 „Niemals werden wir ablassen von diesen Andachtsübungen, ehe Muusa nicht zu uns zurückkehrt."196

195. Sowohl Haruun, Allahs Segen und Frieden auf ihm, letzten Aja als auch die Entgegnung der Rebellen in diesem Aja wurden offensichtlich ausgetauscht, bevor Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, vom Berg zurückkam. (Juusuf `Allii)

196. Anstatt den guten Rat zu befolgen, lösten sie sich davon und von dem Versprechen, ihrem Propheten zu gehorchen. (Qutb)

Jene Rebellen hatten so wenig Iman, dass sie Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, verloren aufgaben und nicht erwarteten, ihn jemals wieder zu sehen. (Juusuf `Allii)

Zusammenhang widerspricht der biblische Bericht sich selbst (siehe Exodus 32:27-29): dort befiehlt nämlich Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, den Leviten, alle ihre Verwandten, Freunde und Volksgenossen zu töten, die an der Verehrung des Kalbes beteiligt gewesen waren. Wenn nun aber Haruun, Allahs Segen und Frieden auf ihm, wirklich die Initiative dazu ergriffen hätte, dann stellt sich die Frage, warum er nicht als Initiator angeklagt und ebenfalls getötet wurde. Nach dem biblischen Bericht wurde er nicht nur nicht getötet, sondern ihm und seiner Familie wurde die Verantwortung für das Heiligtum und das Priesteramt übertragen. Damit wäre die These des Qur’an bestätigt, dass Haruun, Allahs Segen und Frieden auf ihm, sich gegen die Verehrung des Kalbes gewandt hätte. (Maududi)

 

92.   Muusa sprach:197 „O Haruun! Was hielt dich davon ab, als du sahst, wie sie irregingen,

197. Nachdem er sein Volk getadelt hatte. (Darjabadi)

 

93. Mir zu folgen?198 Hast du dich also dem widersetzt, was ich geboten hatte?"199 

198. „Mir zu folgen", indem er seine Anweisung und sein Gebot befolgt, oder ihm zu folgen, indem er ihr Handeln missbilligt, oder aber ihn zu, erreichen suchen. (Qutb)

Indem du passiv zugeschaut hast. (Darjabadi)

199. Als Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, zurückkam, war er voller Zorn und Trauer. Er tadelt Haruun, Allahs Segen und Frieden auf ihm, und ist sogar im Begriff, ihn hart zu behandeln; vergleiche den nächsten Aja. Das hier erwähnte Gebot ist das in Suura 7:142 erwähnte: „Vertritt du meine Stelle bei meinem Volk und tue das Richtige und folge nicht dem Plan derer, die Unheil stiften." (Juusuf `Allii)

 

94.   Haruun antwortete: „O Sohn meiner Mutter!200 Fasse mich nicht an meinen Bart201 und auch nicht an meinem Haupt(haar). Wahrlich, ich fürchtete, dass du sagen könntest:202 „Du hast Zwietracht unter den Kindern Israels gesät und dich nicht an mein Wort gehalten.“203

200. Im Hebräischen wurde leibliche Bruderschaft auf diese Weise präzise ausgedrückt. (Darjabadi)

Er versuchte, mit der Erwähnung der gemeinsamen Mutter sein Herz zu erweichen.

(Al-Dschalalain)

201. Vergleiche Suura 7:150. (Juusuf `Allii)

Muusa packte Haruun, Allahs Segen und Frieden auf ihnen beiden, mit der Rechten beim Schopf und mit der Linken beim Art. (Qutb)

Vergleiche Exodus 32:19. Der Bart war im alten Israel das Symbol der Männlichkeit. Jemandes Bart abzuschneiden oder auszurupfen war ein Zeichen der Entehrung. (Darjabadi)

202. Wenn ich gewaltsam gegen die Götzendiener vorgegangen wäre. (Darjabadi)

203. Dein Gebot, dass die Einheit des Volkes aufrechterhalten werden sollte. (Darjabadi)

Diese Antwort Haruuns, Allahs Segen und Frieden auf ihm, widerspricht in keiner Weise seiner Antwort in Suura 7:150. Sie ist im Gegenteil auf dramatische Weise jeweils dem besonders betonten Thema angepasst. In Suura 7 geht es um die Gemeinschaft des Volkes Israel, und mit Recht: „Das Volk zählt mich als nichts und hätte mich beinahe getötet." Indem er hinzufügt: „Lass also die Feinde nicht über mich frohlocken", bezieht er sich indirekt auf den Wunsch seines Bruders, die Einheit im Volk zu bewahren. Hier wird die Einheit als Hauptpunkt betont. Wir haben mit Saamiri als dem Hauptübeltäter zu tun, und über seinen Fall konnte Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, am besten entscheiden, wie er es hier auch tut. (Juusuf `Allii)

Wenn wir Suura 7:150 und diese Stelle hier zusammen lesen, bekommen wir ein klares Bild von der Situation: hatte sein Äußerstes getan, um das Volk vom Götzendienst zurückzuhalten. aber die Leute lehnten sich gegen ihn auf und hätten ihn sogar getötet. Aus Furcht vor einer Spaltung unter ihnen hatte sich Haruun dann zurückgehalten, damit Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihnen beiden, bei seiner Rückkehr ihm nicht vorwerfen konnte, er habe die Situation nur verschlimmert und habe in seiner Abwesenheit die Lage nicht unter Kontrolle halten können. Offensichtlich gab es im Volk auch eine Anzahl von Feinden der beiden Brüder. (Maududi)

 

95. (Muusa) sprach: „Nun, was trieb dich dazu, O Saamiri?"204

204. Was hast du mit deiner Vorgehensweise bezweckt? (Darjabadi)

Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, wendet sich jetzt an Saamiri, und dessen Antwort im nächsten Aja gibt mit wenigen treffenden Zügen ein ausgezeichnetes Charakterbild. Die Lektion dieser ganzen Episode ist der Fall einer Menschenseele, die nominell Allahs Wahrheit folgt, dann aber bei jeder Gelegenheit Unheil stiftet. Sie ist nicht weniger gefährlich als eine arrogante Seele, dargestellt in Pharao, die an höchster Stelle sitzt und den Untergang einer ganzen Nation verursacht. (Juusuf `Allii)

 

96. Er sagte: „Ich habe gesehen, was sie nicht sehen konnten.205 So nahm ich also eine Handvoll206 (Sand) von der Spur der Gesandten207 auf und warf sie (in das geschmolzene Gold) hinein.208 So wie meine Seele es mir eingab.209

205. Nach zahlreichen Überlieferungen hat er den Engel Dschibril in der Gestalt gesehen, in der er gewöhnlich auf die Erde herabkam. (Qutb)

Zu beachten ist, dass das Verb „baschura" (wörtlich: „er wurde sehend") die übertragenen Bedeutungen hat: „er nahm (etwas) geistig wahr" oder „er gewann Einsicht" oder „er begriff". Abu Muslim Al-Isfahani erklärt demnach den obigen Satz folgendermaßen: „Ich erkannte, was sie (nämlich der restliche Teil des Volkes) nicht erkannten, nämlich dass einige deiner Überzeugungen, o Muusa falsch waren." Offensichtlich hatte Saamiri Einwände gegen eine Vorstellung von einem transzendenten, nicht wahrnehmbaren Gott, und war der Ansicht, das Volk brauche etwas „Greifbares", an das es glauben könne. (Asad)

206. Eine Handvoll Sand, der auf okkulte Weise allem, was er berührte den Anschein der Lebendigkeit verlieh. (Darjabadi)

207. Die Geschichte mit dem Gesandten erfindet er, um seine Tat zu rechtfertigen. (Qutb)

208. Oder in das Feuer, in dem das Gold für das Kalb geschmolzen wurde. (Darjabadi)

209. Seine Seele gab ihm ein, diese Handvoll Sand hineinzuwerfen, um den leblosen Körper zum Leben zu erwecken. Er wollte mit dem Kalb auch dem Volk Muusas, Allahs Segen und Frieden auf ihm, seinen Wunsch nach einem greifbaren Gott erfüllen, den sie schon Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, gegenüber geäußert hatten. (Al-Dschalalain)

Im Gegensatz zu den phantasievollen Interpretationen einiger Kommentatoren erklärt Abu Muslim den Begriff „a_ar" (wörtlich „Spur") in seiner übertragenen Bedeutung „Praktiken und Aussagen" oder - zusammengefasst - die „Lehren" einer Person oder speziell eines Propheten. Dies würde dann bedeuten: „Ich ergriff eine Handvoll (das heißt ein wenig) von den Lehren des Propheten und warf es weg". Der hier von Saamiri in der dritten Person erwähnte „Gesandte" ist selbst. Meiner Ansicht nach soll die Tatsache, dass Saamiri einen Teil der Lehre  Muusas, Allahs Segen und Frieden auf ihm, verwarf, die unbewusste Tendenz erklären, die allen Formen des Götzendienstes zugrunde liegt: eine sinnlose, selbstbetrügerische Hoffnung, durch greifbare „Bilder" Gottes oder zumindest einer „Emanation" von Ihm das Unbegreifliche der eigenen Wahrnehmung näher zu bringen. Da alle solche Versuche das Gottesverständnis des Menschen eher verschleiern als klären, verfehlen sie ihren eigenen Zweck und zerstören das geistige Potential des fehlgeleiteten Verehrers. Dies soll die Geschichte vom Goldenen Kalb im Qur’an verdeutlichen. (Asad)

Saamiris Antwort ist ein treffendes Beispiel für schamlose Frechheit, ausweichendes Verhalten und frei erfundene Lüge. Er gibt vor, mehr Einsicht gehabt zu haben als irgendein anderer: er sah, was die Masse nicht sah. Er sah etwas Übernatürliches: nach vielen Kommentatoren handelt es sich bei dem „Gesandten" um den Engel Dschibril. Das Wort „rasuul" (wörtlich: „Gesandter") wird an vielen Stellen für Engel benutzt, beispielsweise in Suura 11:69 und 77; 19:19 und 35:1. Wenn wir es jedoch auf den Propheten Moses beziehen, bedeutet es, dass Saamiri etwas Übernatürliches und Heiliges in seinen Fußspuren sah - vielleicht meint er, ein wenig Schmeichelei könne Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, wieder versöhnlich stimmen. Der Staub wurde heilig, und dadurch, dass er in das Gold für das Kalb geworfen wurde, war dieses in der Lage, einen Laut von sich zu geben! Er antwortet demgegenüber nicht auf den Vorwurf, das Standbild überhaupt zur Verehrung gemacht zu haben. Mit arroganter Frechheit schließt er dann: „Das hat mir meine Seele eingegeben, und damit ist es genug." (Juusuf 'Allii)

Wie auch immer dieser Aja interpretiert wird, es ist Saamiris Darstellung des Sachverhalts. Im folgenden verurteilt Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, schärfstens seinen lügenhaften Bericht. (Maududi)

 

97. (Muusa) sagte: „Hinweg mit dir!“210 Und dir ist wahrlich in dieser Welt beschieden, dass du sagen sollst: Kommt mir nicht nahe!“211 Und für dich ist wahrlich ein Zeitpunkt212 festgesetzt, dem du niemals entgehen kannst.213 Nun schau auf deinen Gott, den du so hingebungsvoll angebetet hast. Wir werden ihn ganz gewiss zu Pulver verbrennen lassen und dann ins Meer streuen."214

210. Hinweg aus unserer Gesellschaft! (Darjabadi)

211. Diese Strafe der Verbannung war zur Zeit Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, dass sie von niemandem berührt werden durften. Weder mit Gutem noch mit Bösem. Auch sie selbst durften keinen Kontakt zu den anderen aufnehmen. (Qutb)

Er und seinesgleichen sollten gesellschaftlich Aussätzige werden. Vielleicht ist es aber auch die Arroganz, die einen Menschen veranlasst, andere auf Abstand zu halten. (Juusuf 'Allii)

Ein metaphorischer Ausdruck für die Einsamkeit und das gesellschaftliche Außenseitertum, in dem er zukünftig sein Leben verbringen sollte. (Asad)

Entweder wurde er zum Aussätzigen (vergleiche diesbezüglich die strengen Regeln in Leviticus 13:45-46) oder zum gesellschaftlich Geächteten. (Maududi)

212. Für deine Bestrafung. (Al-Dschalalain)

213. Nämlich Allahs Zorn. Vergleiche auch Suura 89:25 und oben Aja 81. (Juusuf 'Allii)

Ein Termin, den du zweifellos einhalten musst. (Asad)

214. Das Standbild wurde schließlich wieder eingeschmolzen und vernichtet.

 

98. Wahrlich, euer Gott ist Allah. Es gibt keine Gottheit außer Ihm. Er umfasst alle Dinge mit (Seinem) Wissen.215

215. Mit der Feststellung endet die Geschichte Muusas, Allahs Segen und Frieden auf ihm, in dieser Suura. In ihr offenbart sich Allahs Barmherzigkeit und Fürsorge gegenüber jenen, die Seine Botschaft verkünden und ganz allgemein gegenüber Seinen Dienern, auch wenn diese einmal irregehen sollten. Der Text fährt nun nicht mit der Geschichte der Kindes Israels fort, denn was nun folgt, ist ihre Bestrafung für ihre Sünden und Übertretungen, was mit dem sanften Ton dieser Suura nicht in Einklang stünde. (Qutb)

Vergleich auch das jüdische Glaubensbekenntnis („Höre Israel...") in Deuteronomium 6:4 ff.

(Anm. d. Übers.)

 

99. So berichten Wir dir über Geschehnisse die sich früher zugetragen haben.216 Auf diese Weise lassen Wir die Ermahnung von Uns zuteil werden.217

216. Um dich damit zu trösten und deine Wahrhaftigkeit zu beweisen. (Qutb)

Nachdem die Geschichte Muusas, Allahs Segen und Frieden auf ihm, hier beendet ist, wird das durch sie unterbrochene Thema wieder aufgenommen. (Maududi)

217. Nämlich den Qur’an, der „Sikr" genannt wird wegen der Ermahnungen, die er beinhaltet. (Qutb)

Damit werden frühere Offenbarungen ersetzt, denn dieser Qur’an ist direkt von Allah und keine Erläuterung aus zweiter Hand durch Menschen. (Juusuf `Allii)

Das Adverb „kadaalika" (wörtlich: „so"), das diesen Aja einleitet, soll den Zweck aller Bezugnahmen auf vergangene Ereignisse - historische wie legendäre - ebenso hervorheben wie die Art und Weise, wie diese Berichte hier behandelt werden. Da mit jeder Erzählung im Qur’an gewisse grundlegende Wahrheiten veranschaulicht werden sollen, ist die Geschichte selbst oft komprimiert und elliptisch, und alles wird ausgelassen, was für den Punkt, der hervorgehoben werden soll, keine Bedeutung hat. Der Begriff „Erinnerung" oder „Ermahnung" spielt auf die ununterbrochene Rechtleitung an, die Allah dem Menschen durch Seine Offenbarungen anbietet. (Asad)

Nämlich durch den Qur’an, von dem am Anfang der Suura gesagt wurde, dass er nicht offenbart wurde, um dem Propheten Schwierigkeiten und Trauer zu verursachen, sondern der eine Ermahnung für die Mutaqis sein soll. (Maududi)

 

100. Wer sich davon abwendet, der wird für wahr am Tag der Auferstehung eine (schwere) Last218 zu tragen haben.

218. Die Last schwerer Schuld. (Darjabadi)

Für die schwerwiegende Sünde, nicht an den Qur’an den Iman verinnerlicht und sich nicht nach dessen Geboten gerichtet zu haben. (Qutb)

 

101. Darin werden sie (ewig) verweilen. Welch eine üble Last, die sie am Tag der Auferstehung zu tragen haben,219

219. Sie werden darin ewig verweilen, das heißt in der Bestrafung. Und die Strafe ist die Hölle. (Qutb)

Vergleiche Suura 6:31. Wenn die Menschen so in den vergänglichen Trug dieses Lebens verstrickt sind, dass sie sich vom Wahren und Ewigen abwenden, dann gibt es am Tag des Gerichts für sie ein böses Erwachen. Ebendiese Dinge, die sie hier für so erstrebenswert gehalten hatten andere zu übervorteilen, materieller Genuss, Selbstmitleid statt guter Handlungen und so weiter - werden an jenem Tag zu einer gewaltigen Last, die sie nicht abwerfen oder erleichtern können. (Juusuf `Allii)

Die ihn schließlich in die Hölle hineinzieht. (Safwat Al-Tafasir)

Wer sich vom Qur’an abwendet und die Rechtleitung zurückweist, schadet nur sich selbst und nicht Allah oder Seinem Gesandten. Diese Warnung gilt für jedes Volk, jedes Land und jedes Zeitalter. Es gibt nur diese beiden Alternativen für eine Einzelperson oder eine Gemeinschaft, so weit die Botschaft des Qur’an reicht (Maududi)

 

102. An jenem Tage, wenn in die Posaune gestoßen wird220 und Wir die Sünder221 mit bläulich scheinenden Augen222 versammeln.

220. Wenn der Engel Israfel zum zweiten Mal hineinbläst. (Safwat Al-Tafasir)

Woraufhin die Toten auferstehen. (Darjabadi)
 

221. Diejenigen, die die Auferstehung leugneten. (Darjabadi)

Der Text nennt hier die widersetzlichen Sünder und führt ihnen eine der Szenen des Jüngsten Gerichts vor Augen. So werden sie an jenem Tag kommen und ihre Sündenlasten tragen wie Reisende, die schwer beladen sind mit ihrem Gepäck. (Qutb)

222. „Surq": mit Augen, die nicht die normale Farbe haben, oder Augen, die trübe oder blind sind. (Juusuf `Allii)

Als wenn die Augen mit einem bläulichen, undurchsichtigen Film bedeckt wären. (Asad)

 

103. Sie werden sich gegenseitig zuflüstern:223 „Ihr habt doch gewiss nicht länger als zehn Tage verweilt?"224

223. Vor Entsetzen und Furcht können sie ihre Stimmen nicht erheben. (Qutb)

224. Mit der Ewigkeit konfrontiert, werden sie feststellen müssen, dass ihr Leben auf dieser Erde oder die Zwischenzeit zwischen ihrem Vergehen und der Strafe eine verschwindend kurze Dauer hatte. Dies drücken sie hier mit der Redewendung „zehn Tage" aus, während die klügeren selbst das für übertrieben halten. (Juusuf `Allii)

Wir haben die Auferstehung geleugnet, aber nun müssen wir feststellen, dass sie so bald nach unserem Tod tatsächlich stattfindet. (Darjabadi)

Wie an anderen Stellen im Qur’an (beispielsweise in Suura 2:259; 17:52 und 18:19) berührt dieser Aja den illusorischen Charakter des menschlichen Zeitempfindens und damit die Relativität der Zeit an sich. Die Zahl „zehn" bezeichnet im Arabischen oft „wenige". (Asad)

 

104. Wir wissen am besten,225 über was sie streiten. Dann wird derjenige unter ihnen, der der Wahrheit am nächsten kommt, sagen:226 „Ihr habt fürwahr nicht mehr als einen Tag verweilt!227

225. Dies bedeutet in diesem Zusammenhang: „Wir allein verstehen völlig." (Asad)

226. Vergleiche oben Aja 63 und die entsprechende Fußnote. Diejenigen die dies sagen, sind Menschen mit Klugheit und Lebenserfahrung, denn sie erkennen zuerst die neue Situation. (Juusuf `Allii)

227. Euer Verweilen war von kurzer Dauer. Hättet ihr das gewusst, so hättet ihr das Ewige dem Vergänglichen vorgezogen. (ibn Kasir)

Sowohl das Leben auf dieser Erde als auch die Zeitspanne zwischen Tod und Auferstehung sind sehr kurz. Da jene Menschen in diesem Leben keine Vorbereitungen für das. zukünftige Leben getroffen haben, werden sie nun bedauern, dass sie ihr ewiges Leben für einige wenige vergängliche Genüsse aufs Spiel gesetzt haben. (Maududi)

 

Abschnitt 6

105. Und sie228 befragen dich über die Berge.229 Sprich: „Mein Herr wird sie davontragen und zerstreuen,230

228. Nämlich die arabischen Götzendiener. (Darjabadi)

229. Werden sie bleiben oder werden die verschwinden? (ibn Kasir)

Der Text fährt fort mit den Bildern des Schreckens an jedem Tag. (Qutb)

Im letzten Aja war davon die Rede wie relativ und trügerisch die Zeit ist. Hier kommen wir zu der Frage des Raumes und der Festigkeit. Dem Propheten wurde tatsächlich die Frage gestellt: „Was wird aus den festen, soliden Gebirgen?" Diese haben nicht mehr Substanz als irgendetwas anderes in dieser vergänglichen Welt. Wenn die „neue Welt" (vergleiche Sure 13:5) tatsächlich ins Dasein kommt, bleiben diese Berge nicht mehr bestehen. Wir können uns den Schauplatz, wo es kein Oben oder Unten und keine Deckung gibt, vorstellen. Alles' ist eben und gerade, ohne Ecken und Winkel oder Geheimnisse oder lauernde Zweifel. (Juusuf `Allii)

230. In dem einen Wort “nasafa“ stecken die Gedanken von

1. mit den Wurzeln ausreißen;

2. wie Spreu und Staub verstreuen; und

3. wie Getreide schwingen. (Juusuf `Allii)

 

106. Und Er wird sie als verödete Fläche zurücklassen;231

231. „Er wird sie zurücklassen" - das Pronomen bezieht sich auf die Erde. (Asad)

 

107. Du wirst dort weder eine Erhöhung noch eine Senkung sehen."232

232. In der Eschatologie des Qur’an bedeutet das „Ende der Welt" keine Vernichtung des physischen Iniversums, sondern eine grundlegende, von dramatischen Phänomenen begleitete Umgestaltung in etwas, das sich der Mensch jetzt nicht vorstellen kann. Dies wird in vielen allegorischen Anspielungen auf den Jüngsten Tag zum Ausdruck gebracht, beispielsweise in Sure 14:48, wo von einem Tag die Rede ist, „an dem die Erde ebenso in eine andere Erde verwandelt wird wie auch der Himmel". (Asad)

Vergleiche auch Suura 84:3; 82:3; 81-6; 39:74 und ähnliche Stellen. Dies bedeutet, dass diese Erde letztendlich in ein Paradies verwandelt wird, das die aufrichtigen und rechtschaffenen Diener Allahs  erben. Die ganze Erde wird ein einziges Land, und es gibt keine Berge, Wüsten und Meere, wie sie die Erde heute in zahllose Länder und auch die Menschheit in eine Vielzahl von Stämmen, Rassen und Klassen unterteilen. (Maududi)

 

108. An diesem Tag werden sie233 dem Rufer234 folgen, der ihnen kein Ausweichen erlaubt.235 Alle Stimmen werden in Demut gesenkt sein vor dem Erbarmer236 und nichts wird zu hören sein außer dem leisen Tappen von Füßen.137

233. Nämlich das gesamte Universum, alle Geschöpfe. (Darjabadi)

234. Dem Engel, dessen Stimme alle Seelen ruft Und ihnen Anweisung gibt.  Dschibril ruft, wenn Israfil die Posaune geblasen hat. (Juusuf `Ali)

Der Engel Israfil, der sie zum Versammlungsort ruft. (Al-Dschalalain)

235. Wörtlich: „der Rufer, in dem es keine Abweichung gibt" - das heißt im Aufruf zum Jüngsten Gericht. (Asad)

Sie werden ihm eilend folgen, in allem, was er ihnen befiehlt. Hätten sie dies im Diesseits getan, so wäre es für sie vorteilhafter gewesen. (ibn Kasir)

Ein Zeichen ihrer vollkommenen Ergebenheit. (Qutb)

236. Als ob ein Sturm sich gelegt hat. Die versammelten Massen lauschen den Anordnungen, und alle Stimmen und Bewegungen wirken gedämpft. (Qutb)

Alle Laute werden sich demütigen: eine schöne Personifizierung. Zuerst erschallt der laute Klang der Posaune, dann hört man den sanften Ruf des Engels: „Steht auf!" Dann breitet sich die Stille der Ehrfrucht und Verehrung aus: nur das leise Auftreten der Füßte wird hörbar. (Juusuf `Allii)

237. Das arabische Wort “hams" wird für leises Auftreten von Füßen, für Füstern und für andere leise Laute benutzt. Es bedeute hier, dass die Menschen an jedem Tag so von Ehrfurcht überwältigt sind, dass kein Laut außer dem leisen Auftreten ihrer Füße und gedämpftes Flüstern zu hören ist. (Maududi)

 

109. An diesem rag ist jene Fürsprache nutzlos außer von jenem,238 der vom Erbarmer die Erlaubnis dazu erhalten hat und dessen Wort Ihm wohlgefällig ist.239

238. Vergleiche auch den Thronvers (Suura 2:255). Da das auf die Menschen bezogene Wort hier im Akkusativ steht, geht aus dem Satz hervor, dass die Fürsprache niemandem nützen kann als demjenigen, für den Gott die Erlaubnis zur Fürsprache gegeben hat und dessen Wort (der Umkehr) wahr und aufrichtig ist und deswegen von Gott akzeptiert werden kann. Andere übersetzen: Keine Fürsprache wird nützen außer durch diejenigen, denen Gott die Erlaubnis dazu gegeben hat und deren Wort (der Fürsprache) für Allah annehmbar ist. Die Bedeutung dieser beiden Sätze unterscheidet sich im Grunde jedoch nicht. (Juusuf `Allii)

239. Zur Vorstellung im Qur’an von „Fürsprache" vergleiche Suura 10:3 und die entsprechende Fußnote. Das „Wort", von dem am Ende dieses Verses die Rede ist, ist eine Umschreibung für das Bekenntnis, dass es außer Allah keinen Gott gibt, das heißt die Erkenntnis Seiner Einheit und Einzigartigkeit. Vergleiche auch Sure 19:87 und die entsprechende Fußnote. (Asad)

Hieraus gehen die Gründe dafür hervor, dass die Möglichkeit der Fürbitte eingeschränkt ist. Einerseits kann kein Engel, Prophet oder Heiliger alle Einzelheiten über den Lebenswandel anderer kennen. Andererseits hat Gott volle Kenntnis von allen Handlungen und Fehlern jedes einzelnen und weiß, wer Strafe und wer Vergebung verdient. Gäbe es volle Möglichkeit für Fürsprache, dann wäre der ganze Sinn der Schöpfung des Menschen verfehlt. Nach diesem Vers ist Fürsprache nicht völlig ausgeschlossen. Rechtschaffenen Menschen ist es erlaubt, ihre Sympathie für andere Menschen so zu zeigen, wie sie es in dieser Welt getan haben, aber sie brauchen dazu Gottes Erlaubnis und können dann nur auf rechte Weise Fürsprache einlegen. (Maududi)

Vergleiche auch Sure 78:38; 21:28 und 53:26. (Maududi)

 

110. Er weiß, was vor ihnen liegt und was hinter ihnen,240 während sie von all dem nichts wissen.241

240. Was das Jenseits angeht, das vor ihnen liegt, und was das Diesseits angeht, das sie hinter sich gelassen haben. (Al-Dschalalain)

Das gesamte Wissen gehört Gott, sie jedoch wissen nichts über Ihn. Die Ungerechten finden nur die Enttäuschung als Folge ihrer Ungerechtigkeit. Die Gläubigen hingegen sind zuversichtlich. Sie haben bei der Abrechnung keine Ungerechtigkeit zu befürchten, und keine von ihren guten Handlungen geht verloren. (Qutb)

Vergleiche Suura 2:255 und die entsprechende Fußnote. Der leichte Unterschied in der Formulierung, den ich versucht habe, auch in der Übersetzung anzudeuten, wird in seiner ganzen Schönheit verständlich, wenn wir darüber nachdenken, dass hier unsere Aufmerksamkeit auf den Tag des Gerichts gelenkt wird, während Suura 2:255 allgemein gefasst ist und sich auch auf die gegenwärtige Situation bezieht. (Juusuf `Allii)

241. Menschen oder andere geschaffene Wesen. (Darjabadi)

Während die einen meinen, dass das Pronom “bihi" (بِه) (von ihm) sich auf Allah bezieht, sagen die anderen, dass es sich auf die Dinge bezieht, die sich vor und hinter ihnen befinden. (Qutb)

 

111. Und die Gesichter werden sich vor Dem Lebendigen, Dem Ewigen in Ergebenheit neigen. Ohne Hoffnung wird jedoch sein, wer Unrecht mit sich trägt.242

242. Das Gleichnis von der Last der Missetaten, die die Ungerechten auf dem Rücken tragen, wird auch in Sure 6:31 und an anderen Stellen erwähnt, siehe auch oben Aja 100-101, und die entsprechende Fußnote. Beachte, dass alle Angesichter, die der Gerechten ebenso wie die der Ungerechten, sich vor Gott demütigen: selbst der beste von uns kann kein Verdienst beanspruchen, das Gottes Gnade aufwiegen kann. Die Gerechten werden jedoch Hoffnung haben, während die Ungerechten jetzt, nachdem sich der Schleier der Wirklichkeit gehoben hat, völlig verzweifelt sind. (Juusuf `Allii)

Sulm" ظُلْماً bedeutet gewöhnlich Ungerechtigkeit oder Unrecht. Hier wird dieses Wort als Antithese zu „und der gläubig ist" im nächsten Vers benutzt und bedeutet „Unglaube" und „Unrecht gegen sich selbst". (Darjabadi)

Das heißt Unrecht, das nicht durch Umkehr und Buße vor dem Tod abgegolten ist. In diesem besonderen Zusammenhang kann es auch auf die bewusste Ablehnung der göttlichen Rechleitung anspielen. (Asad)

 

112. Doch wer gute Werke getan hat und mu’min ist, der braucht weder Unrecht noch Benachteiligung zu befürchten.243

243. Weder werden ihre Sünden vermehrt noch werden ihre guten Taten gemindert. (ibn Kasir)

Vergleiche auch die vorige Fußnote. Im Gegensatz zu den Ungerechten werden die Rechtschaffenen, die gläubig waren, jetzt ihren Glauben berechtigt finden. Sie sind nicht nur frei von aller Angst vor Schaden, sondern sie werden auch voll belohnt oder - wie in anderen Abschnitten gesagt wird, wo Allahs Güte mehr als Seine Gerechtigkeit betont wird - sie erhalten mehr als den Lohn, den sie verdient haben. Vergleiche beispielsweise Suura 3:27 oder 39:10. (Juusuf `Allii)

Ihm wird weder ein Fehler zugeschrieben, den er nicht begangen hat, noch muss er eine Minderung des Lohnes Allahs hinnehmen. (Darjabadi)

Vergleiche auch Suura 16:96-97. (Asad)

Ein Mensch, der Allahs Rechte oder die Rechte seiner Mitmenschen oder sogar seine eigenen Rechte verletzt hat, wird entsprechend zur Rechenschaft gezogen. Diejenigen jedoch, die mu’min waren und recht gehandelt haben, brauchen nicht zu befürchten, dass ihre Rechte eingeengt werden oder dass sie zu Unrecht bestraft werden. (Maududi)
 

113. Und auf diese Weise244 haben Wir einen Qur’an in Arabisch herabgesandt245 und haben darin alle Einzelheiten in (immer wieder) abgewandelter Form dargelegt,246 auf dass sie247 mutaqi werden mögen248 oder damit es ihnen eine erneute Ermahnung und Erinnerung bringe.249

244. Wie oben in Aja 99 - an den dieser Abschnitt anschließt - bezieht sich das Adverb „kadälika" auf Methode und Zielsetzung des Qur’an. (Asad)

245. Vergleiche auch besonders Sure 12:2; 13:37; 14:4 und 19:97 sowie die entsprechenden Fußnoten. (Asad)

„A'raba" bedeutet wörtlich: „er sprach deutlich" oder „eindeutig" oder „verständlich". Die dem Wort „`arabiijan" عَرَبِيّاً zugrunde liegende Idee ist die Eindeutigkeit und Verständlichkeit der Qur’anischen Vorstellungen. (Darjabadi)

246. Vom zukünftigen Leben und von der Hölle. (Darjabadi) 247. Nämlich die Menschheit. (Darjabadi)

248. Damit sie Allah fürchten. (Juusuf `Ali)

Auf dass sie die Sünden, das Verbotene und die Abscheulichkeiten meiden. (Ibn Kasir)

Damit sie die Folgen ihres Kufrs und Unrechts fürchten. (Darjabadi)

249. Der Qur’an ist in deutlichem Arabisch abgefasst, damit selbst ungebildete Leute wie die damaligen Araber ihn begreifen und Nutzen von seinem Warnungen haben können, und dass alle übrigen Menschen über sie daraus lernen können, wie es in den ersten Jahrhunderten des Islam geschah, und wie es wieder geschehen kann, sobald wir Muslime uns würdig erweisen, seine Bedeutung zu erklären und zu erläutern. Die Bösen werden gewarnt, damit sie umkehren. Die Guten werden in ihrem Glauben gefestigt und durch Ermahnung und ihre Erinnerung an Ihn gestärkt. (Juusuf `Allii)

Ermahnung und Erinnerung: ein Schritt zum wahren Glauben. (Darjabadi)

Das Verb „achdata" bedeutet: „er brachte (etwa) ins Dasein", das heißt neu oder zum erstenmal, während das Wort „Sikr" ذِكْر „Erinnerung", „Ermahnung", „Bewusstsein" bedeutet: ,,...so dass Menschen sich Unserer bewusst bleiben, oder dass (der Qur’an) ein neues Bewusstsein in ihnen entstehen lässt". (Asad)

Dieser Qur’an erweckt sie vielleicht aus ihrer Achtlosigkeit, so dass sie sich wieder an die längst vergessenen Lehren erinnern und fühlen, dass sie irregegangen sind und die Folgen fürchten. (Maududi)

 

114. Und hoch erhaben ist Allah,250 Der König der Wahrheit.251 Und übereile dich nicht mit dem Qur’an,252 ehe Seine Offenbarung an dich nicht beendet ist,253 sondern sprich: „O mein Herr, mehre mich an Wissen!"254

250. Erhaben ist Er in Seinem Wesen und Seinen Attributen über alle geschaffenen Wesen. (Darjabadi)

Erhaben ist Er über das, was ihm die Götzendiener zuzuschreiben versuchen.

(Al-Dschalalain)

Hocherhaben ist Allah, Der Wahre König, dem die Gesichter sich in Demut zuwenden, und in Dessen Gegenwart die Ungerechten ihre Erfolglosigkeit zu spüren bekommen. Die Mu’mins hingegen finden Ruhe und Zuversicht unter Seinem Schutz. (Qutb)

251. Und die Urheber dieses erhabenen Buches. (Darjabadi)

Wenn das Wort „Al-Haq" الْحَقُّ auf Allah bezogen ist, bedeutet es „die Wahrheit" im absoluten Sinne, ewig und unveränderlich und jenseits der vergänglichen, veränderlichen Phänomene Seiner Schöpfung existierend: die Absolute Wahrheit. Gottes Attribut „ِAl-Malik"  الْمَلِكُbezeichnet andererseits Seine absolute Herrschaft über alles Existierende und kann daher mit „der absolute Souverän" übersetzt werden. (Asad)

Sätze wie diesen findet man im Qur’an oft am Ende eines Themas, so dass dieses mit Gottes Lob und Preis abgeschlossen wird. (Maududi)

252. „Laa T’adschal bihi" َلَا تَعْجَلْ به (versuche dich nicht damit zu beeilen) kann man verschieden interpretieren.

Zum einen heißt es: Rezitiere ihn nicht, bevor er für dich verständlich geworden ist. Oder: Suche nicht, seine Herabsendung zu beschleunigen. (Qutb)

Gott steht über jedem menschlichen Ereignis oder Wunsch. Sein Plan ist allumfassend. Er ist die absolute Wahrheit, und Sein Reich ist das wahre Reich, in dem Sein Wille zur Geltung kommt. Diese Wahrheit entfaltet sich allmählich wie in der allmählichen Offenbarung des Qur’an an den Propheten Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm. Aber selbst nachdem dieser in einem abgeschlossenen Buch zusammengefasst war, entfaltet sich seine wirkliche Bedeutung und Zielsetzung nur allmählich den einzelnen Personen oder Gemeinschaften. Niemand sollte diesbezüglich ungeduldig sein. Im Gegenteil, wir sollen immer um Vermehrung unseres eigenen Wissens beten, das niemals vollständig sein kann. (Juusuf `Allii)

253. Wenn du fürchtest, einen Teil des Qur’ans aus dem Gedächtnis zu verlieren. (Darjabadi)

Der Prophet pflegte während der Offenbarung des Qur’ans, und bevor er beendet war, die Worte und Verse des Qur’ans sogleich zu wiederholen, aus Angst diese zu vergessen. Gott sendet diesen Qur’an herab, darum haste nicht, ihn zu wiederholen. Denn Allah, Der die Offenbarung aufgrund einer Weisheit herabsandte, wird es niemals erlauben, dass er verloren geht. (Qutb)

254. Dir obliegt es, deinen Herrn zu bitten, dass Er dein Wissen vermehrt, im Vertrauen darauf, dass das, was Er dich lehrt, das Richtige ist, und fürchte nicht, Er könnte etwas verloren gehen lassen. Wissen ist nur das, was Gott lehrt, denn es ist das Beständige, das Nutzen bringt und niemals schadet, das fruchtet und niemals enttäuscht. (Qutb)

Wissen umfasst Erinnerung, richtiges Verständnis, kurz alles, was Wissen erwirbt und bewahrt. (Darjabadi)

Obwohl sich - wie die klassischen Kommentatoren betonen - diese Ermahnung in erster Linie auf den Propheten Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, bezieht, richtet sie sich zweifellos an jeden Menschen zu jeder Zeit, der den Qur’an liest. Die diesem Vers zugrunde liegenden Gedanken können wie folgt zusammengefasst werden: da der Qur’an Allahs Offenbarung ist, bilden alle seine Bestandteile - Redewendungen, Sätze, Verse und Suren - ein integriertes Ganzes (vergleiche auch den letzten Satz von Sure 25:32 und die entsprechende Fußnote). Wenn jemand also wirklich die Botschaft des Qur’an verstehen will, muss er auf einen hastigen Zugang verzichten - das heißt auch auf übereilte Schlussfolgerungen aus einzelnen, aus dem Zusammenhang gerissenen Sätzen oder Versen - und stattdessen sich der Möglichkeit öffnen, dass sich der ganze Qur’an seinem Verständnis offenbart, bevor er anfängt, einzelne Aspekte seiner Botschaft zu interpretieren. Vergleiche auch Suura 75:16-19 und die entsprechende Fußnote. (Asad)

Aus der Formulierung dieses Ajas geht hervor, dass der Prophet Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, versuchte, die offenbarten Erläuterungen zu lernen und sie während des Vortrags durch den Engel wiederholte. Dies konnte seine Aufmerksamkeit vom Zuhören ablenken und ihn daran hindern, den Sinn zu verstehen. Deswegen war es hier notwendig, ihn die rechte Weise des Empfangs dieser Botschaft zu lehren und ihn aufzufordern, sie nicht schon während der Offenbarung auswendig zu lernen. Dieser Teil der Suura ist eine der frühesten Offenbarungen. Auch in anderen Suren gibt es ähnliche Ermahnungen beispielsweise in Sure 75:16-19 und 87:6. (Maududi)

 

115. Wir haben bereits vordem mit Adam einen Bund geschlossen.255 Doch er vergaß256, und Wir fanden keine Standhaftigkeit bei ihm.257

255. Hier beginnt ein neues Thema. Dieser Abschnitt wurde wahrscheinlich einige Zeit nach dem vorigen offenbart und auf Allahs Gebot in die Suura eingeführt, weil es an dasselbe Thema anschließt. Folgendes sind die Verbindungspunkte:

1. Beide erinnern den Menschen an die „vergessene Lehre", nämlich jene Ermahnung, die Allah den Menschen seit Anbeginn der Schöpfung gelehrt hat.

2. Beide lehren, dass Scheytan den Menschen veranlasst, diese Lehre zu vergessen, wie er es bei unseren Ureltern mit Erfolg getan hat und in der Folgezeit immer wieder.

3. Beide warnen uns, dass unser letztendlicher Erfolg oder Misserfolg von unserer Einstellung zu dieser Ermahnung abhängt.

4. Beide warnen die Menschen, zwischen unbeabsichtigtem Irrtum und sichtlicher Rebellion zu unterscheiden. Wenn ein Mensch wie Adam (oder beispielsweise die ägyptischen Zauberer bei Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm) einsieht, dass er von Scheytan verführt worden ist, und seinen Fehler bereut, dann wird ihm vergeben. Für absichtliche Rebellion wie im Fall von Scheytan, Pharao und Saamiri ist keine Vergebung möglich. (Maududi)

Entweder fängt hier eine völlig neue Geschichte an, die mit der vorherigen in keinem Zusammenhang steht, oder aber es lässt sich eine Beziehung zum letzten Vers herstellen. Wie nämlich an den Propheten Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, hier der Auftrag ergeht, sich nicht mit dem Qur’an zu beeilen, wird ihm das Beispiel Adams, Allahs Segen und Frieden auf ihm, vor Augen geführt. An ihn war auch eine Verpflichtung ergangen, die er aber nicht einhielt. Damit hatte er sich eine Strafe eingehandelt, und dies soll sich der Prophet Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, zu Herzen nehmen. (Qutb)

256. Nachdem vom individuellen Fall zweier Seelen - Pharao und Saamiri - die Rede war, die eine durch unverschämte Arroganz und die andere durch Boshaftigkeit und falsche Nostalgie, wird unsere Aufmerksamkeit jetzt auf den Prototyp des Bösen gelenkt, der Adam, Allahs Segen und Frieden auf ihm, verführte, und auf die Tatsache, dass der Mensch- eindeutig vor dem Bösen gewarnt worden war, das nur zu seinem Untergang führt - der Mensch jedoch zeigte so wenig Festigkeit, dass er diesem sofort nachgab. (Juusuf `Ali)

Das entsprechende göttliche Gebot - oder die Warnung - finden wir in Aja 117. Dieser Abschnitt schließt an Aja 99 an, wo die Rede davon ist, dass Gott einige der Geschichten aus der Vergangenheit wiedergibt, und soll zeigen, dass eine der immer wieder auftretenden Eigenschaften der Menschheit die ist, geistige Wahrheiten zu vernachlässigen. Die Menschheit wird hier wie auch an anderen Stellen durch Adam symbolisiert. (Asad)

Vergleiche auch Suura 11:30-39; 7:11-27; 15:28-42; 17:61-65 und 18:51-52. Jedesmal ist nur ein Teil der Geschichte wiedergegeben, der in dem jeweiligen Zusammenhang zur Veranschaulichung relevant ist. Um die ganze Geschichte gut zu verstehen, sollte sie in allen Suren zusammen mit den entsprechenden Fußnoten gelesen werden. (Maududi)

Er vergaß, dieses Gebot einzuhalten. (Darjabadi)

257. In dieser speziellen Angelegenheit. (Darjabadi)

Er gehorchte diesem Gebot nicht, weil ihm Festigkeit fehlte, nicht aus absichtlicher Auflehnung. Er war nicht stark genug, Scheytans Verführung zu widerstehen. Dies wird auch aus seiner Reue deutlich. (Maududi)

„'Asm" عَزْماً (Standhaftigkeit) bedeute Einhaltung der Gebote, die ihm auferlegt sind. (Qutb)

 

Abschnitt 7

116. Und (gedenke der Zeit) als Wir zu den Engeln sagten: „Werft euch vor Adam nieder!" Da werfen sie sich (alle vor ihm) nieder. bis auf Iblis. Er weigerte sich.259

259. In diesem Aja erinnert Allah daran, wie Er Adam, Allahs Segen und Frieden auf ihm, ehrte und ihn erhob. Seine Geschichte, die schon zuvor in den Suuras 2, 7, 15 und 16 erzählt wurde, wird am Ende dieser Suura wieder aufgenommen, um auf die alte Feindschaft zwischen Iblis und Adam, Allahs Segen und Frieden auf ihm, und seiner Nachkommenschaft hinzuweisen. (ibn Kasir)

Vergleiche Suura 2:30-34 und die entsprechenden Fußnoten. Da die Fähigkeit zum begrifflichen Denken besonders dem Menschen gegeben ist, ist sein „Vergessen" des Gebotes Allahs infolge mangelnder Festigkeit auf dem Gebiet der Ethik ein Anzeichen der moralischen Schwäche, die für das Menschengeschlecht charakteristisch ist (vergleiche Suura 4:28). Dies wiederum erklärt die Abhängigkeit des Menschen von ständiger Rechtleitung Allahs, wie oben in Aja 113 angedeutet wurde. (Asad)


 

117. Da sprachen Wir: „O Adam Wahrlich, dieser260 ist dir und deiner Gefährtin ein Feind.261 Darum lasst ihr beide euch nicht von ihm aus dem Paradiesgarten vertreiben262 und euch ins Elend stürzen.263

260. Auf Scheytan bezogen. (Darjabadi)

Das Gebot, nicht von der Frucht eines bestimmten Baumes zu essen, wird hier nicht erwähnt, wohl aber an anderen Stellen. Es wurde hier ausgelassen, weil der Schwerpunkt hier auf der menschlichen Schwäche liegt, sich leicht von Scheytan verführen zu lassen, sogar trotz der Vorwarnung. (Maududi)

261. Beide wussten, dass Scheytan ihr Feind war, Adam, Allahs Segen und Frieden auf ihm, schließlich hatte bereits eine Demonstration seiner Feindschaft erlebt, als jener sich weigerte, sich vor Adam, Allahs Segen und Frieden auf ihm, niederzuwerfen, und dies damit begründet, er sei besser als das Wesen, das Gott aus Erde erschaffen hat (vergleiche Suura 7:12, 38:75 und 15:33). Scheytan ließ es nicht bei einer Erklärung seiner Überlegenheit bewenden, sondern erklärte offen, er wolle seine Behauptung beweisen, indem er Adam, Allahs Segen und Frieden auf ihm, verführen werde (siehe Suura 7:16-17; 15:36-42; 17:62-66 und 38:82-83). (Maududi)

262. Damit sollten beide vor den Folgen eines Ungehorsams gegen Allahs Gebot gewarnt werden. (Maududi) Nehmt euch also in Acht vor seiner List und Verführungskunst. (Darjabadi)

263. Durch Abmühen und Arbeit, Umherschweifen und Umherirren, Unruhe und Ratlosigkeit, Sehnsucht und Erwartung, Schmerz und Verlust. (Qutb)

Sonst wirst du dich für deinen Lebensunterhalt abmühen müssen. (ibn Kasir)

Diese Geschichte soll hier die Aufmerksamkeit des Lesers auf die Unvernunft des Menschen lenken, durch die dieser blindlings dem Bösen in die Arme läuft, obwohl er vorher gewarnt worden ist. (Juusuf `Allii)

 

118. Du hast darin fürwahr genug, um weder hungern zu müssen noch nackt zu sein.264

264. Während Hunger eine innere Not bedeutet, stellt der Mangel an Kleidern eine äußere dar. (ibn Kasir)

Der Mensch ist nicht nur davor gewarnt worden, dass das Böse sein Feind ist und seinen Untergang herbeiführen will, sondern es wurde auch deutlich darauf hingewiesen, dass im Garten der Glückseligkeit für alle Bedürfnisse des Menschen gesorgt würde. Nahrung und Kleidung und Schutz stehen reichlich zur Verfügung. Dabei müssen wir verstehen, dass es sich bei diesem Garten um einen geistigen Garten handelt und demnach auch um geistige Güter: Dinge, die die Seele ernähren und erfreuen, die ihr ein ästhetisches Schönheitsgefühl vermitteln und sie vor den Extremen der. Leidenschaft und der Emotionen schützen.

(Juusuf `Allii)

 

119. Auch brauchst du darin weder unter Durst zu leiden noch unter Sonnenhitze."265

265. Wie im vorigen Aja sind hier die beiden Begriffe entgegengesetzt. Denn während Durst eine innerliche Hitze bedeutet, weist die Sonnenhitze auf eine äußerliche Qual. (ibn Kasir)

Diese vier Begriffe bezeichneten zum ersten Mal die menschliche Anstrengung, zu Nahrung, Kleidung, Trank und Schatten zu gelangen. (Qutb)

Für die Erfüllung aller deiner Bedürfnisse ist bereits gesorgt worden. (Darjabadi)

Wenn ihr den Versuchungen Scheytans nachgebt, verliert ihr nicht nur diese vier hier erwähnten Grundannehmlichkeiten des Lebens, sondern auch die höheren Segnungen dieses Gartens. Für diese Grundbedürfnisse zu arbeiten nimmt dann so viel Zeit in Anspruch, dass ihr kaum die Muße habt, nach den höheren Zielen des Lebens zu streben. (Maududi)

 

120. Doch Scheytan flüsterte ihm Böses ein.266 Er sprach: „O Adam! Soll ich dich zum Baum der Ewigkeit267 führen und zu einem Königreich, das nie vergeht?"268

266. Nachdem er vorgegeben hatte, sein Freund zu sein und nur das Beste für ihn zu wollen. (Darjabadi)

Beachte, dass in diesem Aja die Rede davon ist, dass Scheytan Adam, Allahs Segen und Frieden auf ihm, verführte und nicht in erster Linie seine Frau, Nach Suura 7:20 wurden beide in Versuchung geführt und fielen ihr zum Opfer. Dies steht im Gegensatz zum biblischen Bericht in Genesis 3:1-9, wo Scheytan erst die Frau verführte und diese dann den Mann. (Maududi)

267. Der dich unsterblich macht, so dass du dich niemals aus Allahs Gegenwart entfernen kannst. (Darjabadi)

Diese Suggestion des Bösen ist so ausgeklügelt wie immer: sie ist falsch und gleichzeitig einleuchtend. Sie ist falsch, denn

1. war das Glück der Menschen nicht vergänglich wie in dieser Welt, und

2. hatten sie in diesem Garten einen hohen Rang, und ein „Königreich", so wie es ihnen vorgespiegelt wurde, hätte sie nur degradiert und ihnen Trauer bereitet. Die Argumente waren einleuchtend, den

1. hatten sie nichts über die Ewigkeit erfahren, denn das Gegenteil von Ewigkeit war noch nicht bekannt, und

2. die Süße des Machtgefühls entsteht aus dem Anreiz des Ego, und das Ego ist eine verführerische (wenn auch trügerische) Attraktion, die den Willen irreführt. (Juusuf `Allii)

268. Nach diesem Aja versuchte Scheytan Adam mit den Argumenten, er würde dann ewiges Leben und ein unvergängliches Königreich erlangen, und nach Suura 7:20 folgte eine zusätzliche Versuchung, indem er den beiden versprach, sie würden unsterbliche Engel werden. (Maududi)

Beachte, dass es sich beim Menschen um ein Wesen handelt, vor dem sich sogar die Engel niederwerfen sollten (siehe oben Aja 116 und andere Stellen im Qur’an). Indem der Mensch der Versuchung Scheytans nachgab, „vergaß" er nicht nur Allahs Gebot, sondern seine eigentliche Würde als „Statthalter Allahs auf der Erde" (vergleiche Suura 2:30 und die entsprechende Fußnote). (Anm. d. Übers.)

Adam, Allahs Segen und Frieden auf ihm, besaß bis dahin keine Erfahrungen. Er trug in sich die menschliche Schwäche, ewiges Leben und Macht zu begehren. Durch diese Lücke drangen die Worte des Scheytans zu ihm ein. (Qutb)

 

121. Da aßen sie beide davon269 und ihre Blöße wurde ihnen bewusst270 und sie begannen, sie mit zusammengefügten Blättern des Paradiesgartens zu bedecken.271 So widersetzte sich Adam seinem Herrn272 und verfiel dem Irrtum.273

 

269. Von der Frucht des verbotenen Baumes. (Darjabadi)

270. Bisher waren sie mit dem Gewand der Unschuld bekleidet und kannten das Böse nicht. Nachdem nun aber der Ungehorsam gegen Allah ihre Seele befleckt und das Gewand der Unschuld weggenommen hatte, erschien ihnen ihr beflecktes Selbst in all seiner Nacktheit und Hässlichkeit, und sie mussten zu äußerlichen Dingen (den Blättern des Gartens) greifen, um die Scham ihres Selbstbewusstseins zu bedecken. (Juusuf `Allii)

271. Offensichtlich waren die Schamteile ihres Körpers sinnlich wahrnehmbar. Was zu dieser Vermutung führt, ist, dass sie sich darum bemühten, sie mit zusammengefügten Blättern des Paradieses zu bedecken. (Qutb)

Kaum hatten sie gegen Allahs Gebot verstoßen, als sie alle ihre Möglichkeiten verloren. Die unmittelbare Wirkung, die sie verspürten, bestand jedoch darin, dass sie sich ihrer „Kleidung" beraubt fühlten. Als sie dann allmählich auch Hunger, Durst und so weiter zu spüren bekamen, wussten sie, dass sie den Garten verloren hatten. (Maududi)

272. Durch eine große Fehlentscheidung. Dieser Akt des Ungehorsams war alles andere als ein Anzeichen für Verderbtheit oder schändliche Veranlagung, sondern entsprang letztendlich Adams, Allahs Segen und Frieden auf ihm, Wunsch, ewig in Allahs Anwesenheit zu verweilen. (Darjabadi)

273. Er verdarb sich das Leben. (Qurtubi)

Adam, Allahs Segen und Frieden auf ihm, hatte die Entscheidungsfreiheit erhalten und falsch gewählt. Nun war er in der Schlinge des Bösen gefangen. Aber Allahs Gnade kam ihm zu Hilfe. Seine Reue wurde angenommen, und wie aus dem nächsten Aja hervorgeht, erwählte Allah ihn für seine Barmherzigkeit. (Juusuf `Allii)

Es ist wichtig, das Wesen der menschlichen Schwäche zu verstehen, der Scheytan half, Adam und seine Gefährtin, Allahs Segen und Frieden auf ihnen beiden, zu verführen. Sie erlagen der Versuchung, weil Scheytan ihnen als scheinbar aufrichtiger Freund gegenüberstand, während sie eigentlich hätten wissen müssen, dass er ihr Feind war. Erstens hatten sie direkt seine Verachtung und Drohungen erfahren müssen, und zweitens hatte Allah sie gewarnt und über die Folgen eines möglichen Ungehorsams in Kenntnis gesetzt. Trotzdem erlagen sie der Versuchung sie vergaßen Allahs Gebot, weil ihnen die Festigkeit der Absicht fehlte. Diese menschliche Schwäche findet sich in Adams Nachkommen durch alle Zeitalter hindurch wieder. (Maududi)

 

122. Dann (aber) erwählte ihn sein Herr und wandte ihm Seine Gnade wieder zu274 und gewährte ihm Rechtleitung.275

274. Er erwählte ihn zum Propheten und ließ ihn sich Ihm wieder nähern. (Safwat Al-Bajaan)

Nachdem Adam, Allahs Segen und Frieden auf ihm, seine Tat bereute und um Vergebung und Verzeihung bat. Dies wird jedoch hier nicht gesondert erwähnt, weil Allahs Barmherzigkeit im Mittelpunkt der Thematik steht. (Qutb)

Sein Herr erwählte ihn - denn er war nicht absichtlich ungehorsam gewesen oder hatte auf seinem Ungehorsam beharrt. Nachdem er sein Irrtum eingesehen hatte, bat er Allah um Vergebung. Vergleiche auch Suura 7:23. Im Gegensatz zu Adam und seine Gefährtin, Allahs Segen und Frieden auf ihnen beiden, Scheytan verflucht, denn er war nicht nur ungehorsam gewesen, sondern hatte auch auf seiner Einstellung bestanden und sogar Ihn herausgefordert und Ihm die Ursache für seinen Ungehorsam vorgeworfen. (Maududi)

275. Sein ganzes Leben lang. (Darjabadi)

Und gab ihm Gelegenheit, sich im irdischen Leben zu bewähren. (Anm. d. Übers.)

 

123. Er sagte: „Geht hinunter von hier allesamt,276 die einen von euch sollen den anderen Feind sein.277 Doch wenn dann zu euch Rechtleitung von Mir kommt, soll derjenige, der Meiner Rechtleitung folgt, weder irregehen noch unglücklich sein.278

276. Allah vergab dem Menschen nicht nur, sondern gab ihm Rechtleitung und lehrte ihn, dieser zu folgen. (Maududi)

Adam und seine Gefährtin, Allahs Segen und Frieden auf ihm, und allen nach ihnen kommenden Generationen. (Al-Dschalalain)

277. Die kleinen Unterschiede zwischen dieser Stelle und Suura 2:38 sind lehrreich, denn sie zeigten, wie deutlich das jeweilige Argument illustriert wird. “Ichbitaa“  („geht hinab" اهْبِطَا) steht hier im Dual und bezieht sich auf zwei individuelle Seelen, unsere gemeinsamen Vorfahren. In Suura 2:33 steht “ichbituu“ im Plural und umfasst die Menschheit sowie auch Scheytan, denn es geht dort um das kollektive Leben des Menschen. “Allesamt" schließt andererseits wiederum auch Scheytan mit ein, den Geist des Bösen, und die “gegenseitige Feindschaft" bezieht sich auf die ewige Auseinandersetzung zwischen Mensch und Scheytan, zwischen unserer besseren Natur und dem Bösen. (Juusuf `Allii)

278. Wer Allahs Rechtleitung folgt, ist vor Irrtum und Leid auf der Erde gefeit. Dies gilt als Ersatz für das verlorene Paradies, bis er wieder dahin zurückkehrt. (Qutb)

Aus demselben Grund wie in der letzten Fußnote ist hier von den Folgen der Rechtleitung für das Individuum die Rede, das heißt es wird vor Irrtum und Elend gerettet. In Suura 2:38 werden die Folgen, auch wenn sie sich auf Individuen beziehen, eher kollektiv ausgedrückt: “sie brauchen keine Angst zu haben noch müssen sie traurig sein". (Juusuf `Allii)

Damit gab Allah demjenigen, der den Qur’an zitiert und sein Handeln nach ihm richtet, die Gewähr, dass er im Diesseits nicht irregehen wird und kein Unglück und Leid im Jenseits erleiden soll. (Qurtubi)

Hiermit endet die Geschichte Adams, Allahs Segen und Frieden auf ihm. Vergleiche auch den biblischen Bericht in Genesis 3. Die Unterschiede zeigen deutlich, dass es sich bei der im Qur’an wiedergegebenen Geschichte nicht um eine Abschrift aus der Bibel handelt, denn der Qur’an stellt den Sinn wieder her und korrigiert im Laufe der Zeit entstandene falsche Ansichten nicht nur über Adam und seiner Gefährtin, Allahs Segen und Frieden auf ihnen beiden, sondern auch über Allah selbst. (Maududi)

 

124. Wer sich aber von Meiner Ermahnung abwendet, dem ist ein Leben in Drangsal beschieden,279 und am Tag der Auferstehung werden Wir ihn blind (vor Uns) versammeln."280

279. In dieser Welt. Der Islam ist der Grundfaktor für die Moral, und wer sich vom Islam abwendet, befindet sich in einem steuerlosen Boot im Ozean. Solche Menschen laufen ihr ganzes Leben lang Illusionen nach und folgen Irrlichtern. Selbst in moderner Zeit haben Forscher herausgefunden, dass der Islam einen großen Einfluss auf die Selbstmordrate hat, so dass diejenigen, die einer Überzeugung folgen, selten Selbstmord begehen. (Darjabadi)

Es ist ein Leben voller Ratlosigkeit, Sorge und Zweifel. (Qutb)

Ein Leben in Drangsal muss nicht unbedingt Armut bedeuten. Es bedeutet, dass ein solcher Mensch keinen inneren Frieden erlangt, selbst wenn er ein Millionär oder ein Herrscher über ein ausgedehntes Imperium ist. Jemand, der sich von Allahs Ermahnung abwendet, kann zwar irdischen Erfolg erlangen, aber er tut dies auf unrechtmäßige Weise und wird daher immer unter Gewissensbissen leiden und kann kein wahres Glück erlangen. (Maududi)

280. Dies könnte die sinnliche und geistige Sehkraft einschließen. (ibn Kasir)

Wie in den letzten beiden Ajas, so gibt es auch hier im Text einen geringfügigen Unterschied zu Suura 2:39. Die Folgen der Ablehnung gegenüber der göttlichen Rechtleitung werden hier mehr individuell ausgedrückt: ein Leben in Drangsal, und eine Blindheit, die dieses Leben überdauert. Ein Leben in Drangsal bedeutet

1. ein Leben, von dem alle guten Einflüsse der weiten Welt Allahs ausgeschlossen sind;

2. ein Leben für das Ego, nicht für alle; und

3. wenn der Blick ausschließlich auf die Genüsse dieses Lebens gerichtet ist, versäumt der Mensch die wahre Realität. (Juusuf `Allii)

 

125. Er wird sagen: „O mein Herr! Warum hast Du mich blind (vor Dir) erscheinen lassen, wo ich doch vordem sehend war?"281

281. Da Allah ihm in diesem “Leben auf Bewährung" physisches Augenlicht gegeben hatte, meint er nun, er würde in der wirklichen Welt, auf die es tatsächlich ankommt, ausgezeichnet werden. Dabei hatte er doch seine physische Sehfähigkeit missbraucht und sich selbst für das zukünftige Leben blind gemacht. (Juusuf `Allii)

Diese Blindheit ist symbolisch für das absichtliche nicht-sehen-Wollen in diesem Leben. (Darjabadi)

 

126. Und (Allah) wird antworten: „So wie du Unsere Zeichen, die zu dir gekommen sind, vergessen hast,282 so wirst du heute vergessen."283

282. Du hast dich ihnen gegenüber absichtlich blind gestellt. (Darjabadi)

283. Du warst absichtlich blind für Allahs Zeichen: jetzt kannst du nicht Allahs Gnade sehen und wirst auf diese Weise davon ausgeschlossen. (Juusuf `Allii)

Im Qur’an sind verschiedene Zustände beschrieben worden, die ein Ungerechter im zukünftigen Leben erfährt. Vergleiche Suura 50:22; 4:42-43; 17:13-14 und andere Beispiele. Die Ungerechten werden im zukünftigen Leben furchtbare Dinge sehen, während sie in anderer Hinsicht blind sind. (Maududi)

 

127. Auf diese Weise284 vergelten Wir dem, der maßlos ist285 und nicht an die Zeichen seines Herrn den Iman verinnerlicht.286 Doch die Strafe im Jenseits ist wahrlich noch strenger und anhaltender.

284. Dies bezieht sich auf das „Leben in Bedrängnis", das denen zuteil wird, die sich in ihrem irdischen Leben von Allahs Ermahnung abwenden. (Maududi)

285. Der die Grenzen des Gesetzes übertritt. (Darjabadi)

286. Blindheit in der Welt ewiger Wirklichkeit ist viel schlimmer als physische Blindheit in dieser Welt der Bewährung. (Juusuf `Allii)

 

128. Hat (es) ihnen287 denn nicht den rechten Weg gewiesen, wie viele Generationen Wir vor ihnen vernichtet haben,288 in deren Wohnstätten sie (jetzt) umhergehen? Wahrlich, darin sind Zeichen für jene, die Verstand besitzen.289

287. Nämlich den makkanischen Götzendienern. (Darjabadi)

288. Deren Ruinen sie mit eigenen Augen sehen. Dies bezieht sich in erster Linie auf die alten Nationen in Arabien wie die `Ad und Taamuud. (Darjabadi)

289. Vergleiche oben Aja 54, wo dieser Satz Muusa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, Argument gegenüber dem Pharao abschließt. Dort war Pharao Allah und Allahs Zeichen gegenüber blind. Jetzt wird damit das allgemeingültige Argument gegenüber Menschen an sich abgeschlossen. Niemand ist so blind wie jemand, der nicht sehen will. (Juusuf 'Allii

Warum lassen sich diese Leute nicht rechtleiten, obgleich in dem Untergang früherer Völker genug Mahnung liegt, die Leute von Verstand zum Islam führen müsste. (Qutb)

Haben sie denn keine Angst, dass ihnen das gleiche widerfährt, wie den Kafirs vor ihnen? (Qutb)

Gründe genug, auf den Propheten Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, zu hören. (Darjabadi)

In diesen Lehren der Geschichte, in der Beobachtung archäologischer Funde und in der Erfahrung der Menschheit. (Maududi)

 

Abschnitt 8

129. Und wäre nicht ein Wort von deinem Herrn vorausgegangen290 und gäbe es nicht eine festgesetzte Frist,291 so wäre (das Urteil) gewisslich schon ergangen.292

290. Dass Er niemanden bestraft, ehe der Beweis gegen ihn erbracht ist. (ibn Kasir)

Vergleiche Suura 10:19 und 11:110 sowie die entsprechenden Fußnoten. In Allahs erhabenem Plan und Seiner Zielsetzung sind alle Interessen wiese aufeinander abgestimmt, und alle bekommen eine barmherzige Chance und Gelegenheit, die Gerechten ebenso wie die Ungerechten. Sein Urteil oder Wort bleibt bestehen. Die Bösen bekommen eine Frist, in der sie zur Umkehr finden können. Wäre dies nicht der Fall, dann müsste sie die Strafe für ihre Untaten längst getroffen haben. (Juusuf 'Allii)

291. Für Allahs Strafe. (Darjabadi)

292. Hier und jetzt, unmittelbar in dieser Welt. (Darjabadi)

 

130. Darum ertrage geduldig293, was sie sagen294 und lobpreise deinen Herrn295 vor dem Aufgang der Sonne296 und bevor sie untergeht,297 und während der Nacht,298 und lobpreise (Ihn) an den Enden des Tages,299 damit du wohlzufrieden sein kannst.300

293. Dies ist in erster Linie an den Propheten Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, gerichtet. (Darjabadi)

294. Ertrage in Geduld das, was sie an Kufr, Spott, Ablehnung und Ausflüchten äußern, und sei nicht traurig deswegen. Wende dich ganz deinem Herrn zu. (Qutb)

Womit sie dich beschimpfen als Zauberer, Wahrsager und Lügner. (Qurtubi)

295. Im Gebet. (Darjabadi)

Alle guten Menschen müssen geduldig ertragen, was sie in ihrer Umgebung an Bösem sehen. Dies bedeutet nicht, dass sie stillhalten und nichts tun sollen, das Böse zu bekämpfen, denn der Kampf gegen das Böse ist einer der wichtigsten Punkte im Islam. Hier wird ihnen jedoch gesagt, dass sie nicht ungeduldig sein sollen. Sie sollen zu Allah beten und mit Ihm in Verbindung bleiben, so dass ihr Iman und ihre Geduld gestärkt wird und sie besser in der Lage sind, dem Bösen zu begegnen. Auf diese Weise erlangen sie nicht nur Kraft, sondern auch geistige Freude. (Juusuf `Allii)

296. In der Stille des Morgens, wenn er anfängt zu atmen und sich dem Leben öffnet. (Qutb)

Beim Morgengebet. (Darjabadi)

297. Beim Nachmittagsgebet. (ibn Kasir)

298. Beim Abend- und Nachtgebet. (Darjabadi)

299. “Taraf", Plural “Atraaf“ bedeutet Seiten, Enden, Extremitäten. Wenn wir den Tag mit einer aufrechtstehenden zylinderförmigen Figur vergleichen, sind Boden und Oberteil eindeutig kenntlich, nicht aber die Seiten. Diese wären denn “Atraaf" (Plural), nicht “Tarafain" (Dual). Das Gebet vor dem Sonnenaufgang ist eindeutig “Fadschr"; das vor dem Sonnenuntergange ist “'Asr"; „ein Teil der Stunden der Nacht würde auf „Magrib" hinweisen (gleich nach Sonnenuntergang; und “’Ischa" vor dem Schlafengehen. Übrig bleibt “Suchr" , das auf der indefiniten Seite oder in der Mitte des Tages liegt: es kann unmittelbar nach der Neigung der Sonne von ihrem Höchststand gehalten werden, aber es gibt einen beträchtlichen Spielraum zu seiner Zeit. Die Mehrheit der Kommentatoren sehen in dieser Formulierung die fünf obligatorischen Gebete, und einige schließen auch die freiwilligen Gebete ein. Ich glaube aber, dass diese Wort umfassender sind. Das Leben eines guten Menschen ist ein einziges Allahslob. (Juusuf `Allii)

Sei zu allen Zeit des Tagen mit Allah verbunden. Lobpreisung ist Verbindung mit Allah, und eine Seele, die auf diese Weise mit Allah verbunden ist, ist beruhigt und zufrieden. (Qutb)

300. Innere Zufriedenheit und Zuversicht sind die Frucht der Lobpreisung Allahs und der Verbundenheit mit Ihm. (Qutb)

Freude über die Gnadengeschenke, die wir von Allah erhalten. (Darjabadi)

Der arabische Originaltext lässt zwei Interpretationen zu:

1. Ertrage geduldig deine gegenwärtige Lage, wo du viel Unangenehmes um deines Auftrages willen hören muss, und finde dich mit der Entscheidung ab, dass deine Gegner zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht bestraft werden und dich weiterhin verfolgen und dabei rein äußerlich erfolgreich zu sein scheinen.

2. Erfülle weiterhin deine Aufgabe, denn dadurch erlangst du völlige Zufriedenheit. Die zweite Bedeutung wird gestützt durch Suura 17:79 und 43:4-5. (Maududi)

 

131. Und richte nicht deine Augen begehrlich auf das,301 was Wir manche Gruppen von ihnen302 genießen lassen vom Glanz des diesseitigen Lebens,303 um sie da durch zu prüfen. Doch die Versorgung deines Herrn304 ist besser und dauerhafter.305

301. Auch nicht in der Zukunft, wie du es bisher auch nicht getan hast. (Darjabadi)

Richte lieber dein Augenmerk auf deine Pflichten im Islam. (Qutb)

Es heißt “richte nicht deine Augen auf..." und nicht: “Du sollst nicht ansehen...", denn die Augen auf etwas zu richten ist meistens mit Verlangen verbunden, was beim bloßen Anschauen nicht der Fall ist. (Qutb)

302. Nämlich von den Kafirs. Der Sinn dahinter ist: trachte nicht nach dem Pomp und dem Wohlstand, den Wir einigen aus den Reihen der Kafirs in dieser Welt zuteil werden lassen. (Darjabadi)

303. Messe dem Glanz des Lebens kein Gewicht bei, denn er ist vergänglich. (Qurtubi)

Die Versuchung in Form von Reichtum und einem Leben im Überfluss drohte ständig aus dem Hinterhalt die dagegen ungewappneten Mu’mins in einem Überraschungsangriff zu überwältigen. Besonders gefährlich war dies für die ersten Muslime, weil sie ja in großer Not und Armut ihr Leben zu fristen hatten und die Verführung doppelt stark auf sie wirken musste. Umso angebrachter war daher diese Warnung. (Darjabadi)

Heute sind wir genauso schwach gegenüber den Kafirs, sie können uns wie einen Herde Schafe hin und her schupsen, und wenn sie wollen auch denen und jenen schlachten. (Anm. d. Überarbeiters)

304. Für sie im Jenseits. (Darjabadi)

Die guten Dinge in dieser Welt mögen recht ansehnlich sein, aber sie sind rein gar nichts im Vergleich mit dem Guten im Jenseits. Beides kommt von Allah. Doch die guten Dinge in dieser Welt werden den Ungerechten und den Gerechten gleichermaßen gewährt und zwar als Prüfung. Jedenfalls aber sind sie vergänglich. Das Gute im Jenseits wird dagegen eigens von Allah Seinen aufrichtigen Dienern zuteil und ist unvergleichlich viel wertvoller und ewigwährend. (Juusuf `Allii)

Das bedeutet, dass alles, was Allah einem Menschen zuteil werden lässt, Seiner Weisheit Allahs entspricht und deshalb ganz genau in Übereinstimmung mit dem Schicksal ist, das Allah dem betreffenden Menschen zugedacht hat. Andererseits könnte sich dieser Satz auch auf das zukünftige Leben beziehen und auf die spirituelle Versorgung, die die Rechtschaffenen dort erwarten. (Asad)

In anderen Worten: „Es steht dir (O Prophet Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm) und deinen Gefährten nicht an, dass ihr Neid empfindet auf die Reichtümer, die unredliche Menschen durch betrügerische Machenschaften zusammengehäuft haben. Für euch ist das Beste der auf ehrliche Weise und durch harte Arbeit erworbene Lebensunterhalt, selbst wenn er nicht gerade reichlich ausfällt. Das ist weitaus besser für die Mutaqis und Aufrichtigen, denn es bringt unvergänglichen Verdienst mit sich." (Maududi)

305. Dies soll keineswegs eine Aufforderung sein, der Welt zu entsagen. Vielmehr ist es ein Aufruf, mehr Stolz auf die soliden, dauerhaften Werte und auf die Verbindung zu Allah und die Zufriedenheit mit Ihm zu zeigen. (Qutb)

Das heißt zugleich auch: „Bringe deinen Nachkommen bei, dass ehrlich erworbener Unterhalt viel besser ist als das zu Unrecht erworbene Gut böser Menschen. Um das zu erreichen, solltest du sie dazu ermahnen, die vorgeschriebenen Gebete zu verrichten, denn das wird ihre Lebenseinstellung ändern ebenso wie ihre Wertmaßstäbe. Es wird sie dazu führen, dass sie sich mit dem rechtmäßigen und somit reinen Lebensunterhalt zufrieden geben und nach einem aufrichtigen Leben streben, anstatt sich für ein Leben in Sünde und Luxus zu entscheiden." (Maududi)
 

132. Und gebiete deinen Angehörigen das Gebet und sei selbst ausdauernd darin.306 Wir fordern keinen Unterhalt von dir,307 sondern Wir sind es, Die dir Unterhalt gewähren.308 Und das gute Ende ist der Erfolg der Taqwa.309

306. Die erste Pflicht eines muslimischen Mannes seinen Angehörigen gegenüber ist es, ihr Augenmerk auf das Gebet zu lenken, um gemeinsam in Verbindung mit Allah zu stehen. Denn welch ein zufriedenes Leben geht von einem Heim aus, dessen Bewohner allesamt mit Allah in Verbindung stehen. Es ist besonders wichtig, das Gebet vollkommen und regelmäßig zu verrichten und seinen Einfluss auf sich wirken zu lassen, denn das Gebet hält vom Bösen und Schändlichen ab. (Qutb)

307. Ein mutaqi Mensch sorgt sich nicht übermäßig um seinen Lebensunterhalt. Allah versorgt alle, Gerechte wie Ungerechte. Die besondere Versorgung, der wahre Lebensunterhalt, die geistigen Früchte sind für ein rechtschaffenes Leben in Allahs Dienst. (Juusuf `Allii)

„Wir verlangen nicht, dass du (für Uns) Unterhalt zur Verfügung stellst" - das heißt, Allah macht hier deutlich, dass Er das Gebet allein zum Nutzen des Menschen befohlen hat, denn Er selbst ist erhaben über alle Bedürfnisse und hat keinerlei Nutzen davon. Mit anderen Worten, das Gebet soll nicht als eine Art Tribut für einen “eifersüchtigen Allah" aufgefasst werden (wie das Alte Testament in seiner heute vorliegenden entstellten Form Ihn oft bezeichnet), sondern allein als geistiger Nutzen für den Menschen, der betet. (Asad)

308. Gebet, ’Ibadach und die Orientierung zu Allah sind deine Pflichten, die Allah keinen Gewinn bringen, denn Er bedarf des Dienstes Seiner Geschöpfe nicht, sondern der Mensch ist der Gewinner im Dies- und im Jenseits. Im Diesseits gelangt er durch das Gebet zu Ruhe und Zuversicht und im Jenseits wird der reichlich dafür belohnt. (Qutb)

Der Broterwerb soll dich nicht vom Gebet abhalten, denn euer Unterhalt obliegt uns. (Qurtubi)

Er ist derjenige, der alle versorgt. (Darjabadi)

309. Die Zukunft gehört den Mutaqis; wörtlich: “der Taqwa". (Asad)

Das Gebet dient deinem eigenen Allah, denn es schafft Taqwa in dir, die dir in diesem und im zukünftigen Leben wahren Erfolg bringt. (Maududi)

 

133. Und sie sagen:310 „Warum bringt er uns nicht ein Zeichen von seinem Herrn?"311 Sind denn nicht klare Beweise zu ihnen gekommen312 durch das, was bereits in früheren Blättern war?313

310. Einige der Kafirs. (Darjabadi)

Gegen Ende dieser Suura richtet sich die Ansprache an jene überheblichen Leugner, die sich nur den irdischen Genüssen ergeben haben. (Qutb)

311. Ein besonderes Wunder zur Bestätigung für seine Sendung. (Darjabadi)

Diese Forderung der Kafirs ist unaufrichtig. Mit dieser Offenbarung sind viele Zeichen gekommen. Wer jedoch an frühere Offenbarungen den Iman verinnerlichte, hätte schon von den darin befindlichen Zeichen überzeugt sein sollen. (Juusuf `Allii)

Hinter diesen Worten steckt nichts anderes als Verbohrtheit und Halsstarrigkeit. Sonst wäre ein einziger Aja des Qur’ans Zeichen genug. (Qutb)

Vergleiche auch Suura 6:109 und viele andere Beispiele, wo davon die Rede ist, dass die Wahrheitsleugner ihren Iman an die Botschaft des Qur’ans von greifbaren “Wundern" abhängig machen. (Asad)

312. Die Erfüllung früherer Verheißungen. (Darjabadi)

313. Bezüglich der Ankunft des letzten Propheten und der letzten heiligen Schrift. (Darjabadi)

Drückt nicht der Qur’an dieselben grundlegenden Wahrheiten aus wie die Offenbarungen, die frühere Propheten empfangen haben? Diese rhetorische Frage enthält darüber hinaus eine Anspielung auf die Vorhersage der Ankunft Muchammads, Allahs Segen und Frieden auf ihm, (in früheren heiligen Schrift, beispielsweise in Deuteronomium 18:15 und 18 und in Johannes 14:16; 15:26 und 16:7, wo Jesus von dem „Tröster" spricht, der nach ihm kommt. Vergleiche auch Suura 61:6 und die entsprechende Fußnote. (Asad)

Dies bedeutet, dass der Qur’an selbst ein großes Wunder ist, denn obwohl er von einem ungelehrten Menschen verkündet wurde, enthält er die Essenz der Lehren und der Rechtleitung aller früheren heiligen Schriften. Darüber hinaus macht er diese Lehren und diese Rechtleitung so klar verständlich, dass selbst der einfache Mensch der Wüste davon profitieren kann. (Maududi)

 

134. Und wenn Wir sie schon vordem durch eine Strafe vernichtet hätten,314 hätten sie gewiss gesagt: „O unser Herr! Warum hast du uns nicht einen Gesandten geschickt? Dann wären wir Deinen Zeichen ganz sicher gefolgt, bevor wir gedemütigt und in Schande gestürzt wurden."315

314. Vor der Sendung Muchammads (Allahs Friede sei mit ihm) und vor der Offenbarung des Qur’ans. (Qutb)

Wenn das im letzten Aja erwähnte Zeichen sie nicht überzeugen konnte, dann bedeutet das, dass sie ihrer eigenen Überzeugung nicht treu waren. Sie waren sich selbst gegenüber unaufrichtig. Gerechterweise hätten sie für ihre Unaufrichtigkeit bestraft werden müssen. Aber Allah gab ihnen noch eine Frist. Sie hätten auch wiederum im Kreis argumentiert, indem sie einen lebenden Propheten verlangt hätten. Diesen aber missachteten sie, weil sie ein Wunder fordern. Das Wunder wiederum ignorieren sie, weil sie einen lebenden Propheten verlangen! (Juusuf `Allii)

Vor der Offenbarung des Qur’an. (Darjabadi)

315. Vergleiche Suura 6:131; 15:4 oder 26:208-209, wo betont wird, dass Allah niemals einen Menschen für einen Fehler bestraft, den dieser aus Unwissenheit begangen hat, das heißt ohne es ihm vorher zu ermöglichen, von Seiner Rechtleitung Gebrauch zu machen. (Asad)

Dies würden sie am Tage des Gerichts sagen. (Qurtubi)

Mit diesem Wort will Allah klarmachen, dass niemand nach der Sendung der Propheten Muchammad, Allahs Segen und Frieden auf ihm, und der Offenbarung der Schriften eine Entschuldigung oder einen Vorwand besitzt. (Safwat Al-Tafasir)

 

135. Sprich: „Ein jeder wartet ab.316 So wartet also.317 Bald schon werdet ihr wissen,318 wer die Beschreiter des geraden Weges sind und wer sich rechtleiten ließ."319

316. Sprich zu denen, die sich widersetzen und auf ihrem Kufr beharren. (ibn Kasir)

Das heißt die menschliche Natur ist so gestaltet, dass kein Mensch, was auch immer seine Überzeugung oder seine Situation sein mag, jemals aufhören kann zu hoffen, dass der von ihm eingeschlagene Weg sich als der richtige erweist. (Asad)

317. Die Mu’mins wie auch die Kafirs warten darauf, wer von den Schicksalsschlägen getroffen wird und wer den Sieg davonträgt. (Qurtubi)

Nach der Übermittlung der Botschaft bleibt nichts anderes übrig, als auf die Folgen zu warten. (Qutb)

Wenn Menschen sich selbst gegenüber nicht aufrichtig sind, was für Argumente bleiben dann? Der Mutaqi kann dann nur sagen: „Lasst uns das Ergebnis abwarten. Mein Iman sagt mir, dass Allahs Wahrheit sich durchsetzen wird." Vergleiche auch Suura 9:52.

(Juusuf `Allii)

318. Am Tage der Auferstehung. (Anm. d. Übers.)

319. Vergleiche Suura 19:43. Der gerade und ebene Weg führt zum Ziel und zeigt, dass der Mensch, der ihm folgt, wahre Rechtleitung erhalten hat. Aller Trug und alle Undurchsichtigkeit muss letztendlich vergehen.

(Juusuf `Allii)

Durch den errungenen Sieg werdet ihr feststellen, wer von uns den richtigen Diin gefolgt ist und den Weg zum Paradies gefunden hat. (Qurtubi)